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Freie Wähler (Bundesvereinigung)

Typ von politischen Gruppierungen in Deutschland
Freie Wähler
Logo der Freien Wähler
Hubert Aiwanger
Partei­vorsitzender Hubert Aiwanger
Stell­vertretende Vorsitzende Manfred Petry
Gregor Voht
Otto Bertermann
Rudolf Schulz
Gabi Schmidt
Bundes­geschäfts­führer Arnold Hansen
Gründung 24. Januar 2009
Gründungs­ort Würzburg
Haupt­sitz Ganderkesee
Aus­richtung Politische Mitte
Wertkonservatismus[2]
Farbe(n) Blau, Orange
Bundestagssitze
0/709
Sitze in Landtagen
27/1867
Hauptverwaltungsbeamte auf Kreisebene
16/401
Staatliche Zuschüsse 1.103.347,05 Euro (2018)[3]
(Stand: 15. April 2019)
Mitglieder­zahl 4.648[1]
Mindest­alter 14 Jahre
Europaabgeordnete
2/96
Europapartei Europäische Demokratische Partei (EDP)
EP-Fraktion Renew Europe (RE)
Website freiewaehler.eu

Freie Wähler (Kurzbezeichnung: Freie Wähler, Eigenschreibweise: FREIE WÄHLER) ist eine Kleinpartei in Deutschland. Zur Unterscheidung von anderen Organisationen gleichen Namens wird sie auch als Bundesvereinigung Freie Wähler bezeichnet.

Die Partei entstand aus der Mitte des Bundesverbands der Freien Wähler, einem Dachverband kommunaler Wählergruppen und ist personell eng mit diesem verzahnt.

Die Freien Wähler sind gegenwärtig im Bayerischen Landtag vertreten, wo sie zudem an der Staatsregierung beteiligt sind. Auf europäischer Ebene sind die Freien Wähler Mitglied der Europäischen Demokratischen Partei (EDP). Ihre Europaabgeordneten Ulrike Müller und Engin Eroglu gehören der Fraktion Renew Europe an.

Die im Landtag Brandenburg vertretene BVB/Freie Wähler gehört nicht zur Partei, kooperiert aber mit dieser.[4] So unterstützte die BVB die Kandidatur der Bundesvereinigung bei der Bundestagswahl 2017 auch in Brandenburg und bei der Wahl des deutschen Bundespräsidenten 2017 den Kandidaten der Freien Wähler, Alexander Hold.[5]

Inhaltliches ProfilBearbeiten

Kommunale EigenständigkeitBearbeiten

Die Partei möchte u. a. die kommunale Selbstverwaltung stärken. Als Grund für den Antritt zu Wahlen auf Landes- und Bundesebene wird unter anderem ausgeführt, dass die Landes- bzw. Bundespolitik die Eigenständigkeit der Kommunen „aushöhlt“. Die Partei tritt dagegen für eine eigene Finanzhoheit der Kommunen ein.[6] Auf europäischer Ebene fordert die Partei, dass der Europäische Ausschuss der Regionen einen festen Platz im Parlament erhalten sollte.[7]

Wirtschafts- und FinanzpolitikBearbeiten

Die Partei befürchtet eine Entwicklung der Europäischen Union zu einer „Schuldenunion“ bzw. „Inflationsunion“. Die bisherige Euro-Politik sei gescheitert. Zugleich fordern Freie Wähler eine Vertiefung der EU, nur bei einer grundlegenden Demokratisierung im Sinne von Bürgerinteressen – „kein Europa der Bürokraten, sondern ein Europa der Bürger“.

Die Partei fordert außerdem die Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe. Eine nachhaltige Haushaltspolitik wird angestrebt. Die Bankenaufsicht soll verschärft werden. Erneuerbare und umweltfreundliche Technologien sollen gefördert werden. Der ländliche Raum soll durch so genannte Infrastrukturmaßnahmen gestärkt werden.[6]

Weitere StandpunkteBearbeiten

Direkte Demokratie, Parteienstaat

Die Partei setzte sich für Bürgerbeteiligung und für Volksentscheide auf Bundesebene ein. Bundespräsident und Ministerpräsidenten sollen direkt gewählt werden. Die derzeitige Parteiendemokratie sehen FREIE WÄHLER kritisch. Der Einfluss der Parteien sollte nach Ansicht der Partei begrenzt werden.[8] Ebenso soll der Einfluss von Lobbygruppen eingedämmt werden. Starre Listen bei Wahlen lehnen FREIE WÄHLER ab.[6]

Bildung

Die Partei fordert, die Rahmenkompetenz für das Bildungssystem auf die Bundesebene zu übertragen.

