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Olympische Sommerspiele 1972/Leichtathletik – 100 m Hürden (Frauen)

Der 100-Meter-Hürdenlauf der Frauen bei den Olympischen Spielen 1972 in München wurde am 4., 7. und 8. September 1972 im Münchner Olympiastadion ausgetragen. 25 Athletinnen nahmen daran teil. Der 100-Meter-Hürdenlauf ersetzte den 80-Meter-Hürdenlauf, der von 1932 bis 1968 ausgetragen worden war.

Olympische Ringe
2014 Olympiastadion Munich.jpg
Sportart Leichtathletik
Disziplin 100-Meter-Hürdenlauf
Geschlecht Frauen
Teilnehmer 25 Athletinnen aus 15 Ländern
Wettkampfort Olympiastadion München
Wettkampfphase 4. September 1972 (Vorläufe)
7. September 1972 (Halbfinale)
8. September 1972 (Finale)
Medaillengewinnerinnen
Goldmedaille Annelie Ehrhardt (Deutschland Demokratische Republik 1949DDR GDR)
Silbermedaille Valeria Bufanu (Rumänien 1952Rumänien ROM)
Bronzemedaille Karin Balzer (Deutschland Demokratische Republik 1949DDR GDR)

Erste Olympiasiegerin über die neue Distanz wurde Annelie Ehrhardt aus der DDR. Sie gewann in Weltrekordzeit vor der Rumänin Valeria Bufanu und der DDR-Läuferin Karin Balzer.

Für die BR Deutschland – offiziell Deutschland – starteten Margit Bach und Heidi Schüller. Beide schieden im Halbfinale aus.
Neben den Medaillengewinnerinnen startete auch Annerose Krumpholz für die DDR – offiziell DDR. Auch sie erreichte das Finale und belegte dort Platz sieben.
Die Schweizerin Meta Antenen erreichte das Halbfinale, konnte das Rennen dort jedoch nicht beenden.
Läuferinnen aus Österreich und Liechtenstein nahmen nicht teil.

Inhaltsverzeichnis

Bestehende RekordeBearbeiten

Weltrekord 12,5 s Annelie Ehrhardt (Deutschland Demokratische Republik 1949  DDR) Potsdam, DDR (heute Deutschland) 15. Juli 1972[1]
Olympischer Rekord Einen olympischen Rekord gab es für die 100 Meter Hürden noch nicht, da dieser Wettbewerb in München erstmals ausgetragen wurde.

Durchführung des WettbewerbsBearbeiten

Die Athletinnen traten am 4. September zu vier Vorläufen an. Die jeweils vier Laufbesten erreichten das Halbfinale am 7. September. Daraus qualifizierten sich die jeweils vier Laufbesten für das Finale, das am 8. September stattfand.

ZeitplanBearbeiten

4. September, 10.00 Uhr: Vorläufe
7. September, 16.15 Uhr: Halbfinale
8. September, 16.00 Uhr: Finale[2]

Die qualifizierten Athletinnen sind hellblau unterlegt.

VorrundeBearbeiten

Datum: 4. September 1972, ab 10.00 Uhr[3]

Vorlauf 1Bearbeiten

Wind: 0,0 m/s

Platz Name Nation Zeit Anmerkung
1 Annelie Ehrhardt Deutschland Demokratische Republik 1949  DDR 12,70 s erster OR
2 Pam Ryan Australien  Australien 12,93 s
3 Teresa Nowak Polen 1944  Polen 13,16 s
4 Esther Shachamorov Israel  Israel 13,17 s
5 Judy Vernon Vereinigtes Konigreich  Großbritannien 13,37 s
6 Lucilia Salao Philippinen 1944  Philippinen 15,15 s
DNS Edith Noeding Peru  Peru

