Cessna 208

Flugzeugfamilie

Die Cessna 208 Caravan ist ein einmotoriges Turboprop-Passagier- und Frachtflugzeug (Zubringerflugzeug) des US-amerikanischen Herstellers Textron Aviation ohne Druckkabine.

Cessna 208 Caravan
Cessna 208B Grand Caravan CAE Aviation D-FCAE, LUX Luxembourg (Findel), Luxembourg PP1352652167.jpg
D-FCAE bei der Landung auf dem Flughafen Luxemburg
Typ: Zubringerflugzeug
Entwurfsland:

Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten

Hersteller: Cessna/Textron Aviation
Erstflug: 9. Dezember 1982[1]
Indienststellung: 1984
Stückzahl: Ca. 2500 (Stand: 2015)[2]

GeschichteBearbeiten

Die Entwicklungsarbeiten begannen in den frühen 1980er Jahren und am 9. Dezember 1982 flog der erste Prototyp. Die FAA-Zulassung erfolgte im Oktober 1984, Kundenlieferungen ab Februar 1985. Im Oktober 1998 wurde die 1000. Maschine an Tropic Air ausgeliefert.

 
Cessna 208B Grand Caravan
 
Cessna 208 Amphibian

Die großen Räder der 208 erlauben auch Starts und Landungen auf unbefestigten Pisten. Die um 1,22 Meter verlängerten Versionen 208B Super Cargomaster (Erstflug 1986) und 208B Grand Caravan (Erstflug 1990) bieten einer größeren Menge Fracht bzw. bis zu 14 Passagieren Platz (Caravan: 9 Passagiere). Die Frachtversionen Cargomaster (40 Stück gebaut) und Super Cargomaster (260 Stück gebaut) können 1587 kg (Cargomaster) bzw. 1933 kg (Super Cargomaster) Fracht befördern. Die Super- und Grandversionen wurden mit dem stärkeren Pratt & Whitney Canada PT6A-114A-Triebwerk ausgerüstet. Das Frachtunternehmen FedEx betreibt in Nord- und Mittelamerika eine Flotte von 309 Flugzeugen dieser Muster (Stand Ende 2008). Ab 1997 ersetzte die 208-675 die Standardversion, welche ebenfalls den stärkeren Antrieb erhielt. Der Hersteller Soloy bietet einen Umbau der 208 mit zwei PT6D-114A-Turbinen an, die zusammen 991 kW Leistung liefern und gemeinsam den Propeller antreiben. Diese um 1,8 m verlängerte Version wird als Pathfinder 21 bezeichnet und hatte 1995 ihren Erstflug. Die Zulassung erhielt sie 1997.[3]

Die Militärversion U-27A (in Brasilien als C-98 bezeichnet) dient bei vielen Luftstreitkräften als Truppentransporter sowie als Ambulanz-, Fracht- und Zubringerflugzeug. Außerdem gibt es eine Variante als Wasserflugzeug (Amphibian). Als AC-208 sind seit Anfang 2009 insgesamt elf Maschinen als Kampfflugzeug in Iraks Luftstreitkräften im Einsatz. Diese sind mit dem beweglichen STAR-Sensorsystem (TV und IR) unter dem Rumpf und teilweise (AC-208B) mit Hellfire-Raketen unter den Flügeln sowie Radarwarnempfängern ausgerüstet.[4][5] Drei AC-208B werden bei der 6th Special Operations Squadron der USAF unter der Bezeichnung Combat Caravan eingesetzt.[6]

 
Jüngste Version: Grand Caravan EX mit Belly-Pod

Am 28. Mai 2020 startete die eCaravan zum Erstflug. Dabei handelt es sich um eine Caravan, die mit einem elektrischen magni500-Motor von Magnix mit 750 PS (560 kW) Leistung ausgerüstet ist. Die eCaravan ist zurzeit das größte vollelektrisch fliegende Flugzeug der Welt.[7]

Militärische NutzerBearbeiten

 
Eine Cessna 208B Grand Caravan der Irakischen Luftwaffe über Irak auf einem Trainingsflug
 
Caravan I der South African Air Force mit Belly-Pod

ZwischenfälleBearbeiten

Vom Erstflug 1982 bis März 2020 kam es mit Cessna 208 zu 236 Totalschäden von Flugzeugen. Bei 138 davon kamen 468 Menschen ums Leben.[8] Beispiele:

  • Am 29. September 1985 kam es an einer mit Fallschirmspringern vollbesetzten US-amerikanischen Cessna 208 (Luftfahrzeugkennzeichen N551CC) kurz nach dem Start bei Jenkinsburg, Georgia zu einem Triebwerksausfall. Die Maschine stürzte aus einer Höhe von 300 Fuß trudelnd zu Boden. Alle 17 Insassen kamen dabei ums Leben. Bei der Unfalluntersuchung wurden erhebliche Mengen an Wasser im Treibstoff gefunden, was auf eine unsachgemäße Lagerung der Kraftstoffbehälter zurückgeführt wurde, aus denen die Maschine betankt wurde. Außerdem wurde ein Überschreiten des maximalen Startgewichts und eine falsche Gewichtsverteilung in der Maschine festgestellt. Mit Stand April 2020 handelt es sich um den schwersten Zwischenfall mit einer Cessna 208 (siehe auch Flugunfall bei Jenkinsburg).[9]
  • Am 4. März 1997 verunglückte eine in Hamilton gestartete Cessna 208B Super Cargomaster der kanadischen Air Georgian (C-FESJ) während des Anflugs auf den Flughafen Barrie-Orillia Lake Simcoe (Ontario). Der Pilot, einziger Insasse auf dem Frachtflug, kam ums Leben. Das Flugzeug konnte repariert werden.[10]
  • Am 11. September 2003 stürzte eine Cessna 208B Grand Caravan der kanadischen Wasaya Airways (C-FKAB) beim Landeanflug auf den Flugplatz von Summer Beaver (Ontario) ab. Zeugen beobachteten, wie das Flugzeug während des nächtlichen Landeanflugs plötzlich senkrecht in den Boden flog. Alle acht Insassen starben.[12][13]
  • Am 17. Januar 2004 stürzte eine Cessna 208B Grand Caravan der kanadischen Georgian Express (C-FAGA) kurz nach dem Start von der Insel Pelee zu einem Flug nach Windsor auf die vereiste Oberfläche des Eriesees. Unfallursachen waren vereiste Tragflächen und eine Überladung um 576 kg (15 Prozent). Nach dem Einfahren der Auftriebshilfen kam es daraufhin zum Strömungsabriss. Bei dem Unfall wurden alle zehn Personen an Bord getötet (siehe auch Georgian-Express-Flug 126).[14]
  • Am 5. Juli 2007 stürzte eine US-amerikanische Cessna 208B Grand Caravan (N208EC) beim Anflug auf den Flugplatz Connemara (Irland) aufgrund rauer Wetterbedingungen ab, wobei zwei Menschen getötet und sieben verletzt wurden. Das Charterflugzeug kehrte von einem Tagesausflug nach Inis Meáin zurück.[15]
  • Am 7. Oktober 2007 stürzte einen mit neun Fallschirmspringern und einem Piloten besetzte Cessna 208B Grand Caravan (N430A) auf dem Flug von Star (Idaho) zum Shelton-Sanderson Field (Bundesstaat Washington) in der unbesiedelten Wildnis ab. Der Pilot, der nur eine Lizenz für Sichtflüge besaß, war in eine Zone mit schwierigen Wetterverhältnissen eingeflogen, welche einen Instrumentenflug erfordert hätten. Aufgrund des Fluges in großer Höhe mit der Maschine ohne Druckkabine und ohne Sauerstoffgeräte an Bord habe er vermutlich einen Sauerstoffmangel erlitten und beim Flug von Ausweichmanövern um die Schlechtwetterfront aufgrund einer partiellen Handlungsunfähigkeit die Fluggeschwindigkeit nicht beachtet, woraufhin es zum Strömungsabriss kam. Alle zehn Insassen der Maschine starben (siehe auch Flugunfall der Kapowsin Air Sports 2007).
  • Am 4. Oktober 2011 wurde eine Cessna 208B Grand Caravan der kanadischen Air Tindi (C-GATV) nahe dem Großen Sklavensee in ansteigendes Gelände geflogen. Das Flugzeug befand sich auf dem Weg von Yellowknife nach Łutselk'e (Nordwest-Territorien) und wurde unter Sichtflugregeln geflogen. Aufgrund einer niedrigen Wolkendecke befand sich die Maschine während des gesamten Fluges nicht über einer Höhe von 200 Metern. Unfallursachen waren ein Controlled flight into terrain (CFIT) und Cannabinoide im Blut des Kapitäns. Von den vier Insassen kamen zwei ums Leben, der Kapitän und einer der Passagiere.[16][17]
  • Am 11. Dezember 2015 stürzte eine Cessna 208B Grand Caravan der kanadischen Wasaya Airways (C-FKDL) ab. Das Flugzeug befand sich auf dem Weg von Pickle Lake nach Wapekeka (beides Ontario), als die Maschine mit Bäumen kollidierte und abstürzte. Als Absturzursache wurden unter anderem schlechte Wetterbedingungen genannt, diese führten zur Vereisung des Flugzeugs. Der einzige Insasse dieses Frachtfluges kam ums Leben.[18][19]
  • Am 31. Dezember 2017 wurde eine Cessna 208B Grand Caravan der costa-ricanischen Nature Air (TI-BEI) in einer bergigen Gegend nahe der Küstenstadt Punta Islita (Costa Rica) in einen Hügel geflogen und brannte aus. Alle 12 Insassen, darunter 10 ausländische Touristen kamen ums Leben (siehe auch Nature-Air-Flug 9916).[20][21]
  • Am 11. September 2019 stürzte eine Cessna 208 Caravan I der deutschen Firma GoJump (D-FIDI) in der Nähe von Zehdenick in Brandenburg aus bisher ungeklärter Ursache während des Landeanfluges auf ein Feld. Das Flugzeug war von dem in der Nähe befindlichen Flugplatz Gransee gestartet, der als Basis für kommerzielle Fallschirmsprünge dient. Auf dem Flug befanden sich 14 Fallschirmspringer und der Pilot in der Maschine; die Sportler hatten das Flugzeug vor dem Absturz planmäßig verlassen, der Pilot starb. Nach den amtlichen Untersuchungsergebnissen flog der Pilot im Landeanflug ohne erkennbare Veranlassung wenige Meter über Grund mit hoher Geschwindigkeit enge Kurven und berührte dabei mit einer Tragfläche den Boden.[22]

Technische DatenBearbeiten

 
Blick ins Cockpit einer 208B
Kenngröße Caravan Grand Caravan
Besatzung 1 1
Passagiere 9 14
Länge 11,46 m 12,67 m
Spannweite 15,88 m 15,88 m
Höhe 4,32 m 4,32 m
Kabinengröße h; b; l 1,37 m; 1,63 m; 3,88 m 1,37 m; 1,63 m; 5,10 m
Flügelfläche 26 m² 26 m²
Nutzlast 1360 kg 1587 kg
Leermasse 1725 kg 2250 kg
max. Startmasse 3310 kg 3970 kg
max. Reisegeschwindigkeit 340 km/h (in 3000 m Höhe)
295 km/h (in 6000 m Höhe)
337 km/h (in 3000 m Höhe)
295 km/h (in 6000 m Höhe)
Höchstgeschwindigkeit 344 km/h 341 km/h
Dienstgipfelhöhe 7620 m 7620 m
Reichweite
mit vollen Tanks und ohne Ladung
1797 km 1667 km
Triebwerke 1 × Pratt & Whitney Canada PT6A-114 mit 450 kW (600 PS) und 3-blättrigem, verstellbarem Hartzell-Propeller 1 × Pratt & Whitney Canada PT6A-114A mit 505 kW (675 PS) und 3-blättrigem, verstellbarem Hartzell-Propeller
Listenpreis 2 Mio. US-Dollar 2,5 Mio. US-Dollar

Vergleichbare MusterBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Cessna 208 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. William Green, Claudio Müller: Flugzeuge der Welt, 1983/84. Werner Classen Verlag, Zürich 1983, ISBN 3 7172 0323 1, S. 60–61.
  2. Kate Sarsfield: Cessna approaching 2,500 Caravan delivery milestone. In: Flightglobal.com. 6. Oktober 2015, abgerufen am 12. Oktober 2015 (englisch): „Cessna is preparing to deliver the 2,500th Caravan this quarter, to an Alaskan charter operator which was its original launch customer for the single-engined turboprop – Bering Air.“
  3. Soloy Dual Pac (Soloy) (Memento vom 21. Februar 2010 im Internet Archive)
  4. FlugRevue März 2010, S. 53, Bewaffnete Caravan
  5. Bestückung der Combat Caravan mit einer Hellfire-Rakete@1@2Vorlage:Toter Link/www.defenseindustrydaily.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)
  6. News Military. In: AIR International April 2021, S. 11
  7. Patrick Holland-Moritz: E-Flight: Erstflug der Elektro-Caravan. In: www.aerokurier.de. 29. Mai 2020, abgerufen am 8. September 2020.
  8. Unfallstatistik Cessna 208, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 16. April 2020.
  9. Unfallbericht Cessna 208 N551CC, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 30. April 2020.
  10. Unfallbericht Cessna 208B C-FESJ, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 30. April 2020.
  11. Unfallbericht Cessna 208 N9530F, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 17. März 2020.
  12. Flugunfalldaten und -bericht Cessna 208B C-FKAB im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 25. März 2021.
  13. Aviation Investigation Report A03H0002. In: Transportation Safety Board of Canada. 8. Dezember 2004, abgerufen am 25. März 2021 (englisch).
  14. Unfallbericht Cessna 208B C-FAGA, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 30. April 2020.
  15. Flugunfalldaten und -bericht Cessna 208B N208EC im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 31. März 2021.
  16. Flugunfalldaten und -bericht Cessna 208 C-GATV im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 24. März 2021.
  17. Aviation Investigation Report A11W0151. In: Transportation Safety Board of Canada. 20. März 2013, abgerufen am 24. März 2021 (englisch).
  18. Flugunfalldaten und -bericht Cessna 208B C-FKDL im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 25. März 2021.
  19. Aviation Investigation Report A15C0163. In: Transportation Safety Board of Canada. 28. September 2017, abgerufen am 25. März 2021 (englisch).
  20. Unfallbericht Cessna 208B TI-BEI, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 11. Januar 2018.
  21. Zwölf Tote bei Absturz von Kleinflugzeug in Costa Rica ofr.at, 31. Dezember 2017, abgerufen 1. Januar 2018.
  22. Unfallbericht Cessna 208 D-FIDI, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 19. September 2019.