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David Attenborough

britischer Dokumentarfilmer und Naturforscher
David Attenborough (2015)

Sir David Frederick Attenborough, OM, CH, CVO, CBE (* 8. Mai 1926 in London) ist ein britischer Tierfilmer und Naturforscher. David Attenborough wurde durch seine preisgekrönten Naturdokumentationen bekannt, die er im Auftrag der BBC produzierte. Er ist der jüngere Bruder des Regisseurs und Schauspielers Richard Attenborough.

Inhaltsverzeichnis

Ausbildung und berufliche KarriereBearbeiten

Attenborough besuchte die Wyggeston Grammar School for Boys in Leicester und gewann ein Stipendium für das Clare College, Cambridge, wo er einen Abschluss in Naturwissenschaften erwarb.

Er trat 1947 in die Britische Marine (Royal Navy) ein und diente dort zwei Jahre. Danach arbeitete er für einen Verlag. 1952 knüpfte er die ersten Kontakte zur BBC. Seine Beziehung zu naturwissenschaftlichen Sendungen begann 1954 mit der Serie Zoo Quest.

Von 1965 bis 1968 war Attenborough als Controller von BBC 2 tätig. Anschließend war er bis 1972 Programmdirektor für die Fernsehprogramme BBC 1 und BBC 2. Er schlug das Angebot, Generaldirektor der BBC zu werden, aus und verließ 1972 das BBC-Management, um sich auf die Produktion von Sendungen zu konzentrieren.

Zu den Serien, an denen er beteiligt war, gehören Match of the Day, Pot Black, The Likely Lads, Not Only... But Also, Horizon, Man Alive, Masterclass, The Forsyte Saga, The Old Grey Whistle Test und The Money Programme. Die Vielfalt dieser Serien ging auf Attenboroughs Überzeugung zurück, dass das Angebot von BBC 2 so vielseitig wie möglich sein sollte. Er gab auch Monty Python in Auftrag.[1]

DokumentationenBearbeiten

Zu den wichtigsten TV-Dokumentarserien Attenboroughs gehört die Trilogie: Life on Earth, The Living Planet und Spiele des Lebens (Trials of Life). Diese Sendungen untersuchen die Organismen der Welt unter den Gesichtspunkten der Taxonomie, Ökologie und Evolutionsbiologie.

Thematisch eingegrenztere Produktionen waren Das geheime Leben der Pflanzen (The Private Life of Plants), Life in the Freezer (über Anpassungen an kalte Klimate), Das Leben der Vögel (The Life of Birds), The Blue Planet (über das Leben in den Ozeanen), Das Leben der Säugetiere (The Life of Mammals) sowie Verborgene Welten – Das geheime Leben der Insekten (The Life of Insects).

Attenborough moderiert auch die Langzeitserie Wildlife on One auf BBC One (je nach Kanal auch Wildlife on Two, BBC Wildlife und Natural World genannt).

Noch vor seiner Arbeit als Naturfilmer widmete er sich sehr umfassend dem weiten Feld der Stammeskunst der außereuropäischen Urvölker. Seine 7teilige Dokumentation The Tribal Eye aus dem Jahre 1975 stellt bis heute das wohl umfassendste cineastische Werk zu diesem Thema dar. Zwei Folgen widmen sich der afrikanischen Kunst, jeweils eine den Indianern in British Columbia, den Ureinwohnern Südamerikas, den Nomaden des Iran und den Sepik-Völkern Neu-Guineas. Eine Extra-Folge beschäftigt sich mit dem Einfluss der Stammeskunstobjekte auf die internationalen Kunstmärkte.

2016 dokumentierte er die Ausgrabung und die Rekonstruktion nach den Originalfunden eines Titanosauriers der Gattung Notocolossus.[2]

Engagement für den KlimaschutzBearbeiten

Attenborough bringt sich in die öffentliche Debatte um Auswege aus der Klimakrise ein. Mit dem Klimawandel hatte er sich bereits seit seiner Dokumentation Are We Changing Planet Earth? (2006) auseinandergesetzt. Bei seiner vielbeachteten Rede auf der UN-Klimakonferenz in Katowice 2018 sagte er: „Derzeit stehen wir vor einer vom Menschen verursachten Katastrophe von globalem Ausmaß, unserer größten Bedrohung seit Tausenden von Jahren: dem Klimawandel. Falls wir nicht handeln, so steht der Zusammenbruch unserer Zivilisationen und das Aussterben eines Großteils der natürlichen Welt bevor.“[3]

EhrungenBearbeiten

Die Britische Akademie für Film- und Fernsehkunst verlieh Attenborough 1970 den Desmond Davis Award und ernannte ihn 1979 zum Fellow. 1974 wurde er zum Commander of the Order of the British Empire ernannt. David Attenborough wurde 1981 mit dem Kalinga-Preis für die Popularisierung der Wissenschaft ausgezeichnet. Die Royal Society wählte ihn 1983 zum Fellow, 1985 wurde er zum Knight Bachelor geschlagen. 1991 wurde Attenborough in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Die Goldene Kamera wurde ihm 1992 verliehen. Im Jahr 2000 erhielt er den International Cosmos Prize,[4] 2004 den Descartes-Preis für außergewöhnliche Leistungen in der Vermittlung von Wissenschaft und 2007 verlieh ihm die naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Uppsala die Ehrendoktorwürde im Gedenken an Carl von Linné.[5] Attenborough ist Träger von mehr als 30 Ehrendoktorhüten.[1]

2009 erhielt er den Prinz-von-Asturien-Preis in der Kategorie Sozialwissenschaften.

