Hauptmenü öffnen

Wikipedia β

Vermögensverwaltung (auch Asset-Management) ist eine Finanzdienstleistung, die sich mit der Betreuung von Finanzvermögen befasst. Der Vermögensverwalter trifft dabei auch (Finanz-)Anlageentscheidungen für seine Kunden. Der Begriff genießt in Deutschland keinen gesetzlichen Schutz und wird auch von unregulierten Finanzdienstleistern verwandt. Die bankaufsichtsrechtlich korrekte Bezeichnung der Dienstleistung lautet Finanzportfolioverwaltung.

Inhaltsverzeichnis

HintergründeBearbeiten

Im Gegensatz zur Vermögens- oder Anlageberatung werden bei der Vermögensverwaltung nicht nur Anlageratschläge erteilt, sondern Anlageentscheidungen auch eigenständig durch den Vermögensverwalter getroffen. Im Mittelpunkt dieses Geschäftsfeldes steht die Verwaltung bedeutender privater und institutioneller in- und ausländischer Anlagevermögen (Assets) verschiedener Anlagenklassen (Aktien, Renten, Immobilien und Liquidität). Ziel der Vermögensverwaltung ist es dabei, das Vermögensportfolio des Kunden unter Berücksichtigung seiner spezifischen Risikosituation und -freudigkeit sowie seiner Lebensplanung zu optimieren.

Vermögensverwaltung für InstitutionelleBearbeiten

Institutionelle Anleger – beispielsweise Versicherungsgesellschaften, Pensionskassen, Stiftungen, karitative Einrichtungen und staatliche Institutionen – können Vermögensverwalter damit beauftragen, ihr Vermögen zu optimieren. Dazu werden Investmentstrategien erarbeitet und umgesetzt, die sich an den jeweiligen Risiko-/Renditevorgaben ausrichten.

Die größten Vermögensverwalter für institutionelle Anleger bzw. Asset Manager der Welt waren im Jahr 2015 gemessen am verwalteten Vermögen (auch Assets under management, AUM):[1]

Rang Name Land Verwaltetes Vermögen
(Mrd. USD)
1 BlackRock Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 4645
2 Vanguard Group Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 3399
3 State Street Global Advisors Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 2245
4 Fidelity Investments Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 2036
5 Allianz Group Deutschland  Deutschland 1926
6 JP Morgan Chase Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 1723
7 Bank of New York Mellon Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 1625
8 AXA Group Frankreich  Frankreich 1489
9 Capital Group Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 1390
10 Goldmann Sachs Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 1252
11 Deutsche Bank Deutschland  Deutschland 1217
12 BNP Paribas Frankreich  Frankreich 1196
13 Prudential Financial Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 1184
14 UBS Schweiz  Schweiz 1150
15 Legal & General Group Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich 1106
16 Amundi Frankreich  Frankreich 985
17 Wellington Mgmt. Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 927
18 HSBC Holdings Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich 896
19 Wells Fargo Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 890
20 Northern Trust Asset Mgmt. Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 875
... ... ... ...
45 Aviva Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich 430
46 Credit Suisse Schweiz  Schweiz 414
47 Royal Bank of Canada Kanada  Kanada 411
48 DZ Bank Deutschland  Deutschland 391
49 Dimensional Fund Advisors Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 388
50 Standard Life Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich 375
... ... ... ...
62 Charles Schwab Investment Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 280
63 Munich Re Deutschland  Deutschland 280

Vermögensverwaltung für PrivateBearbeiten

Privatpersonen können auf Vermögensverwalter von Geschäftsbanken und dem freien Markt zugreifen. Die Vermögensverwalter optimieren und pflegen die Anlagen im Sinne des Kunden. Im Gegensatz zu Fonds wird ein Portfolio gemäß den persönlichen Bedürfnissen zusammengestellt. Hierbei werden auch Aspekte wie die individuellen Wertvorstellungen berücksichtigt (z. B. Wertpapiere von Rüstungsbetrieben ausgeschlossen). Wohlhabende Privatpersonen engagieren einen Vermögensverwalter, wenn die Betreuung des Vermögens zu viel Zeit in Anspruch nimmt oder der Eigentümer sich die nötigen Kompetenzen nicht aneignen will. Zu beachten sind etwaige Mindestanlagesummen, welche einige Verwaltungen als Einstiegskriterium definiert haben. Gängige Kategorien sind in diesem Zusammenhang high-net-worth individual (HNWI, z. B. mindestens 5 Millionen Euro) oder Ultra high-net-worth individual (UHNW, z. B. mindestens 30 Millionen Euro).

