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Stephen Bannon

US-amerikanischer Publizist, Filmemacher und Berater
Steve Bannon (2017)

Stephen Kevin Bannon (* 27. November 1953 in Norfolk, Virginia), besser bekannt als Steve Bannon, ist ein US-amerikanischer Publizist, Filmproduzent und politischer Berater. Er leitet seit 2012, mit einer Unterbrechung von August 2016 bis August 2017, die Website Breitbart News Network. Im August 2016 wurde er Berater des damaligen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump. Von dessen Amtsantritt am 20. Januar 2017 bis zum 18. August 2017 war er der Chefstratege im Weißen Haus.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Herkunft und StudiumBearbeiten

Bannon entstammt einer irischstämmigen katholischen Arbeiterfamilie. Er ist das dritte von fünf Kindern des Telefonleitungsmonteurs Martin Bannon und dessen Frau Doris. Bald nach seiner Geburt zog die Familie von seiner Geburtsstadt Norfolk nach Richmond, Virginia. Die Eltern waren konservative Demokraten und begeisterte Anhänger des ebenfalls irischstämmig-katholischen Präsidenten John F. Kennedy, für den der Vater auch im Wahlkampf aktiv war. Steve wuchs in dem Bewusstsein auf, der hart arbeitenden Blue Collar-Klasse anzugehören, und jobbte neben der Schule auf einem Schrottplatz.[1]

Das Elternhaus war von einem sehr konservativen Katholizismus geprägt. Man ging jeden Sonntag zur Heiligen Messe, und die drei Söhne besuchten die private katholische Militär-Highschool Benedictine in Richmond. Diese verstand sich als Bollwerk gegen die fortschreitende Liberalisierung. Dabei kamen fast alle Kadetten wie Steve Bannon aus dem Arbeitermilieu, und oft gab es Konflikte bis hin zu Prügeleien mit den reichen „Snobs“ aus zwei anderen Highschools, bei denen sich Bannon besonders hervortat. An die Highschool schloss sich ein Studium an der Virginia Polytechnic Institute and State University an, das er im Bereich Stadtplanung 1976 abschloss. Dort kandidierte er schon im ersten Jahr für den Vorsitz der Student Government Association (Studentenvertretung) und griff bereits da zu Methoden, die (so sein Biograph Joshua Green) sein Markenzeichen werden sollten: Er druckte Flyer, in denen er den amtierenden Vertretern vorwarf, auf der Seite der elitären Universitätsleitung zu stehen und nur Plattitüden, Versprechungen und Slogans von sich zu geben. Dagegen werde er mit einer „dynamischen Führerschaft“ einen Wandel herbeiführen. Die Wahl entschied er zur Überraschung der düpierten älteren Konkurrenten mit über 60 % für sich.[2]

Militärdienst und FinanzwirtschaftBearbeiten

Schon auf der Highschool, die zugleich eine Militärakademie war, hatte Bannon den Entschluss gefasst, die Offizierslaufbahn einzuschlagen. Das Studium an der Virginia Tech hatte er eingeschoben, um zeitweilig von der militärischen Disziplin, die Benedictine geprägt hatte, befreit zu sein. Danach verpflichtete er sich bei der Marine, und er träumte davon, eines Tages Verteidigungsminister zu werden. Nach der Grundausbildung wurde er dem Zerstörer USS Paul F. Foster zugeteilt, der auf die Bekämpfung von U-Booten spezialisiert und zumeist im Pazifik unterwegs war. Im März 1980 wurde sein Schiff, zu dessen Navigator er inzwischen aufgestiegen war, zum Geleitschutz des Flugzeugträgers USS Nimitz im Persischen Golf beordert. Von der Nimitz sollten im Rahmen der Operation Eagle Claw acht Hubschrauber nach Teheran fliegen, um die in der dortigen amerikanischen Botschaft festgehaltenen Geiseln zu befreien. Bannons Zerstörer wurde jedoch einige Tage vor dem Start dieser komplett gescheiterten Mission nach Pearl Harbor abkommandiert. Dennoch war dieser Misserfolg für ihn ein einschneidendes Erlebnis. Er verachtete den Präsidenten Jimmy Carter, der die Operation befohlen hatte und den er für das Scheitern verantwortlich machte, und er begann, sich für Ronald Reagan zu begeistern, der ebenfalls scharfe Kritik an Carter übte. Außerdem begann Bannon, im Islam eine heranwachsende Bedrohung für den Westen zu sehen.[3]

