Jacob Rees-Mogg

britischer Politiker, Mitglied des House of Commons
Jacob Rees-Mogg (2019)

Jacob William Rees-Mogg MP (* 24. Mai 1969 in Hammersmith, London) ist britischer Politiker. Er gehört der Konservativen Partei an. Seit 2010 gehört er dem House of Commons an, wo er den Wahlkreis North East Somerset vertritt. Seit dem 24. Juli 2019 ist er im Kabinett von Boris Johnson Leader of the House of Commons und Lord President of the Council und tritt für einen „harten Brexit“ ein.[1]

LebenBearbeiten

Rees-Mogg ist der Sohn von William Rees-Mogg. Sein Vater war langjähriger Herausgeber der Tageszeitung The Times und ab 1988 als Life Peer Mitglied des House of Lords. Seine Schwester Annunziata Rees-Mogg ist Politikerin und EU-Abgeordnete der Brexit Party.

Nach seiner Ausbildung am Eton College und am Trinity College der Universität Oxford, wo er einen Abschluss in Geschichte machte,[2][3] wurde er 1991 Vermögensverwalter als (Mit-)Gründer von Somerset Capital Management LLP[4] in der City of London.[5] Nach Eintritt in das Britische Kabinett hat er sich laut Eigenaussage aus allen aktiven Tätigkeiten bei Somerset Capital Management LLP zurückgezogen.[6]

1997 war er erfolglos Parlamentskandidat in Fife (Schottland), 2001 in Shropshire. 2010 wurde er erstmals im Wahlkreis North East Somerset in das Unterhaus gewählt.[7] Den Wahlkreis konnte er bei den folgenden Wahlen 2015, 2017 und 2019 erneut gewinnen.[8] Er schloss sich einer ultrakonservativen Parlamentariergruppe an, opponierte gegen Gesetzesinitiativen wie die Reform des House of Lords oder die Zulassung der gleichgeschlechtlichen Ehe und wurde bekannt für seine Filibusterreden.[9] Beim EU-Mitgliedschaftsreferendum im Vereinigten Königreich 2016 war er einer der vehementesten Wahlkampfredner für den Austritt und zog große Zuhörermengen an.

Nach dem Rücktritt von Premierministerin Theresa May, deren Brexit-Kurs er kritisierte, wurde Rees-Mogg durch Mays Nachfolger und Brexit-Mitstreiter Boris Johnson als Lord President of the Council und Leader of the House of Commons ins britische Kabinett berufen. Es ist sein erster Posten in der britischen Regierung.[10] Eine seiner ersten Amtshandlungen war die Verordnung eines neuen Stil-Katalogs für die Mitarbeiter seines Büros, nach dem künftig bestimmte Worte nicht mehr zu benutzen seien. Dazu zählen unter anderem Wörter wie got, due to, unacceptable, equal, hopefully, disappointment. Männliche Parlamentsmitglieder, die nicht Mitglieder des Privy Council sind, sollen künftig als „Esquire“ angesprochen werden, außerdem soll das angloamerikanische Maßsystem (imperial units) anstelle des metrischen Einheitensystems verwendet werden.[11] Bereits 2012 sorgte Rees-Mogg mit seiner Rhetorik für Aufsehen, als er im Zuge einer Debatte im Unterhaus das Wort floccinaucinihilipilification (engl. für Geringschätzung) verwendete.[12]

Am Vormittag des 28. August 2019 reiste Jacob Rees-Mogg nach Schloss Balmoral in Schottland, um Königin Elisabeth II. im Auftrag von Boris Johnson um ihre Zustimmung zur Suspendierung (Prorogation) des britischen Parlaments zu bitten. Nach einer spontan anberaumten Sitzung ihres Staatsrats, der durch drei von Rees-Mogg angeführte konservative Mitglieder vertreten war, erteilte die Königin dem Premierminister ihre Einwilligung zu der umstrittenen Maßnahme, mit der Johnson das Parlament daran hindern will, ein Gesetz gegen den sogenannten „harten Brexit“ zu erlassen. Beobachter bewerten diese Reise von Jacob Rees-Mogg als die bislang heikelste Mission seines politischen Lebens.[13][14] Am 3. September 2019 fiel er weltweit dadurch auf, dass er sich während der entscheidenden Unterhaussitzung vor der Zwangspause einige Zeit über mehrere Sitzplätze hinlegte und dazu wiederholt die Augen schloss, um sein Desinteresse an der Parlamentsdebatte zu demonstrieren.[15] Politische Gegner verpassten ihm den Spitznamen Lord Snooty (etwa: Lord Hochnase).[16]

