FedEx

internationaler Paket- und Express-Dienst

Die FedEx Corporation (kurz FedEx, vollständig Federal Express Corporation Inc.) ist ein weltweit operierendes US-amerikanisches Kurier- und Logistikunternehmen mit Sitz in Memphis (Tennessee). Die Luftfracht-Division FedEx Express belegt in der Liste der größten Frachtfluggesellschaften der Welt Platz eins. Die österreichische Niederlassung von FedEx befindet sich in Wien, die deutsche in Kelsterbach.

Federal Express Corporation Inc.

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Rechtsform Corporation
ISIN US31428X1063
Gründung 1971
Sitz MemphisTennessee,
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Leitung Frederick W. Smith (CEO)
Mitarbeiterzahl 450.000 (2019)[1]
Umsatz 69,6 Mrd. USD (2019)[2]
Branche Logistik
Website www.fedex.com/

Mit einem Umsatz von 63,9 Mrd. US-Dollar erzielte das Unternehmen im Geschäftsjahr 2017 einen Gewinn von 4,5 Mrd. US-Dollar.[3]

Die Hauptmitbewerber des Unternehmens sind DHL, UPS und USPS.

GeschichteBearbeiten

1971 wurde das Unternehmen unter dem Namen Federal Express von Frederick W. Smith in Little Rock gegründet. 1973 zog das Unternehmen nach Memphis (Tennessee) um. Der Name des Unternehmens sollte dazu beitragen, Regierungsaufträge zu erhalten. Federal Express war das erste Transportunternehmen, das moderne Jet-Flugzeuge einsetzte. Federal Express profitierte stark von der Deregulierung im US-amerikanischen Lufttransportsektor und expandierte stetig.

1989 kaufte Federal Express die international agierende Luftfrachtgesellschaft Flying Tiger Line. 1998 wurden die Unternehmen Caliber System, Inc, Roberts Express, Viking Freight und Caliber Logistics, übernommen, etwas später auch American Freightways, offiziell firmierte das Unternehmen unter dem Namen FDX Corp.

2000 erhielt das Unternehmen seinen heutigen Namen FedEx Corporation, wobei man sich an der seit vielen Jahren gebräuchlichen Abkürzung FedEx orientierte und sie zur offiziellen Bezeichnung der Firma machte.

2004 kaufte FedEx die US-amerikanische Kette Kinko’s, die Druck-, Kopier- und Bindedienste anbietet und benannte sie in FedEx Kinko’s um.

In einem Aufsehen erregenden Urteil vor einem US-Gericht wurden am 4. Juni 2006 zwei aus dem Libanon stammenden FedEx-Fahrern wegen Diskriminierung durch eine Vorgesetzte umgerechnet rund 47 Millionen Euro Schadenersatz zugesprochen.

Als erster Airbus-Kunde reagierte FedEx im November 2006 auf die anhaltenden Lieferverzögerungen beim Airbus A380 und stornierte seine Bestellung von zehn Airbus A380F zugunsten einer neuen Bestellung beim Rivalen Boeing von 15 Maschinen des Typs 777F. Als Begründung gab Gründer, CEO und Präsident der FedEx Corporation Frederick W. Smith an, dass die Entschädigungszahlungen in keiner Relation zu den entstehenden Umsatzverlusten stehen würden.[4]

FedEx wurde 2008 im jährlich erscheinenden Bericht des Wirtschaftsmagazins Forbes auf Platz sieben der US-amerikanischen „most admired companies“ gewählt.[5]

Am 27. Oktober 2010 gab FedEx bekannt, das neue Umschlagzentrum für Mittel- und Osteuropa am Flughafen Köln/Bonn in Betrieb genommen zu haben. Bisher befand sich das Drehkreuz in Frankfurt am Main.[6] Ein Grund für den Umzug war das mögliche Nachtflugverbot in Frankfurt. Eine Nachtflugbeschränkung für Frachtflieger soll es in Köln bis 2030 hingegen nicht geben.

Am 7. April 2015 kündigte FedEx an, den Konkurrenten TNT Express für 4,4 Milliarden Euro übernehmen zu wollen, was einem Preis von acht Euro je Aktie entspricht. TNT Express, FedEx und PostNL (der mit einem Anteil von 15 Prozent größte Einzelaktionär von TNT Express) haben sich bereits auf eine Übernahme geeinigt. Im Januar 2016 wurde die Übernahme genehmigt.[7] Seitdem wird TNT langfristig mit FedEx verschmolzen.[8][9] Im Zuge dessen gab das Unternehmen im Jahr 2021 bekannt, bis zu 6300 Stellen europaweit in der Express-Sparte abzubauen.[10]

KennzahlenBearbeiten

Geschäfts- und Mitarbeiterentwicklung (jeweiliges Geschäftsjahr)
GJ[11] Angestellte Umsatz
in Mio. US$
Überschuss
in Mio. US$
Bilanzsumme
in Mio. US$
2005 138.100 29.363 1.449 20.404
2006 138.400 32.294 1.806 22.690
2007 143.000 35.214 2.016 24.000
2008 145.000 37.953 1.125 25.633
2009 140.000 35.497 98 24.244
2010 141.000 34.734 1.184 24.902
2011 143.000 39.304 1.452 27.385
2012 149.000 42.680 2.032 29.903
2013 160.700 44.287 2.716 33.567
2014 162.000 45.567 2.324 33.070
2015 166.000 47.453 1.050 36.531
2016 168.000 50.365 1.820 45.959
2017 169.000 60.319 2.997 48.552
2018 227.000 65.450 4.572 52.330
2019 239.000 69.693 540 54.403
2020 245.000 69.217 1.286 73.537
2021 289.000 83.959 5.231 82.777

DrehkreuzeBearbeiten

Neben dem Heimatflughafen Memphis bestehen weitere Drehkreuze:

FlotteBearbeiten

FedEx begann mit 14 Dassault Falcon 20 und betreibt inzwischen eine der weltweit größten Luftfrachtflotten.

Mit Stand 30. November 2019 besteht die aktive Flotte von FedEx aus 678 Flugzeugen.[12][13]

Flugzeugtyp aktiv bestellt[14] Anmerkungen Bild
Airbus A300F 065 FedEx ist weltgrößter Betreiber des Airbus A300 und erhielt 2007 den letzten produzierten (insg. wurden 42 neu geliefert)  
ATR 42F 024 fünf betrieben durch ASL Airlines Ireland  
ATR 72F 020 fünf betrieben durch ASL Airlines Ireland  
ATR 72-600F 030 Im Rahmen der Modernisierung der Feeder-Flotte wurden 30 ATR 72-600F bestellt sowie Optionen auf weitere 20 Stück, die ab 2020 mit je 6 Stück pro Jahr an Fedex ausgeliefert werden sollen.[15]
Boeing 757-200F 119 Ersatz u. a. für A310[16]. Fedex ist weltweit größter Betreiber der Boeing 757-200F  
Boeing 767-300F 086 052 FedEx hat am 4. September 2013 ihre erste B767-300F in Dienst gestellt (insg. 100 neu bestellt).[17] Ersetzen MD-10[16]  
Boeing 777F 043 012 FedEx ist weltgrößter Betreiber der Boeing 777F.[18]  
Cessna 208B 236 Die Cargomaster wurden von Cessna in Zusammenarbeit mit FedEx entwickelt, Fedex ist weltgrößter Betreiber und nahm 300 Stück ab.[19]  
Cessna 408 050 Auslieferung ab 2021
McDonnell Douglas DC-10 025 FedEx ist weltweit größter ziviler Betreiber der McDonnell Douglas MD-10/DC-10. Die DC10-10 sollen bis 2021 komplett ausgemustert werden.[20] Die DC10-30 bleiben zunächst in Betrieb.[21] 11 originäre Frachter bei McDonnell Douglas erworben.  
McDonnell Douglas MD-11F 058 FedEx ist weltweit größter Betreiber der McDonnell Douglas MD-11; 22 originäre Frachter bei McDonnell Douglas/Boeing erworben.  
Gesamt 676 144
1 Bei der MD-10 handelt es sich um mit neuer Avionik ausgestattete McDonnell Douglas DC-10. Sie werden teilweise – z. B. von FedEx – auch Boeing MD-10 genannt, da Boeing McDonnell Douglas übernommen hat und die Umrüstung von der DC- zur MD-Version verantwortet.

