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Ken Jebsen

deutsch-iranischer Fernseh- und Radiomoderator
Ken Jebsen 2014 auf einer Preisverleihung der NRhZ-Online

Ken Jebsen (Pseudonym, * 29. September 1966) ist ein deutscher Journalist.

Bis 2011 war er als Fernseh- und Radiomoderator tätig, zuletzt beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb). Nachdem Äußerungen Jebsens als antisemitisch kritisiert worden waren, verteidigte ihn der rbb zunächst gegen die Vorwürfe, entließ ihn jedoch kurz darauf wegen Verstößen gegen journalistische Standards des rbb. Seitdem ist er hauptsächlich auf KenFM tätig.

2014 und 2015 war er ein Hauptredner bei den umstrittenen Mahnwachen für den Frieden. Einige seiner Thesen werden als Verschwörungstheorien kritisiert.

Inhaltsverzeichnis

Jugend und NameBearbeiten

Nach biografischen Angaben bei Radio Fritz wurde Jebsen 1966 in einem Flugzeug im iranischen Luftraum geboren. Weil ihm sein bürgerlicher Name Moustafa Kashefi für deutsche Radiohörer zu schwer verständlich erschien, habe er später den Künstlernamen Ken Jebsen angenommen. Der Nachname soll an den Geburtsnamen seiner deutschen Mutter, einer Hamburgerin, anklingen.[1][2] In einem ausführlichen Interview mit Mathias Bröckers wies Jebsen die biographischen Angaben bei Radio Fritz als selbst ausgedachte „absurde Bio“ und leicht erkennbaren „Gag“ zurück. Sein bürgerlicher Name sei nicht Moustafa Kashefi und er sei in Krefeld geboren.[3]

Rundfunkmoderator (1987–2011)Bearbeiten

 
Ken Jebsen (links) und Steffen Schwarzkopf im Fritz-Studio (2005)

Von 1987 bis 1991 moderierte Jebsen oft unter dem Namen Keks beim Privatsender Radio Neufunkland in Reutlingen. Danach arbeitete er bei DW-TV als Fernsehreporter. 1994 moderierte er 16 mal die damalige Mondscheinshow im ZDF.[4] Beim Radio 4U des SFB war er als Radioreporter tätig.[5] Danach moderierte er mit Volker Wieprecht bei Radio Fritz die Sendung Die Radiofritzen am Morgen. 1999 moderierte er zusammen mit Steffen Hallaschka, Wigald Boning, Tommy Wosch und Arzu Bazman die ProSieben MorningShow.

Ab 28. April 2001 moderierte er für Radio Fritz wöchentlich die Radiosendung KenFM. Er sendete von verschiedenen Orten in Berlin-Mitte aus, anfangs jeden Samstagmorgen von 6:00 bis 10:00 Uhr aus einem Modegeschäft in der Marienstraße,[6] später von der Peugeot-Avenue, Mini-Berlin (Friedrichstraße) und vom Sony Center (Potsdamer Platz) aus. Jede Woche stellte er mindestens eine Musikgruppe vor, die einige Titel live vortrug. Dabei stimmte Jebsen die Musik auf sonstige Sendeinhalte ab. Gelegentlich lud er Schriftsteller, Hobbydichter oder Alternative-Musiker ein. Ab 2004 fand die Sendung ohne Generalprobe sonntags von 14:00 bis 18:00 Uhr in den Fritz-Studios in Babelsberg statt. Jebsen war mit seiner Firma „sektor_b“ zugleich auch deren Produzent, plante den Sendeablauf genau und teilte die Sendung in je 15 Rubriken ein, darunter „Presseschlau“, „RückblicKEN“ und eine Diskussion mit ungewöhnlichen oder prominenten Gästen zu Themen aus Forschung, Technik, Geschichte und Philosophie. Er grenzte sein Konzept strikt gegen Sendungen wie die von Stefan Raab ab und nannte Ray Cokes und Sammy Davis, Jr. als seine Vorbilder. Die taz lobte die Sendung als „Persiflage des Dumm-dumm-Radios, das Sendeminuten verstrahlt“.[2]

Seit Januar 2006 wurden Sendeausschnitte als Podcasts angeboten, seit März 2006 kam eine Wiedergabeliste auf fritz.de dazu. Ereignisse, die anderswo oder an anderen Wochentagen stattfanden oder die Sendezeit überschritten, wurden aufgezeichnet und dann gesendet. Eine Band wurde während ihres Auftritts gefilmt, ein Video vom Auftritt und ein Interview mit Bandmitgliedern wurde in den Folgetagen auf fritz.de veröffentlicht, später auf dem YouTube-Kanal KenFM2008. Alle zwei bis drei Monate war KenFM das „Amt für Unterhaltung“, wo Künstler sich etwa 15 Minuten lang vorstellen konnten.