Die größten Vermögensverwalter für Privatvermögen der Welt, gemessen am verwalteten Vermögen waren im Jahr 2016:[2]

Rang Name Land Verwaltetes Vermögen
(Mrd. USD)
1 UBS Wealth Management Schweiz  Schweiz 2069
2 Bank of America Global Wealth and Investment Management Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 1972
3 Morgan Stanley Wealth Management Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 1950
4 Wells Fargo Wealth Management Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 922
5 RBC Wealth Management Kanada  Kanada 791
6 Credit Suisse Private Banking & Wealth Management Schweiz  Schweiz 719
7 Citi Private Bank Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 452
8 J.P. Morgan Chase Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 435
9 Goldman Sachs Private Wealth Management Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 413
10 BNP Paribas Wealth Management Frankreich  Frankreich 362
11 Julius Baer Group Schweiz  Schweiz 324
12 BMO Wealth Management Kanada  Kanada 302
13 Northern Trust Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 248
14 Pictet Schweiz  Schweiz 246
15 China Merchants Bank China Volksrepublik  Volksrepublik China 239

Interessenkonflikte der VermögensverwaltungBearbeiten

Bieten Banken Vermögensverwaltung an, so besteht die Gefahr von Interessenkonflikten, da die Bank durch den Vertrieb von eigenen Finanzprodukten in das Portfolio des Kunden sowohl an der Vermögensverwaltung als auch an dem Produkt verdient. Unabhängige Vermögensverwalter beziehen teilweise Retrozessionen, welche denselben Effekt haben. Gegenmaßnahmen könnten Kostentransparenz und Kostengarantien sein, welche die maximalen Kosten begrenzen (Total Expense Ratio Warranty), oder eine Vereinbarung mit dem Vermögensverwalter, dass sämtliche Retrozessionen an den Kunden weitergereicht werden.

Zugang zu VermögensverwaltungBearbeiten

Privatbanken und größere Retail-Banken bieten in der Regel Vermögensverwaltungsmandate an. Hoch personalisierte Dienstleistungen erbringen vor allem die unabhängigen Vermögensverwalter.

Verschiedene Internet-Plattformen bieten Zugang zu Vermögensverwaltung:

  • In Deutschland informiert z. B. der Verband unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland e. V. (VuV)[3] über Vermögensverwalter.
  • In der Schweiz listet u. a. der Verband Schweizerischer Vermögensverwalter,[4] eine der Schweizer Selbstregulierungsorganisationen, seine Mitglieder auf.
  • MyPrivateBanking Research hat ein Verzeichnis von Vermögensverwaltern und Private Banking Anbietern in Deutschland, Schweiz und Österreich sowie weiteren Ländern.[5]

In sogenannten Family Offices erfolgt die Vermögensverwaltung besonders großer Vermögen.

Zulassungspflicht für VermögensverwalterBearbeiten

Aufsichtsrechtlich ist zu unterscheiden zwischen der „echten Vermögensverwaltung“, nämlich der in § 1 Abs. 1a Nr. 3 KWG geregelten Finanzportfolioverwaltung, wonach „die Verwaltung einzelner in Finanzinstrumenten angelegter Vermögen für andere mit Entscheidungsspielraum“ der Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) bedarf, und der „unechten Vermögensverwaltung“, die sich häufig als bloße Anlageberatung darstellt. Jedoch unterliegt die Anlageberatung der gleichen Zulassungspflicht wie die Vermögensverwaltung. Einzige Ausnahme ist gemäß § 2 Abs. 6 Satz 1 Nr. 8 KWG die Anlageberatung zu Publikums-Investmentfonds mit Vertriebszulassung. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass die Regulierung der Fonds selbst bereits einen ausreichenden Schutz darstellt. Daher ist für diesen Spezialfall keine über die Regeln der Gewerbeordnung (§ 34f Abs. 1 Nr. 3 GewO) hinausgehende Zulassung erforderlich. Jedoch lauern dabei Fallstricke. Wenn z. B. im Rahmen der Beratung empfohlen wird, bestehende Wertpapierbestände zu verkaufen, die selbst keine entsprechenden Investmentfonds sind, und den Verkaufserlös in Investmentfonds anzulegen, so ist das von der Ausnahme nicht mehr gedeckt. Denn jeder Teil der Beratung muss gesondert betrachtet werden, und demnach erfüllte bereits die Verkaufsempfehlung den Tatbestand der zulassungspflichtige Anlageberatung, unabhängig davon, dass sie im Zusammenhang mit einer zulassungsfreien Kaufempfehlung für einen Investmentfonds verbunden war.

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten