Hauptmenü öffnen

Olympische Sommerspiele 1972/Leichtathletik – Kugelstoßen (Frauen)

Das Kugelstoßen der Frauen bei den Olympischen Spielen 1972 in München wurde am 4. und 7. September 1972 im Olympiastadion München ausgetragen. 18 Athletinnen nahmen teil.

Olympische Ringe
2014 Olympiastadion Munich.jpg
Sportart Leichtathletik
Disziplin Kugelstoßen
Geschlecht Frauen
Teilnehmer 18 Athletinnen aus 11 Ländern
Wettkampfort Olympiastadion München
Wettkampfphase 4. September 1972 (Qualifikation)
7. September 1972 (Finale)
Medaillengewinnerinnen
Goldmedaille Nadeschda Tschischowa (Sowjetunion 1955Sowjetunion URS)
Silbermedaille Margitta Gummel (Deutschland Demokratische Republik 1949DDR GDR)
Bronzemedaille Iwanka Christowa (Bulgarien 1967Bulgarien BGR-1967)

Olympiasiegerin wurde Nadeschda Tschischowa aus der Sowjetunion, die einen neuen Weltrekord aufstellte. Die Silbermedaille gewann Margitta Gummel aus der DDR, Bronze ging an die Bulgarin Iwanka Christowa.

Neben der Silbermedaillengewinnerin starteten für die DDR – offiziell DDR – außerdem Marianne Adam und Marita Lange. Beide erreichten das Finale. Adam wurde Fünfte, Lange Sechste.
Athletinnen aus der BR Deutschland – offiziell Deutschland, der Schweiz, Österreich und Liechtenstein nahmen nicht teil.

Inhaltsverzeichnis

Bestehende RekordeBearbeiten

Weltrekord 20,63 m Nadeschda Tschischowa (Sowjetunion 1955  Sowjetunion) Sotschi, Sowjetunion (heute Russland) 19. Mai 1972[1]
Olympischer Rekord 19,61 m Margitta Gummel (Deutschland Demokratische Republik 1949  DDR) Finale von Mexiko-Stadt, Mexiko 20. Oktober 1968

Durchführung des WettbewerbsBearbeiten

Die Athletinnen traten am 4. September zu einer Qualifikationsrunde an. Die Qualifikationsweite zum direkten Einzug ins Finale am 7. September betrug 16,20 m. Da mehr als zwölf Athletinnen diese Weite erreichten, wurde das Finalfeld nicht weiter aufgefüllt.
Im Finale hatte jede Athletin zunächst drei Versuche. Den besten acht Teilnehmerinnen standen anschließend weitere drei Versuche zur Verfügung.

ZeitplanBearbeiten

4. September, 10.30 Uhr: Qualifikation
7. September, 16.30 Uhr: Finale[2]

Die direkt qualifizierten Athletinnen sind hellblau, die nachfolgenden Athletinnen hellgrün unterlegt.

QualifikationBearbeiten

Datum: 4. September 1972, 10.30 Uhr[3]

Platz Name Nation 1. Versuch 2. Versuch 3. Versuch Weite Anmerkung
1 Iwanka Christowa Bulgarien 1967  Bulgarien 19,20 m - - 19,20 m
2 Marianne Adam Deutschland Demokratische Republik 1949  DDR 19,11 m - - 19,11 m
3 Margitta Gummel Deutschland Demokratische Republik 1949  DDR 18,82 m - - 18,82 m
4 Helena Fibingerová Tschechoslowakei  Tschechoslowakei 18,66 m - - 18,66 m
5 Nadeschda Tschischowa Sowjetunion 1955  Sowjetunion 18,54 m - - 18,54 m
6 Marita Lange Deutschland Demokratische Republik 1949  DDR 18,16 m - - 18,16 m
7 Antonina Iwanowa Sowjetunion 1955  Sowjetunion 17,87 m - - 17,87 m
8 Radostina Wasekowa Bulgarien 1967  Bulgarien 17,78 m - - 17,78 m
9 Elena Stojanowa Bulgarien 1967  Bulgarien 17,70 m - - 17,70 m
10 Ludwika Chewińska Polen 1944  Polen 17,40 m - - 17,40 m
11 Esfir Dolschenko Sowjetunion 1955  Sowjetunion 17,18 m - - 17,18 m
12 Walentina Cioltan Rumänien 1965  Rumänien 16,85 m 17,15 m 16,69 m 16,85 m
13 Judit Bognár Ungarn 1957  Ungarn 16,52 m - - 16,85 m
14 Maren Seidler Vereinigte Staaten  USA 15,63 m 16,05 m 16,18 m 16,18 m
15 Baeg Ok-ja Korea Sud  Südkorea x 15,78 m x 15,78 m
16 Jan Svendsen Vereinigte Staaten  USA 14,48 m x 14,96 m 14,96 m
17 Rosa Molina Chile  Chile 14,59 m 14,61 m 14,41 m 14,61 m
18 Nnenna Njoku Nigeria  Nigeria 10,63 m 10,40 m 9,06 m 10,63 m

FinaleBearbeiten

Datum: 7. September 1972, 16.30 Uhr[3]

Die sowjetische Bronzemedaillengewinnerin von 1968 Nadeschda Tschischowa galt als Toppfavoritin für diesen Wettkampf. Sie hatte den Weltrekord auf deutlich über zwanzig Meter verbessert und war Im Vorjahr überlegene Europameisterin geworden. Die beiden DDR-Athletinnen Margitta Gummel, Olympiasiegerin von 1968 und EM-Dritte 1971 sowie Marita Lange, Silbermedaillengewinnerin von 1968 und Vize-Europameisterin 1971, waren ihre größten Konkurrentinnen. Weitere Medaillenanwärterinnen waren die Bulgarin Iwanka Christowa, die sich in der Olympiasaison erheblich verbessert hatte, Marianne Adam aus der DDR sowie die beiden sowjetischen Athletinnen Antonina Iwanowa und Esfir Dolschenko.