PrivatesBearbeiten

 
Wappen von Rees-Moggs Familie[17]

Der Katholik Rees-Mogg steht dem katholischen Traditionalismus nahe und ist erklärter Anhänger der „alten Messe“ im Tridentinischen Ritus. In einem Interview mit dem Catholic Herald äußerte er seinen großen Respekt vor Papst Pius IX. und dessen klaren Standpunkten im Syllabus errorum. Außerdem sei Papst Benedikt XVI. ein „wunderbar inspirierender Papst für die Kirche sowohl als Kardinal, als auch als Heiliger Vater“ gewesen.[18]

Rees-Mogg ist Multimillionär.[19] Er erwarb ein Haus nahe der Westminster Abbey in London sowie ein elisabethanisches Landhaus in Somerset[20]. Die Familie Rees-Mogg gehörte in Somerset, wo auch sein Wahlkreis liegt, zum höheren Mittelstand, seitdem der aus Wales stammende Pastor John Rees (1772–1835) Mary Mogg Wooldrige (1774–1846), die Erbin des dortigen Gutes Cholwell, geheiratet hatte; John Rees war Hofkaplan des Herzogs Ernst August von Cumberland, der später König von Hannover wurde.[21]

Im Januar 2007 heiratete Rees-Mogg in der Kathedrale von Canterbury Helena de Chair, Tochter des konservativen Unterhaus-Abgeordneten Somerset de Chair (1911–1995) und der Lady Juliet Wentworth-Fitzwilliam. Seine Frau ist die einzige Tochter ihrer 1935 geborenen Mutter und diese wiederum Alleinerbin ihres Vaters Peter Wentworth-Fitzwilliam, 8th Earl Fitzwilliam (1910–1948), und dadurch Erbin bedeutender Ländereien und einer hochkarätigen Kunstsammlung.[22] Das Ehepaar Rees-Mogg hat eine Tochter und fünf Söhne.[23][24]

Politische PositionenBearbeiten

Rees-Mogg wird nachgesagt, reaktionäre,[25] antiliberale Positionen mit großer Härte und geringer Kompromissbereitschaft zu vertreten. Er ist u. a. als „Leugner der menschengemachten Klimaveränderung“,[26] Abtreibungsgegner und als Gegner der gleichgeschlechtlichen Ehe und der Entwicklungszusammenarbeit in Erscheinung getreten.[27]

Rees-Mogg war zudem in den Jahren vor und während der Kampagne vor dem Referendum über die weitere EU-Mitgliedschaft des Vereinigten Königreichs am 23. Juni 2016 einer der bekanntesten Verfechter des „Brexits“ und somit Gegner David Camerons. Obwohl Rees-Mogg einen „harten Brexit“, also einen Austritt ohne vertragliche Einigung befürwortete[28], unterstützte er ab dem 29. März 2019 den von Theresa May mit der EU ausgehandelten Vertrag.[29] Als May nach dem Referendum zur Premierministerin gewählt wurde, gehörte er zu ihren innerparteilichen Kritikern. Als die Premierministerin am 14. November 2018 der Öffentlichkeit den Entwurf eines EU-Austrittsabkommens vorlegte, rief Rees-Mogg noch am selben Tag zu einem Misstrauensvotum gegen sie auf.[30] Am 20. November 2018 forderte er in einer öffentlichen Rede seine konservativen Parteikollegen auf, Theresa May jetzt abzusetzen. Andernfalls bestünde die Aussicht, dass die Konservativen mit May an der Spitze in die Unterhauswahl 2022 zögen.[31] Auf Kritik stieß die Entscheidung des „Brexit-Bannerträgers“, zwei Fonds seiner Firma Somerset Capital Management nicht in London aufzulegen, sondern in Dublin, innerhalb des Euro-Raums.[32] Scharfe Kritik an ihm übte der konservative Abgeordnete Nicholas Soames.[33]