Vorlauf 2Bearbeiten

Wind: - 0,6 m/s

Platz Name Nation Zeit Anmerkung
1 Valeria Bufanu Rumänien 1965  Rumänien 12,94 s
2 Danuta Straszyńska Polen 1944  Polen 13,03 s
3 Margit Bach Deutschland BR  BR Deutschland 13,46 s
4 Leahseneth O’Neal Vereinigte Staaten  USA 13,78 s
5 Brenda Matthews Neuseeland  Neuseeland 13,81 s
6 Penny Gillies Australien  Australien 13,82 s

Vorlauf 3Bearbeiten

 
Annerose Krumpholz aus der DDR – vorne im Bild – erreichte Platz sieben

Wind: 0,0 m/s

Platz Name Nation Zeit Anmerkung
1 Grażyna Rabsztyn Polen 1944  Polen 13,29 s
2 Annerose Krumpholz Deutschland Demokratische Republik 1949  DDR 13,31 s
2 Mamie Rallins Vereinigte Staaten  USA 13,51 s
4 Meta Antenen Schweiz  Schweiz 13,61 s
5 Maureen Caird Australien  Australien 13,63 s
6 Margaret Murphy Irland  Irland 15,89 s
DNS Mary Peters Vereinigtes Konigreich  Großbritannien

Vorlauf 4Bearbeiten

Wind: + 0,2 m/s

Platz Name Nation Zeit Anmerkung
1 Karin Balzer Deutschland Demokratische Republik 1949  DDR 13,10 s
2 Patty Johnson Vereinigte Staaten  USA 13,28 s
3 Jacqueline André Frankreich  Frankreich 13,33 s
4 Heidi Schüller Deutschland BR  BR Deutschland 13,50 s
5 Ann Wilson Vereinigtes Konigreich  Großbritannien 13,53 s
6 Gunhild Olsson Schweden  Schweden 14,37 s
7 Emilia Edet Nigeria  Nigeria 14,67 s

HalbfinaleBearbeiten

Datum: 7. September 1972, ab 16.15 Uhr[3]

Lauf 1Bearbeiten

 
DDR-Läuferin Karin Balzer gewann nach ihrem Olympiasieg 1964 über 80 Meter Hürden noch einmal eine Bronzemedaille auf der neuen Strecke

Wind: 0,0 m/s

Platz Name Nation Zeit Anmerkung
1 Valeria Bufanu Rumänien 1965  Rumänien 12,84 s
2 Pam Ryan Australien  Australien 12,95 s
3 Karin Balzer Deutschland Demokratische Republik 1949  DDR 12,97 s
4 Teresa Nowak Polen 1944  Polen 13,10 s
5 Patty Johnson Vereinigte Staaten  USA 13,26 s
6 Margit Bach Deutschland BR  BR Deutschland 13,31 s
7 Mamie Rallins Vereinigte Staaten  USA 13,76 s
DNF Meta Antenen Schweiz  Schweiz

Lauf 2Bearbeiten

Wind: + 0,5 m/s

Platz Name Nation Zeit Anmerkung
1 Annelie Ehrhardt Deutschland Demokratische Republik 1949  DDR 12,73 s
2 Danuta Straszyńska Polen 1944  Polen 12,91 s
3 Annerose Krumpholz Deutschland Demokratische Republik 1949  DDR 13,24 s
4 Grażyna Rabsztyn Polen 1944  Polen 13,24 s
5 Jacqueline André Frankreich  Frankreich 13,30 s
6 Heidi Schüller Deutschland BR  BR Deutschland 13,33 s
7 Leahseneth O’Neal Vereinigte Staaten  USA 13,89 s
DNS Esther Shachamorov Israel  Israel

Die für das Halbfinale qualifizierte Israelin Esther Shachamorov trat auf Grund des Terrorattentats vom 5. September, bei dem elf ihrer Mannschaftskameraden, unter ihnen ihr Trainer Amitzur Schapira, ermordet wurden, nicht an.

FinaleBearbeiten

 
Olympiasiegerin Annelie Ehrhardt, DDR
Platz Name Nation Zeit Anmerkung
1 Annelie Ehrhardt Deutschland Demokratische Republik 1949  DDR 12,59 s WRel / OR
2 Valeria Bufanu Rumänien 1965  Rumänien 12,84 s
3 Karin Balzer Deutschland Demokratische Republik 1949  DDR 12,90 s
4 Pam Ryan Australien  Australien 12,98 s
5 Teresa Nowak Polen 1944  Polen 13,17 s
6 Danuta Straszyńska Polen 1944  Polen 13,18 s
7 Annerose Krumpholz Deutschland Demokratische Republik 1949  DDR 13,27 s
8 Grażyna Rabsztyn Polen 1944  Polen 13,44 s

Datum: 8. September 1972, 16.00 Uhr[4]

Wind: - 0,6 m/s

Klar favorisiert war die DDR-Läuferin Annelie Ehrhardt, die ihre nationalen Duelle mit der Olympiasiegerin über 80 Meter Hürden Karin Balzer im Olympiajahr immer für sich entscheiden konnte und die mit 12,5 s Weltmaßstäbe auf dieser neuen Strecke gesetzt hatte. Für die weiteren Medaillen gab es zahlreiche Anwärterinnen. Dazu gehörten Karin Balzer Europameisterin 1971, und die Australierin Pamela Ryan – diese beiden Läuferinnen erreichten zum dritten Mal in Folge ein olympisches Finale. Maureen Caird, Gewinnerin über 80-m-Hürden 1968, scheiterte bereits im Vorlauf. Die Taiwanerin Chi Cheng trat verletzungsbedingt in München nicht an.

Ehrhardt beherrschte das Finalrennen von Beginn an, wie sie wollte. Mit zweieinhalb Metern Vorsprung auf die Rumänin Valeria Bufanu wurde Annelie Ehrhardt, geboren als Annelie Jahns, ungefährdete Olympiasiegerin. Die Bronzemedaille gewann Karin Balzer, die nach diesem Erfolg ihre Karriere beendete, Pamela Ryan wurde Vierte.[5]

Mit ihren 12,59 s stellte Annelie Ehrhardt im Finale einen neuen olympischen Rekord auf. Die getrennte Zählung von Leistungen, die auf der alleinigen Grundlage einer elektronischen Zeitmessung zustande kamen, begann damals erst und es gab ein gewisses Durcheinander bzgl. der Frage nach der Einordnung einer Leistung als Weltrekord. Offiziell lag dieser Weltrekord bei 12,5 s, denn bei Rekorden wurde offiziell noch auf Zehntelsekunden gerundet und handgestoppte Zeiten wurden damals noch als rekordfähig zugelassen. Allerdings wurde Ehrhardts hier erzielte Leistung in den Listen ab 1977[6], die nur noch rein elektronisch gemessene Zeiten zuließ, als Weltrekord geführt, der bis 1978 Bestand hatte. Vorher lief sie am 22. Juli 1973 in Dresden noch handgestoppte 12,3 s.[7]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. IAAF Statistics Handbook, Berlin 2009 Seite 643 (engl.) (Memento vom 29. Juni 2011 im Internet Archive)
  2. Offizieller Bericht, Band 3 "The competitions", S. 43, englisch/französisch/deutsch (PDF, 28 MB), abgerufen am 7. Dezember 2017
  3. a b Offizieller Bericht, Band 3 "The competitions", S. 68, englisch/französisch/deutsch (PDF, 28 MB), abgerufen am 7. Dezember 2017
  4. Offizieller Bericht, Band 3 "The competitions", S. 69, englisch/französisch/deutsch (PDF, 28 MB), abgerufen am 7. Dezember 2017
  5. SportsReference (engl.), abgerufen am 7. Dezember 2017
  6. Leichtathletik-Rekorde auf rekorde-im-sport.de, abgerufen am 7. Dezember 2017
  7. IAAF Weltrekorde, 100 m Hürden Frauen auf rekorde-im-sport.de, abgerufen am 7. Dezember 2017