Die Cessna 207 ist ein zunächst sieben-, später achtsitziger, abgestrebter Schulterdecker des Flugzeugherstellers Cessna mit starrem Bugradfahrwerk. Sie ist das größte einmotorige Flugzeug mit Kolbenmotor, das von Cessna gebaut wurde. Die 1969 aufgenommene Serienproduktion endete 1985.[1] Insgesamt wurden 788 Cessna 207 hergestellt.[2]

Cessna 207
T207A Turbo Stationair 8, KLM Aerocarto, 2007
Cessna T207A Turbo Stationair 8 der KLM Aerocarto, Teuge 2007
Typ: Leichtflugzeug
Entwurfsland:

Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten

Hersteller:

Cessna

Erstflug: 11. Mai 1968
Indienststellung: 1969
Produktionszeit:

1968–1985

Stückzahl: 788

GeschichteBearbeiten

Die Cessna 207 wurde aus der sechssitzigen Cessna 206 heraus entwickelt, um über sieben Sitze verfügen zu können (später acht). Insgesamt wurde der Rumpf der Cessna 207 gegenüber der 206 um etwa 114 cm verlängert.[3] Der vordere Rumpf erhielt eine Verlängerung von 46 cm; hier wurde ein zusätzliches Gepäckfach untergebracht.[4] Im hinteren Bereich wurde der Rumpf um 69 cm verlängert, um Raum für die zusätzlichen Passagiere zu schaffen.

Anfangs trug sie den Namen Skywagon (ebenso wie die Cessna 180, 185 und 206). 1978 wurde sie in Stationair 7 umbenannt und 1980 – nach der Zulassung für acht Sitze – schließlich in Stationair 8.

Der Erstflug des Prototyps erfolgte am 11. Mai 1968. Die erste Serienmaschine der 207 flog erstmals am 3. Januar 1969, die erste T207 Turbo Skywagon folgte drei Tage später.[3]

Das Bugrad war im Vergleich zur 206 ebenso weit nach vorne gewandert wie der Propeller. Die Handhabung der Maschine beim Rollen wurde dadurch erschwert, denn der Wenderadius hatte sich durch die Änderungen am Fahrwerk vergrößert. Dagegen war das Flugzeug hinter dem unverändert angebauten Hauptfahrwerk deutlich länger geworden. Durch die hinten verringerte Bodenfreiheit wurden die Landungen schwieriger, denn um Berührungen des Flugzeughecks mit der Landebahn ("Tailstrike") zu vermeiden, darf beim Abfangen nur ein geringerer Anstellwinkel angewandt werden. Zum anderen muss bei der Reihenfolge von Beladung und Einsteigen der Passagiere sorgfältig auf den Schwerpunkt geachtet werden, damit die Maschine nicht auf den Schwanz kippt.

KonstruktionBearbeiten

Die Cessna 207 ist ein einmotoriger Ganzmetallschulterdecker. Im Vorderrumpf, zwischen Cockpit und Brandschott, befindet sich ein Gepäckraum für maximal 54 kg Zuladung, der durch eine Klappe auf der rechten Rumpfseite zugänglich ist.[3] Die Kabine wurde direkt hinter der hinteren Flügelbefestigung um 69 cm verlängert und damit Platz für eine vierte Sitzreihe geschaffen, die mit zunächst einem, ab Baujahr 1980 mit zwei Sitzen ausgestattet ist.[5] Zusätzlich zu der von der Cessna 206 übernommenen zweiflügeligen großen Frachttür auf der rechten Seite wurde eine Tür neben dem Copilotensitz eingebaut.[6] Die Maschine darf auch ohne die Frachttür geflogen werden, z. B. für Fotoflüge oder das Absetzen von Fallschirmspringern.

Das starre Dreibeinfahrwerk verfügt über ein mechanisch steuerbares Bugrad und ein hydraulisches Bremssystem. Die Landeklappen werden elektrisch angetrieben.

Als Triebwerk wird je ein luftgekühlter Sechszylinder-Boxermotor Continental IO-520-F bzw. TSIO-520-G (Turbo) mit 221 kW/300 PS verwendet. Ab 1977 erhielt die T207 den mit 228 kW/310 PS etwas stärkeren Continental TSIO-520-M. Der Motor treibt einen dreiblättrigen McCauley-Verstellpropeller mit einem Durchmesser von 2,03 m an.

Die Treibstoffkapazität beträgt 231 Liter, davon 204 Liter ausfliegbar. Als Option waren größere Tanks mit 303 Liter (276 ausfliegbar) erhältlich.[7]

VariantenBearbeiten

  • 207 Skywagon (1969); Motor: Continental IO-520-F, 300 PS
  • T207 Turbo Skywagon (1969); Motor: Continental TSIO-520-G, 300 PS
  • 207A Skywagon (1977), Motor unverändert
  • T207A Turbo Skywagon (1977); Motor: T207 - 310 PS: Continental TSIO-520-M
    • beide zugelassen am 12. Juli 1976; zusammen 52 gebaut[9]
  • 207A Stationair 7 (1978)
  • T207A Turbo Stationair 7 (1978)
    • zusammen 148 gebaut[9]
  • 207 Stationair 8 (1980–1985)
  • T207 Turbo Stationair 8 (1980–1983)[10]
    • beide für 8 Personen zugelassen am 11. September 1979; zusammen 226 gebaut.[9]

NutzungBearbeiten

  • Absetzflugzeug im Fallschirmsport
  • Rundflüge
  • Von kleineren Fluggesellschaften wurde die 207 häufig auf Kurzstrecken eingesetzt, auf denen die gesamte Sitzkapazität genutzt werden konnte, da die zu tankende Treibstoffmenge nicht allzu groß war. Nur wenige Cessna 207 gelangten in Privatbesitz. Bei Lufttaxi-Unternehmen und kleineren Frachtfluggesellschaften ist das Flugzeug recht populär; es wird aber in geringerem Umfang auch als Firmenflugzeug eingesetzt. Einer der größten Betreiber der Cessna 207 ist Yute Air Alaska, die elf Maschinen betrieb, den Betrieb aber im März 2017 abrupt einstellte.[11][12]

Technische DatenBearbeiten

 
Cessna 207A im kanadischen Wintereinsatz
Kenngröße Daten
Besatzung 1
Passagiere 6 (7 in Stationair 8)
Länge 9,80 m
Spannweite 10,92 m
Höhe 2,92 m
Flügelfläche 16,17 m²
Flügelstreckung 7,46
Leermasse 955 kg
max. Startmasse 1724 kg[20]
Höchstgeschwindigkeit 337 km/h oder 182 kts
Dienstgipfelhöhe 6096 m oder 20.000 ft
Reichweite 1279 km (maximal)
Triebwerke 1 × Continental IO-520-F bzw. TSIO-520

Vergleichbare FlugzeugtypenBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • John W.R. Taylor: Jane's All The World's Aircraft, 1971–72. Jane's Yearbooks, London 1972.
  • John W.R. Taylor: Jane's All The World's Aircraft, 1980–81. Jane's Publishing, London 1980, ISBN 0-7106-0705-9.
  • Rod Simpson: The General Aviation Handbook. Midland Publishing, Hinckley (UK) 2005, ISBN 1-85780-222-5.
  • William Green: Flugzeuge der Welt, 1970/71. Werner Classen Verlag, Zürich 1970.
  • Peter Alles-Fernandez: Flugzeuge von A bis Z. Band 1, Bernard & Graefe Verlag, Koblenz 1988, ISBN 3-7637-5905-0.
  • Nikolaus Krivinyi: Taschenbuch der Luftflotten 1983/84. Bernard & Graefe Verlag, Koblenz 1983, ISBN 3-7637-5181-5. (englisch)

WeblinksBearbeiten

 Commons: Cessna 207 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Simpson 2005, S. 96–97.
  2. Simpson 2005, S. 86–87.
  3. a b c Jane's 1971, S. 280.
  4. Simpson 2005, S. 86.
  5. Simpson 2005, S. 86.
  6. Alles-Fernandez, S. 402.
  7. Jane's 1980, S. 314–315.
  8. FAA Type Certificate Data Sheet, S. 3.
  9. a b c FAA Type Certificate Data Sheet, S. 5.
  10. Simpson 2005, S. 97.
  11. Website Yute Air (Memento des Originals vom 12. Februar 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.yuteair.net (englisch), abgerufen am 31. Januar 2015.
  12. KTVA Alaska: Yute Air ceases operations in rural Alaska (Memento des Originals vom 5. März 2017 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ktva.com (englisch), abgerufen am 30. März 2017.
  13. coptercrazy.co.uk, abgerufen am 31. Januar 2015 (englisch).
  14. Dave Partington: European Registers Handbook 2014. Air-Britain (Historians), Tonbridge, Kent, UK 2014, ISBN 978-0-85130-465-6.
  15. Ulrich Klee, Frank Bucher u. a.: jp airline-fleets international 1978. Zürich-Airport 1978, S. 62.
  16. Ulrich Klee, Frank Bucher u. a.: jp airline-fleets international 1978. Zürich-Airport 1978, S. 66.
  17. Ulrich Klee, Frank Bucher u. a.: jp airline-fleets international 1975. Zürich-Airport 1975, S. 50.
  18. Fotos in airliners.net (Memento des Originals vom 28. April 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.airliners.net
  19. Luftflotten, S. 16.
  20. Green 1970, S. 56.