Penzlin

Stadt in Mecklenburg-Vorpommern

Penzlin (umgangssprachlich auch: Punschendörp) ist eine Stadt im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Die Stadt ist Sitz der Verwaltung des Amtes Penzliner Land, dem drei weitere Gemeinden angehören. Der Ort bei Neubrandenburg ist ein Grundzentrum.[2]

Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Penzlin
Penzlin
Deutschlandkarte, Position der Stadt Penzlin hervorgehoben

Koordinaten: 53° 30′ N, 13° 5′ O

Basisdaten
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Mecklenburgische Seenplatte
Amt: Penzliner Land
Höhe: 56 m ü. NHN
Fläche: 115,58 km2
Einwohner: 4159 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 36 Einwohner je km2
Postleitzahl: 17217
Vorwahlen: 03962, 039928
Kfz-Kennzeichen: MSE, AT, DM, MC, MST, MÜR, NZ, RM, WRN
Gemeindeschlüssel: 13 0 71 115
Adresse der
Stadtverwaltung:
Warener Chaussee 55a
17217 Penzlin
Website: amt-penzliner-land.de
Bürgermeister: Sven Flechner
Lage der Stadt Penzlin im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte
BrandenburgLandkreis RostockLandkreis Vorpommern-RügenLandkreis Vorpommern-GreifswaldLandkreis Vorpommern-GreifswaldLandkreis Ludwigslust-ParchimBeggerowBorrentinHohenbollentinHohenmockerKentzlinKletzinLindenberg (Vorpommern)MeesigerNossendorfSarowSchönfeld (bei Demmin)SiedenbrünzowSommersdorf (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte)UtzedelVerchenWarrenzinDatzetalFriedlandGalenbeckBasedow (Mecklenburg)Basedow (Mecklenburg)FaulenrostGielowKummerow (am See)MalchinNeukalenAlt SchwerinFünfseenGöhren-LebbinMalchow (Mecklenburg)Nossentiner HüttePenkowSilz (Mecklenburg)WalowZislowMirowPriepertPeenehagenWesenberg (Mecklenburg)Wustrow (Mecklenburgische Seenplatte)Blankensee (Mecklenburg)BlumenholzCarpinGodendorfGrünow (Mecklenburg)HohenzieritzKlein VielenKratzeburgMöllenbeck (bei Neustrelitz)Schloen-DratowSchloen-DratowUserinWokuhl-DabelowBeseritzBlankenhofBrunn (Mecklenburg)NeddeminNeuenkirchen (bei Neubrandenburg)NeverinSponholzStavenTrollenhagenWoggersinWulkenzinZirzowAnkershagenKucksseePenzlinMöllenhagenAltenhof (Mecklenburg)BollewickBuchholz (bei Röbel)BütowEldetalFinckenGotthunGroß KelleKieveLärzLeizenMelzPribornRechlinRöbel/MüritzSchwarz (Mecklenburg)SietowStuerSüdmüritzGrabowhöfeGroß PlastenHohen WangelinJabelKargowKlinkKlocksinMoltzowMoltzowTorgelow am SeeVollrathsruheBurg StargardBurg StargardCölpinGroß NemerowHolldorfLindetalPragsdorfBredenfeldeBriggowGrammentinGülzow (bei Stavenhagen)IvenackJürgenstorfKittendorfKnorrendorfMölln (Mecklenburg)RitzerowRosenowStavenhagenZetteminAltenhagen (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte)AltentreptowBartow (Vorpommern)BreesenBreestBurowGnevkowGolchenGrapzowGrischowGroß TeetzlebenGültzKriesowPripslebenRöckwitzSiedenbollentinTützpatzWerder (bei Altentreptow)Wildberg (Vorpommern)WoldeGroß MiltzowKublankNeetzkaSchönbeckSchönhausen (Mecklenburg)VoigtsdorfVoigtsdorfWoldegkDargunDemminFeldberger SeenlandschaftNeubrandenburgNeustrelitzWaren (Müritz)Karte
Über dieses Bild

GeografieBearbeiten

 
Panorama von Penzlin (Blick nach Norden)

Geografische LageBearbeiten

Die Stadt liegt am östlichen Rand des Müritz-Nationalparkes, 28 Kilometer östlich von Waren (Müritz) und 110 Kilometer nördlich von Berlin. Der Große Stadtsee im Südosten Penzlins, ein See der Mecklenburger Seenplatte, ist wie die anderen Seen der Seenplatte ein Produkt der letzten Eisvorstöße der Weichseleiszeit zwischen den Endmoränenzügen des Pommerschen (Nordosten) und des Frankfurter Stadiums (Südwesten).