Flüchtlingspolitik

Die Freien Wähler befürworten eine Zuwanderungspolitik nach kanadischem Vorbild.[9] Sie fordern die Begrenzung des Familiennachzugs für Asylbewerber und möchten Rückkehrhilfen schaffen.[10] Ankerzentren und das Bayerische Landesamt für Asyl lehnen sie ab. Zugleich fordert die Partei mehr Sach- statt Geldleistungen und spricht sich für die Kürzungen von Leistungen aus für Flüchtlinge, die sich nicht integrieren.[11]

Innenpolitik

Sie fordern außerdem ein konsequentes Vorgehen gegen organisierte Kriminalität und eine „Ausschöpfung des Strafrahmens“. Polizei und Justiz sollen personell gestärkt und modernisiert werden.[6]

GeschichteBearbeiten

In den 1950er Jahren entstanden die ersten Landesverbände von kommunalen freien Wählergruppen. 1965 wurde der Bundesverband der Freien Wähler gegründet.[12] Über die Jahre traten einzelne Landesverbände auch immer wieder ohne größeren Erfolg zu Landtagswahlen an.

Zur Landtagswahl 1998 entschlossen sich die Freien Wähler Bayerns zu einer Kandidatur. Das Antreten bei den Landtagswahlen war intern umstritten und wurde von einigen Kreisverbänden abgelehnt. Die Freien Wähler, so die Kritik, würden damit ihr eigentliches kommunales Betätigungsfeld verlassen. Nach dem Parteiengesetz würden sie außerdem durch die Teilnahme an der Landtagswahl den Charakter einer Partei erhalten. Zur Kandidatur wurde aus dem Landesverband heraus die organisierte Wählergruppe Freie Wähler Bayern e. V. (FW-Wählergruppe) gegründet. Beim ersten Wahlantritt erreichte diese auf Anhieb 3,7 %. 2003 konnten sie sich leicht auf 4,0 % verbessern.

Auch andere Landesverbände traten in dieser Zeit mit unterschiedlichem Erfolg zu Landtagswahlen an. So erreichte die Freie Wählergruppe Rheinland-Pfalz 2001 2,6 %, 2006 erreichte sie mit 1,6 % ein schlechteres Ergebnis. Die Freien Wähler Thüringen kamen 2004 auf 2,6 %, die Freien Wähler Hessen 2008 auf 0,9 % und die Freien Wähler Niedersachsen 2008 auf 0,5 %.

Einzug in den Bayerischen Landtag und erste EuropawahlBearbeiten

Bei der Bayerischen Landtagswahl 2008 schließlich konnten die Freien Wähler mit 10,2 % in den Landtag einziehen und bilden dort die drittstärkste Fraktion. Bei der Landtagswahl am 15. September 2013 zogen FREIE WÄHLER als erste neue Gruppierung seit gut 30 Jahren erneut in den bayerischen Landtag ein, wo sie mit 9 % erneut die drittstärkste Kraft sind.

Nach dem Erfolg der bayerischen FW bei der Landtagswahl 2008 beschloss der Bundesverband Freie Wähler, zur Wahl zum Europaparlament am 7. Juni 2009 bundesweit anzutreten. Der Beschluss war innerhalb des Bundesverbandes umstritten, der Landesverband Baden-Württemberg trat sogar infolge des Beschlusses aus dem Bundesverband aus. Zur Kandidatur wurde am 24. Januar 2009 in Würzburg die Bundeswählergruppe Freie Wähler gegründet. Spitzenkandidatin war Gabriele Pauli. Die Freien Wähler erhielten 442 579 Stimmen, was 1,7 % der gültigen Stimmen entsprach.[13] Damit waren Freie Wähler die erfolgreichste Gruppierung derjenigen Parteien, die unter der 5-Prozent-Hürde blieben.

