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Die 6. Internationale Friedensfahrt (Course de la paix) war ein Radrennen, das vom 2. bis 17. Mai 1953 als Etappenrennen in der Tschechoslowakei, der DDR und in Polen ausgetragen wurde. Die Einzelwertung gewann Christian Pedersen aus Dänemark, in der Mannschaftswertung ging zum ersten Mal die DDR als Sieger hervor.

TeilnehmerBearbeiten

An der Friedensfahrt beteiligten sich 16 Mannschaften mit insgesamt 93 Fahrern. Erstmals nahmen Teams aus Norwegen und Schweden teil. Gegenüber dem Vorjahr fehlten Fahrer aus Albanien, Italien und aus den Niederlanden. Von den drei erstplatzierten Fahrern der 1952er Friedensfahrt war keiner am Start. Das Fahrerfeld wurde von folgenden Mannschaften gebildet:

Für die DDR gingen folgende Fahrer an den Start: Paul Dinter, Lothar Meister I, Erich Schulz, Gustav-Adolf Schur, Bernhard Trefflich und Erich Zawadski.

StreckenverlaufBearbeiten

Die Rundfahrt hatte eine Länge von 2231 Kilometern und war in 13 Etappen unterteilt. Zum ersten Mal wurde der Start nicht in einer Hauptstadt der ausrichtenden Länder vollzogen, sondern in der slowakischen Metropole Bratislava. Über Prag und Ost-Berlin führte die Tour nach Warschau. Auf der achten Etappe von Ost-Berlin nach Görlitz wurde mit 226 Kilometern die längste Strecke zurückgelegt, während die Schlussetappe von Łódź nach Warschau mit 139 Kilometern die kürzeste Distanz aufwies. Zwischen dem tschechischen Brno und der sächsischen Bezirkshauptstadt Karl-Marx-Stadt waren vier Bergetappen zu absolvieren. An den Grenzen zwischen der Tschechoslowakei und der DDR sowie zwischen der DDR und Polen gab es mit Děčín/Bad Schandau und Görlitz/Zgorzelec unterschiedliche Ziel- und Startorte.

RennverlaufBearbeiten

 
Die DDR-Mannschaft am Start in Leipzig

Die 6. Friedensfahrt litt unter extremen Wetterverhältnissen, bei kaltem Wetter hatte die Fahrer immer wieder mit Schneefällen zu kämpfen. Von den 93 gestarteten Fahrern kamen nur 38 am Zielort Warschau an. Unter den Ausgeschiedenen befanden sich auch die beiden DDR-Fahrer Schulz und Zawadski. Die Tour entwickelte sich zu einem Zweikampf zwischen den Mannschaften der DDR und aus Dänemark. Die Dänen hatten mit Christian Pedersen, Hans Edmund Andresen und Finn Thygesen ein starkes Trio am Start und stellten mit Pedersen auch den Toursieger. Ab der sechsten Etappe wechselte das Gelbe Trikot des Spitzenreiters nur noch zwischen Pedersen und seinem Teamkollegen Andresen, ehe nach dem achten Tagesabschnitt Pedersen endgültig die Spitzenposition einnahm. Die Blauen Trikots der Mannschaftsbesten trugen die Dänen von der dritten bis zur elften Etappe, nur kurz für einen Tag durch die Engländer unterbrochen. Die DDR lag noch nach dem neunten Renntag 21:17 Minuten hinter den Dänen an zweiter Stelle, startete dann aber eine furiose Aufholjagd. Bereits auf der zehnten Etappe konnten 20:25 Minuten aufgeholt werden, und am nächsten Tag wurden den Dänen über drei Minuten abgenommen, die dadurch auf Rang zwei zurückfielen. Am Ziel in Warschau hatte die DDR-Mannschaft schließlich einen Vorsprung von 2:41 Minuten. Bester DDR-Fahrer wurde der Magdeburger Gustav-Adolf Schur, der hinter den beiden Dänen den dritten Platz erreichte. Der Karl-Marx-Städter Bernhard Trefflich errang in Görlitz den ersten Etappensieg für die DDR. Die schwierigen Witterungsbedingungen sorgten auch für ungewöhnlich große Zeitabstände in der Endwertung. Schur hatte bereits einen Rückstand von 5:15 Minuten zum Spitzenreiter. Der Bulgare Kozew lag als Zehnter 28:45 Minuten zurück.