StadtgliederungBearbeiten

 
Ortsteil Werder (im Vordergrund der Große Penzliner Stadtsee)

Zur Stadt Penzlin gehören folgende Ortsteile:[3]

  • Wustrow
  • Zahren

GeschichteBearbeiten

Name und SlawenzeitBearbeiten

Penzlin ging aus einer slawischen Siedlung hervor. Am Penzliner Stadtsee befindet sich eine slawische Wehranlage aus dem 10. bis 13. Jahrhundert. Sie wird auch als Englischer Garten bezeichnet.

Der Ort wurde zuerst um 1170 mit dem altpolabischen Personennamen Parcelin erwähnt in der (verfälschten) Bestätigungsurkunde des Klosters Broda. Im 13. Jahrhundert hieß er zunächst Pancilin, dann Pentzelyn und 1263 schließlich Pentzelin.

MittelalterBearbeiten

 
Historische Stadtmitte (Blick von der Burg Penzlin)

Der deutschrechtliche Ort muss vor 1226 gegründet worden sein. 1263 bestätigt Fürst Nikolaus I. von Werle den „cives“ von Penzlin die Privilegien, die sein Vater Heinrich Borwin II. ihnen gegeben hatte. Seit 1263 ist Penzlin Stadt, bewidmet mit Schweriner Recht. In dieser Zeit wurde die Alte Burg gebaut. Spätestens seit 1274 war Penzlin Sitz eines landesherrlichen Vogtes.

1291 wurde Heinrich I. von Werle von seinen Söhnen ermordet, und einer der beiden (Heinrich II.) verschanzte sich in Penzlin bis 1300. Seit 1316 gehörte der Ort zur Herrschaft Werle-Güstrow. Um 1350 war Klaus von Plasten Pfandinhaber der Stadt, 1378 folgte der Landeshauptmann Wedege von Plote. Dieser teilte die Herrschaft ab 1397 mit der Familie von Voss. Danach verpfändeten die Fürsten die Stadt 1414 an die Herren von Maltzan.

Im 14. Jahrhundert wurde die gotische Backsteinkirche St. Nikolai gebaut. Waren die Bürger der Stadt und die Bewohner des Landes Penzlin bis 1436 im Wesentlichen den Herren von Werle untertan (Werle fiel 1436 an Mecklenburg), begann ab 1414 die mit wenigen Unterbrechungen über 500 Jahre währende Ansässigkeit des Rittergeschlechtes von Maltzan auf der Burg Penzlin. Offiziell wurde Penzlin am 16/18. Juli 1501 unter Bernd von Maltzan Familienlehen. Seit 1777 wurden die Rechte als Stadtherren stark eingeschränkt, und Penzlin war Landstadt in Mecklenburg und als solche eine der Städte im Wendischen Kreis, die bis 1918 auf mecklenburgischen Landtagen der 1523 vereinten Landstände vertreten waren

Mehrere Brände wüteten in der Stadt. 1558 brannte Penzlin vollständig ab.

In der Mauerstraße wurden im Frühjahr 2015 elf Gräber ohne Zusammenhang zu einem regulären Friedhof entdeckt. Sie stammten wohl aus dem späten Mittelalter oder der frühen Neuzeit. Acht Skelette wurden von Bettina Jungklaus anthropologisch untersucht. Sechs verstarben im Alter zwischen Mitte 20 und Ende 50, und zwei waren ältere Kinder. Vier der Bestatteten waren männlich und zwei weiblich, die übrigen zwei konnten nicht bestimmt werden. Die Körperhöhen entsprachen dem zeittypischen Durchschnitt. Die Krankheitsbelastung war unauffällig, es gab lediglich Hinweise auf eine recht hohe körperliche Belastung. Die Gründe für die irreguläre Bestattung der Verstorbenen an der Stadtmauer konnten nicht geklärt werden.[4]

17. und 18. JahrhundertBearbeiten

1725 verschonte ein Stadtbrand nur zwei Häuser von 150. Auch der hohe, schlanke Kirchturm fiel den Flammen zum Opfer.