Wieder zurück in den Vereinigten Staaten arbeitete Bannon zunächst im Pentagon als Assistent der Leitung für Marineoperationen. Daneben machte er an der Georgetown University in Washington, D.C. einen Master-Abschluss in National Security. 1983 immatrikulierte Bannon sich im Alter von 29 Jahren an der Harvard Business School. Noch während seines Studiums wurde er von der Investmentbank Goldman Sachs angeworben; dort arbeitete er von 1984 bis 1990 in der Abteilung Mergers & Acquisitions.[4][5] 1990 gründete er mit Kollegen von Goldman Sachs eine Investmentfirma für den Medienbereich, Bannon & Co.[5] Im Rahmen von Akquisitionen und der Finanzierung von Hollywood-Filmstudios[6]verhandelten sie unter anderem den Verkauf von Castle Rock Entertainment an Ted Turner und erhielten dafür Anteile an mehreren TV-Shows, darunter Seinfeld. 1998 wurde die Firma an die französische Geschäftsbank Société Générale verkauft.

MedienkarriereBearbeiten

Noch während seiner Zeit als Firmenchef von Bannon & Co. wurde Bannon 1993 Acting Director des Projekts Biosphäre 2, bei dem er bis 1995 blieb. Nach dem Verkauf seiner Firma wurde er Produzent in Hollywood. Unter anderem war er an dem Film Titus mit Anthony Hopkins beteiligt. Er wurde Partner von Jeff Kwatinetz in der Medienproduktionsfirma The Firm, Inc. und war 2004 an einem Film über Ronald Reagan (Titel In the Face of Evil: Reagan’s War in Word and Deed) beteiligt.[7] Von 2007 bis 2011 war Bannon CEO von Affinity Media. Im Jahre 2011 gewann er den Milliardär Robert Mercer als Investor für die Nachrichten- und Meinungs-Website Breitbart News Network und wechselte in das Board of Directors des damals noch unbedeutenden Unternehmens. Als dessen Leiter und Begründer Andrew Breitbart 2012 überraschend starb, übernahm Bannon die Leitung und baute, hauptsächlich finanziert durch Mercer, die Website unter Hinzuziehung vieler Vollzeit-Autoren massiv aus.[8][9] Bannon äußerte im August 2016, Breitbart News sei „die Plattform für die Alt-Right-Bewegung“ („the platform for the alt-right“)[10], es seien „junge Menschen, [...] sehr nationalistisch“, „gegen die Globalisierung und gegen das Establishment“.[11]

Ebenfalls 2012 gründete Bannon mit Peter Schweizer das Government Accountability Institute (GAI) in Tallahassee. Dessen Ziel sei es (wie er der Bloomberg Businessweek erzählte), „Schmutz“ über Politiker auszugraben und damit die Mainstream-Medien, die immer weniger Geld für eigenen investigativen Journalismus haben, zu „füttern“. Diese Non-Profit-Organisation wird ebenfalls von Mercer finanziert, und dessen Tochter Rebekah Mercer, die auch bei Breitbart eng mit Bannon zusammenarbeitete, trat kurz nach der Gründung in den Vorstand ein. Zu den bislang größten Erfolgen der Organisation gehört ein Leitartikel in der Times im Jahre 2015, der auf Schweizers Buch Clinton Cash beruhte und über angebliche kriminelle Machenschaften von Bill und Hillary Clinton berichtete, sowie ein ebenso betitelter und ausgerichteter Film, der 2016 auf dem Filmfestival von Cannes präsentiert wurde. Ein anderes Buch von Schweizer, Bush Bucks, widmete sich in entsprechender Weise dem von dem republikanischen „Establishment“ favorisierten Präsidentschaftsbewerber Jeb Bush.[8]