2007 gewann Jebsen zusammen mit Susanne Wündisch den Civis Medienpreis als Hörfunkpreis im Bereich kurze Programme für den Beitrag Irgendwo dazwischen, rbb vom 16. März 2006. Thema des Beitrags war eine kurdische Erzieherin und Choreographin in Berlin, die einen Grenzgang zwischen islamischer Tradition und westlicher Lebensweise wagte.[7]

Kontroverse und Trennung vom rbbBearbeiten

Laut dem Tagesspiegel schrieb Jebsen einem Hörer Anfang November 2011 in einer E-Mail, er wisse, dass Edward Bernays „den Holocaust als PR erfunden“ habe. Propagandaminister Joseph Goebbels habe dessen Buch gelesen und entsprechende Kampagnen umgesetzt. Die E-Mail wurde an Henryk M. Broder weitergeleitet, der sie auf seiner Website Die Achse des Guten vollständig veröffentlichte[8], Jebsen Antisemitismus vorwarf und den Sender rbb informierte. Daraufhin setzte der Sender Jebsens Sendung vom 6. November 2011 bis zur Klärung der Vorwürfe aus. Jebsen bestritt nicht, dass er die Mail verfasst hatte, wies den Vorwurf des Antisemitismus jedoch zurück: Er habe den Holocaust in vielen Beiträgen als Menschheitsverbrechen verurteilt. Er sei zu einem klärenden Gespräch mit Broder bereit.[9]

Am 9. November 2011 entschied die rbb-Leitung nach Gesprächen mit Jebsen, ihn weiterzubeschäftigen: Man halte die „Vorwürfe gegen den Moderator, er verbreite antisemitisches Gedankengut und verleugne den Holocaust […], für unbegründet“. Programmdirektorin Claudia Nothelle erklärte, bei pointierten Meinungsäußerungen habe er „in manchen Fällen die Grenze überschritten“, ohne „journalistische Standards einzuhalten“.[10] Er werde künftig weniger politische Themen ins Programm nehmen, diese Themen und ihre Darstellungsform mit der Redaktion absprechen und die Sendung stärker auf Unterhaltung und die Musikszene fokussieren.[11]

Broder betonte, er habe nicht Jebsens Sendung beenden, sondern auf wiederholten Israel-Hass und Antiamerikanismus in dessen Beiträgen hinweisen wollen. So wünsche sich Jebsen „ein palästinensisches Yad Vashem“ für „Verbrechen der Israelis“ und ziehe damit „eine Parallele zwischen dem Israel von heute und den Nazis gestern“. Das sei antisemitisch. Die Historikerin Juliane Wetzel fand es richtig, auf solche Aussagen aufmerksam zu machen, doch nicht unbedingt auf alarmistische Weise. Jebsen greife damit nur gesellschaftlich verbreitete Stimmungen auf. Oliver Gehrs sah Broder als „falschen Kronzeugen“, der Antisemitismusvorwürfe aus beliebigem Anlass erhebe.[12] Der Journalist Robert Meyer (Neues Deutschland) verteidigte Jebsen: Seine Aussage zum Holocaust geistere „vollkommen isoliert durch die Medien“ und enthalte keine Holocaustleugnung.[13]

Am 23. November 2011 gab der rbb bekannt, dass Programmchef Stefan Warbeck die Verantwortung für „mehrere nicht ausreichend redaktionell geprüfte und abgenommene Beiträge“ Jebsens übernommen habe und zurückgetreten sei. Weil dieser die Absprache mit dem rbb „wiederholt nicht eingehalten“ habe, habe man ihn entlassen. Laut Claudia Nothelle entsprachen „zahlreiche seiner Beiträge nicht den journalistischen Standards des rbb“.[14] Details nannte der rbb nicht; Entlassungsgrund sei „Jebsens Verhalten insgesamt“. Pressekommentatoren führten den Schritt jedoch mit auf die anhaltende öffentliche Kritik an Jebsen zurück.[15]