Seit 1752 wohnte der 1751 bei Waren geborene spätere Dichter Johann Heinrich Voß in Penzlin und besuchte die Klippschule und 1759 die Stadtschule des Ortes. Er blieb dem Ort verbunden: „In Penzlin war es, wo ich zuerst Vater und Mutter lallte und die ersten Eindrücke der Kindheit empfing; ein artiges Städtchen auf einer Anhöhe mit alter Mauer, bebuschten Wall und einer verfallenden Burg; ein weites, sanfthügeliges Stadtgebiet von betriebsamsten Grund; Waldungen von Eichen und Buchen, fischreiche Seen durch Wiesenbäche zusammenfließend; umher eine Menge adliger Güter, die dort absetzten und einkauften; eine durch Fleiß und Verkehr wohlhabende und mutige Bürgerschaft von einfachen Sitten.“

Hexenprozesse und deren Opfer

Auch in Penzlin gab es wie in vielen anderen Orten Mecklenburgs Hexenprozesse. Noch vor dem Dreißigjährigen Krieg wurde 1560 in der Burg der Hexenkeller eingerichtet. Der Hexenprozess gegen Benigna Schultzen erstreckte sich über zwölf Jahre von 1699 bis 1711 und war einer der längsten in der Geschichte der Hexenverfolgungen.

Im ausgehenden 17. Jahrhundert kam Baron Georg Julius von Maltzan in Geldnot. So hatte er großes Interesse, als Gerichtsherr an die Vermögen von Penzliner Bürgern und Bauern zu gelangen. Die Hexenprozesse waren hierzu bestens geeignet. Beispielhaft sind die Urteile gegen Benigna Schultzen, Anna Gröning (Ehefrau von Mathias Sponholtz), Dorothea Kopen, Dorothea Werths und noch offensichtlicher der Prozess gegen Elisabeth Dabers, Christian Wedens „Eheweib“. Der Herzog von Mecklenburg verbot im Jahr 1688, Hexen zu verbrennen. Die Bauernfamilie Weden verlor ihr Hab und Gut trotz Verbots. Frau Weden wurde von dem Herrn von Holstein zu Lukow denunziert, auf den Scheiterhaufen „mit dem fewer vom leben zum tode“ gebracht, und der Gerichtsherr der Stadt, Baron von Maltzan, war um 30 Taler reicher.[5] Eine umfangreiche Liste der Opfer der Hexenverfolgung in Mecklenburg ist im Museum ausgestellt.

Neuere GeschichteBearbeiten

1833 wurde der mühsam erworbene Wohlstand der Stadt bei einem Brand vernichtet. 116 Scheunen brannten nieder. Von 1879 bis 1889 war der Jurist und spätere Burgenforscher Otto Piper Bürgermeister von Penzlin.[6] 1885 erfolgte der Anschluss Penzlins an das Eisenbahnnetz der Mecklenburgischen Südbahn auf der Strecke Neubrandenburg-Parchim. Im Zuge von Reparationsleistungen wurde die Strecke 1945/46 abgebaut.

Durch die Novemberrevolution 1918 verloren die Maltzans die letzten Rechte gegenüber den Bürgern der Stadt, die Gerichtsbarkeit sowie das Patronatsrecht über Kirche und Schule. Penzlin war eine kleine Landstadt. Neben Handel, Handwerk oder Gewerbe betrieben die Bürger meist noch eine kleine Landwirtschaft.

Am frühen Morgen des 30. April 1945 rückte die Rote Armee kampflos in die Stadt ein. „Plünderungen, Vergewaltigungen, Erschießungen und Freitode hörten nicht auf. In Penzlin haben sich etwa 230 Personen das Leben genommen. Es war ein Inferno. Am 1. Mai wurde die Stadt von den Russen angesteckt. Penzliner, welche löschen wollten, wurden behindert und bedroht“.[7]

Im Dezember 1945 verhaftete die sowjetische Geheimpolizei NKWD neun Jugendliche wegen angeblicher Zugehörigkeit zum „Werwolf“. Ein sowjetisches Militärtribunal verurteilte zwei zu Todesstrafen, sieben zu Haft zwischen 10 und 25 Jahren. Bei der Beerdigung eines der Opfer 1950 geriet die Trauerfeier mit 300 Teilnehmern aus Penzlin zu einer Demonstration gegen die gerade gegründete DDR. Seither durften in der DDR in Haft Gestorbene nicht mehr öffentlich beerdigt werden.[8]

Die durch die sowjetischen Brandstiftungen 1945 teilweise zerstörte Innenstadt wurde zur DDR-Zeit mit Wohnhäusern verschiedener Typen bebaut.

Von 1952 bis 1994 gehörte Penzlin zum Kreis Waren (bis 1990 im DDR-Bezirk Neubrandenburg, danach im Land Mecklenburg-Vorpommern). 1994 wurde die Stadt in den Landkreis Müritz eingegliedert. Seit der Kreisgebietsreform 2011 liegt die Stadt im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte.

1989 nahmen viele Bürger an den Montagsdemonstrationen in Penzlin teil und kämpften somit im „Kleinen“ für die Wende zu einer demokratischen Neuordnung in Deutschland.

1990 wurde Penzlin Modellstadt der Städtebauförderung in den neuen Ländern. In der Folgezeit wurden der Burgbereich und der historische Stadtkern saniert.

Im Juni 2019 bildete die CDU-Fraktion zur konstituierenden Stadtvertretersitzung eine Zählgemeinschaft mit dem einzigen AfD-Vertreter. Dadurch konnte die CDU mehr Sitze in Ausschüssen für sich beanspruchen. Der AfD-Vertreter hat nun Sitze im Rechnungsprüfungs- und im Schul- und Kulturausschuss. Ohne die Zusammenarbeit mit der CDU hätte die AfD keinen Sitz in einem Ausschuss bekommen. Es war die erste derartige Zusammenarbeit der CDU in Deutschland mit der AfD.[9]

Geschichte der OrtsteileBearbeiten

Alt Rehse wurde 1182 als reze erstmals erwähnt. Das Gut Rehse gehörte im Mittelalter dem Prämonstratenserkloster Broda, danach vielen verschiedene Eigentümern u. a. auch der Familie von Maltzan.

Groß Flotow fand 1418 erstmals Erwähnung. Die frühgotische erste Kirche stammt schon aus dem 13. Jahrhundert.

Groß Vielen wurde 1170 als Groten Vylim erstmals genannt. Das große Torhaus wurde 1740 erbaut, das Gutshaus 1905. Die Familien von Peccatel, Holstein, Oertzen und Wenck gehörten u. a. zu den Besitzern des Gutes.

Mallin wurde erstmals 1348 urkundlich erwähnt. Das Herrenhaus Mallin entstand 1871. Die Familie von Maltzan war seit dem 15. Jahrhundert bis 1857 im Besitz des Gutes.

Voßfeld: Gutsbesitzer waren um 1896 Major Otto von Schlieffen und danach Kammerherr Carl Otto Graf von Schlieffen.

FlurnamenBearbeiten

EingemeindungenBearbeiten

Seit dem 1. Juli 2008 gehört Alt Rehse mit Wustrow zur Stadt Penzlin.[10] Am 7. Juni 2009 wurden die Gemeinden Groß Flotow, Groß Vielen, Marihn und Mollenstorf mit insgesamt etwa 1000 Einwohnern in die Stadt Penzlin eingegliedert.[11] Am 1. Januar 2011 wurde die Gemeinde Klein Lukow mit ihren Ortsteilen Carlstein, Groß Lukow und Klein Lukow in die Stadt eingemeindet.[12] Am 1. Januar 2012 folgte Mallin mit dem Ortsteil Passentin.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr Einwohner
1990 2934
1995 2717
2000 2601
2005 2574
2010 3795
Jahr Einwohner
2015 4248
2016 4212
2017 4177
2018 4159

Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres[13]

Der starke Anstieg der Einwohnerzahl 2010 ist auf die Eingemeindung von fünf Orten in den Jahren 2008/09 zurückzuführen. Das Bevölkerungswachstum 2015 war Folge der Eingliederung von zwei weiteren Orten in den Jahren 2011/12.

PolitikBearbeiten

StadtvertretungBearbeiten

Die Stadtvertretung von Penzlin besteht aus 15 Mitgliedern und dem Bürgermeister. Sie setzt sich seit der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 wie folgt zusammen:[14]

Partei / Wählergemeinschaft Stimmanteil Abgeordnete
CDU 22,5 % 3
Wählergemeinschaft Penzliner Land 22,0 % 3
SPD 15,0 % 2
Lebenswertes Penzlin 13,7 % 2
Die Linke 09,2 % 2
AfD 08,5 % 1
Grüne 02,8 % 1
FDP 02,6 % 1
Weitere 03,6 % 0
Insgesamt 100 % 15

BürgermeisterBearbeiten

  • seit 1999: Sven Flechner (Wählergemeinschaft Penzliner Land)[15]

Bei der Bürgermeisterwahl am 22. September 2013 wurde Flechner mit 70,6 Prozent der gültigen Stimmen für weitere sieben Jahre in seinem Amt bestätigt.[16]

WappenBearbeiten

Blasonierung: „Gespalten; vorn in Gold ein halber hersehender schwarzer Stierkopf am Spalt mit geschlossenem Maul, ausgeschlagener roter Zunge und silbernen Hörnern, auf dem Kopf eine halbe wachsende goldene Lilie; hinten neunmal geteilt von Rot über Silber.“[17]

Das Wappen wurde 2003 im Zuge der Flaggengenehmigung von dem Schweriner Heraldiker Heinz Kippnick neu gezeichnet. Es wurde am 10. April 1858 vom Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin festgelegt und unter der Nr. 91 der Wappenrolle des Landes Mecklenburg-Vorpommern registriert.