Bannon verließ Breitbart, als er im August 2016 Berater des Präsidentschaftskandidaten Donald Trump wurde, und wurde noch am Tag seines Ausscheidens aus dem Weißen Haus am 18. August 2017 wieder Executive Chairman bei Breitbart.[12] In einem Interview am selben Tag sagte er: „Now I’m free. I’ve got my hands back on my weapons. [...] I am definitely going to crush the opposition. There’s no doubt.“ („Jetzt bin ich frei. Ich habe die Hände wieder an meinen Waffen. [...] Ich werde die Opposition definitiv vernichten. Zweifellos.“) Er betonte, er sehe die Gegner hauptsächlich im Establishment innerhalb der Republikanischen Partei.[13] Im September 2017 wurde deutlich, dass Bannon für die Vorwahlen zur Kongresswahl 2018 innerparteiliche Gegenkandidaten für ihm missliebige Abgeordnete sucht und diese dann via Breitbart unterstützen will.[14] So förderten Bannon, Breitbart News und die Milliardärsfamilie Mercer den völkischen Extremisten Roy S. Moore (* 1947), der in Alabama um den Sitz im US-Senat kandidiert und in der Vorwahl der Republikanischen Partei gegen den moderateren Luther Strange, der von Trump unterstützt wurde, gewann.[15] Der Sitz war durch Jeff Sessions’ Ernennung zum Justizminister frei geworden.[16]

Verhältnis zu Donald TrumpBearbeiten

Bannon lernte Donald Trump 2011 bei einem Gespräch im Trump Tower kennen; sie sprachen über Trumps Erwägungen, 2012 gegen Barack Obama zu kandidieren. Als er 2012 die Breitbart News übernahm, begann er dort, bewundernde Beiträge über Trump zu bringen. Er hatte den Eindruck, dass Trump, der bei seinen Reden Menschenmassen elektrisieren konnte, geeignet sein könnte, die Politik in den Vereinigten Staaten aufzumischen.[8] Und Trump begann, Bannons Breitbart-Artikel zu lesen, die er sich zu diesem Zweck ausdrucken ließ. Auf diese Weise vermittelte Bannon ihm seine nationalistische Weltsicht und insbesondere seine Feindseligkeit gegen illegale Einwanderer.[17]

2013 richtete er ein Breitbart-Büro in Texas ein (der Hauptsitz ist in Los Angeles), das sich auf die Einwanderung aus Mexiko konzentrierte. Im Jahre 2015, einige Zeit vor Trumps Verkündung seiner Kandidatur bei den parteiinternen Vorwahlen zur Präsidentschaftswahl 2016, organisierte Bannon eine Reise Trumps an die texanisch-mexikanische Grenze, die dieser bald nach Beginn der Kandidatur antrat. Trumps dortige Äußerungen über Einwanderer schockierten selbst Parteigenossen wie Jeb Bush und Paul Ryan und wurden in der Presse verurteilt, aber in den Umfragen schnellten seine Werte nach oben und brachten ihn auf den ersten Platz.[18]

 
Proteste gegen Bannons Ernennung

In Trumps Hauptwahlkampf nach seinem Sieg bei den Vorwahlen wurde Bannon im August 2016 zum Wahlkampfleiter ernannt. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Trumps Kampagne in einer Krise und schien auf eine erdrutschartige Niederlage zuzusteuern. Er hatte bereits zwei Wahlkampfmanager zerschlissen, zuletzt Paul Manafort, der im Verdacht stand, große Geldsummen von ukrainischen Politikern erhalten zu haben. Bannons Berufung wurde nun in den führenden Politikerkreisen mit großer Bestürzung aufgenommen.[19]

Am 7. Oktober 2016 erregte die Veröffentlichung von Tonbandaufzeichnungen aus dem Jahre 2005 durch die Washington Post, in denen Trump anzügliche und herabwürdigende Äußerungen über Frauen von sich gegeben hatte, großes Aufsehen.[20] Darin sah Bannon, der bislang zuversichtlich gewesen war, einen Wahlsieg herbeiführen zu können, eine ernste Bedrohung. Nun setzte er darauf, die Gegenkandidatin Hillary Clinton in ein derart schlechtes Licht zu setzen, dass die Leute „kotzen“ würden, wenn sie ihren Namen hörten („when you hear her name, you're gonna throw up“). In den folgenden Wochen bis zum Wahltag (8. November) zog Trump diese Strategie rigoros durch. Am 21. Oktober nannte er Clinton bei einem gemeinsamen Benefizdinner im direkten Gespräch „korrupt“. Als eine Woche später der FBI-Direktor James Comey bekanntgab, dass er frühere Untersuchungen des privaten E-Mail-Verkehrs Clintons in ihrer Zeit als Außenministerin wieder aufnehmen werde, griff Trump das umgehend auf und rief bei einer Rede aus, jede Stimme für seine Gegenkandidatin sei eine Stimme für die Übergabe der Regierung an Korruption und Vetternwirtschaft und würde das Bestehen der US-Verfassung gefährden. In weiteren Reden und schriftlichen Verlautbarung transportierte Trump in der verbleibenden Zeit das ganze verschwörungstheoretische Weltbild Bannons, indem er Clinton in ein finsteres Netzwerk einordnete, das die gesamte globale Machtstruktur umfasse, darunter die Banken, die Medien, Milliardäre wie George Soros und die US-Notenbank-Chefin Janet Yellen.[21]