MoggmentumBearbeiten

 
Logo der Moggmentum-Kampagne

Anhänger des Politikers begannen sich ab Mai 2017 auf Social Media-Seiten unter dem Schlagwort Moggmentum zu organisieren.[34][35] Alternativ wird auch das Wort Moggmania verwendet.[36][37] Diese Erscheinungen führten in den britischen Medien zu einer beträchtlichen Berichterstattung.[38][39] Nachdem Rees-Mogg sich im Zuge einer Debatte über die Thronrede von Elisabeth II. mit Jeremy Corbyn einen verbalen Schlagabtausch lieferte, begann der Hashtag erneut große Popularität zu generieren.[40] Viele dieser beteiligten User stellen sich hinter die Idee, dass Rees-Mogg Premierminister des Vereinigten Königreichs werden sollte.[41][42] Entsprechende Petitionen wurden ebenso eingerichtet.[37][43]

Ab August 2017 wurde die Kampagne auch international rezipiert.[36][44][45] Zum Teil wird die Art der Organisation und ihre rasante Entwicklung mit der Entstehung der amerikanischen Tea-Party-Bewegung verglichen, vor allem aus dem Grund, dass Rees-Mogg sich mit Stephen Bannon zu einer politischen Diskussion traf.[46]

Innerhalb der britischen Politik sind solche Unterstützungskampagnen auch auf Seiten der Labour Party zu finden. Eine Milifandom genannte Kampagne unterstützte den ehemaligen Vorsitzenden der Labour Party, Ed Miliband.[47] Corbynmania und Momentum sind Unterstützungsgruppen für Jeremy Corbyn.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. zeit.de 18. Juli 2018: Für einen harten Brexit – aus Prinzip
  2. Guy Adams, "Jacob Rees-Mogg: First family of fogeys", The Independent, 19. Oktober 2006
  3. Candidate Jacob Rees-Mogg. BBC News, 2001, abgerufen am 31. Juli 2019 (englisch).
  4. Home. Abgerufen am 4. August 2019 (amerikanisches Englisch).
  5. Shaun Cumming, "Jet-set team on the hunt for income", Fundweb.co.uk, 9. Januar 2012
  6. Eigenmitteilung, unten. Abgerufen am 4. August 2019 (amerikanisches Englisch).
  7. Election 2010 – Somerset North East, BBC News, 7. Mai 2010
  8. Rt Hon Jacob Rees-Mogg MP. www.parliament.uk, abgerufen am 31. Juli 2019 (englisch).
  9. Filibustering: How politicians 'talk out' legislation BBC, 10. Juli 2012
  10. Boris Johnson overhauls cabinet on first day as PM. 24. Juli 2019, abgerufen am 25. Juli 2019 (englisch).
  11. Katie Wright: Jacob Rees-Mogg: Is he right to ban these words? BBC News, 27. Juli 2019, abgerufen am 27. Juli 2019 (englisch).
  12. MP uses 29-letter word in Parliament. Abgerufen am 30. September 2019 (englisch).
  13. Christoph Schönberger: Nie lagen Englands Schwächen so schonungslos zu Tage. In: FAZ, 29. August 2019, abgerufen am 30. August 2019.
  14. Stefanie Bolzen: Kettenhund im Zweireiher. In: Die Welt, 29. August 2019, abgerufen am 30. August 2019.
  15. „Die Verkörperung von Arroganz und Dünkel“. In: FAZ, 4. September 2019, abgerufen am gleichen Tag.
  16. Lord Marmaduke of Bunkerton, von seinen Freunden Snooty genannt, war eine Hauptfigur der Comic-Serie The Beano.
  17. Life Peerages - R. Abgerufen am 25. Oktober 2019.
  18. Madeleine Teahan: Jacob Rees-Mogg: ‘I think Mass can be too noisy and guitars should be banned’. Catholic Herald, 2. August 2013, abgerufen am 31. Juli 2019 (englisch).
  19. Süddeutsche Zeitung, 12. Oktober 2017, S. 8.
  20. "World War One At Home – Gournay Court". BBC One, 28. Mai 2014
  21. Burke's Genealogical and Heraldic History of the Landed Gentry, 15th Edition, Vg. H. Pirie-Gordon, London, 1937, S. 1610–1611, pedigree of "Rees-Mogg of Cholwell", S. 1611
  22. Lady Juliet Tadgell, The Sunday Times Rich List 2009, 26. April 2009
  23. 'Rees-Mogg, Jacob William', in Who's Who 2014 (London: A. & C. Black, 2014)
  24. Jacob Rees-Mogg announces baby Sixtus. BBC News, 5. Juli 2017, abgerufen am 15. Juli 2017 (englisch).
  25. Martin Fletcher: The polite extremist: Jacob Rees-Mogg’s seemingly unstoppable. In: New Statesman, 20. Februar 2018.
  26. Jacob Rees-Mogg - Ein lebendes Fossil, Zeit Online, 29. August 2017
  27. Peter Mühlhauer: Theresa May vs. Boris Johnson vs. Ruth Davidson vs. Jacob Rees Mogg, Telepolis, 2. Oktober 2017.
  28. Süddeutsche Zeitung, 12. Oktober 2017, S. 8.
  29. https://www.youtube.com/watch?v=7xUZRO57xzE
  30. Heather Stewart, Jessica Elgot: Jacob Rees-Mogg sends letter of no confidence in May. The Guardian, 15. November 2018, abgerufen am 20. November 2018 (englisch).
  31. Ditch May now or she will lead us into 2022 election, Rees-Mogg tells Tories. BBC News, 20. November 2018, abgerufen am 20. November 2018 (englisch).
  32. Britische Wirtschaft zittert: Der „Brexodus“ hat begonnen. Kieler Nachrichten, 28. Januar 2019, abgerufen am 16. April 2019.
  33. Frankfurter Rundschau, 9. September 2019
  34. Jacob Rees-Mogg's social media posts gain mass following as the local MP enters the digital age. Abgerufen am 25. Oktober 2019 (englisch).
  35. Why some love the MP with Mogg-mentum. Abgerufen am 25. Oktober 2019 (britisches Englisch).
  36. a b VRT NWS: Stoot de "Mogg mania" Theresa May van haar troon? - Harry De Paepe. 15. Juli 2017, abgerufen am 25. Oktober 2019 (niederländisch).
  37. a b Thousands in Kent back MoggMania campaign. 27. August 2017, abgerufen am 25. Oktober 2019 (englisch).
  38. Understanding #Moggmentum: the hollow cult of Jacob Rees-Mogg. Abgerufen am 25. Oktober 2019 (englisch).
  39. Nathaniel Tapley: Moggmentum: Rees-Mogg mania and what it says about us. Abgerufen am 25. Oktober 2019 (englisch).
  40. Ruth Ovens: 5 times Jacob Rees-Mogg became an internet star with #Moggmentum. 4. Juli 2017, abgerufen am 25. Oktober 2019.
  41. Jacob Rees-Mogg is favourite to become next Conservative leader. Abgerufen am 25. Oktober 2019 (englisch).
  42. #moggmentum: unlikely movement to make Jacob Rees-Mogg Prime Minister. Abgerufen am 25. Oktober 2019 (englisch).
  43. Ruth Ovens, Sam Petherick: 'Moggmentum' continues with North Somerset MP's Question Time appearance. 7. Juli 2017, abgerufen am 25. Oktober 2019.
  44. Curt Mills: This Outlandish Aristocrat Could Be the Next British Prime Minister. 26. Juli 2017, abgerufen am 25. Oktober 2019 (englisch).
  45. Jakub Mielnik: Buława w butonierce. 20. August 2017, abgerufen am 25. Oktober 2019 (polnisch).
  46. Jacob Rees-Mogg met Steve Bannon to discuss US-UK politics. 1. Dezember 2017, abgerufen am 25. Oktober 2019 (englisch).
  47. Rebecca Ratcliffe: Milifandom soars with Twitter backing for Labour leader Ed Miliband. In: The Guardian. 22. April 2015, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 25. Oktober 2019]).