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Andrew Bonar Law

britischer Politiker und Premierminister
Andrew Bonar Law

Andrew Bonar Law (* 16. September 1858 in Rexton, New Brunswick; † 30. Oktober 1923 in London, England) war ein britischer Politiker und Premierminister. Er gehörte der Conservative Party an.

Inhaltsverzeichnis

BiografieBearbeiten

 
Andrew Bonar Law, Gemälde von 1924. Porträtstudie von James Guthrie für Statesmen of World War I.

Law wurde in Rexton (damals noch Kingston genannt) in New Brunswick, welches damals kein Teil von Kanada war, als vierter Sohn von Reverend James Law und Elizabeth Annie Kidston Law geboren.[1] Sein Vater war ein schwermütiger presbyterianischen Geistlicher, der aus Ulster stammte. Seine Mutter starb, als Bonar Law gerade zwei Jahre alt war. Seine unverheiratete Tante, Janet Kidston, übersiedelte daraufhin aus dem schottischen Glasgow und übernahm im Haushalt die weibliche Rolle. Als Bonar Law zwölf Jahre alt war, heiratete sein Vater erneut; Janet Kidston entschloss sich daraufhin nach Glasgow zurückzukehren, schlug jedoch vor, dass sie den jungen Bonar Law mit sich nehmen könnte, da die Familie mütterlicherseits finanziell bessergestellt sei.[2] Sowohl James Law als auch sein Sohn stimmten zu und der junge Bonar Law wuchs in der Folge in Schottland bei reichen Cousins aus der im Bankgeschäft tätigen Familie seiner Mutter auf. Sein Vater war 1877 aufgrund schlechter Gesundheit gezwungen, nach Ulster zurückzukehren, wo er regelmäßig von seinem Sohn besucht wurde. Fünf Jahre später starb er jedoch.[3] Nach dem Besuch der Gilbertfield-Vorbereitungsschule[4] besuchte Bonar Law die High School of Glasgow, wo er sich unter anderm durch sein Talent in Sprachen auszeichnete.[5] 1875 verließ er die Schule, da seine Cousins ihm einen Posten in ihrem Büro in Glasgow offerierten.[6] Durch sie kam Law auch früh in Kontakt mit diversen Größen der Conservative Party, denn die Kidstons waren, im Gegensatz zur Mehrheit ihres Handelsstandes, begeisterte Anhänger der "Tories".[7] Schließlich wurde Law Teilhaber eines schottischen Metallverarbeitungsunternehmens. 1897 wurde er gefragt, ob er ein Kandidat der Konservativen Partei werden wolle.[8] Er wurde im Jahr 1900 als Parlamentsabgeordneter gewählt. Law gehörte dem protektionistischen Flügel der Partei an, der von Joseph Chamberlain angeführt wurde. Von 1902 bis 1905 war er parlamentarischer Staatssekretär im Handelsministerium. Als Chamberlain sich 1906 aus der Politik zurückzog, führte Law zusammen mit Chamberlains Sohn Austen diesen Parteiflügel an. 1910 folgte Law dem Ruf der Partei, gab seinen sicheren Sitz in Dulwich auf und trat im umkämpften Wahlkreis von Nordwest-Manchester an, um als Spitzenkandidat die Position der Tories in Lancashire zu stärken. Er forderte Winston Churchill heraus, gegen ihn in einem Kampf um den Parlamentssitz anzutreten – der Verlierer sollte sich in einem Gentleman's Agreement bereitfinden, sich während der ganzen folgenden Parlamentssession aus der Politik zurückzuziehen. Churchill lehnte dies jedoch ab.[9] Auch wenn die Tories in Lancashire Boden gutmachen konnten, verlor Law in Nordwest-Manchester. Sechs Wochen später gewann Law jedoch eine Nachwahl in Bootle und zog erneut ins Unterhaus ein.[10] 1911 trat Arthur Balfour als Parteichef der Konservativen zurück. Aufgrund einer Pattsituation zwischen den beiden führenden Kandidaten für die Nachfolge, Austen Chamberlain und Walter Long, , wurde Law als Kompromisskandidat beim kurzfristig anberaumten Treffen im Londoner Carlton Club von den konservativen Unterhausmitgliedern zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg richtete Law seine Aufmerksamkeit hauptsächlich auf Zollfragen und das irische Home Rule, das eine Selbstverwaltung Irlands vorsah. Law war ein erbitterter Gegner dieser umstrittenen Vorlage.

