Hauptmenü öffnen

Olympische Sommerspiele 1972/Leichtathletik – Speerwurf (Männer)

Der Speerwurf der Männer bei den Olympischen Spielen 1972 in München wurde am 2. und 3. September 1972 im Olympiastadion München ausgetragen. 23 Athleten nahmen teil.

Olympische Ringe
2014 Olympiastadion Munich.jpg
Sportart Leichtathletik
Disziplin Speerwurf
Geschlecht Männer
Teilnehmer 23 Athleten aus 15 Ländern
Wettkampfort Olympiastadion München
Wettkampfphase 2. September 1972 (Qualifikation)
3. September 1972 (Finale)
Medaillengewinner
Goldmedaille Klaus Wolfermann (Deutschland BRBR Deutschland FRG)
Silbermedaille Jānis Lūsis (Sowjetunion 1955Sowjetunion URS)
Bronzemedaille Bill Schmidt (Vereinigte StaatenVereinigte Staaten USA)

Olympiasieger wurde Klaus Wolfermann aus der BR Deutschland. Die Silbermedaille gewann der sowjetische Werfer Jānis Lūsis, Bronze ging an den US-Amerikaner Bill Schmidt.

Für die BR Deutschland – offiziell Deutschland – ging neben Olympiasieger Wolfermann außerdem Günter Glausauer an den Start, der in der Qualifikation ausschied.
Die DDR – offiziell DDR – wurde durch Manfred Stolle vertreten. Er erreichte das Finale und belegte dort Platz neun.
Der Schweizer Urs von Wartburg scheiterte in der Qualifikation.
Athleten aus Österreich und Liechtenstein nahmen nicht teil.

Inhaltsverzeichnis

Bestehende RekordeBearbeiten

Weltrekord 93,80 m Jānis Lūsis (Sowjetunion 1955  Sowjetunion) Stockholm, Schweden 6. Juli 1972[1]
Olympischer Rekord 90,10 m Finale von Mexiko-Stadt, Mexiko 16. Oktober 1968

Durchführung des WettbewerbsBearbeiten

Die Athleten traten am 2. September in zwei Gruppen zu einer Qualifikationsrunde an. Die Qualifikationsweite für das direkte Erreichen des Finales am 3. September betrug 80,00 m. Da weniger als zwölf Athleten diese Weite übertrafen, wurde das Finalfeld nach den nächstbesten Weiten auf zwölf Teilnehmer aufgefüllt.
Im Finale hatte jeder Werfer zunächst drei Versuche. Den besten acht Teilnehmer standen anschließend weitere drei Versuche zur Verfügung.

ZeitplanBearbeiten

2. September, 10.00 Uhr: Qualifikation
3. September, 15.30 Uhr: Finale[2]

Die direkt qualifizierten Athleten sind hellblau, die nachfolgenden Athleten hellgrün unterlegt.

QualifikationBearbeiten

Datum: 2. September 1972, ab 10.00 Uhr[3]

Gruppe ABearbeiten

Platz Name Nation 1. Versuch 2. Versuch 3. Versuch Weite Anmerkung
1 Klaus Wolfermann Deutschland BR  BR Deutschland 86,22 m - - 86,22 m
2 Hannu Siitonen Finnland  Finnland 81,80 m - - 81,80 m
3 Fred Luke Vereinigte Staaten  USA 81,34 m - - 81,34 m
4 Jorma Kinnunen Finnland  Finnland 80,10 m - - 80,10 m
5 Bill Schmidt Vereinigte Staaten  USA 75,28 m 75,90 m 78,96 m 78,96 m
6 Lolésio Tuita Frankreich  Frankreich 75,36 m 78,78 m 77,34 m 78,78 m
7 Bjørn Grimnes Norwegen  Norwegen x 77,54 m x 77,54 m
8 Gergely Kulcsár Ungarn 1957  Ungarn x x 77,24 m 77,24 m
9 André Claude Kanada  Kanada 75,56 m x x 75,56 m
10 Renzo Cramerotti Italien  Italien 71,12 m x x 71,12 m
11 Abdul Atif Al-Qahtani Saudi-Arabien  Saudi-Arabien x x 53,06 m 53,06 m
DNS Edmund Jaworski Polen  Polen versehentlich für den Wettkampf gemeldet

Der Pole Edmund Jaworski war aus Versehen für diesen Wettkampf gemeldet worden. Er war in München als Trainer der beiden polnischen Speerwerferinnen Ewa Gryziecka und Daniela Jaworska akkreditiert.

