The Open University

Universität im Vereinigten Königreich

The Open University (OU), gegründet 1969, ist die größte staatliche Universität in Großbritannien und Europa. Die Open University bietet Kurse, Zertifikate, Diplome und Universitätsabschlüsse wie den Bachelor, Bachelor (Honours) und Master im Fernstudium sowie den Doktorgrad Doctor of Science und den Doktorgrad (PhD) Doctor of Philosophy / Philosophiae Doctor im Teilzeitstudium an. Darüber hinaus gilt die Fakultät Open University Business School als eine der größten MBA-Anbieter weltweit und zählt damit zu den größten Business Schools in Europa. Die Open University wurde 1969, die Open University Business School 1983 gegründet.

The Open University
Logo
Motto Learn and Live
Gründung 1969
Trägerschaft staatlich
Ort Milton Keynes (Sitz), Vereinigtes Königreich
Vice-Chancellor Tim Blackman (seit 2019)[1]
Studierende 174.000[2]
Website www.open.ac.uk www.openuniversity.edu

StudienprinzipBearbeiten

Das Studienprinzip basiert auf dem des Supported Distance Learning, einer Art des Fernstudiums, bei dem man durch einen Tutor begleitet wird und umfangreiches Studienmaterial zur Verfügung gestellt bekommt. Die OU bietet rund 70 verschiedene Studiengänge und 570 verschiedene Kurse an. Besonders bekannt ist das MBA-Programm der Open University Business School.

Für die meisten Grundstudiengänge an der Open University gelten keine Aufnahmebedingungen (z. B. Abitur) und auch keine Sprachtests (z. B. TOEFL) (sprachliche Eignung wird jedoch vorausgesetzt).

Die Open University stellte im Oktober 2006 Studienmaterial aus 170 Fachbereichen zur kostenlosen Verwendung zur Verfügung. Der Wert dieses Studienmaterials beträgt 5,6 Millionen £.

StudiengängeBearbeiten

Die Studiengänge bei der OU sind grundsätzlich modular aufgebaut, das heißt, dass mehrere Kurse abgelegt werden müssen, von denen jeder mit einer Punktzahl honoriert wird. In der Regel werden für das Grundstudium in einem Jahr 60 Punkte belegt, was einem Teilzeitstudium entspricht. Je nach persönlicher Motivation können bis zu 120 Punkte in einem Jahr belegt werden, was wiederum einem Vollzeitstudium entspricht und nur von einer sehr geringen Anzahl berufstätiger Studenten in Anspruch genommen wird. Zum Erreichen eines Abschlusses, wie dem Bachelor of Arts, ist eine Mindestpunktzahl erforderlich. Studiert wird ausschließlich auf Englisch. So dauert beispielsweise ein MBA-Abschluss gut 2½ Jahre.

AkkreditierungBearbeiten

Die Open University Business School verfügt über die international anerkannten Akkreditierungsgütesiegel der AMBA, EQUIS and AACSB. Die Open University Business School gehört zu den Top 1 % der Business Schools weltweit (Stand 2015)[3]. Der Studiengang 'Certificate in Accounting' ist außerdem von weiteren fachgebundenen Organisationen (ACCA, CIMA, CPA, IFA, CIPFA and ICAEW) zertifiziert worden.

StudierendeBearbeiten

 
Robert-Hook-Gebäude, Open University Campus in Milton Keynes
 
Wilson-Gebäude, Open University Campus in Milton Keynes
 
The Open University, Leeds

Der Campus der OU liegt in Milton Keynes, Mittelengland. An der Open University waren nach eigenen Angaben 2019 über 174.000 Studierende eingeschrieben, davon über 90.000 in England, 16.500 in Schottland, über 9.000 in Wales, 3.700 in Nordirland und 1.000 in Irland.[2] In Großbritannien waren im Studienjahr 2018/2019 122.360 Studierende eingeschrieben, davon 75.200 Frauen.[4] In akademischen Jahr 2013/14 waren es ca. 200.000 Studierende gewesen, wobei 75 % von ihnen neben dem Studium in Voll- oder Teilzeit arbeiteten. Sie wurden von 6.000 Tutoren und 1.100 Vollzeit-Lehrenden betreut.[5] Nur ein sehr geringer Teil studiert tatsächlich vor Ort in Milton Keynes. Diese Studenten arbeiten beispielsweise an einer Promotion oder im Rahmen eines Forschungsprogramms. Alle anderen studieren per Fernunterricht (Distance Learning), meistens berufsbegleitend, oft neben einer Vollzeit-Anstellung. Etwa die Hälfte der Studierenden wird von ihren Arbeitgebern während des Studiums finanziell unterstützt.

StudiumBearbeiten

Das Studium ist nach dem Prinzip des „Blended Learnings“ organisiert: Studierende werden von persönlichen Tutoren betreut. Traditionelle Unterrichtsmaterialien wie Lehrbücher wechseln sich mit Materialien im Internet, mit Multimedia-Angeboten und audiovisuellen Lehrsendungen ab.[6] Dazu werden sehr gute Englischkenntnisse benötigt, denn an der OU wird nur Englisch gesprochen.

Auf persönliche Betreuung und auf den Kontakt zu anderen Studienkollegen wird großer Wert gelegt. Die Studenten stehen in regelmäßigem persönlichen, telefonischen und E-Mail-Kontakt zu ihren Tutoren und treffen einander. Je nach Studienfach finden etwa alle acht Wochen meist samstags örtliche Tutorials statt. Hinzu kommen Workshops im In- und Ausland, die den persönlichen Kontakt unter den Studienkollegen festigen, und Alumni-Veranstaltungen, zu denen ehemalige Studenten auch Neueinsteiger einladen. So genannte Residential Schools, meistens Wochenend-Seminare in Großbritannien, finden etwa drei bis vier Mal während eines gesamten Studiums statt. Die Teilnahme an den Tutorials ist freiwillig, die an den Residential Courses jedoch Pflicht.