Etappe Start – Ziel Etappen-
länge
Etappensieger Zeit (h) km/h
01. BratislavaBrünn 166 km Albert Eloot[1] (Belgien) 4:24:26 37,6
02. Brünn – Prag 224 km Christian Pedersen (Dänemark) 6:08:27 36,7
03. Prag – Karlsbad 173 km Franz Deutsch (Österreich) 4:45:19 36,5
04. Karlsbad – Děčín 160 km Vlastimil Ružička (ČSR) 4:21:07 36,9
05. Bad SchandauKarl-Marx-Stadt 195 km Bojan Kozew (Bulgarien) 6:15:38 31,3
06. Karl-Marx-Stadt – Leipzig 187 km Miroslav Malek (ČSR) 5:37:32 33,4
07. Leipzig – Ost-Berlin 198 km Hans Andresen (Dänemark) 5:40:11 35,3
08. Ost-Berlin – Görlitz 226 km Bernhard Trefflich (DDR) 5:54:37 38,4
09. ZgorzelecBreslau 165 km Stanisław Królak (Polen) 4:14:47 39,2
10. Breslau – Kattowitz 193 km Mieczysław Wilczewski (Polen) 5:04:52 38,2
11. Kattowitz – Łódź 206 km Alexander Pawlisiak[2] (Frankreich/Polen) 5:30:16 37,4
12. Łódź – Warschau 139 km Stanisław Królak (Polen) 3:21:39 41,7

EndresultateBearbeiten

Einzelwertung
Fahrer Mannschaft Zeit
01. Christian Pedersen Dänemark 62:41:12 h
02. Hans Andresen Dänemark + 2:45 min
03. Gustav-Adolf Schur DDR + 5:15 min
04. Bernhard Trefflich DDR + 7:50 min
05. Aleksander Pavlisiak Frankreich/Polen + 11:30 min
06. Franz Deutsch Österreich + 18:35 min
07. Louis van Schil Belgien + 18:38 min
08. Stanisław Królak Polen + 25:21 min
09. Christian Radigon Frankreich + 28:29 min
10. Bojan Kozew Bulgarien + 28:45 min
11. Mieczysław Wilczewski Polen + 36:14 min
12. Lothar Meister I DDR + 39:58 min
13. Finn Thygesen Dänemark + 41:33 min
14. Jacques Rebry Belgien + 52:56 min
15. Stanley Jones England + 58:56 min
28. Paul Dinter DDR + 2:13:32 h
38. Max Bulla Österreich + 12:45:29
Mannschaftswertung
Mannschaft Zeit
01. DDR 188:14:15 h
02. Dänemark + 2:41 min
03. Frankreich/Polen + 18:56 min
04. Tschechoslowakei + 1:32:43 h
05. Bulgarien + 1:46:33 h
06. Polen + 3:19:11 h
07. Österreich + 3:53:44 h
08. Frankreich + 4:14:49 h
09. Rumänien + 12:35:04 h
ausgeschieden:
Belgien
England
Finnland
Norwegen
Schweden
Ungarn
Triest

FahrerdatenBearbeiten

  1. Albert Eloot
  2. Alexander Pawlisiak → Friedensfahrt Starterliste

LiteraturBearbeiten

  • Klaus Ullrich. Jedesmal im Mai, Sportverlag Berlin, 1987, S. 200–204, ISBN 3-328-00177-8.
  • Prag-Berlin-Warschau. Ein Bildbericht. Neues Deutschland, Berlin 1953, 32 Seiten
  • VI. Internationale Radfernfahrt für den Frieden. Neues Deutschland, Berlin 1953, 36 Seiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: 6. Friedensfahrt 1953 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien