Kabinett Dufaure I

Regierung der Dritten Französischen Republik (1871-1873)

Das erste Kabinett Dufaure war eine Regierung der Dritten Französischen Republik. Es wurde am 19. Februar 1871 von Premierminister Jules Dufaure gebildet. Es löste das Kabinett Trouchu ab und blieb bis zum 18. Mai 1873 im Amt, woraufhin hin es vom Kabinett Dufaure II abgelöst wurde. Dufaure war formell Vice-Président du Conseil, während Staatspräsident Adolphe Thiers Président du Conseil war.

Jules Dufaure war zwischen 1871 und 1873, 1876 sowie von 1877 bis 1879 Premierminister Frankreichs

Dem Kabinett gehörten Vertreter folgender Gruppierungen an: Gauche républicaine (GR), Centre gauche (CG), Centre droit (CD), Orléanisten (Orl), Legitimisten (Leg) und Bonapartisten (Bon).

Kabinett Bearbeiten

Dem Kabinett gehörten folgende Minister an:

Amt Name Gruppe Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit
Premierminister Jules Dufaure CG 19. Februar 1871 18. Mai 1873
Außenminister Jules Favre
Charles de Rémusat
GR
CG
19. Februar 1871
2. August 1871
2. August 1871
18. Mai 1873
Kriegsminister Adolphe Le Flô
Ernest Courtot de Cissey
Orl
Orl
19. Februar 1871
5. Juni 1871
5. Juni 1871
18. Mai 1873
Minister für öffentlichen Unterricht, schöne Künste und Religion Jules Simon CG 19. Februar 1871 18. Mai 1873
Innenminister Ernest Picard
Félix Lambrecht
Auguste Casimir-Perier
Victor Lefranc
Marc-Eugène de Goulard
CG
CG
CG
CG
CD
19. Februar 1871
5. Juni 1871
8. Oktober 1871
6. Februar 1872
7. Dezember 1872
5. Juni 1871
8. Oktober 1871
6. Februar 1872
7. Dezember 1872
18. Mai 1873
Siegelbewahrer und Justizminister Jules Dufaure CG 19. Februar 1871 18. Mai 1873
Minister für Marine und Kolonien Louis Pierre Alexis Pothuau 19. Februar 1871 18. Mai 1873
Finanzminister Louis-Joseph Buffet
Augustin Pouyer-Quertier
Marc-Eugène de Goulard
Pierre Edmond Teisserenc de Bort[A 1]
Léon Say
CD
CD
CD
CG
CG
19. Februar 1871
25. Februar 1871
23. April 1872
17. August 1872
7. Dezember 1872
25. Februar 1871
23. April 1872
17. August 1872
7. Dezember 1872
18. Mai 1873
Minister für öffentliche Arbeiten Charles-Paulin-Roger Saubert de Larcy
Pierre Edmond Teisserenc de Bort[A 2]
Oscar Bardi de Fourtou
René Bérenger[A 3]
Leg
CG
CD
CG
19. Februar 1871
22. Juni 1872
7. Dezember 1872
18. April 1873
22. Juni 1872
7. Dezember 1872
18. April 1873
18. Mai 1873
Minister für Landwirtschaft und Handel Félix Lambrecht
Victor Lefranc
Marc-Eugène de Goulard
Pierre Edmond Teisserenc de Bort
CG
CG
CD
CG
19. Februar 1871
5. Juni 1871
6. Februar 1872
23. April 1872
5. Juni 1871
6. Februar 1872
23. April 1872
18. Mai 1873

Dem Kabinett gehörten folgende Sous-secrétaires d’État an:

Amt Name Gruppe Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit
Innenministerium Marc Antoine Calmon
Ernest Pascal[1]
CG
Bon
23. Februar 1871
9. April 1873
7. Dezember 1871
18. Mai 1873
Kriegsministerium Charles Letellier-Valazé[2] CG 24. März 1871 18. Mai 1873

Historische Einordnung Bearbeiten

 
Kabinett Dufaure (Fotomontage Appert, 1872)