Am Beginn seiner Amtszeit machte Trump ihn zu seinem Chefstrategen im Weißen Haus, und er gelangte auch in den Nationalen Sicherheitsrat.[22] Der New York Times zufolge beförderte sich Bannon selbst in den Nationalen Sicherheitsrat, was Trump erst nach der Unterzeichnung des entsprechenden Dekrets begriffen habe.[23] Seit einer erneuten Umstrukturierung des Nationalen Sicherheitsrats am 5. April 2017 durch Trump ist Bannon dort nicht mehr Mitglied.[24]

Bannon galt zunächst als wichtigster Berater der Regierung Trump; in dieser Position wurde er sukzessive von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner abgelöst.[25] Der Rückzug der Vereinigten Staaten aus dem Übereinkommen von Paris wird Bannons Einfluss zugeschrieben; er habe sich bei diesem Thema gegen Kushner durchgesetzt.[26] Ebenso wird die Beendigung der Deferred Action for Childhood Arrivals-Regelung im September 2017 als Sieg für Bannon und Breitbart bewertet.[27]

Am 18. August 2017 gab das Weiße Haus bekannt, der neue Stabschef John F. Kelly und Bannon seien übereingekommen, dass Bannon seine Tätigkeit für das Weiße Haus am selben Tag beende.[28] Trump gab am Tag darauf über Twitter bekannt, dass er sich freue, dass Bannon „eine starke und kluge neue Stimme bei Breitbart sein“ werde.[29]

Bei der Ende September 2017 durchgeführten parteiinternen Vorwahl zum US-Senatssitz für Alabama unterstützte Bannon den früheren Richter Roy Moore, der für seine radikal-konservative Haltung bekannt ist. Donald Trump sprach sich hingegen für den als moderater geltenden Luther Strange aus. Bei der Vorwahl setzte sich Roy Moore durch, was im Tagesspiegel so gedeutet wurde, „dass Trump gewissermaßen gegen Bannon verloren hat“.[15]

Politische StandpunkteBearbeiten

Bannon wird der „alternativen Rechten“ („Alt-Right-Bewegung“) zugeordnet[30] und bezeichnete sich selbst als „Wirtschafts-Nationalisten“.[31][32] Bürgerrechtler und linke Gruppierungen, darunter die Anti-Defamation League, der Council on American-Islamic Relations sowie das Southern Poverty Law Center haben Bannon und Breitbart News eine antisemitische und rassistische Gesinnung vorgeworfen; er sei ein Anhänger der Ideologie von der Überlegenheit der weißen Rasse (White Supremacy).[33] Bannon habe sich bei Breitbart News so geäußert.[34] Gegen den Vorwurf des Antisemitismus verteidigte ihn unter anderen der Publizist David Horowitz.[35] Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, ein orthodoxer Jude, gab an, Bannon sei Zionist und liebe Israel.[36]

MedienBearbeiten

Bezüglich der Rolle der Medien in den Vereinigten Staaten erklärte Bannon Ende Januar 2017 in einem Interview mit der New York Times:

“The media here is the opposition party. They don’t understand this country. They still do not understand why Donald Trump is the president of the United States. […] The media should be embarrassed and humiliated and keep its mouth shut and just listen for a while. […] The media has zero integrity, zero intelligence, and no hard work.”