Jebsen wies die Vorwürfe erneut zurück und kündigte an, seine Sendung im Internet fortzusetzen.[16] Der Satz zum Holocaust sei ein Zitat eines anderen gewesen. Der Sender rbb habe bisher keinen konkreten Kündigungsgrund belegt.[17] Er klagte vor dem Arbeitsgericht Potsdam gegen seine Entlassung.[18] Das Verfahren endete mit einer außergerichtlichen Einigung, über deren Details Stillschweigen vereinbart wurde.[19]

Freier Journalist (seit 2011)Bearbeiten

Nach seiner Entlassung verlagerte Jebsen seine Aktivitäten ins Internet. Ab dem 1. April 2012 bot er auf verschiedenen Videoportalen jeden Sonntag um 14 Uhr kostenlos eine 90-minütige Sendung in Bild und Ton an. Sie setzte die meisten der vom rbb bekannten Bestandteile fort, unregelmäßig ergänzt mit Audiobeiträgen zu aktuellen Themen. Jebsen finanziert die Sendungen über Crowdfunding.[20] Inzwischen werden auf dem YouTube-Kanal „KenFM“ in regelmäßigen Abständen Interviews, Gruppendiskussionen, Monologe und Kommentare („KenFM im Gespräch“, „KenFM über“ und andere) veröffentlicht.

Jebsen präsentiert KenFM als „freies Presseportal“, das einer gegenwärtigen Bedrohung der Demokratie entgegenwirken solle. Er erwartet, dass sich das „Internet als freier Raum wieder schließt“, weil der Staat derzeit sein Informationsmonopol verloren habe und alles daran setzen werde, es zurückzugewinnen. Zu Jebsens zentralen Themen auf KenFM gehören Israels Politik, Deutschlands Souveränität, die Rolle der USA und der Medien, die Macht der Eliten, die Terroranschläge am 11. September 2001 und verdeckte Kriegführung. Zu seinen Interviewpartnern gehören unter anderen Reiner Braun, Volker Bräutigam, Mathias Bröckers, Andreas von Bülow, Jürgen Elsässer, Daniele Ganser, Wolfgang Gehrcke, Tommy Hansen, Christoph Hörstel, Hans Jürgen Krysmanski, Albrecht Müller, Jürgen Roth, Werner Rügemer, Udo Ulfkotte, Gaby Weber und Willy Wimmer. Darunter sind auch Autoren des Kopp Verlags und des von Elsässer herausgegebenen Monatsmagazins „Compact“. Jebsen veröffentlichte zahlreiche Videos von gemeinsamen Auftritten mit Elsässer. Manche der medienkritischen Videos erreichten trotz ihrer relativ langen Dauer rasch sechsstellige Zugriffszahlen und tausende Kommentare. Wolfgang Storz weist jedoch darauf hin, dass Klickzahlen manipulierbar seien und sie daher nicht unbedingt die tatsächliche Resonanz zeigten.[21]

Seit 2011 vertritt Jebsen öffentlich Verschwörungstheorien zum 11. September 2001. Zum zehnten Jahrestag bezeichnete er die Anschläge jenes Tages als „Terrorlüge“ und den Einsturz des World Trade Centers als „warmen Abriss“.[12] Er behauptet, die US-Regierung habe die Anschläge selbst herbeigeführt, das WTC 7 sei allgemein sichtbar gesprengt worden, die westliche Presse ignoriere dies, eine „medial-globale Inszenierung“ ermögliche den andauernden Krieg gegen den Terror. Dazu verlinkt er Material aus dem 9/11 Truth Movement.[22]

Am 5. April 2012 veröffentlichte Jebsen auf KenFM den Monolog „Zionistischer Rassismus“. Darin bezog er sich auf die damalige Kritik an dem Gedicht Was gesagt werden muss des Schriftstellers Günter Grass. Er führte die Kritik auf „Zionisten“ zurück, die die USA und die Massenmedien unterwandert hätten. Diese „mediale Massenvernichtungswaffe“ helfe, „dass wir seit über 40 Jahren die Fresse halten, wenn im Auftrage des Staates Israel Menschen in Massen vernichtet werden“. Israel rotte systematisch die Palästinenser aus, um „Platz für das auserwählte Volk zu schaffen“; es wolle eine „Endlösung“ für Palästina. Während der Westen den Iran zwinge, zu beweisen, dass er keine Atomwaffen baue, habe Israel heimlich Atomwaffen entwickelt und vermehre diese noch. Henryk Broder, einer der Kritiker von Grass, „hätte im Dritten Reich einen hervorragenden Lagerkommandanten abgegeben“. Mit diesen Aussagen, so der Tagesspiegel, sei Jebsen endgültig in der Sparte „Verschwörungstheoretiker“ zu verorten.[23]

