Olympische Sommerspiele 1972/Leichtathletik – 800 m (Frauen)

Der 800-Meter-Lauf der Frauen bei den Olympischen Spielen 1972 in München wurde am 31. August, 1. und 3. September 1972 im Olympiastadion München ausgetragen. 38 Athletinnen nahmen teil.

Olympische Ringe
2014 Olympiastadion Munich.jpg
Sportart Leichtathletik
Disziplin 800-Meter-Lauf
Geschlecht Frauen
Teilnehmer 38 Athletinnen aus 28 Ländern
Wettkampfort Olympiastadion München
Wettkampfphase 31. August 1972 (Vorläufe)
1. September 1972 (Halbfinale)
3. September 1972 (Finale)
Medaillengewinnerinnen
Goldmedaille Hildegard Falck (Deutschland BRBR Deutschland FRG)
Silbermedaille Nijolė Sabaitė (Sowjetunion 1955Sowjetunion URS)
Bronzemedaille Gunhild Hoffmeister (Deutschland Demokratische Republik 1949DDR DDR)

Olympiasiegerin wurde Hildegard Falck aus der Bundesrepublik Deutschland. Sie gewann vor Nijolė Sabaitė aus der Sowjetunion und Gunhild Hoffmeister, DDR.

Für die Bundesrepublik Deutschland – offiziell Deutschland – starteten neben der Siegerin Falck auch Sylvia Schenk und Gisela Ellenberger. Beide schieden im Halbfinale aus.
Neben der Medaillengewinnerin Hoffmeister ging für die DDR Maritta Politz an den Start, die im Vorlauf scheiterte.
Die Österreicherin Maria Sykora qualifizierte sich für das Halbfinale und schied dort aus.
Die Schweiz wurde durch Elisabeth Neuenschwander vertreten, die ebenfalls im Vorlauf ausschied.
Läuferinnen aus Liechtenstein nahmen nicht teil.

Bestehende RekordeBearbeiten

Weltrekord 1:58,5 min Hildegard Falck (Deutschland BR  BR Deutschland) Stuttgart, BR Deutschland (heute Deutschland) 11. Juli 1971[1]
Olympischer Rekord 2:00,9 min Madeline Manning (Vereinigte Staaten  USA) Finale von Mexiko-Stadt, Mexiko 19. Oktober 1968

Durchführung des WettbewerbsBearbeiten

Die Athletinnen traten am 31. August zu fünf Vorläufen an. Die jeweils drei Laufbesten sowie die nachfolgend Zeitschnellste erreichten das Halbfinale am 1. September. Aus den Vorentscheidungen qualifizierten sich die jeweils vier Laufbesten für das Finale am 3. September.

ZeitplanBearbeiten

31. August, 16.45 Uhr: Vorläufe

1. September, 17.40 Uhr: Halbfinale

3. September, 18.00 Uhr: Finale[2]

Die direkt qualifizierten Athletinnen sind hellblau, die übrigen hellgrün unterlegt.

VorrundeBearbeiten

Datum: 31. August 1972, ab 16.45 Uhr[3]

Vorlauf 1Bearbeiten

Platz Name Nation Zeit Anmerkung
1 Hildegard Falck Deutschland BR  BR Deutschland 2:01,52 min
2 Madeline Manning Vereinigte Staaten  USA 2:02,63 min
3 Cheryl Peasley Australien  Australien 2:03,11 min
4 Mary Tracey Irland  Irland 2:04,18 min
5 Martine Duvivier Frankreich  Frankreich 2:04,87 min
6 Donata Govoni Italien  Italien 2:05,24 min
7 Elisabeth Neuenschwander Schweiz  Schweiz 2:06,89 min
DNS Arda Kalpakian Libanon  Libanon

Vorlauf 2Bearbeiten

Platz Name Nation Zeit Anmerkung
1 Swetla Slatewa Bulgarien 1971  Bulgarien 1:58,93 min OR
2 Vera Nikolić Jugoslawien  Jugoslawien 1:59,62 min
3 Sylvia Schenk Deutschland BR  BR Deutschland 2:02,22 min
4 Elżbieta Skowrońska Polen 1944  Polen 2:03,26 min
5 Jennifer Orr Australien  Australien 2:04,46 min
6 Cheryl Toussaint Vereinigte Staaten  USA 2:08,90 min
7 Claire Walsh Irland  Irland 2:08,98 min
8 Heather Gooding Barbados  Barbados 2:19,69 min