Einige Leute, so der frühere BBC-Produzent Brian Leith,[6] meinen, dass David Attenboroughs fünfzigjährige BBC-Karriere mit den zahlreichen Reisen für die Natursendungen ihn zum weitestgereisten Menschen der Geschichte gemacht habe.

Ihm zu Ehren wurden verschiedene Arten benannt, darunter die fossile Fischart Materpiscis attenboroughi, die fleischfressende Pflanze Nepenthes attenboroughii, der Attenborough-Langschnabeligel (Zaglossus attenboroughi), die Spinne Spintharus davidattenboroughi[7] und die in Südindien 2016 entdeckte Agamen-Art Sitana attenboroughii. Seit 2010 ist er zudem Namensgeber für die Attenborough Strait, eine Meerenge der Bellingshausen-See in der Antarktis.

Ein im Jahr 2018 fertiggestelltes britisches Polarforschungsschiff, das Royal Research Ship RRS Sir David Attenborough, wurde nach ihm benannt.[8][9]

VeröffentlichungenBearbeiten

BücherBearbeiten

  • Zoo Quest to Guyana. Lutterworth Press, 1956.
  • Zoo Quest for a Dragon. Lutterworth Press, 1957.
  • Zoo Quest in Paraguay. Lutterworth Press, 1959.
  • The Zoo Quest Expeditions. Lutterworth Press, 1980. (Zusammenfassende Edition obiger drei Titel mit neuer Einleitung.)
  • Quest in Paradise. 1960
  • Zoo Quest to Madagascar. 1961.
  • Quest Under Capricorn. 1963.
  • Fabulous Animals. 1975.
  • The Tribal Eye. 1976.
  • Life on Earth. 1979.
  • Discovering Life on Earth. 1981.
  • The Living Planet. 1984.
  • The First Eden. 1987.
  • als Hrsg.: Collins New Generation Guide to the birds of Britain and Europe. London 1987.
  • The Atlas Of The Living World. 1989.
  • The Trials of Life. 1990.
  • Das geheime Leben der Pflanzen. (The Private Life of Plants). Scherz, Bern / München/Wien 1995, ISBN 3-502-15031-1.
  • Das Leben der Vögel. (The Life of Birds). Scherz Verlag, Bern/München/Wien 1999, ISBN 3-502-15030-3.
  • Life On Air. 2002.
  • Das geheime Leben der Säugetiere. (Life of Mammals). Scherz, Bern/München/Wien 2002, ISBN 3-502-15033-8.
  • Life on Air. Memoirs of a Broadcaster. Autobiografie. 2002.
  • Amazing Rare Things. The Art of Natural History in the Age of Discovery. 2007. ** deutsch: Wunderbare seltene Dinge. Die Darstellung der Natur im Zeitalter der Entdeckungen. Übersetzt von Ursula Wulfekamp. Schirmer Mosel, München 2008, ISBN 978-3-8296-0317-1.

DVDsBearbeiten

Zahlreiche Produktionen Attenboroughs wurden auch als Video vertrieben. Folgende DVDs sind meist noch erhältlich (angegeben ist das Jahr der englischen Erstsendung bzw. der deutschen Ersterscheinung, falls nicht anders spezifiziert):

Blu-rayBearbeiten

ProduzentBearbeiten

TriviaBearbeiten

In der Fernsehserie Top Gear wird Attenborough des Öfteren in den Spezialfolgen erwähnt.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Gina Thomas: Er macht uns Staunen über die Wunder der Welt, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. Mai 2016, S. 16
  2. BBC, Attenborough and the Giant Dinosaur
  3. David Attenborough: collapse of civilisation is on the horizon. The Guardian, 3. Dezember 2018, abgerufen am 13. Februar 2019 (britisches Englisch).
  4. Cosmos Prize: The Prizewinner 2000. Auf: expo-cosmos.or.jp, eingesehen am 25. September 2015
  5. Linné 2007 - Attenborough and Goodall new honorary doctors
  6. http://www.bbc.co.uk/pressoffice/pressreleases/stories/2002/10_october/31/lifeonair_mammalspack.pdf
  7. Ingi Agnarsson et al.: A radiation of the ornate Caribbean ‘smiley-faced spiders’, with descriptions of 15 new species (Araneae: Theridiidae, Spintharus). In: Zoological Journal of the Linnean Society. zlx056, 2017, doi:10.1093/zoolinnean/zlx056
  8. http://orf.at/stories/2338044/2338046/ Boaty McBoatface wird zum U-Boot: Nach David Attenborough benannt, orf.at, 6. Mai 2016, abgerufen 6. Mai 2016.
  9. Jonathon Amos: Sir David Attenborough polar ship set for launch. BBC News Online, 14. Juli 2018, abgerufen am 1. Januar 2019 (englisch, mit Video).