Dreizehn Athletinnen hatten dieses Finale erreicht. Alle kamen aus osteuropäischen Ländern. Die drei gestarteten Athletinnen aus der Sowjetunion, die drei Teilnehmerinnen aus der DDR und auch die drei Bulgarinnen hatten sich komplett qualifiziert. Hinzu kamen jeweils eine Polin, eine Tschechoslowakin, eine Ungarin sowie eine Rumänin.

Tschischowa begann den Wettkampf gleich mit einem neuen Weltrekord. Als erste Frau überhaupt übertraf sie die 21-Meter-Marke. Hinter ihr lagen die Bulgarin Iwanka Christowa und die DDR-Athletin Marianne Adam. Im zweiten Versuch verbesserten sich Esfir Dolschenko aus der UdSSR auf Rang drei und Gummel auf Rang vier. Im dritten Durchgang setzte sich Gummel auf den zweiten und verdrängte Christowa auf den dritten Platz. Im vierten Versuch erbrachte Gummel schließlich ihre Bestleistung von 20,22 m. So waren die Medaillen verteilt: Olympiasiegerin wurde unangefochten Nadeschda Tschischowa, die auch mit ihrer zweit- und drittbesten Weite diesen Wettkampf gewonnen hätte. Margitta Gummel errang die Silbermedaille, Bronze ging an Iwanka Christowa.[4]

Die Abstände auf den vorderen Platzierungen waren enorm. Nadeschda Tschischowa stieß als einzige Frau über 21 Meter, Margitta Gummel neben Tschischowa als einzige über 20 Meter. Iwanka Christowa lag weitere 87 Zentimeter zurück. Dahinter wurden die Abstände dann enger.

Iwanka Christowa gewann die erste bulgarische Medaille im Kugelstoßen der Frauen.

Platz Name Nation 1. Versuch 2. Versuch 3. Versuch 4. Versuch 5. Versuch 6. Versuch Endresultat Anmerkung
1 Nadeschda Tschischowa Sowjetunion 1955  Sowjetunion 21,03 m WR 20,36 m 20,58 m 19,97 m x x 21,03 m WR
2 Margitta Gummel Deutschland Demokratische Republik 1949  DDR 18,46 m 18,83 m 19,55 m 20,22 m 19,53 m x 20,22 m
3 Iwanka Christowa Bulgarien 1967  Bulgarien 19,35 m x 19,22 m x 18,82 m 18,95 m 19,35 m
4 Esfir Dolschenko Sowjetunion 1955  Sowjetunion 18,43 m 19,24 m x 18,74 m x x 19,24 m
5 Marianne Adam Deutschland Demokratische Republik 1949  DDR 18,75 m x 18,58 m 18,94 m 18,91 m 18,71 m 18,94 m
6 Marita Lange Deutschland Demokratische Republik 1949  DDR x 18,46 m 18,29 m 18,85 m 18,38 m 18,71 m 18,85 m
7 Helena Fibingerová Tschechoslowakei  Tschechoslowakei 18,62 m x x 18,59 m 18,81 m x 18,81 m
8 Elena Stojanowa Bulgarien 1967  Bulgarien 18,24 m 17,75 m 18,34 m x 17,55 m x 18,34 m
9 Antonina Iwanowa Sowjetunion 1955  Sowjetunion 18,28 m 17,99 m 17,98 m nicht im Finale der
besten acht Athletinnen
18,28 m
10 Ludwika Chewińska Polen 1944  Polen 17,71 m 18,24 m 17,73 m 18,24 m
11 Judit Bognár Ungarn 1957  Ungarn 17,93 m 17,97 m 18,23 m 18,23 m
12 Radostina Wasekowa Bulgarien 1967  Bulgarien 17,86 m 17,48 m 17,52 m 17,86 m
13 Walentina Cioltan Rumänien 1965  Rumänien 16,37 m 16,62 m x 16,62 m

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. IAAF Statistics Handbook, Berlin 2009 Seite 647 (engl.) (Memento vom 29. Juni 2011 im Internet Archive), abgerufen am 8. Dezember 2017
  2. Offizieller Bericht, Band 3 "The competitions", S. 43, englisch/französisch/deutsch (PDF, 28 MB), abgerufen am 8. Dezember 2017
  3. a b Offizieller Bericht, Band 3 "The competitions", S. 72, englisch/französisch/deutsch (PDF, 28 MB), abgerufen am 8. Dezember 2017
  4. SportsReference (engl.), abgerufen am 8. Dezember 2017