Rüssingen

Gemeinde in Deutschland

Rüssingen ist eine Ortsgemeinde im Donnersbergkreis in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Göllheim an.

Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Rüssingen
Rüssingen
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Rüssingen hervorgehoben

Koordinaten: 49° 37′ N, 8° 5′ O

Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Donnersbergkreis
Verbandsgemeinde: Göllheim
Höhe: 223 m ü. NHN
Fläche: 4,84 km2
Einwohner: 511 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 106 Einwohner je km2
Postleitzahl: 67308
Vorwahl: 06355
Kfz-Kennzeichen: KIB, ROK
Gemeindeschlüssel: 07 3 33 064
Adresse der Verbandsverwaltung: Freiherr-vom-Stein-Straße 1–3
67307 Göllheim
Website: www.ruessingen.com
Ortsbürgermeister: Steffen Antweiler (FWG)
Lage der Ortsgemeinde Rüssingen im Donnersbergkreis
ObermoschelNiedermoschelUnkenbachFinkenbach-GersweilerWaldgrehweilerSchiersfeldSittersAlsenzOberndorf (Pfalz)Mannweiler-CöllnWinterborn (Pfalz)Kalkofen (Pfalz)Niederhausen an der AppelMünsterappelOberhausen an der AppelGaugrehweilerSeelenRathskirchenTeschenmoschelBisterschiedRansweilerStahlbergBayerfeld-SteckweilerSankt Alban (Pfalz)GerbachWürzweilerRuppertseckenDielkirchenKatzenbach (Donnersbergkreis)Schönborn (Pfalz)DörrmoschelReichsthalGundersweilerGehrweilerImsweilerRockenhausenHöringenSchweisweilerFalkenstein (Pfalz)WinnweilerLohnsfeldWartenberg-RohrbachMünchweiler an der AlsenzGonbachSippersfeldBreunigweilerImsbachBörrstadtSteinbach am DonnersbergRamsen (Pfalz)KerzenheimEisenberg (Pfalz)GöllheimDreisenStandenbühlLautersheimBiedesheimOttersheimBubenheim (Pfalz)ZellertalEinselthumImmesheimAlbisheim (Pfrimm)RüssingenWeitersweilerMarnheimBennhausenJakobsweilerDannenfelsBolandenKirchheimbolandenMörsfeldKriegsfeldOberwiesenOrbisMorschheimIlbesheim (Donnersbergkreis)Bischheim (Donnersberg)RittersheimStetten (Pfalz)GauersheimLandkreis Bad KreuznachLandkreis Alzey-WormsLandkreis KuselLandkreis KaiserslauternLandkreis Bad DürkheimKarte
Über dieses Bild

GeographieBearbeiten

Die Gemeinde liegt nördlich des Naturparks Pfälzerwald, zwischen Kaiserslautern und Worms. Durchflossen wird sie vom Wiesenbach, einem linksseitigen Zufluss des Ammelbachs. Göllheim befindet sich im Südwesten, Ottersheim im Nordosten und südöstlich liegt Biedesheim. 80,5 % der Gemarkungsfläche Rüssingens werden landwirtschaftlich genutzt.

Zu Rüssingen gehört auch der Wohnplatz Lindenhof.[2]

GeschichteBearbeiten

Rüssingen ist ein altes Siedlungsland. In der Rüssinger Gemarkung aufgedeckte archäologische Funde belegen Siedlungen aus der Jungsteinzeit, aus der älteren Frühbronzezeit und aus der älteren Eisenzeit. Der bekannteste der vor- und frühgeschichtlichen Funde ist das „Rüssinger Pflugschar“ aus Kalkstein.

Rüssingen ist 773 erstmals im Lorscher Codex eingetragen. Für das Ende des 8. Jahrhunderts sind dort mehrere Grundstücksschenkungen an das Kloster Lorsch verzeichnet. Die Bedeutung des Ortsnamens ist nicht sicher zu klären, alternativ wird er als „Platz an dem es viele Rosse gab“ oder „Platz bei den Leuten des Hrusso“ gedeutet.