Wappenbegründung: Das Wappen ist nach dem Wappenbild des SIGILLVM CIVITATIS PENCELIN – als Abdruck erstmals 1328 überliefert – gestaltet und in der jetzigen Form im April 1858 festgelegt worden. Am 30. Januar 1941 war der Stadt vom Reichsstatthalter in Mecklenburg ein von dem Berliner Prof. Hans Herbert Schweitzer leicht verändertes Wappen bestätigt worden, das jedoch bald nach dem II. Weltkrieg seine Gültigkeit verlor: Gespalten; vorn in Gold ein halber hersehender schwarzer Stierkopf am Spalt mit aufgerissenem Maul, silbernen Zähnen, ausgeschlagener roter Zunge, in Spitzen abgerissenem Halsfell und schwarzen Hörnern, auf dem Kopf eine halbe wachsende rote Lilie; hinten achtfach geteilt von Rot über Silber. Das wiederhergestellte Hoheitszeichen ahmt von der Gestaltung her wohl das Wappen der gräflich anhaltinischen Linie der Askanier nach, dem die Gemahlin Nikolaus I., Herr zu Werle, entstammte. Anstelle des halben Adlers wurde jedoch der halbe werlesche Stierkopf gesetzt, die hintere neunfache Teilung beibehalten, aber in den brandenburgischen Farben tingiert. Damit könnte der Wechsel der Herrschaftsverhältnisse in Land und Stadt Penzlin verdeutlicht worden sein. Während der halbe Stierkopf ganz eindeutig auf den Herrn zu Werle als damaligen Lehns- und Stadtherrn hinweist, dürfte die hintere neunfache Teilung an die vorherige Lehnsbindung an die markgräflich brandenburgische Linie der Askanier erinnern.

FlaggeBearbeiten

Die Flagge wurde am 24. April 2003 durch das Ministerium des Innern genehmigt.

Die Flagge ist gleichmäßig und quer zur Längsachse des Flaggentuchs von Rot und Gelb gestreift. In der Mitte des Flaggentuchs liegt, auf jeweils ein Drittel der Länge des roten und des gelben Streifens übergreifend, das Stadtwappen. Die Länge des Flaggentuchs verhält sich zur Höhe wie 5:3.[18]

DienstsiegelBearbeiten

Das Dienstsiegel zeigt das Stadtwappen mit der Umschrift „STADT PENZLIN • LANDKREIS MECKLENBURGISCHE SEENPLATTE“.[18]

VerwaltungBearbeiten

Die Stadtverwaltung von Penzlin hat einen hauptamtlichen Bürgermeister an der Spitze der Verwaltung. Sie übernimmt gleichzeitig als geschäftsführende Gemeinde des Amtes Penzliner Land die Verwaltung der zugehörigen Gemeinden. Der Bürgermeister der Stadt Penzlin ist in Realunion der Leitende Verwaltungsbeamte der Amtsverwaltung des Amtes Penzliner Land. Auch vor dem Zusammenschluss des Amtes Möllenhagen mit dem Amt Penzlin war die Stadt geschäftsführende Gemeinde des damaligen Amtes Penzlin.

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Sehenswürdigkeiten und KulturBearbeiten

 
St.-Marien-Kirche
 
Burg Penzlin
 
Slawischer Burgwall Grapenwerder
 
Penzliner Stadtsee

Siehe auch Liste der Baudenkmale in Penzlin

Kirche St. MarienBearbeiten

Die Pfarrkirche St. Marien ist eine dreischiffige Hallenkirche aus Backsteinen mit vier Jochen und einem quadratischen Westturm mit Seitenhallen und einer Portalvorhalle. Sie stammt aus dem 14. Jahrhundert, die Südkapelle (frühgotisch) wohl aus dem 13. Jahrhundert. Der Turm wurde 1725 bis zur Firsthöhe des Langhauses abgetragen. Der Theologe Erhard Johann August Wüstney (1791–1854) war in der Gemeinde von 1817 bis 1837 als Pastor tätig. 1877 bis 1878 wurde die Kirche durch Georg Daniel umfassend restauriert. Zusätzlich wurde an der Ostseite ein Chorjoch angefügt. Im Westen wurde anstelle des erhaltenen Turmunterbaues mit einem Glockengeschoss ein über das Dach ragender Turm neu errichtet. Beträchtlich waren die Umbauten im Innern bis hin zur Ausstattung. In den Schiffen wurden die hölzernen barocken Voutendecken massiv eingewölbt, und in die Seitenschiffe kamen massive Emporeneinbauten. Die Patronatsfamilie von Maltzahn war auch der Auftraggeber des Umbaus.