ZwischenfälleBearbeiten

  • Am 7. April 1994 kam es an Bord einer McDonnell Douglas DC-10-30 zu einem Entführungsversuch. Auburn Calloway, ein ehemaliger Pilot der United States Navy, versuchte, mit Hämmern und einer Speerpistole bewaffnet, die Flugzeugbesatzung auszuschalten und die Kontrolle über das Flugzeug zu übernehmen und es so abstürzen zu lassen. Dabei wollte er es wie einen Unfall aussehen lassen und sterben, um so seiner Familie ein besseres Leben durch seine Lebensversicherung zu ermöglichen. Es kam zu einem langen Kampf zwischen Calloway und der Besatzung. Einer der Piloten versuchte durch riskante Manöver, bei denen die Frachtmaschine kurzzeitig sogar die Schallgeschwindigkeit überschritt, Calloway in eine ungünstige Lage zu bringen und somit für seine Kollegen greifbar zu machen. Während des Kampfes konnte die Besatzung den Flughafen Memphis informieren und forderte Krankenwagen und eine SWAT-Mannschaft an. Nach einem weiteren Kampf versuchte einer der Piloten mit schweren Kopfverletzungen und auf einem Auge blind das Flugzeug zu landen. Dabei kam es zu einem weiteren schweren Kampf, bei dem Calloway ausgeschaltet wurde. Es folgte die sichere Landung, bei der sich herausstellte, dass zwei der Piloten lebensgefährliche Verletzungen erlitten hatten (siehe auch Federal-Express-Flug 705).
  • Am 31. Juli 1997 verunglückte eine McDonnell Douglas MD-11F auf dem Federal Express Flug 14 bei der Landung auf dem Newark International Airport, NJ (EWR) (Vereinigte Staaten) durch einen Pilotenfehler, fing dabei Feuer und brannte vollständig aus. Alle fünf Insassen konnten sich retten (siehe auch Federal-Express-Flug 14).[22]
  • Am 17. Oktober 1999 verunglückte die MD-11F, Kennzeichen N581FE bei der Landung auf dem Subic Bay International Airport (SFS) (Philippinen). Sie rollte über das Ende der Landebahn und landete im Meer. Alle Insassen konnten sich retten.
  • Am 23. März 2009 verunglückte die aus Guangzhou, China kommende MD-11F mit dem Kennzeichen N526FE bei der Landung auf dem Flughafen Tokio-Narita, Japan. Vorläufigen Berichten zufolge gelten starke Böen von bis zu 72 km/h als Ursache für den Absturz. Bei dem Unglück starben die beiden Piloten (siehe auch Federal-Express-Flug 80).[23]
  • Am 28. Oktober 2016 verunglückte eine MD-10F (Luftfahrzeugkennzeichen N370FE) bei der Landung in Fort Lauderdale. Der aus Memphis kommenden Maschine brach während des Ausrollens das linke Hauptfahrwerk, wodurch die linke Tragfläche auf dem Asphalt aufschlug und Feuer fing. Die Besatzung konnte sich unverletzt retten. Die Unfallursache ist laut dem Untersuchungsbericht der NTSB ein Riss im Fahrwerk. Dieser wurde durch das Überschreiten des Wartungsintervalles um 213 Tage nicht entdeckt (siehe auch Federal-Express-Flug 910).[24]

KritikBearbeiten

Im Jahr 2021 kündigten sowohl die FedEx Germany GmbH wie auch die FedEx Corporation alle Haustarifverträge, um anschließend regionale Flächentarifverträge zur Anwendung zu bringen. Davon sind in der Bundesrepublik rund 1.500 Beschäftigte betroffen. Die Gewerkschaft ver.di, mit der die Haustarifverträge geschlossen waren, warf dem Konzern daraufhin Tarifflucht vor.[25]

TriviaBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • B. I. Hengi: Fluggesellschaften weltweit, 9. aktualisierte Auflage von 2018, Nara, ISBN 978-3-925671-69-2, S. 153

WeblinksBearbeiten

Commons: FedEx – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. https://finance.yahoo.com/quote/FDX/profile?p=FDX
  2. FedEx Corporation 2019 Annual Report. (PDF; 2,3 MB) Abgerufen am 5. Juni 2020.
  3. Forbes Global 2000 List. In: Forbes. (forbes.com [abgerufen am 18. Juli 2018]).
  4. Financial Times Deutschland-Artikel (Memento vom 10. Dezember 2006 im Internet Archive), Video des Originalinterviews auf Financial Times USA@1@2Vorlage:Toter Link/video.ft.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  5. FedEx: FedEx Among Top Ten on FORTUNE’s Lists of Most Admired Companies 3. März 2008
  6. FedEx eröffnet Köln-Bonner Drehkreuz abgerufen am 11. November 2010
  7. Fedex-Deal genehmigt: US-Paketdienst darf TNT Express übernehmen. handelsblatt.com, abgerufen am 2. Juni 2016.
  8. Die Integration von FedEx und TNT läuft nach Plan. In: www.fedex.com. Abgerufen am 14. Juni 2018.
  9. FedEx Express und TNT. Für noch mehr Verbindungen und neue Möglichkeiten. In: www.fedex.com. Abgerufen am 14. Juni 2018.
  10. Post-Rivale Fedex will bis zu 6300 Stellen in Europa streichen. In: Handelsblatt. Abgerufen am 25. März 2021.
  11. FedEx Revenue 2006-2020 | FDX. Abgerufen am 30. April 2020.
  12. FedEx Q2 Fiscal 2020 Statistics. 17. Dezember 2019, abgerufen am 8. März 2020 (englisch).
  13. Federal Express (FedEx) Fleet Details and History. In: planespotters.net. 19. April 2020, abgerufen am 22. April 2020 (englisch).
  14. boeing.com – Customer Summary (englisch) abgerufen am 19. November 2010
  15. FedEx Express Continues Modernization of Aircraft Fleet. In: About FedEx. (fedex.com [abgerufen am 8. November 2017]).
  16. a b http://worldairlinenews.com/2012/06/05/fedex-to-retire-18-airbus-a310-200-and-six-mcdonnell-douglas-md-10-freighters/
  17. http://investors.fedex.com/news-and-events/investor-news/news-release-details/2015/FedEx-Express-Plans-to-Acquire-50-Additional-Boeing-767-300F-Aircraft/default.aspx
  18. http://active.boeing.com/commercial/orders/displaystandardreport.cfm?cboCurrentModel=777&optReportType=AllModels&cboAllModel=777&ViewReportF=View+Report
  19. http://www.airliners.net/aircraft-data/stats.main?id=158
  20. Ausmusterung bis 2021: Fedex schickt MD-10 und A310 in Rente. In: aeroTELEGRAPH. 7. Oktober 2019, abgerufen am 23. November 2019 (Schweizer Hochdeutsch).
  21. http://www.fool.com/investing/general/2015/08/04/why-fedex-loves-the-boeing-767.aspx
  22. Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 11. Mai 2010.
  23. Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 11. Mai 2010.
  24. Fedex MD10 at Fort Lauderdale on Oct 28th 2016, main gear collapse on landing, aircraft on fire. In: The Avherald. 28. Oktober 2016, abgerufen am 29. Oktober 2016.
  25. FedEx flüchtet aus Haustarifverträgen. In ver.di Publik 5/2021, S. 4
  26. Interview mit Lindon Leader, dem Designer des Logos abgerufen am 6. Oktober 2011
  27. https://www.planespotters.net/airframe/Boeing/757/EI-ETR-ILFC/do13IdDd