Im Juni 2014 beschrieb Jebsen auf KenFM materielle Interessen der USA und der EU als Hauptursache des Krieges in der Ukraine. Er sieht Spezialeinheiten der US-Armee als Drahtzieher des dortigen Krieges, den er als Bürgerkrieg bezeichnet, und kritisiert westliche Medienberichte über die Krise als Kriegstreiberei. Die Osteuropahistorikerin und Politologin Susanne Spahn zählt Jebsen zu den deutschen Partnern russischer Staatsmedien; in deren Argumentation werde Ursache und Wirkung verkehrt. Russland, das die territoriale Integrität der Ukraine verletzt habe, werde zum Opfer, und die Ukraine und der Westen würden zu Tätern stilisiert.[24] Sebastian Christ (The Huffington Post) kritisierte Jebsens Darstellung als gefährliche Verbindung von Halbwahrheiten (etwa materiellen Anreizen der EU) mit „kruden Deutungen“ (versuchte feindliche Übernahme). Erschreckend sei vor allem, dass die ukrainische Bevölkerung für Jebsen keine Rolle spiele.[25] Der ehemalige Attac-Aktivist Pedram Shayar, der mit Jebsen auf den Friedensmahnwachen sprach, unterstützte dagegen dessen Medienkritik, ließ aber offen, ob verdeckte US-Eingriffe faktengestützt seien.[26]

Der Politikwissenschaftler Markus Linden bezeichnete Jebsen als „antiamerikanischen Prediger“,[27] der die „vermeintlich US- und finanzmarktgesteuerte deutsche Politik“ mit „messianischem Eifer“ geißele.[28] Seine Netzauftritte seien „predigthafte Monologe oder lange Interviews mit alternativen Kriegsreportern, abtrünnigen oder randständigen Politikern und Verschwörungstheoretikern.“[29] Der Politikwissenschaftler Martin Höpner dagegen verteidigte Jebsen: Er habe in der Flüchtlingskrise ab 2015 in Deutschland wiederholt für Offenheit und Menschlichkeit bei der Aufnahme von Flüchtlingen plädiert. KenFM werde zu Unrecht als „neurechts“ diffamiert.[30]

Im Februar 2017 spekulierte Jebsen, dass der Women’s March on Washington anlässlich der Amtseinführung von US-Präsident Donald Trump vom Investor George Soros gelenkt worden sei. Soros erhoffe sich demnach einen Anstieg an Abtreibungen, um am Verkauf toter Embryonen an Pharmahersteller zu verdienen. Jebsen, der sich laut Sebastian Leber gerne darüber beschwert, dass Journalisten nur über ihn schreiben, aber nie mit ihm sprechen würden, ließ eine Interviewanfrage dazu unbeantwortet, eine weitere lehnte eine Mitarbeiterin Jebsens ab.[31] Als das Neue Deutschland im gleichen Jahr schriftlich einige Fragen an Jebsen richtete, antwortete dieser nicht, sondern gab sie an das Online-Magazin Rubikon weiter. Entgegen journalistischen Standards wurden sie dort veröffentlicht und mit abfälligen Kommentaren versehen.[32]

Der Blog NRhZ-Online verlieh im Dezember 2017 den fünften Kölner Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik im Berliner Kino Babylon an Ken Jebsen. Den ursprünglichen Termin, zu dem auch eine Rede von Evelyn Hecht-Galinski geplant war, sagte der Kinobetreiber als Vermieter der Räumlichkeiten zunächst ab, nachdem der Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) interveniert hatte. Lederer schrieb auf Facebook: „Ich bin entsetzt, dass ein Kulturort in Berlin diesem Jahrmarkt der Verschwörungsgläubigen und Aluhüte eine Bühne bietet.“[33] Die NRhZ-Online ging vor Gericht mit Erfolg gegen die Kündigung vor.[34] Das Kino Babylon gab in der Gerichtsverhandlung an, dass die Absage „aufgrund des Drucks aus dem Berliner Senat“ und wegen Sicherheitsbedenken erfolgte.[35] Die Verleihung fand in Abwesenheit von Jebsen statt, der seine Teilnahme abgesagt hatte. Oskar Lafontaine (Die Linke) verteidigte ihn mit den Worten: „Begriffe wie ,Verschwörungstheoretiker' […] stammen aus dem Arsenal der Geheimdienste.“[36]