„Die hiesigen Medien sind die Oppositionspartei. Sie verstehen dieses Land nicht. Sie verstehen immer noch nicht, warum Donald Trump der Präsident der Vereinigten Staaten ist. […] Die Medien sollten sich genieren, beschämt sein, ihren Mund halten und für eine Weile nur zuhören. […] Die Medien verfügen über keinerlei Seriosität, Intelligenz und leisten keine harte Arbeit.“

Stephen Bannon[37]

US-Präsident Donald Trump stimmte dieser Auffassung in einem CBN-Fernsehinterview am Folgetag zu.[38]

Im November 2016, kurz nach seiner Ernennung zum Berater und Chefstrategen des Präsidenten Donald Trumps, äußerte Bannon in Bezug auf einige jüngste Kritiken an der Wahlkampfkampagne Trumps,

„Finsternis ist gut. Dick Cheney. Darth Vader. Satan. Das ist Macht. Es kann uns nur helfen, wenn sie [die „Liberals“, Linken] es falsch verstehen. Wenn sie blind dafür sind, wer wir sind und was wir tun.“[39]

Politisches EstablishmentBearbeiten

Aus seiner Geringschätzung für das politische Establishment in Washington macht Bannon keinen Hehl – sowohl das der Demokraten als auch das der Republikaner.[32] 2010 meinte Bannon laut einem Journalisten der Website The Daily Beast: „Lenin wollte den Staat zerstören, und das ist auch mein Ziel. Ich will alles zum Einsturz bringen und das komplette heutige Establishment zerstören.“[39] Ebenso kritisiert er große Banken und Versicherungen, weil in der Finanzkrise 2008 viele von ihnen mit dem Geld der Steuerzahler gerettet worden seien, während Kleinanleger wie sein Vater für teils hohe Kursverluste ihrer Wertpapiere nicht entschädigt worden seien.[40]

VerwaltungsapparatBearbeiten

Bei einem Auftritt auf der jährlichen Conservative Political Action Conference 2017 bekräftigte Bannon am 23. Februar 2017 seine Ablehnung staatlicher Eingriffe und die Unterstützung weitgehender Deregulierung. Er sprach sich zum wiederholten Mal für einen „Rückbau des Verwaltungsapparats“ („Deconstruction of the administrative state“) aus.[41]

Wirtschaft und ReligionBearbeiten

Im Sommer 2014 erläuterte Bannon bei einer Konferenz des Dignitatis Humanae Institute in der Vatikanstadt seine Auffassung des Konservatismus:[42] Der Kapitalismus sei aufgrund seiner jüdisch-christlichen Basis bis zum Ende des Kalten Kriegs in der Lage gewesen, Kultur und Wirtschaftsinteressen der Arbeiterklasse zu vertreten. Fortdauernde Säkularisierung hingegen habe den Neoliberalismus ermöglicht, der außer seinen Eliten niemanden mehr versorge. Die Rückkehr zu traditioneller abendländischer Religiosität solle den Kapitalismus zähmen und den radikalen Islam besiegen.[39] In dieser Rede bezog sich Bannon auf den italienischen Philosophen Julius Evola[43] sowie auf den russischen Philosophen Alexander Geljewitsch Dugin.[44] Der Westen stehe „am Beginn eines sehr brutalen und blutigen Konflikts“ gegen den „dschihadistisch-islamischen Faschismus“; es sei eine sehr „aggressive Haltung“ gegen den radikalen Islam und zur Verteidigung der jüdisch-christlichen Kultur notwendig und an der Zeit, für den eigenen Glauben und „für unsere Überzeugungen und gegen die beginnende neue Barbarei zu kämpfen“.[45]

MilitärBearbeiten

Bannon ist ein Anhänger der Theorie von William Strauss und Neil Howe[46], wonach die Geschichte der Vereinigten Staaten in generationellen Zyklen von 70 bis 100 Jahren verlaufe: Diese würden stets in einem Krieg enden; auf diesen folge dann wieder ein gesellschaftlich-kulturelles Hoch. Nach dem Unabhängigkeitskrieg, dem Sezessionskrieg und dem Zweiten Weltkrieg stehe ein neuer reinigender Krieg unmittelbar bevor. Auf dieser Theorie basiert Bannons Film Generation Zero aus dem Jahr 2010.[47]

Anfang Februar 2017 bezeichnete Der Spiegel Bannon als Militaristen, der das Establishment zum Einsturz bringen wolle und den Krieg liebe. Bei ihm zu Hause lägen überall Kriegsbücher herum, Sunzis Die Kunst des Krieges sei eines seiner Lieblingsbücher. Im Herbst 2016 habe er prophezeit, dass es in fünf bis zehn Jahren einen Krieg der USA gegen China geben werde, außerdem einen weiteren Krieg im Nahen Osten.[48]