Alte BurgBearbeiten

Der Bau der Alten Burg erfolgte im 13. Jahrhundert, der Hexenkeller[19] folgte 1560. Sie war Nebenresidenz der Fürsten von Werle und ab 1501 Stammsitz der Familie von Maltzan. Die Burg war seit dem 18. Jahrhundert zum Teil unbewohnbar und ist seit 1941 im Besitz der Stadt. Die Sanierung der erhaltenen Reste der Burg erfolgte ab 1991. Heute befinden sich hier das Kulturgeschichtliche Museum für Alltagsmagie und Hexenverfolgung in Mecklenburg und ein Burgrestaurant. Jährlich am vorletzten Wochenende im August findet ein mittelalterliches Burgfest statt; außerdem wird auch die Walpurgisnacht auf der Burg gefeiert.

Slawische BurgwälleBearbeiten

Der slawische Burgwall am Penzliner Stadtsee ist eine kleinere Anlage, die durch Wälle geschützt war. Sie stammt aus dem 10. bis 12. Jahrhundert, wurde aber auch noch in der frühdeutschen Zeit weiter genutzt. Die Anlage wurde auf einer Halbinsel im See errichtet und zusätzlich durch einen breiten Graben zum Festland hin geschützt. Der Graben ist in vegetationsarmen Jahreszeiten gut zu sehen. Die Wehranlage ist ungefähr 40 Meter breit und 70 Meter lang und hat einen ovalen Grundriss. Sie hat zwei größere Tore, eines in Seerichtung und eines in Richtung Penzlin. Ein weiterer Burgwall, der Grapenwerder, befindet sich im Norden der Stadt. Der Wall ist kreisförmig, hat einen Durchmesser von etwa 160 Metern und erhebt sich 60 m ü. NHN.

Slawische Landwehrwälle: Im Süden der Stadtgemarkung zwischen Klein-Vielener See und Prillwitz befindet sich die Eiserne Pforte, niederdeutsch Isern Purt,[20] eine altslawische Landwehr (Landhemme) mit zwei bis vier Wällen und Wassergräben. Die Wehranlage war eine Grenzbefestigung, die unter Ausnutzung der natürlichen Hindernisse wie dem Wedensee, dem kleinen Stadtsee, dem Rosenholz nach Prillwitz folgend ein wehrhaft ausgerüstetes Hindernis darstellte. Eine alte Karte zeigt den mittelalterlichen Wasserstand und Bachlauf, es gibt zwischen Wedensee und dem Kleinen Stadtsee einen Flurnamen, die Teufelsbrück (eine historische Passage durch die Wehranlage). Teils sumpfige Parallelgräben und teils wasserführende Bäche in ihnen, am Klein Vielener See beginnend bis nach Prillwitz / Zippelow endend, bilden die alte Landhemme. An den Enden des Wedensees ist die Anlage noch als Bodendenkmal mit ca. 2 bis 3 Meter hohen Erdwällen erhalten, ebenso im Rosenholz. Der Wasserstand im Wedensee konnte von altersher reguliert werden, in einem Abflussgraben zum Klein Vielener See ist ein aus großen Feldsteinen gehauenes Sperrwehr für eine Bohlenwand noch sichtbar.

Johann-Heinrich-Voß-HausBearbeiten

Im März 2019 eröffnete im früheren Rektorhaus in Penzlin, in dem Voß einst die Schulbank drückte, als „Johann-Heinrich-Voß-Haus“ ein Literaturhaus mit Stadtbibliothek, Touristeninformation und einer ständigen Ausstellung mit dem Titel „Johann Heinrich Voß. Ein Grieche aus Mecklenburg.“[21]

Weitere GebäudeBearbeiten

  • Fachwerkhaus Hirtenstraße
  • Ehemaliges Krankenhaus von 1867 als zweigeschossiger, rotsteiniger Fachwerkbau
  • Die Neue Burg, das zweigeschossige Herrenhaus der Maltzans von 1810, liegt etwas oberhalb der Alten Burg und ist seit 2008 ein Bürgerzentrum.

DenkmälerBearbeiten

Jüdischer FriedhofBearbeiten

Auf dem jüdischen Friedhof am südwestlichen Stadtrand „Am Ziegelkamp“ sind etwa 55 Grabsteine erhalten.

