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Die 9. Internationale Friedensfahrt (Course de la paix) war ein Radrennen, das vom 2. bis 15. Mai 1956 ausgetragen wurde. Das Dreiländer-Etappenrennen von Warschau über Ost-Berlin nach Prag gewann der Pole Stanisław Królak, in der Mannschaftswertung siegte das Team der Sowjetunion.

TeilnehmerBearbeiten

141 Fahrer aus 24 Mannschaften bedeuteten einen neuen Teilnehmerrekord. Erstmals gingen Teams aus der Bundesrepublik Deutschland, aus Luxemburg und der Schweiz an den Start. Folgende Mannschaften waren beteiligt:

Die Radsportsektion des DDR-Sportausschusses hatte folgende Aktive nominiert: Günter Grünwald, Dieter Lüder, Lothar Meister I, Lothar Meister II, Gustav-Adolf Schur und Helmut Stolper.

Für die Bundesrepublik Deutschland gingen ins Rennen: Hans Brinkmann, Willy Funke, Fritz Grünefeld, Reiner Hardt, Siegfried Schönberg und Heino Steinzen.

StreckenverlaufBearbeiten

Das in zwölf Etappen gegliederte Rennen hatte eine Gesamtlänge von 2220 Kilometern. Der längste Tagesabschnitt führte am letzten Renntag über 224 Kilometer von Brno nach Prag, während die kürzeste Etappe mit 110 Kilometern "Rund um Warschau" führte. Von Warschau bis Karl-Marx-Stadt wurden Flachlandetappen gefahren, das letzte Tourdrittel bestand aus vier Bergetappen, die durch das Erzgebirge und den Böhmerwald führten.

RennverlaufBearbeiten

 
Tour-Gewinner: Stanislaw Krolak (Polen)

Auf den ersten Etappen verlief das Rennen ausgeglichen, ohne dass sich ein eindeutiger Favorit herausschälte. Die italienische Mannschaft begann furios, belegte auf dem ersten Tagesabschnitt die ersten drei Plätze, hatte aber mit Dino Bruni und Aurelio Cestari nur zwei Spitzenfahrer. Der zweifache Etappensieger Bruni musste wie zwei weitere Italiener vorzeitig aufgeben, sodass Italien in der Mannschaftswertung am Ende nur auf Platz zehn landete. Das Gelbe Trikot des Spitzenreiters in der Einzelwertung wechselte bis zur achten Etappe fast täglich, auch der DDR-Fahrer Gustav-Adolf Schur, dreifacher Etappensieger, trug es für einen Tag. Auf den Etappen sieben und acht arbeitete sich der Pole Stanisław Królak so weit nach vorne, dass er ab der neunten Etappe das Gelbe Trikot trug. Er gab es bis Prag nicht mehr ab. Bester DDR-Fahrer blieb Schur, der in der Endwertung Platz elf belegte. Die DDR-Mannschaft hatte das Pech, dass Günter Grünwald bereits nach der dritten und Dieter Lüder auf der zehnten Etappe ausschieden. Dadurch kam die DDR in der Mannschaftswertung nur auf Rang vier. Erstmals konnte sich die Sowjetunion im Mannschaftsklassement den Sieg holen, der mit einem Vorsprung von über sieben Minuten vor den zweitplatzierten Polen deutlich ausfiel. Die erstmals bei der Friedensfahrt angetretenen bundesdeutschen Aktiven beendet zwar alle das Rennen, spielten in den Entscheidungen aber keine Rolle. Bester BRD-Fahrer wurde der Hannoveraner Willy Funke auf Platz 18, während die Mannschaft mit über sechs Stunden Rückstand zur Sowjetunion nur 15. wurde.

