Gilead Sciences

US-amerikanisches Pharmazie- und Biotechnologieunternehmen
Gilead Sciences, Inc.

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Rechtsform Incorporated
ISIN US3755581036
Gründung 1987[1]
Sitz Foster City, Kalifornien[1]
Leitung Daniel O’Day[2] CEO
Mitarbeiterzahl 9.000 (2018)[1]
Umsatz 22,1 Mrd. $ (2019)[3]
Branche Biotechnologie
Website www.gilead.com

Gilead Sciences, Inc. ist ein Pharmazie- und Biotechnologieunternehmen aus den Vereinigten Staaten mit Sitz in Foster City, Kalifornien. Das Unternehmen ist im S&P 500 gelistet. Mit einem weltweiten Umsatz von rund 22 Milliarden US-Dollar (2019) ist es eines der größten Pharmaunternehmen der Welt.[3] Rund 9.000 Mitarbeiter sind bei Gilead Sciences beschäftigt (Stand 2018).[1] Gilead Sciences verfügt über Standorte in Nordamerika, Europa und Australien.

Der Name des Unternehmens und das Logo beziehen sich auf den biblischen Ort Gilead, und zwar wegen der für ein Pharmaunternehmen passenden Wortkombination speziell auf Jeremia 8,22: „Gibt es kein Heilmittel in Gilead?“.[4]

Gilead Sciences erforscht und kommerzialisiert Therapien, beispielsweise für HIV, Hepatitis B, Hepatitis C und Influenza.

GeschichteBearbeiten

Im Juni 1987 gründete der damals 29-jährige Arzt Michael Riordan die Firma Oligogen, Inc., die 1988 in Gilead Sciences umbenannt wurde.

Im Januar 1997 wurde Donald Rumsfeld Vorsitzender des Aufsichtsrates, dessen Mitglied er seit 1988 gewesen war.[5] Er trat von diesem Posten zurück, als er Verteidigungsminister unter George W. Bush wurde. Sein Aktienanteil wurde auf einen Wert von fünf bis fünfundzwanzig Millionen US-Dollar geschätzt. Er dürfte noch gestiegen sein, als im Herbst 2005 die erhöhte Nachfrage nach Tamiflu (wegen der Vogelgrippe H5N1) die Gilead-Aktien in die Höhe trieb.[6]

Im März 2020 verkündete Gilead Sciences die Übernahme des US-amerikanischen Pharmaunternehmens Forty Seven, dessen wichtigstem Produkt Magrolimab seitens der FDA ein beschleunigtes Zulassungsverfahren (Fast Track Designation) gewährt wurde.[7]

Am 7. Juni 2020 wurde bekannt, dass das Pharmaunternehmen AstraZeneca eine Fusion mit Gilead Sciences erwägt und hierzu Gespräche aufgenommen hat.[8]

ProdukteBearbeiten

Gilead Sciences bietet Produkte für folgende Anwendungsgebiete an (Stand April 2020):

Bekannte Arzneimittel sind beispielsweise Atripla, Tamiflu, Emtriva, Truvada, Viread und Sovaldi. Ein mit „Sonderzulassungen“ und in der Entwicklung befindlicher Wirkstoff ist Remdesivir zur Behandlung von COVID-19, der vorher schon während der Ebolafieber-Epidemie 2018 bis 2020 erfolgreich eingesetzt wurde.[9]

KennzahlenBearbeiten

Geschäfts- und Mitarbeiterentwicklung (jeweiliges Geschäftsjahr)
GJ[10] Umsatz
in Mio. US-$
Bilanzgewinn
in Mio. US-$
Angestellte
2005 2.028 814 1.900
2006 3.026 -1.190 2.515
2007 4.230 1.585 2.979
2008 5.336 1.979 3.441
2009 7.011 2.636 3.852
2010 7.949 2.901 4.000
2011 8.385 2.804 4.500
2012 9.702 2.592 5.000
2013 11.202 3.075 6.100
2014 24.890 12.101 7.000
2015 32.639 18.108 8.000
2016 30.390 13.501 9.000
2017 26.107 4.628 10.000
2018 22.127 5.455 11.000
2019 22.449 5.386 11.800

