Elizabeth Truss

britische Politikerin

Mary Elizabeth „Liz“ Truss[1] (* 26. Juli 1975 in Oxford) ist eine britische Politikerin der Conservative Party. Sie war von 2017 bis 2019 Staatssekretärin im Schatzamt im Kabinett May II, vom 24. Juli 2019 bis 15. September 2021 war sie Ministerin für internationalen Handel und President of the Board of Trade im Kabinett Boris Johnson. Seither ist sie Außenministerin. Seit 10. September 2019 ist sie zugleich Ministerin für Frauen und Gleichstellung. Nach dem Rücktritt des Ministers für die „Koordination der Beziehungen zu den EU-Institutionen und den 27 Mitgliedstaaten“ David Frost übernahm sie auch dessen Aufgabenbereich, unterstützt von dem zum Staatsminister für Europa ernannten Christopher Heaton-Harris.[2] Sie ist seit 2010 Abgeordnete für South West Norfolk.

Elizabeth Truss, 2016

LebenBearbeiten

Nach ihrem Abschluss 1996 an der University of Oxford arbeitete Truss als Ökonomin im Vertrieb und war stellvertretende Vorsitzende des Think-Tanks Reform, bis sie bei den Britischen Unterhauswahlen 2010 Abgeordnete wurde. Als Hinterbänklerin verlangte sie Reformen in verschieden politischen Bereichen, darunter Kinderbetreuung, mathematische Ausbildung und Ökonomie.[3] Sie gründete die Free Enterprise Group of Conservative MPs (Gruppe Freies Unternehmertum konservativer Abgeordneter) und beteiligte sich an einigen Abhandlungen und Büchern, u. a. After the Coalition (2011) und Britannia Unchained (2012).

Truss war von 2012 bis 2014 Parliamentary Under-Secretary of State mit Verantwortung für Ausbildung und Kinderbetreuung. Von 2014 bis 2016 war sie Ministerin für Umwelt, Ernährung und ländlichen Raum. Am 14. Juli 2016 wurde sie von Theresa May zur Justizministerin und Lordkanzlerin ernannt und löste damit Michael Gove ab.[4][5] In der tausendjährigen Geschichte der Lordkanzlerschaft war sie die erste Frau auf dieser Position. Bei der Kabinettsumbildung nach der Unterhauswahl 2017 wechselte sie als Staatssekretärin in das Schatzamt. Im Juli 2019 übernahm Robert Buckland das Amt des Lordkanzlers.

Als Außenministerin (seit 2021)Bearbeiten

Bei der Kabinettsumbildung im September 2021 wechselte Truss vom Justiz- ins Außenministerium, wodurch sie als größte Aufsteigerin der Umgestaltung galt.[6]

Im Ukrainekonflikt, der 2022 weiter zu eskalieren drohte, trat Truss als harte Gegenspielerin zum russischen Präsidenten Wladimir Putin auf. Russland und China würden ihrer Ansicht nach „die Diktatur rund um die Welt wie eine Dienstleistung exportieren“, sagte sie im Januar.[7] Bei einem Treffen mit Russlands Außenminister Sergei Lawrow im Februar, dem ersten Besuch eines britischen Außenministers in Moskau seit über vier Jahren[8], versicherte ihr dieser, Russland habe „keine Pläne zur Invasion in die Ukraine“. Truss hingegen äußerte angesichts des Truppenaufmarsches:[9]

“I can’t see any other reason for having 100,000 troops stationed on the Ukrainian border apart from to threaten Ukraine, and if Russia is serious about diplomacy they need to move those troops and desist from the threats”

„Ich kann keinen anderen Grund dafür, 100.000 Truppen an der ukrainischen Grenze zu stationieren, erkennen als die Ukraine zu bedrohen, und wenn Russland es ernst meint mit der Diplomatie, müssen sie diese Truppen entfernen und von den Bedrohungen absehen.“

Als „nicht akzeptabel“ kommentierte sie es gegenüber der Welt am Sonntag und anderen europäischen Medien, wenn Russland ein Vetorecht über den Beitritt souveräner Staaten wie der Ukraine zur NATO und anderen Verteidigungsbündnissenden erlangen würde, und bekräftigte ihre Forderung nach einem Abzug der russischen Truppen von der ukrainischen Grenze.[10]

BibliographieBearbeiten

  • The Value of Mathematics. Juni 2008.
  • A New Level. Juni 2009.
  • Academic rigour and social mobility: how low income students are being kept out of top jobs. März 2011.
  • A decade of gains – learning lessons from Germany. Februar 2012.
  • Affordable quality: new approaches to childcare. Mai 2012.
  • After the Coalition. 2011.
  • Britannia Unchained. 2012.

WeblinksBearbeiten

Commons: Elizabeth Truss – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. London Gazette. Nr. 59418, HMSO, London, 13. Mai 2010, S. 8744 (PDF, abgerufen am 21. Juni 2010, englisch).
  2. https://news.sky.com/story/foreign-secretary-liz-truss-to-take-over-brexit-brief-after-lord-frosts-resignation-12500210
  3. Anushka Asthana: The lady’s for turning, right from CND to Conservative. In: The Times, 9. Juni 2012. Abgerufen am 30. Juli 2012. 
  4. BBC News: Theresa May’s new cabinet: Michael Gove and Nicky Morgan axed. In: BBC News. Abgerufen am 14. Juli 2016.
  5. cosmopolis.ch
  6. Boris Johnson festigt mit einer Kabinettsumbildung seine Macht – und befördert eine neue «eiserne Lady» zur Aussenministerin. 21. Januar 2022, abgerufen am 24. Januar 2022.
  7. DER SPIEGEL: London wirft Russland und China Feldzug gegen die Demokratie vor. 21. Januar 2022, abgerufen am 13. Februar 2022.
  8. Moskau und London sprechen miteinander, verstehen einander jedoch noch nicht. Berliner Zeitung, 10. Februar 2022, abgerufen am 13. Februar 2022.
  9. Liz Truss: Russia told UK it has ‘no plans to invade Ukraine’. In: politico.eu. Politico, 10. Februar 2022, abgerufen am 13. Februar 2022 (englisch).
  10. „Aggressionen dürfen nicht belohnt werden“. In: welt. 12. Februar 2022, abgerufen am 13. Februar 2022.