Etappenübersicht
Etappe Start – Ziel Etappen-
länge
Etappensieger Zeit (h) km/h
01. Rund um Warschau 110 km Dino Bruni (Italien) 2:38:06 41,3
02. Warschau – Łódź 140 km Gustav-Adolf Schur (DDR) 3:33:28 39,1
03. Łódź – Kattowitz 215 km Dino Bruni (Italien) 5:06:21 41,1
04. Kattowitz – Breslau 185 km Nikolai Kolumbet (UdSSR) 4:32:33 40,4
05. Breslau – Görlitz 190 km Gustav-Adolf Schur (DDR) 5:33:42 34,1
06. Görlitz – Ost-Berlin 228 km Lothar Meister I (DDR) 5:56:27 37,9
07. Ost-Berlin – Leipzig 208 km Martin Wolfs (Niederlande) 5:30:18 37,8
08. Leipzig – Karl-Marx-Stadt 190 km Stanisław Królak 5:02:56 37,4
09. Karl-Marx-Stadt – Karlsbad 144 km Arend van ten Hof (Niederlande) 4:11:55 34,6
10. Karlsbad – Tábor 207 km Donald Sanderson (England) 5:22:29 38,3
11. Tábor – Brünn 179 km Gustav-Adolf Schur (DDR) 4:37:33 38,4
12. Brünn – Prag 224 km Jewgeni Klewzow (UdSSR) 6:39:27 33,5

EndresultateBearbeiten

Einzelwertung
Fahrer Mannschaft Zeit
01. Stanisław Królak Polen 59:11:56 h
02. Constantin Dumitrescu Rumänien + 02:24 min
03. Nikolai Kolumbet UdSSR + 04:15 min
04. Paul Nyman Finnland + 05:45 min
05. Dimitr Kolew Bulgarien + 06:12 min
06. Aurelio Cestari Italien + 08:15 min
07. Martin Wolfs Niederlande + 08:57 min
08. Gabriel Borra Belgien + 13:22 min
09. Pawel Wostrjakow UdSSR + 15:42 min
10. Grzegorz Chwiendacz Polen + 15:49 min
11. Gustav-Adolf Schur DDR + 17:02 min
12. Benito Romagnoli Italien + 20:05 min
13. Lothar Meister II DDR + 22:23 min
14. Camille Le Mann Frankreich + 30:47 min
15. Donald Sanderson England + 32:18 min
16. Roger Baudechon Belgien + 33:06 min
17. Arend van ten Hof Niederlande + 37:32 min
18. Willy Funke BRD + 37:41 min
19. Karl-Ivar Andersson Schweden + 38:40 min
20. Marian Więckowski Polen + 38:52 min
...
23. Helmut Stolper DDR + 46:38 min
52. Lothar Meister I DDR + 2:33:50 h
58. Hans Brinkmann BRD + 3:31:44 h
66. Reiner Hardt BRD + 4:27:13 h
70. Fritz Grünefeld BRD + 4:51:37 h
77. Siegfried Schönberg BRD + 5:34:16 h
80. Heino Steinzen BRD + 5:50:03 h
...
101. Gani Dervishi Albanien + 17:33:05 h
Mannschaftswertung
Mannschaft Zeit
01. Sowjetunion 177:37:19 h
02. Polen + 07:06 min
03. Belgien + 32:42 min
04. DDR + 33:59 min
05. Tschechoslowakei + 46:56 min
06. Rumänien + 51:55 min
07. Niederlande + 01:30:50 h
08. Bulgarien + 01:34:38 h
09. Schweden + 01:54:33 h
10. Italien + 01:56:15 h
11. Jugoslawien + 03:45:40 h
12. Frankreich + 04:32:05 h
13. Dänemark + 04:36:14 h
14. Ungarn + 05:37:20 h
15. BRD + 06:14:38 h
16. Finnland + 10:06:42 h
17. Schweiz + 10:18:47 h
18. Österreich + 11:08:43 h
19. Norwegen + 14:02:56 h
20. Albanien + 21:52:54 h
21. Ägypten + 32:41:43 h
ausgeschieden:
England
Luxemburg
in Frankreich lebende Polen

LiteraturBearbeiten

  • Klaus Ullrich. Jedesmal im Mai. Sportverlag Berlin, 1987, S. 215–219, ISBN 3-328-00177-8.
  • IX. Internationale Friedensfahrt Warschau-Berlin-Prag 1956. Sport im Bild, Berlin 1956, 16 Seiten

WeblinksBearbeiten