Weitere AktivitätenBearbeiten

Jebsen gehört zu einer Gruppe deutscher Medienpersönlichkeiten, die mit russischen Staatsmedien zusammenarbeiten.[24][37] Er tritt häufig als Interviewpartner beim russischen Staatssender Russia Today auf und wird dort als deutscher „Experte“ und Topjournalist vorgestellt.[37][38][39] Auf seinem Online-Portal KenFM publiziert Jebsen russlandfreundliche Inhalte und vertritt bei öffentlichen Veranstaltungen außenpolitische Positionen Russlands.[37] Er trat als Unterstützer einer der von Jürgen Elsässer 2012 und 2013 veranstalteten Compact-Souveränitätskonferenzen auf, welche dieser gemeinsam mit dem russischen regierungsnahen Institut für Demokratie und Zusammenarbeit organisierte.[40] Im Gegenzug berichten russische Staatsmedien über die Veranstaltungen, die von ihren deutschen Medienpartnern organisiert oder besucht wurden.[37]

Im Frühjahr 2014 war Jebsen neben Elsässer und Lars Mährholz Hauptredner bei Mahnwachen für den Frieden, Demonstrationen zugunsten Russlands im Ukraine-Krieg.[41][42] Die Zeit beschrieb diese drei als „professionelle Verschwörungstheoretiker“.[43] Matthias Meisner (Tagesspiegel) zählte Jebsen zu einem „Netzwerk für Putin und Pegida“.[44] 2018 reiste Jebsen mit Politikern der AfD und der Linkspartei auf die von Russland besetzte ukrainische Halbinsel Krim. Dort nahm er an einer von der russischen Regierung organisierten Wirtschaftskonferenz teil, die trotz der EU-Sanktionen gegen Russland westliche Investoren anlocken sollte.[45]

2014 versuchte Jebsen, das Lied Beate Zschäpe hört U2 der Gruppe Antilopen Gang gerichtlich verbieten zu lassen, weil er sich durch einige Aussagen darin verleumdet sah. Das Landgericht Köln gab ihm zu verstehen, dass ein Verbotsantrag wegen der Kunstfreiheit und „Äußerungen des Antragstellers in der Vergangenheit“ aussichtslos wäre. Daraufhin zog er den Antrag auf einstweilige Verfügung zurück. Er musste die Verfahrenskosten tragen.[46]

Nachdem Jebsen im Herbst 2014 mit zur Demonstration „Friedenswinter“ aufrief, distanzierten sich einige Vertreter der Friedensbewegung davon, darunter Tobias Pflüger (Die Linke) und Monty Schädel (DFG-VK).[47] Otmar Steinbicker (Verein Aachener Friedenspreis) bezeichnete Jebsen und Mährholz als „neurechte Verschwörungstheoretiker“, mit denen er nichts zu tun haben wolle.[48] Die Linksfraktion beschloss am 16. Dezember 2014, fortan keine von Jebsen und Mährholz organisierten „Friedenswinter“-Veranstaltungen finanziell zu unterstützen: Das Bündnis werde inzwischen von „Weltverschwörern, Montagsdemonstranten und Reichsbürgern“ dominiert.[49]

Nachdem Elsässer im Januar 2015 als Redner bei Pegida und Legida aufgetreten war, distanzierte sich Jebsen von ihm,[29] auch wegen Elsässers Haltung in der Flüchtlingskrise.[50]

Im März 2015 plädierte Monty Schädel in einem Interview dafür, noch vor den Ostermärschen die Zusammenarbeit mit den Montagsmahnwachen zu beenden, da diese sich „zumindest nach rechts offen“ verhielten.[51] Daraufhin griff ihn Jebsen auf der Berliner Mahnwache vom 16. März 2015 scharf an: Schädel sei ein „Querfrontler“ und „Feind“ sowie „gekauft von der NATO“. Der Rechtsradikalismus sei „das kleinste Problem in diesem Land“. Infolge dieser Reaktion solidarisierten sich Teile der Friedensbewegung mit Schädel: Die DFG-VK zog ihre Unterstützung für den „Friedenswinter“ zurück, die Kooperation für den Frieden distanzierte sich von Jebsen, ihr Sprecher Reiner Braun erklärte, er lasse sein Amt vorerst ruhen.[52]