Ehen und KinderBearbeiten

Bannon heiratete in erster Ehe Cathleen Houff (* 1955). Aus dieser Ehe ging 1988 die Tochter Maureen hervor. Im April 1995 heiratete er Mary Louise Piccard, drei Tage vor der Geburt der Zwillinge Emily und Grace.[49] In dritter Ehe heiratete Bannon die Tea-Party-Aktivistin Diane Clohesy. Diese Ehe wurde 2009 geschieden.[50]

FilmografieBearbeiten

Bannon war in verschiedenen Rollen an Filmen beteiligt: als Produzent, als Regisseur und als Drehbuchschreiber.

  • 1991: Indian Runner (als Executive Producer)[51]
  • 1999: Titus[52]
  • 2004: In the Face of Evil: Reagan’s War in Word and Deed[53] (nach dem Buch Reagan’s War von Peter Schweizer)
  • 2005: Cochise County USA: Cries from the Border
  • 2006: Border War: The Battle Over Illegal Immigration
  • 2009: The Chaos Experiment
  • 2010: Generation Zero[54]
    • Battle for America[55]
    • Fire from the Heartland: The Awakening of the Conservative Woman (Regie)[55]
  • 2011: Still Point in a Turning World: Ronald Reagan and His Ranch
  • 2012: Occupy Unmasked[56]
    • The Hope & The Change[57]
    • District of Corruption
  • 2013: Sweetwater – Rache ist süß (Sweetwater, als Executive Producer)[58]
  • 2014: Rickover: The Birth of Nuclear Power
  • 2015: The Last 600 Meters
  • 2016: Clinton Cash (Produzent, Autor)

