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Michael Gove (2013)

Michael Andrew Gove (* 26. August 1967 in Edinburgh, Schottland) ist ein britischer Politiker der Conservative Party und ehemaliger Journalist. Er war von Mai 2010 bis Juli 2014 Bildungsminister („Secretary of State for Education“), von Mai 2015 bis Juni 2016 Lordkanzler und Justizminister („Secretary of State for Justice“)[1] und war seit Juni 2017 Umwelt- und Ernährungsminister („Secretary of State for Environment, Food and Rural Affairs“). Im Kabinett von Boris Johnson wurde er am 24. Juli 2019 Kanzler des Herzogtums Lancaster und Staatssekretär für Kabinettsangelegenheiten und ist damit auch Vize-Premierminister. Er ist im Kabinett zugleich für die No-Deal-Brexit-Planungen der Regierung zuständig.[2]

BiografieBearbeiten

Der Adoptivsohn eines Unternehmers aus der Fischindustrie[3] und einer Lehrerin studierte nach dem Besuch staatlicher und unabhängiger Schulen und dem Robert Gordons College von 1985 bis 1988 Anglistik an der Lady Margaret Hall der Universität Oxford, wo er auch Präsident der „Oxford Union“ war. 1993 war er Chefjuror der „World Universities Debating Championship“, einem internationalen Studentenwettbewerb im Debattieren.

Nach Beendigung des Studiums war Gove, ursprünglich Unterstützer und Aktivist der Labour Party, als Journalist tätig und wurde 1996 vom Herausgeber Sir Peter Stothard zum Kolumnisten bei der Tageszeitung The Times berufen.

Während dieser Zeit initiierte er zusammen mit Frances Lawrence, der Witwe eines ermordeten Schulrektors, eine Kampagne zur Bekämpfung von Straßenkriminalität und ihren Ursachen. Die Kampagne beeinflusste die Gesetzgebung zum Verbot von Kampfmessern und führte zur Stiftung eines Preises für vorbildliche jugendliche Bürger.

Seine eigentliche politische Laufbahn begann er bei den Wahlen im Mai 2005, als er als Kandidat der Conservative Party erstmals zum Mitglied des Unterhauses („House of Commons“) gewählt wurde, in dem er seither den Wahlkreis Surrey Heath vertritt.

Bereits im Dezember 2005 wurde er in das konservative Schattenkabinett berufen, in dem er zunächst „Schattenminister“ für Wohnungsbau und dann von Juni 2007 bis Mai 2010 für Kinder, Schulen und Familien war.

Nach dem Wahlsieg der Konservativen bei den Unterhauswahlen 2010 wurde er am 12. Mai 2010 von Premierminister David Cameron zum Bildungsminister in dessen erstes Kabinett berufen.[4] Gove war ein Vertreter der traditionellen Unterrichtsmethoden, wie sie E.D. Hirsch 1999 in seinem Buch The Schools We Need and Why We Don't Have Them (Die Schulen, die wir benötigen und warum wir sie nicht haben) beschreibt.[5][6]

Im Juli 2014 wurde Gove im Zuge einer großen Kabinettsumbildung durch Nicky Morgan ersetzt. Gove übernahm dann die Position des „Chief Whip“.[7]

Innerhalb der Konservativen Partei gehört er zu den EU-Skeptikern und gehörte zu der Minderheit von konservativen Parlamentsabgeordneten und Kabinettsministern, die sich entgegen der politischen Linie Premierminister Camerons für ein Votum für den EU-Austritt beim Referendum über die weitere EU-Mitgliedschaft des Vereinigten Königreichs aussprachen.[8] In den letzten Wochen vor der entscheidenden Abstimmung im Juni 2016 gehörte er zu den engagiertesten öffentlichen Vertretern des „Brexit“-Konzepts und war in zahlreichen öffentlichen Debatten zu erleben.[9][10]

Michael Gove gehörte dem ersten Regierungskabinett von Premierministerin May nicht mehr an.[11] Goves frühere freundschaftliche Beziehungen zu David Cameron sind seit dem EU-Austritts-Referendum praktisch nicht mehr existent.[12] Ins zweite Regierungskabinett von Premierministerin May wurde er als Minister für Umwelt, Ernährung und den ländlichen Raum berufen.