MusikBearbeiten

Penzlin ist in der Region bekannt für seine große musikalische Vielfalt, die sich vor allem in einigen Chören und vielen Musikgruppen/Bands zeigt.

Es gibt drei Chöre, die als eingetragene Vereine existieren und einige weitere ohne diesen Rahmen. Der Penzliner Männerchor ist der älteste Chor Penzlins mit dem Gründungsjahr 1907 und bekam 2008 beim „Punschendörper Sängertreffen“ durch das mecklenburg-vorpommersche Kultusministerium die Zelter-Plakette verliehen. Der Frauenchor Penzlin ist 1977 gegründet worden, der gemischte Kirchenchor 1987. Weiterhin gibt es den Chor der Regionalen Schule, des AWO-Kindergartens und den Kinderchor der evangelischen Kirchgemeinde. Neben der Blaskapelle Penzlin, gegründet 1971, existieren noch ein gutes Dutzend weiterer Musikgruppen/Bands.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

StraßeBearbeiten

 
Rest der alten B 192 kurz vor dem westlichen Ortseingang

Penzlin liegt an der Bundesstraße B 192 zwischen Waren und Neubrandenburg und an der B 193 von Penzlin nach Neustrelitz. Die nächstgelegene Autobahnanschlussstelle ist Neubrandenburg-Ost an der A 20 (RostockDreieck Uckermark) in 27 km Entfernung.

SchieneBearbeiten

Penzlin hat keinen Eisenbahnanschluss. Die nächstgelegenen Bahnhöfe sind Neubrandenburg und Neustrelitz Hbf.

Bis zum Zweiten Weltkrieg verbanden die Gleise der Mecklenburgischen Südbahn Penzlin mit Neubrandenburg und Waren (Müritz). Nach 1945 wurden Teile der Bahnlinie als Reparationszahlung an die Sowjetunion demontiert. Zwischen Möllenhagen und Neubrandenburg wurde die Strecke nicht wieder aufgebaut. Der Bahndamm ist noch immer fast überall zu erkennen. Der Abschnitt von Möllenhagen nach Waren (Müritz) wird regelmäßig vom Betonwerk in Rethwisch benutzt.

Öffentlicher PersonennahverkehrBearbeiten

Der öffentliche Personennahverkehr wird durch die Mecklenburg-Vorpommersche Verkehrsgesellschaft betrieben.[22] Es bestehen regelmäßige Busverbindungen nach Waren (Müritz) und Neubrandenburg mit dem datBus sowie nach Neustrelitz. Innerhalb Penzlins gibt es drei Haltestellen: eine westliche in der Warener Chaussee direkt vor der Amtsverwaltung, den Busbahnhof am Bahnhofsplatz und eine östliche in der Neubrandenburger Chaussee (gegenüber dem Friedhof).

Noch bis kurz nach der Wende gab es in Penzlin ein Busdepot.

Energie- und WasserversorgungBearbeiten

Ein Teil der Stadt ist an ein Fernwärmenetz angeschlossen. Betreiberfirma ist die KMR-Service GmbH, die sich zu 100 % im Besitz der Stadt Penzlin befindet. Nach der Wende wurde eine neue Kläranlage für Penzlin und einige umgebende Dörfer gebaut und die Stadt an das Gasnetz angeschlossen. 2010 entstand westlich der Stadt ein Windpark mit fünf Windkraftanlagen.

BildungBearbeiten

  • Regionale Schule mit Grundschule „Johann Heinrich Voß“, Hirtenstraße 12/14
Vor 1990 gab es eine Polytechnische Oberschule, eine Sonderschule und eine Erweiterte Oberschule.

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der Stadt und ihrer heutigen OrtsteileBearbeiten

