Vermögensverwaltung

Vermögensverwaltung (auch englisch Wealth Management) ist eine Finanzdienstleistung, die sich mit der Verwaltung von in Finanzinstrumenten angelegtem Vermögen befasst. Der Vermögensverwalter trifft dabei auch Anlageentscheidungen für seine Kunden. Der Begriff genießt in Deutschland keinen gesetzlichen Schutz und wird auch von unregulierten Finanzdienstleistern verwendet.

AllgemeinesBearbeiten

Im Mittelpunkt dieses Geschäftsfeldes steht die Verwaltung bedeutender privater und institutioneller in- und ausländischer Finanzanlagevermögen (englisch Assets) verschiedener Risikoklassen (Aktien, Renten, Immobilien und Liquidität). Ziel der Vermögensverwaltung ist es dabei, das Vermögensportfolio des Kunden unter Berücksichtigung seiner spezifischen Risikosituation und -freudigkeit sowie seiner Lebensplanung zu optimieren.

Die bankaufsichtsrechtlich korrekte Bezeichnung der Dienstleistung lautet in Deutschland Finanzportfolioverwaltung (§ 1 Abs. 1a Nr. 3 KWG). Im Gegensatz zur Finanz- oder Anlageberatung werden bei der Vermögensverwaltung nicht nur Anlageratschläge (Beratung) erteilt, sondern Anlageentscheidungen auch eigenständig durch den Vermögensverwalter getroffen.

Vermögensverwaltung für InstitutionelleBearbeiten

Institutionelle Anleger – beispielsweise Versicherungsgesellschaften, Pensionskassen, Stiftungen, karitative Einrichtungen und staatliche Institutionen – können Vermögensverwalter damit beauftragen, ihr Vermögen zu optimieren. Dazu werden Investmentstrategien erarbeitet und umgesetzt, die sich an den jeweiligen Risiko-/Renditevorgaben ausrichten.

Die größten Vermögensverwalter für institutionelle Anleger bzw. Asset Manager der Welt waren im Jahr 2015 gemessen am verwalteten Vermögen (auch Assets under management, AUM):[1]

Rang Name Land Verwaltetes Vermögen
(Mrd. USD)
1 BlackRock Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 4645
2 Vanguard Group Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 3399
3 State Street Global Advisors Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 2245
4 Fidelity Investments Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 2036
5 Allianz Group Deutschland  Deutschland 1926
6 JP Morgan Chase Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 1723
7 Bank of New York Mellon Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 1625
8 AXA Group Frankreich  Frankreich 1489
9 Capital Group Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 1390
10 Goldman Sachs Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 1252
11 Deutsche Bank Deutschland  Deutschland 1217
12 BNP Paribas Frankreich  Frankreich 1196
13 Prudential Financial Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 1184
14 UBS Schweiz  Schweiz 1150
15 Legal & General Group Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich 1106
16 Amundi Frankreich  Frankreich 985
17 Wellington Mgmt. Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 927
18 HSBC Holdings Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich 896
19 Wells Fargo Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 890
20 Northern Trust Asset Mgmt. Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 875
... ... ... ...
45 Aviva Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich 430
46 Credit Suisse Schweiz  Schweiz 414
47 Royal Bank of Canada Kanada  Kanada 411
48 DZ Bank Deutschland  Deutschland 391
49 Dimensional Fund Advisors Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 388
50 Standard Life Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich 375
... ... ... ...
62 Charles Schwab Investment Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 280
63 Münchener Rück Deutschland  Deutschland 280

Vermögensverwaltung für PrivateBearbeiten

Vermögensverwalter – viele davon Geschäftsbanken – bieten auch Privatpersonen ihre Dienste an. Sie verwalten das Kundenportfolio im Auftrag des Kunden. Anders als bei Fonds kann das Portfolio auf den persönlichen Bedarf und individuelle Kundenwünsche zugeschnitten werden.

Wohlhabende Privatpersonen engagieren einen Vermögensverwalter beispielsweise, um die Zeit für die Betreuung des Vermögens oder für die Aneignung der nötigen finanziellen Allgemeinbildung einzusparen. Viele Vermögensverwalter fordern Mindestanlagesummen als Einstiegskriterium. Gängige Kategorien sind in diesem Zusammenhang high-net-worth individual (HNWI, z. B. mindestens 5 Millionen Euro) und Ultra high-net-worth individual (UHNW, z. B. mindestens 30 Millionen Euro).