Die Regierung unter Staatspräsident Adolphe Thiers und Premierminister (Vice-président du Conseil) Jules Dufaure wurde nach den Wahlen vom 8. Februar 1871 gebildet. Sie hatte zunächst die Aufgabe, die deutschen Truppen zum Abzug zu bewegen, was Otto von Bismarck von der Begleichung der Reparationszahlungen abhängig machte. Die Hungersnot nach der Besetzung und die durch die Reparationen bedingten Einsparungen führten im ganzen Land zu Volksaufständen, die vom Militär niedergeschlagen wurden (siehe zum Beispiel die Pariser Kommune).

Danach handelte die Regierung den Friedensvertrag von Frankfurt aus, um die deutschen Truppen zum Abzug zu bewegen. Die weitere Regierungsarbeit stand unter dem Zeichen der zu zahlenden Reparationen und einer durch einen fünfjährigen Wehrdienst fundierten Aufrüstung der Armee (Loi Cissey).

Am 28. Oktober 1871 erwarb Julie-Victoire Daubié als erste Frau in Frankreich das Lizenziat ès lettres (Literatur und Philologie) an der Sorbonne.

Das Dufaure-Gesetz vom 14. März 1872 schränkte die Rechte der Ersten Internationale drastisch ein.[3] Am 24. Mai 1872 wurden die Tribuneaux des conflits wieder eingesetzt.[4] Mit dem Blanco-Urteil regelte dieses Gericht die Grundzüge der Verwaltungsarbeit in Frankreich.[5][A 4]

Als die monarchistisch gesinnte Mehrheit des Parlaments ein Gesetz verabschiedete, das die Rechte des Staatspräsidenten einschränkte (loi de Broglie), veranlasste Thiers die Auflösung des Kabinetts.[6]

Weblinks Bearbeiten

Anmerkungen Bearbeiten

  1. (kommissarisch; die französische Wikipédia erwähnt ihn in dieser Position nicht)
  2. (kommissarisch; die französische Wikipédia erwähnt ihn in dieser Position nicht)
  3. die französische Wikipédia erwähnt ihn in dieser Position nicht
  4. Das Blanco-Urteil ist ein Urteil des Tribunal des conflits in Frankreich vom 8. Februar 1873. Es wird oft als die Grundlage des französischen Verwaltungsrechts bezeichnet und definiert sowohl die Zuständigkeit der Verwaltungsgerichtsbarkeit als auch den Inhalt des Verwaltungsrechts. Das Urteil erkennt den öffentlichen Dienst als Kriterium für die Zuständigkeit der Verwaltungsgerichtsbarkeit an, bekräftigt die Besonderheit der auf den öffentlichen Dienst anwendbaren Vorschriften und stellt eine Verbindung zwischen dem Inhalt des anwendbaren Rechts und der Zuständigkeit der Verwaltungsgerichtsbarkeit her. Es verankert auch die Haftung des Staates vor den Verwaltungsgerichten, die Haftung für Schäden, die durch die Erfüllung des öffentlichen Auftrags verursacht wurden. Dies wird von den Juristen als "Grundsatz der Verknüpfung von Zuständigkeit und Inhalt" bezeichnet. Siehe hierzu auch weiterführend fr:Arrêt Blanco.

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Angaben zu Ernest Pascal in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
  2. Charles, Romain Letellier-Valazé. In: Assemblée nationale. Abgerufen am 8. September 2023 (französisch).
  3. L’appartenance à l’A.I.T. devient un crime le 14 mars 1872. À Lyon, on tente de passer outre ... In: Rebellyon.info. 14. März 2022, abgerufen am 18. Juli 2023 (französisch).
  4. Muriel Parquet: Introduction générale au droit. Éditions Bréal, Rosny-sur-Bois 2007, ISBN 978-2-7495-0706-4, S. 159.
  5. Bernard Stirn: Le Conseil d’État : son rôle, sa jurisprudence. Hachette, 2015, ISBN 978-2-01-461674-3, S. 160 (google.de).
  6. Wikisource: Loi de Broglie