Im Juni 2015 unterstützte Jebsen die politische Aktion „Die Toten kommen“ und rief zum „Marsch der Unentschlossenen“ auf, wurde jedoch vom Veranstalter öffentlich ausgeladen.[53]

AuszeichnungenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ronald Galenza, Kerstin Topp, Philip Meinhold (Hg.): An, laut, stark! Fritz – Das Buch zum Radio. Berlin 2003, ISBN 3-89602-440-X, S. 56.
  2. a b Henning Kober: Hirnforschung statt Gewinnspiel. taz, 8. März 2004.
  3. Ken Jebsen, Mathias Bröckers: Der Fall Ken Jebsen oder Wie Journalismus im Netz seine Unabhängigkeit zurückgewinnen kann. Der Macher von KenFM im Gespräch mit Mathias Bröckers. Fiftyfifty, Frankfurt am Main 2016, ISBN 978-3-946778-00-4, S. 151 ff. und 166.
  4. TV Wunschliste: Ken Jebsen
  5. radio4u-online.de: Ken Jebsen
  6. Anja Popovic: Leute von Welt. Welt Online, 30. April 2001.
  7. WDR.de, Juni 2007: Preisträger Europäischer CIVIS Radiopreis 2007 (Memento vom 29. Oktober 2014 im Internet Archive)
  8. Henryk M. Broder: „ich weis wer den holocaust als PR erfunden hat“ Achgut.com, 6. November 2011
  9. Kurt Sagatz: Holocaust-PR?: Antisemitismusvorwurf gegen Fritz-Moderator Ken Jebsen. Der Tagesspiegel, November 2011.
  10. Ken Jebsen bleibt Moderator bei Fritz. rbb, 11. November 2011
  11. Ekkehard Kern: Moderator Jebsen muss Themen nun absprechen. Berliner Morgenpost, 12. November 2011
  12. a b Christoph Richter: Wirbel um rbb-Radio-Moderator. Deutschlandfunk, 12. November 2011
  13. Robert Meyer: Rausschmiss eines Unbequemen. Neues Deutschland, 25. November 2011
  14. Stefan Warbeck gibt Programmverantwortung für rbb-Jugendprogramm „Fritz“ ab – rbb trennt sich von Moderator Ken Jebsen. rbb, 23. November 2011
  15. Ekkehard Kern: Ende mit Schrecken. Morgenpost, 24. November 2011
  16. Simon Hurtz: Ken Jebsen geht in die Offensive. Berliner Zeitung, 25. November 2011
  17. Felix Dachsel: Ken Jebsen und der RBB: „Ich benutze Humor als Waffe“. taz, 20. Januar 2012
  18. Ken Jebsen: Kündigung rechtswidrig. Tagesspiegel, 22. Dezember 2011.
  19. RBB: Einigung außerhalb des Gerichts. Neue Osnabrücker Zeitung, 20. April 2012.
  20. Ex-RBB-Moderator fordert 100.000 Euro: Ken Jebsen gibt nicht auf. Berliner Zeitung, 11. Januar 2012
  21. Wolfgang Storz: „Querfront“ – Karriere eines politisch-publizistischen Netzwerks. OBS-Arbeitspapiere Nr. 18, 2015, ISSN 2365-1962, S. 11–13, 26, 30–32 (PDF; 0,5 MB)
  22. John David Seidler: Die Verschwörung der Massenmedien: Eine Kulturgeschichte vom Buchhändler-Komplott bis zur Lügenpresse. transcript, 2016, ISBN 383763406X S. 299 f.
  23. Nik Afanasjew, Joachim Huber: Ex-RBB-Moderator Jebsen: „Israel will Endlösung für Palästina“. Tagesspiegel, 7. April 2012.
  24. a b Susanne Spahn: Analyse: Das Ukraine-Bild in Deutschland. Bundeszentrale für politische Bildung, 6. Juni 2016
  25. Sebastian Christ: Elsässer, Jebsen und die Montagsdemos: Warum die neue „Friedensbewegung“ so gefährlich ist. (Memento vom 12. Juli 2014 im Internet Archive) Huffington Post, 22. April 2014
  26. Martin Reeh: Ex-Attac-Aktivist über Montagsdemos: „Warum sollte ich pfeifen?“ taz, 5. Mai 2014
  27. Markus Linden: Alles Lüge. The European, 11. November 2014
  28. Markus Linden: Gastkommentar – Krieger an der Tastatur. Süddeutsche Zeitung, 6. November 2015
  29. a b Markus Linden: Medialer Populismus: Im Netz der Wutbürger und Verschwörungstheoretiker. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. Februar 2015
  30. Martin Höpner: Sozialnationalismus, Querfront, AfD light: Zur Verlotterung des politischen Diskurses. Makroskop. Kritische Analysen zu Politik und Wirtschaft, 1. April 2016
  31. Sebastian Leber: Mahnwachen in Berlin. Wie Verschwörungstheoretiker ticken. Tagesspiegel, 27. März 2017.
  32. Matthias Holland-Letz: Annäherung an ein Internet-Phänomen. Neues Deutschland, 14. Dezember 2017.
  33. Erik Peter: Kein Raum für Jebsen: Querfront-Preisverleihung abgesagt. taz, 14. November 2017
  34. Jebsen soll im Babylon geehrt werden. taz, 8. Dezember 2017
  35. Gerichtsurteil: Ehrung für Jebsen darf doch im Babylon stattfinden. Neues Deutschland, 8. Dezember 2017
  36. Anita Fünffinger: Antisemitismus bei der Linken? Streit in der Linkspartei. Bayerischer Rundfunk, 14. Dezember 2017
  37. a b c d Susanne Spahn: Ukraine in the Russian Mass Media: Germany as an example of Russian information policy. In: Timm Beichelt, Sisann Worschech (Hrsg.): Transnational Ukraine? Networks and Ties that Influence(d) Contemporary Ukraine. ibidem, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-8382-0964-7, S. 211.
  38. Timo Stein: RT Deutsch: Keine Angst vor Propaganda. Cicero, 28. November 2014
  39. Propaganda für den Kreml: Putins deutsche Gehilfen. Spiegel Online, 29. April 2014.
  40. Thomas Korn, Andreas Umland: Russland: Jürgen Elsässer, Kremlpropagandist. Zeit Online, 19. Juli 2014
  41. Erik Peter: Neurechte „Friedensbewegung“: Im Kampf gegen die Medien-Mafia. taz, 16. April 2014
  42. Preis für Ex-RBB-Moderator Ken Jebsen: Umgang mit Querfront-Aktivisten spaltet Linkspartei. Markus Decker im Gespräch mit Dieter Kassel. Deutschlandfunk Kultur, 14. Dezember 2017
  43. Frida Thurm: Die ganz eigene Welt der Montagsdemonstranten. Die Zeit, 22. April 2014
  44. Matthias Meisner: Ein Netzwerk für Putin und Pegida. Tagesspiegel, 16. August 2015.
  45. Christoph Kluge, Tilman Steffen, Steffen Dobbert: Russland-Sanktionen: Links-Rechts-Allianz auf der Krim. Zeit Online, 19. April 2018
  46. Daniel Hackbarth: Antilopen Gang in Stuttgart: Rap-Reime gegen Wirrköpfe. Stuttgarter Zeitung, 12. Februar 2015; Matthias Schwarzer: Kein Songverbot für die „Antilopen Gang“: Ken Jebsen scheitert vor Gericht. Wilhelmshavener Zeitung, 10. Februar 2015
  47. Martin Kaul: Friedensbewegung will sich verjüngen - Gute Nacht, Freunde. taz, 25. November 2014
  48. Pascal Beucker: Höchst problematisches Spektrum taz, 27. November 2014
  49. Matthias Meisner: Linksfraktion geht auf Distanz zum „Friedenswinter“. Tagesspiegel, 17. Dezember 2014.
  50. Wolfgang Storz: Elsässer, Ken Jebsen und Co.: Den Mainstream in den Medien erweitern. Tagesspiegel, 24. August 2015.
  51. Martin Kaul: „Ein Versuch, der gescheitert ist“. Interview mit Monty Schädel. taz, 13. März 2015
  52. Martin Kaul: Krieg der Friedensfreunde. taz, 30. März 2014
  53. Die Toten kommen. Neues Deutschland, 20. Juni 2015