Diese Bundeswählergruppe wurde am 20. Februar 2010 in die Bundesvereinigung FREIE WÄHLER überführt. Die Bundesvereinigung ist dabei personell stark mit dem Bundesverband verzahnt. Bundesvorsitzender ist Hubert Aiwanger, welcher gleichzeitig Vorsitzender des Bundesverbandes, des Landesverbandes Bayerns, der Wählergruppe Bayern und Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Bayerischen Landtag ist. Aufgrund der Ergebnisse der Europawahl in Deutschland 2009 hat die Bundesvereinigung Freie Wähler seit 2009 Anspruch auf die staatliche Parteienfinanzierung, für 2010 wurde ein Betrag von 79.850,41 Euro festgesetzt.[14]

Am 8. Mai 2010 gründete sich in Mainz mit der Landesvereinigung Freie Wähler Rheinland-Pfalz die erste Landesgliederung der Bundesvereinigung Freie Wähler. Bis April 2013 wurden in allen 16 Bundesländern Landesvereinigungen gegründet, welche teilweise zu Landtagswahlen antraten. Die Gründungen wurden zum Teil aus den entsprechenden Landesverbänden heraus organisiert, zum Teil erfolgten sie jedoch auch gegen den Widerstand des entsprechenden Landesverbandes. In Baden-Württemberg und im Saarland strengten die Landesverbände sogar Namensrechtsklagen gegen die entsprechenden Landesvereinigungen an, unterlagen aber vor Gericht.[15]

Wahlen 2013Bearbeiten

Anfang Oktober 2011 beschlossen Freie Wähler Bayern, zur Bundestagswahl 2013 anzutreten. Kurz darauf entschied sich auch die Bundesvereinigung Freie Wähler, zukünftig zu Bundestagswahlen anzutreten. Zu diesem Zweck verschmolz schließlich die Bundesvereinigung mit der bisherigen bayerischen Wählergruppe, der hessischen Wählergruppe sowie der Partei Freie Wähler Schleswig-Holstein.[16] Durch die Fusion mit der Wählergruppe Bayern muss die Bundesvereinigung Freie Wähler zu Bundestagswahlen sowie bei allen Landtags- und anderen Wahlen (ländermäßig evtl. unterschiedlich) keine Unterstützungsunterschriften zur Wahlzulassung sammeln, da die Wählergruppe im Landtag vertreten ist und vom Bundeswahlleiter als „etabliert“ anerkannt ist. Die Bundesvereinigung hat nach eigenen Angaben 4.648 Mitglieder.[1]

Im Juli 2012 erschien die Partei erstmals in den bundesweiten Umfragen der großen Meinungsforschungsinstitute. YouGov und GMS sagten der Partei zwei Prozent der Stimmen voraus.[17]

2012 arbeitete die Bundesvereinigung mit der aus CDU-Kreisen gegründeten Wahlalternative 2013 zusammen. Bei der Landtagswahl in Niedersachsen 2013 kandidierte unter anderem Bernd Lucke von der Wahlalternative auf der Liste der Freien Wähler. Die Wahl verlief mit einem Ergebnis von 1,1 % für die Partei enttäuschend. In der Folge wurde von Seiten der Wahlalternative 2013 die Zusammenarbeit beendet. Drei Landesvorsitzende wechselten zu der Partei Alternative für Deutschland, welche von der Wahlalternative gegründet worden war. Zudem trat der saarländische Landesvorstand geschlossen zurück.[18]

Die Partei trat am 22. September 2013 zum ersten Mal zur Bundestagswahl an und erreichte 1 %. Der Rechtsanwalt und Finanzökonom Stephan Werhahn, ein Enkel von Konrad Adenauer, wurde per Akklamation als designierter Spitzenkandidat aufgestellt. Der 1953 geborene Werhahn war nach 40-jähriger Mitgliedschaft aufgrund ihrer Euro-Rettungspolitik aus der CDU ausgetreten. Am 27. März 2013 gab Werhahn bekannt, dass er wieder zurück zur CDU kehren wolle, weil er „die aktuellen Entwicklungen in der Partei [Freie Wähler] nicht mehr guten Gewissens mittragen“ könne.[19]