Bewerbungen um den Parteivorsitz und das Amt des PremierministersBearbeiten

Nachdem die Befürworter des EU-Austritts beim Referendum siegreich waren, wurde er als einer der Kandidaten für den künftigen Parteivorsitz der Konservativen Partei in der Nachfolge David Camerons gehandelt.[13] Am 30. Juni 2016 kündigte Gove in einer überraschenden Wendung seine Kandidatur für den Parteivorsitz an, nachdem er zuvor Boris Johnson unterstützt und eigene Kandidaturabsichten verneint hatte.[14] Seine Konkurrenten waren Innenministerin Theresa May, Arbeits- und Rentenminister Stephen Crabb, Energiestaatssekretärin Andrea Leadsom sowie der frühere Verteidigungsminister Liam Fox.[15][16] Am 7. Juli 2016 unterlag Gove in der zweiten Wahlrunde seinen verbliebenen Mitbewerberinnen May und Leadsom und schied damit aus dem Rennen der Kandidaten aus.[17]

Bei der durch den Rücktritt von Theresa May als Parteivorsitzende im Frühjahr 2019 ausgelösten Neuwahl bewarb sich Gove erneut um diesen Posten, schied aber in der letzten Runde der innerhalb der Unterhausfraktion ausgetragenen Vorausscheidung am 20. Juni aus. Die Entscheidung fiel letztlich in einer Urabstimmung aller Parteimitglieder zwischen Außenminister Jeremy Hunt und Boris Johnson, zu Gunsten von Johnson.[18][19]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Biography: The Rt Hon Michael Gove MP gov.co.uk (englisch)
  2. Sascha Zastiral: Versorgungsengpässe bei hartem Brexit: Ooops. In: Spiegel Online. 19. August 2019 (spiegel.de [abgerufen am 19. August 2019]).
  3. Simon Johnson: Teenage Michael Gove supported Labour. The Telegraph, 16. Mai 2010, abgerufen am 7. Juli 2016 (englisch)
  4. BBC News: Gove is named Education Secretary (12. Mai 2010).
  5. E. D. Hirsch: The Schools We Need and Why We Don't Have Them. Anchor Verlag 1999, ISBN 978-0385495240
  6. Auszug aus The Schools We Need and Why We Don't Have Them (englisch)
  7. Michael Gove moved to Chief Whip in Cabinet reshuffle auf BBC News 15. Juli 2014, abgerufen am 15. Juli 2014.
  8. Michael Gove says backing UK leaving the EU is ‘optimist’s choice’. BBC News, 24. Februar 2016, abgerufen am 8. März 2016 (englisch).
  9. Michael Gove – ‘EU: In Or Out?’ YouTube, 3. Juni 2016, abgerufen am 20. Juni 2016 (englisch, Diskussion mit Michael Gove auf skynews).
  10. Michael Gove Responds To Brexit Criticism From Stephen Hawking. YouTube, 30. Mai 2016, abgerufen am 20. Juni 2016 (englisch).
  11. Theresa May's cabinet: Who's in and who's out? BBC News, 14. Juli 2016, abgerufen am 14. Juli 2016 (englisch).
  12. Gove: Friendship with Camerons 'strained' over Brexit. BBC News, 10. Dezember 2016, abgerufen am 11. Dezember 2016 (englisch).
  13. Conservative leader: Who might succeed David Cameron? BBC News, 28. Juni 2016, abgerufen am 28. Juni 2016 (englisch).
  14. Michael Gove to stand for Conservative leadership. BBC News, 30. Juni 2016, abgerufen am 30. Juni 2016 (englisch).
  15. Großbritannien: Theresa May will neue Premierministerin werden. Spiegel Online, 30. Juni 2016, abgerufen am gleichen Tage
  16. Conservative leader: Who might succeed David Cameron? BBC News, 30. Juni 2016, abgerufen am gleichen Tage (englisch)
  17. Theresa May v Andrea Leadsom in Conservative leader race. BBC News, 7. Juli 2016, abgerufen am 7. Juli 2016 (englisch).
  18. Jeremy Hunt kämpft in Tory-Urwahl gegen Boris Johnson. Spiegel Online, 20. Juni 2019, abgerufen am selben Tage.
  19. Boris Johnson elected as Leader of the Conservative Party. Abgerufen am 23. Juli 2019 (englisch).