In späterer Zeit scheint das Dorf in Reichsbesitz gekommen und um 1190 als Reichslehen von den Grafen von Leiningen an Werner II. von Bolanden verlehnt worden zu sein. Rüssingen gelangte dadurch zu den sponheim-dannenfelsischen Besitzungen (Herrschaft Kirchheim) und fiel 1393 an Philipp I. von Nassau-Saarbrücken. Bis 1574 stand es unter nassau-saarbrückischer Herrschaft, von 1574 bis zur Besetzung des Linken Rheinufers durch französischen Revolutionstruppen unter der Hoheit von Nassau-Weilburg. Unter französischer Herrschaft wurde Rüssingen dem Kanton Göllheim zugeteilt und der Mairie Göllheim direkt unterstellt.

Urkundlich nachweisbar war von 1135 bis 1424 ein Niederadelsgeschlecht, die Herren von Rüssingen, im Ort ansässig, die als Lehnsleute in Diensten der Herren von Bolanden standen.

Die geschlossene Außenfront des Dorfes lässt vermuten, dass Rüssingen im Mittelalter befestigt war, was allerdings nicht urkundlich zu belegen ist.[3]

Seit der Reformation war Rüssingen lutherisch. In der Reunionszeit wurde wieder eine katholische Pfarrei errichtet; nach dem Tod des katholischen Pfarrers 1696 wurde die Stelle nicht wieder neu besetzt.[4] Zunächst noch von Kirchheimbolanden aus betreut wurden die Katholiken dann 1707 der neuen Pfarrei in Göllheim zugeteilt.

PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

Wahl zum Rüssingener Gemeinderat 2019
Beteiligung: 52,9 % (+2,9 %)
 %
60
50
40
30
20
10
0
25,1
21,0
54,0
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2014
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-4,4
± 0,0
+4,5

Der Gemeinderat in Rüssingen besteht aus zwölf Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem. Vor der Wahl 2019 waren es acht Ratsmitglieder.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:

Wahl SPD GRÜNE FWG Gesamt
2019[5] 3 2 7 12 Sitze
2014[6] 2 2 4 8 Sitze
2009 3 2 3 8 Sitze
2004 3 1 4 8 Sitze

BürgermeisterBearbeiten

Ortsbürgermeister ist Steffen Antweiler. Bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 wurde er mit einem Stimmenanteil von 83,95 % in seinem Amt bestätigt.[7] Vorgänger im Amt waren[8][9]:

  • Georg Bernhard I. (* 1805): 1849–1881
  • Johann Kleinhanß: 1881–1904
  • Peter Bernhard I.: 1904–1918
  • Philipp Janson: 1919–1920
  • Philipp Wendel I.: 1920–1924
  • Johannes Schlicher: 1924–1937
  • Gustav Eicher: 1937–1945
  • Josef Hofmann: 1945–1946
  • Jakob Ullmer: 1946–1948
  • Edgar Janson (* 1920): 1948–1989
  • Reiner Dedores (* 1936): 1989–2009
  • Steffen Antweiler: seit 2009

WappenBearbeiten

Blasonierung: „In Blau ein silbernes springendes lediges Pferd, goldbewehrt, -bemähnt und -beschweift.“

Kultur und Sehenswürdigkeiten[3]Bearbeiten

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Adolphslinde

Die Adolphslinde war ein über 700 Jahre alter Lindenbaum nordwestlich des Dorfes, mit einem Stammumfang von 8 m. Der Sage nach lagerte 1298 Adolf von Nassau einen Tag vor der Schlacht am Hasenbühl gegen Albrecht von Österreich bei Rüssingen und brach sich einen Zweig dieses Baumes als Helmzier ab. Galgen und Schindanger lagen im Mittelalter ganz in der Nähe, so liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei der Linde um den Gerichtsbaum des Ortes handelte. Der Baum fiel im Oktober 1952 einem Sturm zum Opfer. Heute steht unweit der Stelle eine neugepflanzte Linde. Der Heimatdichter Rudolf Dietz (1863–1942) erwähnt sie in einem seiner Gedichte.