Die Partei hatte bis vor den Zulassungsfristen in allen fehlenden Bundesländern Landesvereinigungen gegründet oder sich mit bestehenden Vereinigungen verschmolzen und besetzte die Vorstände wieder, in die Übertritte zur AfD Lücken gerissen hatten. Nach dem Rückzug von Stephan Werhahn wurde auf einen bundesweiten „Spitzenkandidaten“ verzichtet. In allen 16 Bundesländern wurden Landeslisten aufgestellt, die am 1. August 2013 vom Bundeswahlausschuss auch alle zugelassen wurden. Das gelang ansonsten 9 (plus der Union mit zwei Parteien) der zugelassenen 39 Parteien, von denen letztlich 30 mit mindestens einer Landesliste antraten.[20]

Einzug ins Europäische ParlamentBearbeiten

Am 28. Februar 2014 wurden die Spitzenkandidatin Ulrike Müller und die stellvertretende Bundesvorsitzende Gabi Schmidt in Brüssel als Einzelmitglieder in die Europäische Demokratische Partei aufgenommen. Die Spitzenkandidatin kündigte nach der Europawahl die Zusammenarbeit zwischen der Partei und der EDP an und am 22. Oktober 2015 wurden die Freien Wähler Mitglied der EDP.[21]

Auf der Bundesmitgliederversammlung in Erfurt am 12. Januar 2014 wurde die bayerische Landtagsabgeordnete Ulrike Müller Spitzenkandidatin der Partei für die Europawahl am 25. Mai 2014[22] und wurde in das Europäische Parlament gewählt. Dort schloss sie sich der ALDE-Fraktion an.

Im Mai 2017 erklärte der für die Familien-Partei gewählte Abgeordnete Arne Gericke seinen Austritt aus seiner Partei und seinen Übertritt zu den Freien Wählern. Im Oktober 2018 verließ er die Freien Wähler wieder und wechselte zum Bündnis C.

Regierungsbeteiligung in Bayern ab 2018Bearbeiten

Bei der bayerischen Landtagswahl 2018 konnten die Freien Wähler erneut Stimmenanteile hinzugewinnen. In der Folge bildeten sie erstmals mit der CSU eine Koalitionsregierung. Der Bundesvorsitzende Aiwanger wurde stellvertretender Ministerpräsident.

Bei der hessischen Landtagswahl zwei Wochen später erreichte die Partei mit 3,0 % ihr bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl außerhalb Bayerns. Am 13. November 2018 erklärten die FW-Landesvereinigung Mecklenburg-Vorpommern und die Bürger für Mecklenburg-Vorpommern (BMV), eine Abspaltung der AfD, fusionieren zu wollen.[23] Drei der vier Landtagsabgeordnete der BMV traten den Freien Wählern bei. Die bisherige BMV-Fraktion wurde in Freie Wähler/BMV umbenannt. Ende September 2019 traten die Landtagsabgeordnete jedoch nach Streitigkeiten mit dem Landesvorsitzenden Graf von Westarp wieder aus, die Fraktion löste sich auf.[24]

Bei der Landtagswahl in Sachsen 2019 erreichten die Freie Wähler mit 3,4 % erneut ein neues bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl außerhalb Bayerns. Bei der Landtagswahl in Brandenburg am selben Tag zog die befreundete BVB/Freie Wähler erstmals in Fraktionsstärke in den Landtag ein. Bei der Landtagswahl in Thüringen im Oktober 2019 tritt die Partei dagegen nur mit Direktkandidaten an, nachdem sie die Frist zur Einreichung der Landesliste verpasst hatte.[25]