Die größten Vermögensverwalter für Privatvermögen der Welt – gemessen am verwalteten Vermögen – waren im Jahr 2016:[2]

Rang Name Land Verwaltetes Vermögen
(Mrd. USD)
1 UBS Wealth Management Schweiz  Schweiz 2069
2 Bank of America Global Wealth and Investment Management Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 1972
3 Morgan Stanley Wealth Management Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 1950
4 Wells Fargo Wealth Management Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 922
5 RBC Wealth Management Kanada  Kanada 791
6 Credit Suisse Private Banking & Wealth Management Schweiz  Schweiz 719
7 Citi Private Bank Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 452
8 J.P. Morgan Chase Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 435
9 Goldman Sachs Private Wealth Management Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 413
10 BNP Paribas Wealth Management Frankreich  Frankreich 362
11 Julius Baer Group Schweiz  Schweiz 324
12 BMO Wealth Management Kanada  Kanada 302
13 Northern Trust Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 248
14 Pictet Schweiz  Schweiz 246
15 China Merchants Bank China Volksrepublik  Volksrepublik China 239

Interessenkonflikte der VermögensverwaltungBearbeiten

Bieten Banken Vermögensverwaltung an, so besteht die Gefahr von Interessenkonflikten: Zum Beispiel verdient die Bank beim Bestücken des Kundenportfolios mit eigenen Finanzprodukten sowohl an der Vermögensverwaltung als auch am Produkt. Unabhängige Vermögensverwalter beziehen teilweise Retrozessionen, welche denselben Effekt haben. Gegenmaßnahmen könnten Kostentransparenz und Kostengarantien sein, welche die maximalen Kosten begrenzen (Total Expense Ratio Warranty), oder eine Vereinbarung mit dem Vermögensverwalter, dass sämtliche Retrozessionen an den Kunden weitergereicht werden.

Zugang zu VermögensverwaltungBearbeiten

Privatbanken und größere Retail-Banken bieten in der Regel Vermögensverwaltungsmandate an. Hoch personalisierte Dienstleistungen erbringen vor allem die unabhängigen Vermögensverwalter.

Verschiedene Internet-Plattformen bieten Zugang zu Vermögensverwaltung:

In sogenannten Family Offices erfolgt die Vermögensverwaltung besonders großer Vermögen.

Zulassungspflicht für VermögensverwalterBearbeiten

DeutschlandBearbeiten

Aufsichtsrechtlich ist zu unterscheiden zwischen der „echten Vermögensverwaltung“, nämlich der in § 1 Abs. 1a Nr. 3 KWG geregelten Finanzportfolioverwaltung, wonach „die Verwaltung einzelner in Finanzinstrumenten angelegter Vermögen für andere mit Entscheidungsspielraum“ der Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) bedarf, und der „unechten Vermögensverwaltung“, die sich häufig als bloße Anlageberatung darstellt. Jedoch unterliegt die Anlageberatung der gleichen Zulassungspflicht wie die Vermögensverwaltung. Einzige Ausnahme ist gemäß § 2 Abs. 6 Satz 1 Nr. 8 KWG die Anlageberatung zu Publikums-Investmentfonds mit Vertriebszulassung. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass die Regulierung der Fonds selbst bereits einen ausreichenden Schutz darstellt. Daher ist für diesen Spezialfall keine über die Regeln der Gewerbeordnung (§ 34f Abs. 1 Nr. 3 GewO) hinausgehende Zulassung erforderlich. Jedoch lauern dabei Fallstricke. Wenn z. B. im Rahmen der Beratung empfohlen wird, bestehende Wertpapierbestände zu verkaufen, die selbst keine entsprechenden Investmentfonds sind, und den Verkaufserlös in Investmentfonds anzulegen, so ist das von der Ausnahme nicht mehr gedeckt. Denn jeder Teil der Beratung muss gesondert betrachtet werden, und demnach erfüllte bereits die Verkaufsempfehlung den Tatbestand der zulassungspflichtige Anlageberatung, unabhängig davon, dass sie im Zusammenhang mit einer zulassungsfreien Kaufempfehlung für einen Investmentfonds verbunden war.

SchweizBearbeiten

In der Schweiz werden aufsichtsrechtlich gemäss Finanzinstitutsgesetz (FINIG)[5] die Lizenz für Vermögensverwalter (VV) und die Lizenz für Vermögensverwalter von Kollektivvermögen (VKV) unterschieden. Für eine Lizenz eines VKV müssen gewisse Schwellenwerte überschritten werden.[6] Er ist definiert als Verwalter von kollektiven Kapitalanlagen oder Vorsorgeeinrichtungen.

Ab 2023 wird für alle Vermögensverwalter und Trustees[7] in der Schweiz eine Bewilligung der FINMA nach FINIG und FIDLEG verlangt.[8]

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. The world’s 500 largest asset managers
  2. Wealth Industry Boosts AUM & Brings Costs under Control Yet Income Growth Remains Unconvincing. In: Scorpio Partnership. Abgerufen am 21. März 2018 (englisch).
  3. VuV – Verband unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland e.V. Abgerufen am 6. Dezember 2018.
  4. Verband Schweizerischer Vermögensverwalter | VSV. Abgerufen am 6. Dezember 2018.
  5. Bundesgesetz über die Finanzinstitute. In: admin.ch. Schweizerische Eidgenossenschaft, abgerufen am 30. September 2020.
  6. Marc Escher: De-Minimis-Regelung für Vermögensverwalter – welche Lizenz darf es sein? In: bdo.ch. 2. Juni 2020, abgerufen am 30. September 2020.
  7. Umsetzung FIDLEG/FINIG: FINMA bewilligt erste Aufsichtsorganisationen. In: finma.ch. 7. Juli 2020, abgerufen am 3. November 2020.
  8. Fidleg: So viele Schweizer Vermögensverwalter geben auf. In: finews.ch. 7. Juli 2020, abgerufen am 3. November 2020.