Gruppe BBearbeiten

Platz Name Nation 1. Versuch 2. Versuch 3. Versuch Weite Anmerkung
1 Jānis Lūsis Sowjetunion 1955  Sowjetunion 82,92 m - - 82,92 m
2 Miklós Németh Ungarn 1957  Ungarn 70,90 m 81,78 m - 81,78 m
3 Manfred Stolle Deutschland Demokratische Republik 1949  DDR 80,78 m - - 80,78 m
4 Milt Sonsky Vereinigte Staaten  USA 79,96 m 78,78 m 74,24 m 79,96 m
5 József Csík Ungarn 1957  Ungarn 79,08 m x x 79,08 m
6 Rick Dowswell Kanada  Kanada 66,54 m 72,52 m 77,42 m 77,42 m
7 Urs von Wartburg Schweiz  Schweiz 76,36 m x 76,20 m 76,36 m
8 Dave Travis Vereinigtes Konigreich  Großbritannien 74,68 m 70,10 m 74,30 m 74,68 m
9 Günter Glasauer Deutschland BR  BR Deutschland x x 73,12 m 73,12 m
10 Jacques Aye Abehi Elfenbeinküste  Elfenbeinküste 72,20 m x x 72,20 m
11 Donald Vélez Nicaragua  Nicaragua x 63,74 m x 63,74 m
ogV Leo Pusa Finnland  Finnland x x x ohne Weite

FinaleBearbeiten

Datum: 3. September 1972, 15.30 Uhr[4]

Als Toppfavorit galt der sowjetische Olympiasieger von 1968 und Weltrekord-Inhaber Jānis Lūsis aus Lettland, u. a. auch Europameister der letzten vier EM-Austragungen. Der bundesdeutsche Werfer Klaus Wolfermann hatte allerdings kurz vor den Spielen in München mit 90,68 m eine neue Weltjahresbestleistung aufgestellt und galt als Hauptkonkurrent des Letten.
Das Finale wurde zu einem Zweikampf zwischen den beiden favorisierten Werfern. Der Bronzemedaillengewinner lag am Ende mehr als fünfeinhalb Meter zurück. Lūsis übernahm in der ersten Runde mit 88,88 m die Führung, hinter ihm lagen Wolfermann – 86,68 m – und der Finne Hannu Siitonen – 84,32 m, dem in der Folgezeit kein gültiger Versuch mehr gelingen sollte. Der US-Athlet Bill Schmidt zog im zweiten Durchgang mit 84,92 m an dem Finnen vorbei. Die nächsten beiden Runden brachten keine Veränderungen in den vorderen Platzierungen. Im fünften Versuch erreichte Wolfermann mit seinem besten Wurf die neue Olympiarekordweite von 90,48 m. Lūsis letzter Versuch übertraf ebenfalls deutlich sichtbar die 90-m-Marke und mit großer Spannung warteten die Zuschauer auf das Ergebnis der Weitenmessung. Mit 90,46 m lag das Resultat lediglich zwei Zentimeter unter Wolfermanns erzieltem Ergebnis. Damit waren die Medaillen verteilt. Klaus Wolfermann wurde Olympiasieger, die Silbermedaille ging an Jānis Lūsis und Bill Schmidt gewann mit seinem Wurf aus Durchgang zwei die Bronzemedaille.[5]

Klaus Wolfermann war der erste bundesdeutsche Olympiasieger im SpeerwurfGerhard Stöck hatte 1936 als Teilnehmer für das damals ungeteilte Deutschland die Goldmedaille gewonnen.

Platz Name Nation 1. Versuch 2. Versuch 3. Versuch 4. Versuch 5. Versuch 6. Versuch Endresultat Anmerkung
1 Klaus Wolfermann Deutschland BR  BR Deutschland 86,68 m 85,14 m x 88,40 m 90,48 m OR 84,70 m 90,48 m OR
2 Jānis Lūsis Sowjetunion 1955  Sowjetunion 88,88 m x 89,54 m x 81,66 m 90,46 m 90,46 m
3 Bill Schmidt Vereinigte Staaten  USA 75,96 m 84,92 m x 79,92 m 84,12 m x 84,92 m
4 Hannu Siitonen Finnland  Finnland 84,32 m x x x x x 84,32 m
5 Bjørn Grimnes Norwegen  Norwegen 71,86 m 82,38 m 83,08 m x x x 83,08 m
6 Jorma Kinnunen Finnland  Finnland x 82,08 m 75,76 m x x 77,60 m 82,08 m
7 Miklós Németh Ungarn 1957  Ungarn 80,80 m 81,98 m 78,58 m 81,88 m x 81,40 m 81,98 m
8 Fred Luke Vereinigte Staaten  USA 66,64 m x 80,06 m 79,70 m 71,46 m x 80,06 m
9 Manfred Stolle Deutschland Demokratische Republik 1949  DDR x x 79,32 m nicht im Finale der
besten acht Werfer
79,32 m
10 Milt Sonsky Vereinigte Staaten  USA 77,62 m 77,94 m 72,38 m 77,94 m
11 Lolésio Tuita Frankreich  Frankreich 76,34 m x 69,38 m 76,34 m
12 József Csík Ungarn 1957  Ungarn 75,52 m 76,14 m x 76,14 m

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

VideoBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. IAAF Statistics Handbook, Berlin 2009 Seite 559 (engl.) (Memento vom 29. Juni 2011 im Internet Archive), abgerufen am 4. Dezember 2017
  2. Offizieller Bericht, Band 3 "The competitions", S. 43, englisch/französisch/deutsch (PDF, 28 MB), abgerufen am 4. Dezember 2017
  3. Offizieller Bericht, Band 3 "The competitions", S. 62, englisch/französisch/deutsch (PDF, 28 MB), abgerufen am 4. Dezember 2017
  4. Offizieller Bericht, Band 3 "The competitions", S. 63, englisch/französisch/deutsch (PDF, 28 MB), abgerufen am 4. Dezember 2017
  5. SportsReference (engl.), abgerufen am 4. Dezember 2017