LiteraturBearbeiten

  • Joshua Green: Devil’s Bargain: Steve Bannon, Donald Trump, and the Storming of the Presidency. Penguin Press, New York 2017.
  • Tilman Jens: Stephen Bannon. Trumps dunkler Einflüsterer. Heyne Verlag, 2017, ISBN 978-3-453-20188-0[59]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Joshua Green: Devil’s Bargain: Steve Bannon, Donald Trump, and the Storming of the Presidency. Penguin Press, New York 2017. S. 49f.
  2. Joshua Green: Devil’s Bargain: Steve Bannon, Donald Trump, and the Storming of the Presidency. Penguin Press, New York 2017. S. 50-54.
  3. Joshua Green: Devil’s Bargain: Steve Bannon, Donald Trump, and the Storming of the Presidency. Penguin Press, New York 2017. S. 53-59.
  4. Joshua Green: This Man Is the Most Dangerous Political Operative in America. In: Bloomberg Businessweek, 8. Oktober 2015 (englisch).
  5. a b Steve Bannon: 5 Fast Facts You Need To Know. In: Heavy. 17. August 2016 (englisch).
  6. „Das Feuer des Kernlandes“. In: Der Spiegel, Nr. 47, 19. November 2016, S. 100 f.
  7. Stephen Bannon in der Internet Movie Database (englisch)Vorlage:IMDb/Wartung/„importiert aus“ fehlt.
  8. a b c Jane Mayer: The reclusive hedge-fund tycoon behind the Trump presidency. In: The New Yorker, 27. März 2017 (englisch).
  9. Marc Pitzke: Strippenzieherin und Straßenkämpfer. In: Spiegel Online, 18. August 2016 (englisch); Michael Barbaro, Michael M. Grynbaum: Stephen Bannon, a Rookie Campaign Chief Who ‘Loves the Fight’. In: The New York Times. 17. August 2016 (englisch).
  10. Sarah Posner: How Donald Trump’s New Campaign Chief Created an Online Haven for White Nationalists. In: Mother Jones. 22. August 2016 (englisch).
  11. Heike Buchter: Im Griff der Eule In: Die Zeit, 1. März 2017.
  12. Exit Steve Bannon. In: The New York Times, 18. August 2017 (englisch).
  13. Peter J. Boyer: Bannon: 'The Trump Presidency that we fought for, and won, is over.' The Weekly Standard 18. August 2017.
  14. Frauke Steffens / FAZ.net 13. September 2017: Auf der Suche nach Problem-Machern .
  15. a b Thomas Seibert: Vorwahl bei US-Republikanern: Erzkonservativer Roy Moore siegt über Trumps Kandidaten. In: Der Tagesspiegel. 27. September 2017, abgerufen am 27. September 2017.
  16. FAZ.net 19. September 2017: Die Rückkehr des Barbaren
  17. Joshua Green: Devil’s Bargain: Steve Bannon, Donald Trump, and the Storming of the Presidency. Penguin Press, New York 2017. S. 6.
  18. Joshua Green: Devil’s Bargain: Steve Bannon, Donald Trump, and the Storming of the Presidency. Penguin Press, New York 2017. S. 6f.
  19. Joshua Green: Devil’s Bargain: Steve Bannon, Donald Trump, and the Storming of the Presidency. Penguin Press, New York 2017, S. 3–5.
  20. Emily Yahr, Elahe Izadi: Billy Bush was already polarizing. His lewd Donald Trump conversation makes things much worse. In: The Washington Post, 7. Oktober 2016 (englisch); Transcripts: What the mics caught Donald Trump saying in 2005 and what he said in his taped apology. In: The Los Angeles Times 7. Oktober 2016 (englisch).
  21. Joshua Green: Devil’s Bargain: Steve Bannon, Donald Trump, and the Storming of the Presidency. Penguin Press, New York 2017. S. 8f.
  22. Trump gestaltet wichtigstes Gremium für Sicherheits- und Aussenpolitik radikal um. In: Neue Zürcher Zeitung, 29. Januar 2017.
  23. Glenn Thrush, Maggie Haberman: Trump and Staff Rethink Tactics After Stumbles. In: The New York Times, 5. Februar 2017 (englisch).
  24. Trump-Berater Steve Bannon nicht mehr im Nationalen Sicherheitsrat. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. April 2017.
  25. Julian Borger, Spencer Ackerman: Steve Bannon’s role in inner circle of Trump team raises fears of security crisis. In: The Guardian, 31. Januar 2017 (englisch); Norbert Finzsch: Der Trump-Flüsterer. In: Die Zeit, 5. Februar 2017; Sebastian Moll: Superman im Weißen Haus. In: Die Zeit, 11. April 2017.
  26. Benjamin Prüfer: Trumps Klimaentscheidung ist eine krachende Niederlage für seine Tochter Ivanka. In: The Huffington Post, 2. Juni 2017 (englisch); Lachlan Markay, Asawin Suebsaeng: Paris Climate Deal’s Demise Means Steve Bannon Wins—and the Planet Loses. In: The Daily Beast, 1. Juni 2017 (englisch).
  27. Paul Blumenthal: As Trump Kills DACA, Bannon’s Breitbart Celebrates A Major Policy Win. In: The Huffington Post. 5. September 2017, abgerufen am 6. September 2017.
  28. Maggie Haberman: Stephen Bannon Out at the White House After Turbulent Run. In: The New York Times, 18. August 2017 (englisch); Was Bannons Rauswurf für Trump bedeutet. In: Süddeutsche.de, 18. August 2017.