LandesvereinigungenBearbeiten

ÜbersichtBearbeiten

Landesvereinigung Gründung/Beitritt Vorsitzende/r
Stand: November 2018
Mitglieder
Stand: Januar 2013
Ergebnis letzte
Landtagswahl
Bundestagswahl
2017[26]
Europawahl
2019[27]
  Baden-Württemberg 21. Mai 2010 Klaus Wirthwein 118 00,1 % (2016) 0,7 % 3,2 %
  Bayern Gründung: 1998
Beitritt: 15. Dezember 2011
Hubert Aiwanger 3300 11,6 % (2018) 2,7 % 5,3 %
  Berlin 13. Dezember 2010 vakant 54 n.a. (2016)
(2011: 210 Erstst.)[28]
0,3 % 0,5 %
  Brandenburg 19. Mai 2011 Detlef Klix 31 n.a. (2019) 1,2 % 2,2 %
  Bremen[29] 17. Oktober 2018 Olaf Dinné ? 01,0 % (2019) 0,4 % 0,6 %
  Hamburg 30. Oktober 2010 Henner Kühne ? n.a. (2015) 0,4 % 0,4 %
  Hessen Gründung: 4. November 2006
Beitritt: 2012[30]
Engin Eroglu 334 03,0 % (2018) 0,9 % 1,7 %
  Mecklenburg-Vorpommern 19. Juni 2010 Gustav Graf von Westarp 80 00,6 % (2016) 0,8 % 1,4 %
  Niedersachsen 5. Juni 2010 Arnold Hansen[31] 267 00,4 % (2017) 0,4 % 0,6 %
  Nordrhein-Westfalen 10. September 2011 Sascha Mattern 215 00,4 % (2017) 0,3 % 0,6 %
  Rheinland-Pfalz 8. Mai 2010 Stephan Wefelscheid 189 02,2 % (2016) 1,4 % 2,9 %
  Saarland 26. August 2011 Uwe A. Kammer 84 00,4 % (2017) 0,8 % 1,1 %
  Sachsen 18. Juni 2011 Steffen Große 83 03,4 % (2019) 1,1 % 2,9 %
  Sachsen-Anhalt 12. Juni 2010 Elke du Bois 120 02,2 % (2016) 1,2 % 1,7 %
  Schleswig-Holstein Gründung: 21. September 2008
Beitritt: 1. Januar 2012
Gregor Voht 120 00,6 % (2017) 0,6 % 0,9 %
  Thüringen Gründung: 6. März 2004
Beitritt: 30. Juni 2013
Günter Brinkmann ? 01,7 % (2014) 1,6 % 2,4 %

Baden-WürttembergBearbeiten

Die Landesvereinigung Freie Wähler Baden-Württemberg wurde am 21. Mai 2010 in Rottweil gegründet. Sie wollte ursprünglich zur Landtagswahl in Baden-Württemberg 2011 antreten, dieses Vorhaben wurde aber auf einer Mitgliederversammlung mit Mehrheit abgelehnt.[32] In ihrer Satzung ist verankert, dass sie keine kommunalen Untergliederungen schaffen wird, um keine Konkurrenz zur bisherigen Organisation des Landesverbands der Freien Wähler zu werden,[33][34] der das Parteikonstrukt aus Bundesvereinigung und Landesvereinigung ablehnt. Daher setzt er sich markenrechtlich gegen die Landesvereinigung zur Wehr.[35] Diese wurde am 10. November 2010 negativ beschieden, da die Landesvereinigung als Gliederung der Bundesvereinigung Freie Wähler laut Parteiengesetz verpflichtet sei, die Namensbestandteile Freie Wähler und Baden-Württemberg zu führen. Beide Vereinigungen müssen nach Argumentation des Vorsitzenden Richters die Verwechslungsgefahr hinnehmen.

BrandenburgBearbeiten

Das BürgerBündnis freier Wähler e. V. wurde 1993 von Mitgliedern der Bürgerbewegungen der Wendezeit, unter anderem des Neuen Forums, gegründet, welche sich nicht dem Zusammenschluss von Bündnis 90/Die Grünen angeschlossen hatten; prominentes Gründungsmitglied war u. a. der spätere Brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck. 2009 erfolgte eine Umbenennung in Landesverband Freie Wähler Brandenburg e. V. Nach einer Klage des Landesverbands der Freien Wähler wurde dem Verband die Nutzung dieses Namens gerichtlich untersagt. Am 19. Mai 2011 wurde in Potsdam aus dem BürgerBündnis freier Wähler heraus die Freie Wähler Landesvereinigung Brandenburg gegründet.

Bei Landtagswahlen verzichtet die Landesvereinigung zu Gunsten der eigenständigen Brandenburger Vereinigte Bürgerbewegungen/Freie Wähler auf die Kandidatur.

HamburgBearbeiten

Die Landesvereinigung in Hamburg wurde am 30. Oktober 2010 gegründet und beteiligte sich an der Bürgerschafts- und Bezirksversammlungswahl 2011 sowie an der Bundestagswahl 2013. Mit der Auflösung des FW Freie Wähler Hamburg e. V. ging dessen Vermögen an die Landesvereinigung über.

SaarlandBearbeiten

Am 26. August 2011 gründete sich die Freie Wähler Landesvereinigung Saarland als Landesverband der Bundesvereinigung Freie Wähler. Aus den lokalen Vereinigungen der Freien Wähler gab es dagegen Widerstand, da man kommunale Erfolge „ganz ohne Parteibuch“ errungen habe.[36]

Bereits am 18. August 2011 hatte sich aus den Freien Wählern Sulzbach heraus die Partei Freie Wähler Saarland gegründet. Die Partei und die Landesvereinigung fochten in der Folge einen Rechtsstreit um den Markennamen „Freie Wähler“ aus.[37] Auch im Vorfeld der Landtagswahl im Saarland 2012 kam es zu Spannungen zwischen dem Landesverband und der Landesvereinigung. Inzwischen sind die Vorstände von Landesverband und Landesvereinigung personenidentisch besetzt.[38]

Bei der Landtagswahl 2017 traten die Freien Wähler flächendeckend an und erreichten 0,4 % der Zweitstimmen und damit weniger als halb so viel, wie noch fünf Jahre zuvor.

WahlergebnisseBearbeiten

Wahlergebnisse seit 2008:

Jahr Bundes-
tag
Landesparlamente Europa-
parlament
Baden-Württemberg  
BW
Bayern  
BY
Berlin  
BE
Brandenburg  
BB
Bremen  
HB
Hamburg  
HH
Hessen  
HE
Mecklenburg-Vorpommern  
MV
Niedersachsen  
NI
Nordrhein-Westfalen  
NW
Rheinland-Pfalz  
RP
Saarland  
SL
Sachsen  
SN
Sachsen-Anhalt  
ST
Schleswig-Holstein  
SH
Thüringen  
TH
2008 10,2 n.a. 0,9 0,5
2009 n.a. n.a. 1,6 0,8 n.a. 1,0 3,9 1,7
2010 n.a.
2011 n.a. n.a. n.a. 0,7 1,1 2,3 2,8
2012 0,2 0,9 0,6
2013 1,0 9,0 1,2 1,1
2014 n.a. 1,6 1,7 1,5
2015 n.a. n.a.
2016 0,1 n.a. 0,6 2,2 2,2
2017 1,0 0,4 0,4 0,4 0,5
2018 11,6 3,0
2019 n.a. 1,0 3,4 n.a. 2,2
Legende: n. a. – nicht angetreten; kursive Schrift – Vorgängerorganisationen; Fettdruck – bestes Wahlergebnis; orange – Einzug ins Parlament; Wahlergebnisse in Prozent