Vorlauf 3Bearbeiten

Platz Name Nation Zeit Anmerkung
1 Nijolė Sabaitė Sowjetunion 1955  Sowjetunion 2:01,50 min
2 Abby Hoffman Kanada  Kanada 2:01,57 min
3 Maria Sykora Osterreich  Österreich 2:01,82 min
4 Gisela Ellenberger Deutschland BR  BR Deutschland 2:01,92 min
5 Maritta Politz Deutschland Demokratische Republik 1949  DDR 2:02,40 min
6 Margaret Coomber Vereinigtes Konigreich  Großbritannien 2:02,99 min
7 Emesia Chizunga Malawi 1964  Malawi 2:19,22 min
DNF Malak El-Nasser Syrien 1972  Syrien

Malak El-Nasser war die erste syrische Frau, die bei Olympischen Spielen startete. Zugleich war sie die erste Sportlerin aus Syrien, die an olympischen Leichtathletikwettbewerben teilnahm.

Vorlauf 4Bearbeiten

Platz Name Nation Zeit Anmerkung
1 Ileana Silai Rumänien 1965  Rumänien 2:01,42 min
2 Annelise Damm Olesen Danemark  Dänemark 2:01,77 min
3 Magdolna Kulcsár Ungarn 1957  Ungarn 2:02,35 min
4 Pat Cropper Vereinigtes Konigreich  Großbritannien 2:03,55 min
5 Wasilena Amzina Bulgarien 1971  Bulgarien 2:05,92 min
6 Marleen Verheuen Belgien  Belgien 2:09,13 min
7 Raissa Ruus Sowjetunion 1955  Sowjetunion 2:11,18 min
8 Lee Chiu-hsia Taiwan  Taiwan 2:11,81 min

Vorlauf 5Bearbeiten

Platz Name Nation Zeit Anmerkung
1 Nina Morgunowa Sowjetunion 1955  Sowjetunion 2:02,64 min
2 Gunhild Hoffmeister Deutschland Demokratische Republik 1949  DDR 2:03,15 min
3 Rosemary Stirling Vereinigtes Konigreich  Großbritannien 2:03,64 min
4 Sue Haden Neuseeland  Neuseeland 2:04,86 min
5 Chereno Maiyo Kenia  Kenia 2:04,86 min
6 Wendy Koenig Vereinigte Staaten  USA 2:08,71 min
7 Malika Hadky Marokko  Marokko 2:12,46 min

HalbfinaleBearbeiten

Datum: 1. September 1972, ab 17.40 Uhr[3]

Lauf 1Bearbeiten

Platz Name Nation Zeit Anmerkung
1 Nijolė Sabaitė Sowjetunion 1955  Sowjetunion 2:00,90 min
2 Gunhild Hoffmeister Deutschland Demokratische Republik 1949  DDR 2:01,21 min
3 Abby Hoffman Kanada  Kanada 2:01,37 min
4 Vera Nikolić Jugoslawien  Jugoslawien 2:01,49 min
5 Sylvia Schenk Deutschland BR  BR Deutschland 2:01,50 min
6 Annelise Damm Olesen Danemark  Dänemark 2:04,19 min
7 Cheryl Peasley Australien  Australien 2:04,56 min
DNS Magdolna Kulcsár Ungarn 1957  Ungarn

Lauf 2Bearbeiten

Platz Name Nation Zeit Anmerkung
1 Hildegard Falck Deutschland BR  BR Deutschland 2:01,41 min
2 Swetla Slatewa Bulgarien 1971  Bulgarien 2:01,66 min
3 Ileana Silai Rumänien 1965  Rumänien 2:01,85 min
4 Rosemary Stirling Vereinigtes Konigreich  Großbritannien 2:02,36 min
5 Madeline Manning Vereinigte Staaten  USA 2:02,39 min
6 Maria Sykora Osterreich  Österreich 2:02,44 min
7 Gisela Ellenberger Deutschland BR  BR Deutschland 2:02,97 min
8 Nina Morgunowa Sowjetunion 1955  Sowjetunion 2:04,93 min

FinaleBearbeiten

Platz Name Nation Zeit Anmerkung
1 Hildegard Falck Deutschland BR  BR Deutschland 1:58,55 min OR
2 Nijolė Sabaitė Sowjetunion 1955  Sowjetunion 1:58,65 min
3 Gunhild Hoffmeister Deutschland Demokratische Republik 1949  DDR 1:59,16 min
4 Swetla Slatewa Bulgarien 1971  Bulgarien 1:59,72 min
5 Vera Nikolić Jugoslawien  Jugoslawien 1:59,98 min
6 Ileana Silai Rumänien 1965  Rumänien 2:00,04 min
7 Rosemary Stirling Vereinigtes Konigreich  Großbritannien 2:00,15 min
8 Abby Hoffman Kanada  Kanada 2:00,17 min

Datum: 3. September 1972, 18.00 Uhr[3]

Die bundesdeutsche Weltrekordlerin Hildegard Falck, die als erste Frau auf dieser Distanz im Vorjahr unter zwei Minuten geblieben war, hatte eine bislang wenig erfolgreich verlaufende Saison hinter sich. In Vergleichen mit internationalen Spitzenathletinnen war sie stets unterlegen und sogar bei den Deutschen Meisterschaften hatte sie sich mit Platz zwei zufriedengeben müssen. Bereits in den Vorläufen hier in München wurden reihenweise Topzeiten erzielt, sogar die 2-Minuten-Marke wurde von der Bulgarin Swetla Slatewa, die dabei einen neuen olympischen Rekord aufstellte, deutlich unterboten. Allerdings machte Falck in den Vor- und Zwischenläufen einen starken Eindruck, so besiegte sie im Halbfinale u. a. auch Slatewa. Hoch eingeschätzt wurden außerdem die Europameisterin von 1971 Vera Nikolić aus Jugoslawien, Gunhild Hoffmeister aus der DDR, Vizeeuropameisterin über 1500 Meter, sowie die sowjetische Läuferin Nijolė Sabaitė.

Im Finale übernahmen Nikolić, Slatewa und die Rumänin Ileana Silai, Olympiazweite von 1968, die Führung, das Tempo war hoch, die 400-Meter-Zwischenzeit betrug 58,31 Sekunden. Im Windschatten der drei Führenden liefen Falck, Hoffmeister und Sabaitė. So blieb es mit knappen Abständen bis in die Zielkurve hinein. Etwa 130 Meter vor dem Ziel zog Falck das Tempo deutlich an und ging außen an ihren Konkurrentinnen bei, die nun auch noch Sabaitė und Hoffmeister passieren lassen mussten. Auf der Zielgeraden kam Sabaitė noch einmal stark auf, doch Hildegard Falck konnte den Olympiasieg knapp über die Ziellinie bringen und stellte mit 1:58,55 min einen neuen olympischen Rekord auf. Nijolė Sabaitė wurde mit einer Zehntelsekunde Rückstand Zweite. Gunhild Hoffmeister gewann eine weitere halbe Sekunde dahinter die Bronzemedaille vor Swetla Slatewa und Vera Nikolić. Diese fünf Läuferinnen unterboten die 2-Minuten-Marke.[4]

Hildegard Falck wurde die erste bundesdeutsche Olympiasiegerin über 800 Meter.

Gunhild Hoffmeister war die erste DDR-Athletin, die in dieser Disziplin eine Medaille gewann.

Allerdings hatten zuvor Lina Radke, Olympiasiegerin 1928, sowie Ursula Donath, Bronzemedaillengewinnerin 1960, als Starterinnen für eine gesamtdeutsche Mannschaft Medaillen gewonnen.

LiteraturBearbeiten

VideoBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. IAAF Statistics Handbook, Berlin 2009 Seite 642 (engl.) (Memento vom 29. Juni 2011 im Internet Archive), abgerufen am 6. Dezember 2017
  2. Offizieller Bericht, Band 3 "The competitions" (Memento des Originals vom 27. September 2007 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.la84foundation.org, S. 43, englisch/französisch/deutsch (PDF, 28 MB), abgerufen am 6. Dezember 2017
  3. a b c Offizieller Bericht, Band 3 "The competitions" (Memento des Originals vom 27. September 2007 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.la84foundation.org, S. 67, englisch/französisch/deutsch (PDF, 28 MB), abgerufen am 6. Dezember 2017
  4. SportsReference (engl.), abgerufen am 6. Dezember 2017