Olympische Sommerspiele 1972/Leichtathletik – Diskuswurf (Frauen)

Der Diskuswurf der Frauen bei den Olympischen Spielen 1972 in München wurde am 9. und 10. September 1972 im Olympiastadion München ausgetragen. Siebzehn Athletinnen nahmen teil.

Olympische Ringe
2014 Olympiastadion Munich.jpg
Sportart Leichtathletik
Disziplin Diskuswurf
Geschlecht Frauen
Teilnehmer 17 Athletinnen aus 10 Ländern
Wettkampfort Olympiastadion München
Wettkampfphase 9. September 1972 (Qualifikation)
10. September 1972 (Finale)
Medaillengewinnerinnen
Goldmedaille Faina Melnik (Sowjetunion 1955Sowjetunion URS)
Silbermedaille Argentina Menis (Rumänien 1952Rumänien ROU)
Bronzemedaille Wassilka Stoewa (Bulgarien 1967Bulgarien BUL)

Olympiasiegerin wurde Faina Melnik aus der Sowjetunion. Die Silbermedaille gewann die Rumänin Argentina Menis, Bronze ging an die Bulgarin Wassilka Stoewa.

Für die BR Deutschland – offiziell Deutschland – traten Brigitte Berendonk und Liesel Westermann an. Beide erreichten das Finale. Westermann wurde Fünfte, Berendonk Elfte.
Die DDR – offiziell DDR – wurde durch Gabriele Hinzmann vertreten. Auch sie kam ins Finale und belegte dort Rang sechs.
Athletinnen aus der Schweiz, Österreich und Liechtenstein nahmen nicht teil.

Bestehende RekordeBearbeiten

Weltrekord 66,76 m Faina Melnik (Sowjetunion 1955  Sowjetunion) Moskau, Sowjetunion (heute Russland) 4. August 1972[1]
Olympischer Rekord 58,28 m Lia Manoliu (Rumänien 1965  Rumänien) Finale von Mexiko-Stadt, Mexiko 18. Oktober 1968

Durchführung des WettbewerbsBearbeiten

Die Athletinnen traten am 9. September zu einer Qualifikationsrunde an. Die Qualifikationsweite für den direkten Einzug ins Finale am 10. September betrug 55,00 m. Da genau zwölf Athletinnen diese Weite erreichten, wurde das Finalfeld nicht weiter aufgefüllt.

Im Finale hatte jede Athletin zunächst drei Versuche. Den besten acht Teilnehmerinnen standen anschließend weitere drei Versuche zur Verfügung.

ZeitplanBearbeiten

9. September, 10.30 Uhr: Qualifikation

10. September, 15.00 Uhr: Finale[2]

Die direkt qualifizierten Athletinnen sind hellblau, die nachfolgenden Athletinnen hellgrün unterlegt.

QualifikationBearbeiten

Datum: 9. September 1972, 10.30 Uhr[3]

Platz Name Nation 1. Versuch 2. Versuch 3. Versuch Weite Anmerkung
1 Argentina Menis Rumänien 1965  Rumänien 61,58 m OR - - 61,58 m OR
2 Faina Melnik Sowjetunion 1955  Sowjetunion 53,00 m 61,26 m - 61,26 m
3 Tamara Danilowa Sowjetunion 1955  Sowjetunion 60,34 m - - 60,34 m
4 Gabriele Hinzmann Deutschland Demokratische Republik 1949  Deutsche Demokratische Republik 59,80 m - - 59,80 m
5 Liesel Westermann Deutschland BR  BR Deutschland 58,26 m - - 58,26 m
6 Carmen Ionesco Rumänien 1965  Rumänien x 57,82 m - 57,82 m
7 Brigitte Berendonk Deutschland BR  BR Deutschland 54,74 m 56,90 m - 56,90 m
8 Swetla Boschkowa Bulgarien 1967  Bulgarien 54,52 m 56,42 m - 56,42 m
9 Lia Manoliu Rumänien 1965  Rumänien 55,88 m - - 55,88 m
10 Rosemary Payne Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich x 53,56 m 55,56 m 55,56 m
11 Wassilka Stoewa Bulgarien 1967  Bulgarien x 55,26 m - 55,26 m
12 Ljudmila Murawjowa Sowjetunion 1955  Sowjetunion 55,24 m - - 55,24 m
13 Josephine de la Viña Philippinen 1944  Philippinen 51,08 m x 53,29 m 53,29 m
14 Radostina Wasekowa Bulgarien 1967  Bulgarien x x 53,86 m 53,86 m
15 Krystyna Nadolna Polen 1944  Polen x 47,42 m 52,52 m 52,52 m
16 Olga Connolly Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 51,58 m x 50,76 m 51,58 m
17 Maggy Wauters Belgien  Belgien 49,62 m x x 49,62 m
DNS Baeg Ok-ja Korea Sud  Südkorea
Jolán Kleiber-Kontsek Ungarn 1957  Ungarn

FinaleBearbeiten

Datum: 10. September 1972, 15.00 Uhr[3]

Als Favoritin galt Weltrekordlerin Faina Melnik, amtierende Europameisterin von 1971. Eine der Herausforderinnen war die Rumänin Argentina Menis. Ihre Landsfrau, die Olympiasiegerin von 1968 Lia Manoliu war auch noch einmal im Finale dabei, doch wurden ihr bei ihren bereits sechsten Olympischen Spielen seit 1952 keine Medaillenchancen mehr eingeräumt, es war schon erstaunlich genug, dass sie hier ein letztes Mal dabei sein konnte. Eine andere Olympiasiegerin, Olga Connolly, die 1956 unter ihrem Mädchennamen Olga Fikotová für die Tschechoslowakei Gold geholt hatte und seit 1960 nach ihrer Heirat des Hammerwerfers Hal Connolly für die USA startete, scheiterte bei ihrer fünften und letzten Olympiateilnahme in der Qualifikation. Zum Kreis der Anwärterinnen für eine vordere Platzierung gehörten u. a. auch die sowjetische Werferin Tamara Danilowa und Liesel Westermann, BR Deutschland, 1968 Olympiazweite und 1971 Vizeeuropameisterin.

Menis hatte in der Qualifikation einen neuen Olympiarekord erzielt. Dieser wurde gleich in der ersten Runde sowohl von Danilowa als auch von Menis selber deutlich übertroffen. Im dritten Versuch zog die Bulgarin Wassilka Stoewa an Danilowa vorbei auf Rang zwei, Melnik lag zu dem Zeitpunkt auf Platz fünf hinter Westermann. Im vierten Durchgang gelang zuerst Menis eine weitere Verbesserung des olympischen Rekords, doch gleich anschließend übertraf Melnik diese Weite. Damit führte Faina Melnik nun vor Argentina Menis, Wassilka Stoewa, Tamara Danilowa und Liesel Westermann. Stoewa konnte sich im fünften Versuch noch einmal verbessern, an dieser Reihenfolge änderte sich jedoch nichts mehr.[4]

Wassilka Stoewa gewann die erste bulgarische Medaille im Diskuswurf der Frauen.

Platz Name Nation 1. Versuch 2. Versuch 3. Versuch 4. Versuch 5. Versuch 6. Versuch Endresultat Anmerkung
1 Faina Melnik Sowjetunion 1955  Sowjetunion 60,56 m 61,32 m 57,96 m 66,62 m OR 62,76 m x 66,62 m OR
2 Argentina Menis Rumänien 1965  Rumänien 64,28 m OR 59,82 m 60,88 m 65,06 m OR 63,78 m 64,90 m 65,06 m
3 Wassilka Stoewa Bulgarien 1967  Bulgarien 61,08 m x 64,20 m 62,25 m 64,34 m 62,10 m 64,34 m
4 Tamara Danilowa Sowjetunion 1955  Sowjetunion 62,64 m 58,14 m 62,86 m 61,14 m x x 62,86 m
5 Liesel Westermann Deutschland BR  BR Deutschland x 57,04 m 62,18 m 61,66 m x x 62,18 m
6 Gabriele Hinzmann Deutschland Demokratische Republik 1949  Deutsche Demokratische Republik 57,52 m 59,14 m 60,12 m 61,08 m 61,72 m 60,22 m 61,72 m
7 Carmen Ionesco Rumänien 1965  Rumänien 57,78 m 58,76 m 57,06 m 59,08 m x 60,42 m 60,42 m
8 Ljudmila Murawjowa Sowjetunion 1955  Sowjetunion 57,52 m 57,92 m 59,00 m x 58,86 m 57,20 m 59,00 m
9 Lia Manoliu Rumänien 1965  Rumänien 58,18 m 58,50 m x nicht im Finale der
besten acht Werferinnen
58,50 m
10 Swetla Boschkowa Bulgarien 1967  Bulgarien 56,50 m 56,72 m x 56,72 m
11 Brigitte Berendonk Deutschland BR  BR Deutschland 55,60 m x 56,58 m 56,58 m
12 Rosemary Payne Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich 56,50 m x 52,26 m 56,50 m

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. IAAF Statistics Handbook, Berlin 2009 Seite 647 (engl.) (Memento vom 29. Juni 2011 im Internet Archive), abgerufen am 8. Dezember 2017
  2. Offizieller Bericht, Band 3 "The competitions", S. 43, englisch/französisch/deutsch (PDF, 28 MB), abgerufen am 8. Dezember 2017
  3. a b Offizieller Bericht, Band 3 "The competitions", S. 73, englisch/französisch/deutsch (PDF, 28 MB), abgerufen am 8. Dezember 2017
  4. SportsReference (engl.), abgerufen am 8. Dezember 2017