WeblinksBearbeiten

  Commons: Freie Wähler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Rechenschaftsbericht, Stand 31.12.2017
  2. Lisa Peyer: FREIE WÄHLER | Parteien in Deutschland | bpb. Abgerufen am 6. April 2019.
  3. Festsetzung der staatlichen Mittel für das Jahr 2018. (PDF; 293 kb). Abgerufen am 28. Mai 2019.
  4. https://www.maz-online.de/Lokales/Teltow-Flaeming/Von-der-Bank-kandidiert-nicht
  5. https://www.moz.de/nachrichten/brandenburg/artikel-ansicht/dg/0/1/1597622/
  6. a b c d Grundsatzprogramm der Freien Wähler. (PDF; 323 kb), S. 1. Archiviert vom Original am 29. September 2018; abgerufen am 4. September 2018.
  7. Einzelkämpfer im EU-Parlament: Ulrike Müller (Freie Wähler). treffpunkteuropa.de, 28. November 2015, abgerufen am 4. September 2018.
  8. Lisa Peyer: FREIE WÄHLER - Parteien in Deutschland. In: Bundeszentrale für politische Bildung. 5. Juni 2017, abgerufen am 1. April 2019.
  9. Aiwanger: "Zuwanderung nach kanadischem Vorbild erwünscht". Bayerischer Rundfunk. 3. Oktober 2018. Abgerufen am 19. Januar 2019.
  10. Er nervt Söder - und kann ihn retten. Spiegel Online. 12. Oktober 2018. Abgerufen am 14. Oktober 2018.
  11. Wie werden die Freien Wähler Bayern regieren?. Zeit Online. 15. Oktober 2018. Abgerufen am 15. Oktober 2018.
  12. Bundesvorstandschaften seit 1965. Archiviert vom Original am 27. Januar 2012; abgerufen am 4. September 2018.
  13. Ergebnisse der Europawahl 2009. Bundeswahlleiter, abgerufen am 4. September 2018.
  14. Festsetzung Parteienfinanzierung für 2010. (PDF; 190 kB). Abgerufen am 4. September 2018.
  15. Freie Wähler: Rundschreiben. (PDF). Abgerufen am 30. April 2013.
  16. Freie Wähler gegen Marktmacht der Banken. freiewelt.net, 18. Oktober 2011, archiviert vom Original am 1. November 2013; abgerufen am 4. September 2018.
  17. Sonntagsfrage Bundestagswahl. wahlrecht.de, abgerufen am 4. September 2018.http://www.wahlrecht.de/umfragen/weitere-umfragen.htm
  18. Jacqueline Goebel: Freie Wähler im freien Fall. In: handelsblatt.com. 12. April 2013, abgerufen am 11. Februar 2015.
  19. Adenauer-Enkel kehrt zur CDU zurück. sueddeutsche.de, 27. März 2013, abgerufen am 4. September 2018.
  20. Bundestagswahl 2013 – Zulassung der Landeslisten. wahlrecht.de, abgerufen am 4. September 2018.
  21. Freie Wähler Deutschland auf der Webseite der EDP. (Englisch). Abgerufen am 4. September 2018.http://www.pde-edp.eu/en/organisation/member-parties
  22. FREIE WÄHLER ziehen mit Ulrike Müller, MdL, in den Europawahlkampf. 13. Januar 2014, archiviert vom Original am 3. März 2014; abgerufen am 4. September 2018.
  23. https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/BMV-Fraktion-tritt-Freien-Waehlern-bei,buendnis148.html
  24. https://www.svz.de/regionales/mecklenburg-vorpommern/Partei-Freie-Waehler-BMV-in-MV-am-Ende-CDU-nimmt-zwei-abtruennige-Abgeordnete-auf-id25835562.html
  25. https://www.mdr.de/thueringen/landeswahlausschuss-liste-freie-waehler-abgelehnt-100.html
  26. Ergebnisse der Bundestagswahl 2017. Bundeswahlleiter, abgerufen am 3. September 2018.
  27. Ergebnisse der Europawahl 2019. Bundeswahlleiter, abgerufen am 30. Mai 2019.
  28. Endgültiges Wahlergebnis der Wahl zum Abgeordnetenhaus Berlin 2011. (PDF; 28 kB). Landeswahlleiterin Berlin, 6. Oktober 2011, abgerufen am 4. September 2018.
  29. FREIE WÄHLER Gründen Landesvereinigung in Bremen. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 1. November 2018; abgerufen am 31. Oktober 2018.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/hb.freiewaehler.eu
  30. FREIE WÄHLER Hessen streben bundesweite Organisation an. Archiviert vom Original am 12. Februar 2012; abgerufen am 4. September 2018.
  31. Hergen Schelling: Hansen führt Freie Wähler im Land. NWZ Online, 1. Oktober 2019, abgerufen am 3. Oktober 2019.
  32. morgenweb.de Landtagswahl ohne Freie Wähler@1@2Vorlage:Toter Link/www.morgenweb.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  33. Satzung der Landesvereinigung Freie Wähler Baden-Württemberg@1@2Vorlage:Toter Link/www.fw-static.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., Website der Landesvereinigung, siehe § 4 der Satzung (PDF)
  34. Badische Zeitung, Website der Badischen Zeitung. Abgerufen am 28. Mai 2010.
  35. ''Rundschreiben des FW Landesverbands Baden-Württemberg'' (PDF; 142 kB) Abgerufen am 14. Dezember 2010.
  36. Saarbrücker Zeitung Freie Wähler gründen heute eine Landesvereinigung Saarland
  37. Saarbrücker Zeitung Zwei Organisationen streiten um die Namensrechte für Freie Wähler@1@2Vorlage:Toter Link/www.saarbruecker-zeitung.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  38. Freie Wähler: Vorstand Landesvereinigung Saarland. Abgerufen am 7. April 2019 (deutsch).