  29. Christian Palm: Trump setzt weiter auf Bannon: „Eine starke und kluge Stimme für Breitbart“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. August 2017 (englisch).
  30. Clemens Wergin: Trumps doppeltes Spiel im Weißen Haus. In: Die Welt. 14. November 2016.
  31. Eric Bradner: Bannon rejects white nationalism: ‘I’m an economic nationalist’. In: CNN.com, 21. November 2016 (englisch).
  32. a b Andreas Mink: Steve Bannon: Trumps General der Finsternis. In: Neue Zürcher Zeitung, 5. Februar 2017 (englisch).
  33. Susan Ferrechio: Reid spokesman: ‘White supremacist’ Bannon snags White House post. In: The Washington Examiner, 14. November 2016 (englisch).
  34. Naomi Zeveloff: How Steve Bannon and Breitbart News Can Be Pro-Israel — and Anti-Semitic at the Same Time. In: The Jewish Daily Forward, 15. November 2016 (englisch).
  35. Hana Levi Julian: Jewish Writer Says Trump’s Appointee, Bannon ‘Doesn’t Have An Anti-Semitic Bone in His Body’ In: The Jewish Press, 15. November 2016 (englisch).
  36. Steven Bertoni: How Jared Kushner Won Trump The White House. In: Forbes Magazine. 22. November 2016 (englisch).
  37. Michael M. Grynbaum: Trump Strategist Stephen Bannon Says Media Should ‘Keep Its Mouth Shut’. In: The New York Times, 26. Januar 2017 (englisch).
  38. David Brody: Brody File Exclusive: President Trump Calls Mainstream Media The “Opposition Party.” In: Christian Broadcasting Network, 27. Januar 2017 (englisch).
  39. a b c Jens Schmitz: Steve Bannon: Donald Trumps Strippenzieher. In: Badische Zeitung. 1. Februar 2017; Trumps doppeltes Spiel im Weißen Haus In: Die Welt. 14. November 2016.
  40. Kerstin Kohlenberg: Der heimliche Anführer der wütenden Weißen. In: Die Zeit, 19. August 2016.
  41. Aaron Blake: Stephen Bannon’s nationalist call to arms, annotated. In: The Washington Post, 25. Februar 2017 (englisch); Philip Rucker, Robert Costa: Bannon vows a daily fight for ‘deconstruction of the administrative state’. In: The Washington Post, 25. Februar 2017 (englisch); Christoph von Marschall: Der Traum vom überflüssigen Staat. In: Der Tagesspiegel, 25. Februar 2017.
  42. J. Lester Feder: The Rise Of Europe’s Religious Right. In: BuzzFeed, 17 November 2016 (englisch).
  43. Jason Horowitz: Steve Bannon Cited Italian Thinker Who Inspired Fascists. In: The New York Times, 10. Februar 2017 (englisch).
  44. Thomas Assheuer: Steve Bannon lobt Alexander Dugin. In: Die Zeit, 9. Februar 2017, S. 35.
  45. Julius Müller-Meiningen: US-Chefstratege Bannon kungelt mit Papst-Widersacher. In: Badische Zeitung, 17. Februar 2017; J. Lester Feder: Comment le conseiller stratégique de Trump voit le monde. In: BuzzFeed, 17 November 2016 (französisch).
  46. William Strauss, Neil Howe: The Fourth Turning. What the Cycles of History Tell Us About America's Next Rendezvous with Destiny. Three Rivers Press, New York 1997; Neil Howe: Where did Steve Bannon get his worldview? From my book. In: The Washington Post, 24. Februar 2017 (englisch).
  47. Eliana Johnson, Eli Stokols: What Steve Bannon Wants You to Read. In: Politico, 7. Februar 2017 (englisch); Jörg Häntzschel: USA, Land der Apokalypse. In: Süddeutsche Zeitung, 12. Februar 2017.
  48. Mephistos Plan. In: Der Spiegel. Nr. 6, 2017 (online4. Februar 2017).
  49. The Bannon Files: Divorce Records Reveal Marital Discord and Questionable Parenting. In: The Oppo Report. 2. Dezember 2016 (englisch).
  50. Stephen Bannon’s Wives and Children. In: Daily Entertainment News. (englisch, ohne Datum).
  51. Daniel Miller: Inside the Hollywood past of Stephen K. Bannon, Donald Trump’s campaign chief. In: Los Angeles Times, 30. August 2016 (englisch).
  52. Todd McCarthy: Review: ‘Titus’. In: Variety, 21. Dezember 1999.
  53. Ned Martel: Ronald Reagan, in Black and White. In: The New York Times, 29. Oktober 2004 (englisch).
  54. David Weigel: Blowing Up Stuff. In: Slate, 1. Oktober 2010 (englisch).
  55. a b c Gabe Wardell: Director Stephen Bannon talks Sarah Palin’s Undefeated. In: Creative Loafing, 15. Juli 2011 (englisch); Kate O’Hare: Sarah Palin documentary ‘The Undefeated’ to roll out to other cities. In: The Los Angeles Times, 17. Juli 2011 (englisch).
  56. Kelsey Whipple: The director of Occupy Unmasked talks facts, bias and the future of the movement. In: Denver Westward, 21. September 2012 (englisch).
  57. Jedidiah Bila: Obama voters reject ‘hope and change’ in new documentary. In: Fox News, 27. August 2012 (englisch).
  58. Bill Hoffman: Newsmax TV’s ‘Fire From the Heartland’ Celebrates Conservative Women. In: Newsmax, 3. Juni 2015 (englisch).
  59. deutschlandfunk.de, Andruck - Das Magazin für Politische Literatur, 11. September 2017, Gregor Peter Schmitz: Warum Stephen Bannon gefährlich bleibt (16. September 2017)