Mit dem Ausbruch des Weltkrieges einigte sich Bonar Law mit dem Parteiführer der regierenden Liberalen Herbert Henry Asquith auf eine nichtkonfrontative Politik für die Dauer des Krieges. Infolge der Munitionskrise des Frühjahrs 1915 (shell crisis) und des Rücktritts des Ersten Seelords Jacky Fisher kam diese Politik an ihre Grenzen und Asquith willigte im Mai 1915 in die Bildung einer Koalitionsregierung ein. In der neuen Regierung erhielt Bonar Law den untergeordneten Posten des Kolonialministers (Secretary of State for the Colonies), ferner wurde er Mitglied des Dardanellen-Komitees. 1916 hatte Law erstmals die Chance, Premierminister zu werden, als er entscheidend am Sturz Asquiths mitwirkte. Vorerst entschloss er sich aber, David Lloyd George als neuen Premier zu fördern. In dessen Regierung war er zunächst Finanzminister und zugleich Mitglied des inneren Kriegskabinetts. Während Lloyd George sich auf die unmittelbare Kriegspolitik konzentrierte, organisierte Law die meisten übrigen Politikfelder. Bei Kriegsende trat er als Finanzminister zurück und übernahm den weniger anspruchsvollen Posten des Lordsiegelbewahrers. 1921 zwang ihn sein schlechter Gesundheitszustand zum Rücktritt als Parteichef und Austen Chamberlain übernahm sein Amt.

Im Zuge der Chanakkrise schrieb Law einen Leserbrief an die Times, in dem er äußerte, Großbritannien könne nicht der Weltpolizist sein.[11] Damit versetzte er der Koalition, die ohnehin bei den konservativen Hinterbänklern äußerst unbeliebt war, einen schweren Schlag. Im Oktober 1922 wurde Law etwas überraschend Premierminister, als beim sogenannten Carlton-Club-Treffen von 1922 von Stanley Baldwin angeführte Hinterbänkler der Conservative Party mit Laws Unterstützung die Koalitionsregierung von David Lloyd George zu Fall brachten. Durch die Weigerung vieler prominenter Koalitionsanhänger, in die neue Regierung einzutreten, stützte sich Bonar Law bei der Kabinettsbildung vor allem auf Außenminister George Nathaniel Curzon und Stanley Baldwin als Schatzkanzler. Auch mit grundlegenden Problemen wie der großen Arbeitslosigkeit und der französischen Ruhrbesetzung (ab Januar 1923) wurde Law in dieser späten Phase seines politischen Schaffens nicht mehr fertig. In der Zwischenzeit war Law an Kehlkopfkrebs erkrankt; nicht mehr in der Lage, im Unterhaus zu sprechen, trat er am 22. Mai 1923 zurück. Ende Oktober zog er sich als Resultat seiner Erkrankung eine septische Lungenentzündung zu; wenige Tage später, am 30. Oktober 1923, verstarb er.[12] Seine Urne wurde in der Westminster Abbey beigesetzt.

LiteraturBearbeiten

  • R.J.Q. Adams: Bonar Law. Stanford University Press, 1999, ISBN 978-0-8047-3716-6.
  • Robert Blake: The Unknown Prime Minister: The Life and Times of Andrew Bonar Law, 1858–1923. Eyre and Spottiswoode, London 1955.
  • Andrew Taylor: Bonar Law. (20 British Prime Ministers of the 20th Century). Haus Publishing Ltd., London 2006, ISBN 978-1-904950-59-2.
  • Sil-Vara: Englische Staatsmänner. Berlin : Ullstein, 1916, S. 183–191

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Robert Blake: The Unknown Prime Minister: The Life and Times of Andrew Bonar Law, 1858–1923. Eyre and Spottiswoode, London 1955. S. 17.
  2. R.J.Q. Adams: Bonar Law. Stanford University Press, 1999, S. 6.
  3. Robert Blake: The Unknown Prime Minister: The Life and Times of Andrew Bonar Law, 1858–1923. Eyre and Spottiswoode, London 1955. S. 22.
  4. Andrew Taylor: Bonar Law. (20 British Prime Ministers of the 20th Century). Haus Publishing Ltd., London 2006, S. 6.
  5. R.J.Q. Adams: Bonar Law. Stanford University Press, 1999, S. 7.
  6. Robert Blake: The Unknown Prime Minister: The Life and Times of Andrew Bonar Law, 1858–1923. Eyre and Spottiswoode, London 1955. S. 24.
  7. Robert Blake: The Unknown Prime Minister: The Life and Times of Andrew Bonar Law, 1858–1923. Eyre and Spottiswoode, London 1955. S. 28.
  8. R.J.Q. Adams: Bonar Law. Stanford University Press, 1999, S. 18.
  9. Roy Jenkins: Churchill. Macmillan, London/Basingstoke/Oxford 2001, S. 192.
  10. Robert Blake: The Unknown Prime Minister: The Life and Times of Andrew Bonar Law, 1858–1923. Eyre and Spottiswoode, London 1955. S. 24.
  11. Robert Blake: The Unknown Prime Minister: The Life and Times of Andrew Bonar Law, 1858–1923. Eyre and Spottiswoode, London 1955. S. 448.
  12. Robert Blake: The Unknown Prime Minister: The Life and Times of Andrew Bonar Law, 1858–1923. Eyre and Spottiswoode, London 1955. S. 530.
VorgängerAmtNachfolger
David Lloyd GeorgeBritische Premierminister
1922–1923
Stanley Baldwin