Den ständigen Austausch und die Etablierung eines Netzwerkes der Studierenden untereinander ermöglicht u. a. das Internet Conferencing System: Studenten nehmen aktiv an einer Vielzahl von Diskussionsforen teil und tauschen Erfahrungen aus der Praxis aus. Der Dialog findet international zwischen Studienkollegen in über 40 Ländern statt.

Die modulare Struktur der Studiengänge wirkt sich auch auf die Gestaltung der Studiengebühren aus; auch diese werden je Modul und der Zahl der für dieses Modul vergebenen Credits erhoben. Derzeit (für Module, die vor Juni 2021 beginnen) werden im Undergraduate-Bereich von europäischen Studenten pro Credit Gebühren von 51,60 Pfund Sterling erhoben, so dass ein typisches kleineres Modul von 30 Credits 1548 Pfund kostet und ein größeres Modul von 60 Credits 3096 Pfund. Ein Bachelor-Studiengang mit insgesamt 360 Credits summiert sich damit auf 18.576 Pfund.[7] Im Graduate-Bereich variieren die Gebühren stärker zwischen den einzelnen Studiengängen; der MBA (insgesamt 180 Credits) kostet beispielsweise, je nach belegten Modulen, ungefähr 20.000 Pfund, der Master of Arts in Creative Writing (ebenfalls 180 Credits) nur 9990 Pfund[8]. Die Universität weist auch darauf hin, dass die Gebühren üblicherweise jährlich steigen, so dass die Gesamtgebühren für einen Studiengang nicht anhand der bei Studienbeginn geltenden Sätze berechnet werden können.

Partner und Sponsoren der Business SchoolBearbeiten

Verschiedene Organisationen und Firmen (derzeit 44, Stand 2015) stellen eigene Mitarbeiter ab oder unterstützen die Universität bei der Schulung eigener Tutoren. Die davon im deutschsprachigen Raum vielleicht bekanntesten sind Airbus, DHL, Deutsche Telekom, IBM, IKEA, Nike, Nokia, Pfizer und Rolls-Royce.[9]

ForschungBearbeiten

Die strategischen Forschungsrichtungen der OU sind interdisziplinär orientiert; sie gliedern sich in vier Bereiche: Bürgerschaftliches Engagement und Regierungshandeln (Citizenship and Governance), Bildung und Bildungstechnologien (Education / Technology Enhanced Learning), Internationale Entwicklung (International Development) und Weltraumforschung (Space Science). Es gibt acht Fakultäten, die von den Freien Künsten über Erziehung und Sprachen, Gesundheits- und Sozialwesen, Mathematik, Informatik und Technikwissenschaften sowie Natur- und Sozialwissenschaften bis zu Betriebswirtschaftslehre und Rechtswissenschaft reichen. Die Open University betreibt in den genannten Bereichen mit über 1.000 Wissenschaftlern aktiv Forschung. Im Akademischen Jahr 2013/14 wurden knapp 17 Mio. £ Drittmittel eingeworben. Im Research Excellence Framework 2014 steht die OU auf Platz 3.[5] Bekanntheit erreichte das Planetary Sciences Research Institute durch das Marsprojekt Beagle 2, welches von Professor Colin Pillinger geleitet wurde.

Persönlichkeiten (Auswahl)Bearbeiten

Ehemalige und derzeitige ProfessorenBearbeiten

  • Jocelyn Bell, Professor of Physics, Open University, 1991–2001; Entdeckerin des ersten Pulsars (Neutronensterns)
  • Stuart Hall, Professor of Sociology, Open University, 1979–1997; pluraler Marxist
  • Doreen Massey, Professor of Geography, Open University, 1982–2009; prägte die Entstehung einer feministischen Geographie
  • Derek S. Pugh, Professor of International Management and Director of Research, Open University Business School, 1988–1995; Entwickler der Pugh Matrix
  • Eileen Scanlon (Open Education), Professorin für Open Education und Regius Professor of Open Education (2013 – heute)

AlumniBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Vice-Chancellor - Professor Tim Blackman. In: The Open University > About > Our Vice-Chancellor. The Open University, 28. Juni 2018, abgerufen am 1. Juni 2020 (englisch).
  2. a b 50th anniversary brochure. The Open University, 2019, abgerufen am 1. Juni 2020 (englisch).
  3. World-leading Flexible MBA. (Webseite). The Open University, abgerufen am 7. Dezember 2015.
  4. Where do HE students study? | HESA. In: Higher Education Statistics Agency > Open data > Students > Where do they study? Higher Education Statistics Agency HESA, abgerufen am 1. Juni 2020 (englisch).
  5. a b Facts & figures. (Webseite). The Open University, abgerufen am 7. Dezember 2015.
  6. George Bickerstaffe (2008) Which MBA? 2009; Economist Intelligence Unit, London; ISBN 978-0-86218-209-0; Seite 25
  7. http://www.openuniversity.edu/courses/qualifications/q64-ast#fees-and-funding.
  8. http://www.openuniversity.edu/study/fees/how-much-it-will-cost.
  9. Corporate sponsors and partners. (Webseite). The Open University, abgerufen am 7. Dezember 2015.

Koordinaten: 52° 1′ 30″ N, 0° 42′ 15″ W