Historische Bausubstanz

Rüssingen ist wie seine Nachbargemeinden Biedesheim und Ottersheim ein typisches langgestrecktes Straßendorf. Bemerkenswert ist die nahezu vollständig geschlossene historische Bausubstanz, überwiegend aus dem 18. und 19. Jh. stammender, klassizistischer Hofbauten entlang der Hauptstraße.

Kirche

Sehenswert ist die in der Ortsmitte gelegene protestantische Kirche.

Kreuz Kapelle[10]

 
Rekonstruktion der Fundamente der Heilig Kreuz Kirche nahe Rüssingen.

Die Kreuzkapelle stand unweit der Adolphslinde, ungefähr 500 m nordwestlich des Dorfes.

Steinbruch

Ungefähr 500 m nördlich des Dorfes liegt der nicht zu übersehende Steinbruch der Firma Dyckerhoff. Seit den 1960er Jahren wird hier Kalkstein für die Zementgewinnung abgebaut. Der mächtige Steinbruch, mit seiner markanten gelb-weißen Silhouette, kennzeichnet schon von fern das Dorf und ist mittlerweile zu einem Rückzugsgebiet für Wildtiere geworden.

 
Wingertshäuschen

Weinberghäuschen

Annähernd auf halber Strecke zwischen dem Dorf und dem Steinbruch steht ein für die Gegend untypisches Weinberghäuschen (Wingertshäuschen). (Solche Bauten finden sich eher im rheinhessischen Raum.) Das aus Kalkstein gemauerte, bienenkorbförmige Häuschen – ähnlich italienischen Trulli – steht heute inmitten von Feldern, weist aber auf die frühere Nutzung als Weinberg (Wingert) hin. In den 1980er Jahren wurde es bei Erhaltungsmaßnahmen mit Zement verputzt.

Siehe auch:

 
Kerwe (Kirchweih): zwei Kerweborsch beim Verlesen der Kerwerede

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

  • Dorffest am 3. Wochenende im Juni
  • Kerwe am 1. Wochenende im September
  • „Gaulssteigwanderung“ im Oktober
  • Nikolausmarkt am 2. Adventswochenende

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Über die A 63 (MainzKaiserslautern) im Westen besteht Anschluss an den Fernverkehr.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Rüssingen – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Bevölkerungsstand 2018, Gemeindeebene (Hilfe dazu).
  2. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile. Stand: 1. Januar 2017[Version 2019 liegt vor]. S. 90 (PDF; 1,9 MB).
  3. a b M. Hoffmann: Die Verbandsgemeinde Göllheim – Ein kulturhistorischer Reiseführer, Göllheim 1997
  4. Michael Frey: Versuch einer geographisch-historisch-statistischen Beschreibung des kön. bayer. Rheinkreises, Band 1, Speyer, 1837, Seiten 215–216
  5. Der Landeswahlleiter RLP: Gemeinderatswahl 2019 Rüssingen. Abgerufen am 31. August 2019.
  6. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  7. Der Landeswahlleiter RLP: Direktwahlen 2019. siehe Göllheim, Verbandsgemeinde, zehnte Ergebniszeile. Abgerufen am 31. August 2019.
  8. Archiv der Ortsgemeinde
  9. Ortschronik: "Rüssingen erzählt seine Geschichte", 2018 herausgegeben von der Ortsgemeinde Rüssingen
  10. B. Schnabel: "Die ehemalige Kreuzkapelle bei Rüssingen" in "Untergegangene Dörfer und Kleinsiedlungen in der Nordpfalz", 1996