Penzlin

Groß Flotow

Groß Lukow

Groß Vielen

  • Hermann Haack (1876–1967), Staatsminister in Mecklenburg-Schwerin

Klein Lukow

Mallin

Marihn

Werder

Mit Penzlin und seinen heutigen Ortsteilen verbundene PersönlichkeitenBearbeiten

Penzlin

  • Maltzahn oder Moltzahn, adeliges Geschlecht mit einer Stammeslinie Penzlin
  • Benigna Schultzen (im 17. Jahrhundert–nach 1711), Angeklagte in einem Hexenprozess, lebte in Penzlin
  • Conrad Lüder von Pentz (1728–1782), Genealoge, lebte ab 1765 in Penzlin
  • Johann Heinrich Voß (1751–1826) Dichter, wuchs in Penzlin auf
  • Erhard Wüstney (1791–1854), Pastor in Penzlin
  • Joachim August Alms (1803–1847), Apotheker in Penzlin, Entdecker des Santonin[24][25]
  • Eduard Napp (1804–1882), Rektor in Penzlin
  • Eduard Danneil (1806–1878), Rektor in Penzlin[26]
  • Luise Mühlbach (1814–1873), Schriftstellerin, verlebte Kindheitsjahre in Penzlin
  • Otto Piper (1841–1921), Bürgermeister von Penzlin
  • Rudolf Beyer (1852–1926), Bürgermeister von Penzlin[27]
  • Hein Mück (1895–1967), Bremerhavener Stadtoriginal, lebte nach 1945 in Penzlin
  • Annelie Thorndike (1925–2012), Dokumentarfilmerin, Schulleiterin in Penzlin
  • Siegfried Heuer (1927–2009), Schuldirektor in Penzlin[28]

Ortsteile

WeblinksBearbeiten

Commons: Penzlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Amt M-V – Bevölkerungsstand der Kreise, Ämter und Gemeinden 2018 (XLS-Datei) (Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Regionales Raumentwicklungsprogramm Mecklenburgische Seenplatte (2011), Regionaler Planungsverband, abgerufen am 12. Juli 2015
  3. § 1 der Hauptsatzung der Stadt Penzlin
  4. Projekt Penzlin, Sonderbestattungen an der Stadtmauer. In: anthropologie-jungklaus.de. Abgerufen am 4. Juni 2017.
  5. Spuren der Frühaufklärung im Revisionsprozess der Benigna Schultzen von Andreas Würschinger, Seite 333 bis 358, erschienen im Hexentribunal: Beiträge zu einem historischen Phänomen zwischen Recht und Religion/ c. Becker … Sankt-Ulrich-Verlag, Augsburg 2001, ISBN 3-929246-68-6.
  6. Sein Hauptwerk Burgenkunde ist ein Standardwerk der deutschsprachigen Burgenforschung.
  7. Vgl. Zeitzeugenbericht. In: Joachim Schultz-Naumann: Mecklenburg 1945. 2. Auflage. Universitas-Verlag München, 1990. ISBN 3-8004-1215-2. S. 173–174.
  8. A. Kaminsky [Hrsg.]: Orte des Erinnerns: Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR. Bonn 2007. S. 262 f.
  9. AKK schließt Arbeit mit der AfD aus – In Penzlin handeln sie anderswelt.de vom 25. Juni 2019, abgerufen am 25. Juni 2019
  10. StBA: Gebietsänderungen vom 01.01. bis 31.12.2008
  11. StBA: Gebietsänderungen vom 02. Januar bis 31. Dezember 2009
  12. Gebietsänderungen in Mecklenburg-Vorpommern. 1. bis 19. Januar 2011 (PDF; 60 kB) Statistisches Landesamt MV
  13. Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern (Statistischer Bericht A I des Statistisches Amtes Mecklenburg-Vorpommern)
  14. Amtliches Endergebnis der Stadtvertretungswahl Penzlin am 26. Mai 2019, abgerufen 25. Juni 2019
  15. Der Bürgermeister stellt sich vor. auf www.amt-penzliner-land.de
  16. Kampf um die Rathäuser. In: Nordkurier 22. September 2013.
  17. Hans-Heinz Schütt: Auf Schild und Flagge produktionsbüro TINUS, Schwerin 2011, ISBN 978-3-9814380-0-0, S. 319/320.
  18. a b Hauptsatzung § 2 (PDF).
  19. Details dazu siehe Amt Penzliner Land: Penzliner-Historie > Hexen und Hexenverfolgung
  20. Landhemme Isern Purt bei Werder/Stadt Penzlin
  21. Literaturhaus für Dichter und Homer-Übersetzer Voß eröffnet
  22. Linienbusverbindungen der MVVG
  23. Ludwig Karnatz. auf www.www.niederdeutsche-literatur.de
  24. Grete Grewolls: Wer war wer in Mecklenburg und Vorpommern. Hinstorff, Rostock 2011.
  25. Carl Lüdke: Joachim August Alms und die Entdeckung des Santonins. In: Deutsche Apotheker-Zeitung, Nr. 2, 1959, S. 14.
  26. Stephan Sehlke: Pädagogen - Pastoren - Patrioten. Books on Demand GmbH, 2009, S. 75.
  27. Rudolf Beyer. auf www.amt-penzliner-land.de
  28. Siegfried Hoyer. auf www.amt-penzliner-land.de