KritikBearbeiten

Die Vermarktung von Sovaldi (Sofosbuvir) hat eine kontroverse gesellschaftliche Debatte ausgelöst. Eine Kalkulation der AOK von 2014 ergab, dass aufgrund des hohen Preises die Kosten nur dieses einen Medikamentes bis zu einem Fünftel der gesamten deutschen Arzneimittelausgaben ausmachen könnten.[11] Weiterhin wird kritisiert, dass Gilead „astronomisch hohe Preise“ verlangt: so kostet eine reguläre 12-Wochentherapie bis zu 60.000 Euro, wohingegen Berechnungen ergeben haben, dass die Herstellungskosten lediglich 136 Dollar betragen, womit zusammen mit den Entwicklungs- und Vertriebskosten der Gesamtpreis für die 12-Wochen-Therapie nur etwa 1500 Dollar beträgt.[12] Nach Ansicht von Wolfgang Becker-Brüser sei der Preis durch nichts gerechtfertigt, zumal die Kostenkalkulation von Gilead völlig intransparent sei.[13] Dagegen können betriebswirtschaftliche Motive eine Rolle spielen, da Gilead 2011 die an der Entwicklung von Sovaldi verantwortliche Biotech-Firma Pharmasset für elf Milliarden Dollar kaufte. Demgegenüber machte Gilead alleine 2014 einen Reingewinn von 10,3 Milliarden Dollar. Dies wird auch durch den Umsatzzuwachs unterstrichen. Im Jahr 2014 machte Gilead Sciences einen weltweiten Umsatz von 24,47 Milliarden US-Dollar, verglichen mit dem Umsatz von 2013 (10,80 Milliarden) entspricht dies einem Zuwachs von 127 Prozent beim Umsatz. Ein derart großer Anstieg ist unter den 25 größten Pharmaunternehmen der Welt extrem selten.[14]

Das Medikament Remdesivir soll bei Covid-19 eingesetzt werden. Der Konzern wird dafür kritisiert, dass der Preis pro Ampulle auf 390 US-Dollar festgesetzt wurde. Eine 5-tägige Behandlung kostet somit 2340 Dollar.[15]

WeblinksBearbeiten

Commons: Gilead Sciences – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Gilead Sciences About. Gilead Sciences. Abgerufen am 16. März 2018.
  2. Richard Staines: Gilead hires Roche's pharma chief Daniel O'Day as CEO -. 10. Dezember 2018, abgerufen am 1. November 2019 (britisches Englisch).
  3. a b Gilead Sciences Announces Fourth Quarter and Full Year 2019 Financial Results PM Gilead Sciences vom 4. Februar 2020, abgerufen am 11. Februar 2020
  4. Das ostjordanische Gilead war im Altertum bekannt für seine pharmazeutischen Öle, die aus dem Harz lokaler Sträucher gewonnen wurden.
  5. Donald H. Rumsfeld Named Chairman of Gilead Sciences. Gilead Sciences. 3. Januar 1997. Abgerufen am 15. September 2009.
  6. Nelson D. Schwartz: Rumsfeld's growing stake in Tamiflu. CNN. 31. Oktober 2005. Abgerufen am 15. September 2009.
  7. Gilead to Acquire Forty Seven for $4.9 Billion, PM Gilead Sciences vom 2. März 2020, abgerufen am 2. März 2020
  8. AstraZeneca und Gilead loten Megafusion aus, abgerufen am 7. Juni 2020
  9. Daniel O’Day: An Open Letter from our Chairman & CEO (en) In: Stories@Gilead. 10. April 2020. Abgerufen am 20. April 2020.
  10. Gilead Sciences Revenue 2006-2019 | GILD. Abgerufen am 29. April 2020.
  11. Neues Hepatitis-Medikament sprengt Kassen-Budget. In: Stern Online. 6. August 2014, abgerufen am 8. August 2017.
  12. Daniel Rahaus: Die unverschämten Preise der Pillenhersteller. In: Stern Online. 22. Oktober 2015, abgerufen am 8. August 2017.
  13. 700-Euro-Pille von Gilead: "Unmoralische Gewinnzahlen. Spiegel Online, 7. August 2014, abgerufen am 7. August 2014.
  14. Global Revenues from the Top 25 Pharma Companies
  15. Florian Rötzer: Pharmakonzern legt Preis für Remdesivir auf 390 US-Dollar pro Ampulle fest. heise online, abgerufen am 30. Juni 2020.