Fußball-Verbandspokal

Als Verbandspokal werden in Deutschland gemeinhin die derzeit 22 Pokalwettbewerbe der 21 Landesverbände des DFB bezeichnet, die jede Saison ausgetragen werden. Wenn sich das Gebiet eines Verbandes mit dem eines Bundeslandes deckt, ist die Bezeichnung Landespokal üblich. Die Verbands- und Landespokale, an denen grundsätzlich nur Vereine der 3. Liga und tieferer Spielklassen teilnehmen, beziehen ihre sportliche Bedeutung in erster Linie aus dem Umstand, dass die Pokalsieger in der Folgesaison für den DFB-Pokal qualifiziert sind, wo sie sich mit Mannschaften der 1. und 2. Bundesliga messen können. Jeder der 21 Landesverbände hat dadurch mindestens einen festen Pokal-Startplatz für "unterklassige" Vereine. Die drei mitgliederstärksten Verbände (derzeit Bayern, Westfalen und Niedersachsen) haben einen zweiten Pokal-Startplatz; in Niedersachsen wird dieser durch einen zweiten Landespokalwettbewerb für Mannschaften unterhalb der Regionalliga ausgespielt, in Bayern und Westfalen werden diese zusätzlichen Teilnehmer in unterschiedlicher Weise über den Meisterschaftsspielbetrieb ermittelt.

Verbandspokale der HerrenBearbeiten

Übersicht über die deutschen Verbandspokale (Stand: 2019)[1]
Verband Wettbewerb Mitglieder 1
Baden bfv-Rothaus-Pokal 0.0200.532
Bayern Toto-Pokal 01.607.726
Berlin AOK-Landespokal Berlin 0.0159.004
Brandenburg AOK-Landespokal Brandenburg 0.0099.406
Bremen LOTTO-Pokal 0.0044.519
Hamburg LOTTO-Pokal Hamburg 0.0191.733
Hessen Bitburger Hessenpokal 0.0527.387
Mecklenburg-Vorpommern Lübzer Pils Cup 0.0058.894
Mittelrhein Bitburger-Pokal 0.0381.098
Niederrhein RevierSport-Niederrheinpokal 0.0413.921
Niedersachsen Krombacher Niedersachsenpokal 0.0627.320
Rheinland Bitburger-Rheinlandpokal 0.0178.142
Saarland Sparkassenpokal Saar 0.0097.250
Sachsen Wernesgrüner Sachsenpokal 0.0157.832
Sachsen-Anhalt FSA-Pokal 0.0093.690
Schleswig-Holstein SHFV-Lotto-Pokal 0.0172.929
Südbaden SBFV-Rothaus-Pokal 0.0280.286
Südwest Bitburger Verbandspokal 0.0227.444
Thüringen Köstritzer-Pokal 0.0097.989
Westfalen Krombacher Westfalenpokal 0.0975.858
Württemberg DB Regio-wfv-Pokal 0.0538.976
Gesamte Mitgliederzahl des DFB: 0 7.131.936
1 Fettgedruckt sind die drei mitgliederstärksten Verbände

TeilnehmerzahlBearbeiten

Teilnahmeberechtigt sind ausschließlich Vereine der 3. Liga und Amateurmannschaften der darunter befindlichen Spielklassen.

Die Teilnehmerzahl ist von Verband zu Verband unterschiedlich. Üblicherweise sind die Mannschaften der obersten Ligen (3. Liga, Regionalliga, Oberliga) automatisch teilnahmeberechtigt, während sich die Vereine der unteren Ligen über Bezirks-, Kreis- oder Stadtpokale qualifizieren müssen. In Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise treten die Ober-, Verbands- und Landesligisten im Verbandspokal an. Dazu kommen die Mannschaften der niederen Ligen, die sich durch den Sieg im Bezirkspokal für den Landespokal qualifiziert haben. In Hamburg dagegen ist das Teilnehmerfeld mit über 200 Vereinen sehr breit angelegt. In Bayern wiederum finden die Pokalspiele in drei Etappen statt: Zunächst qualifizieren sich vier oder acht Mannschaften auf (Fußball-)Kreisebene für die Spiele auf Bezirksebene, aus denen sich insgesamt acht Teilnehmer für die Endrunde qualifizieren. In dieser wird schließlich um den eigentlichen Landespokal gespielt.

SpielmodusBearbeiten

Üblicherweise werden die Pokalspiele im K.-o.-System ausgetragen, welches auch im DFB-Pokal gilt; Vereine aus niedrigeren Ligen haben gegen höhere Ligen in der Regel Heimrecht.

Auch im Spielmodus gibt es Unterschiede: In Bremen gibt es statt einer Verlängerung nach einem Unentschieden nach 90 Minuten sofort Elfmeterschießen. Steht es in Südbaden in einer Begegnung zweier Mannschaften aus verschiedenen Spielklassen nach Verlängerung unentschieden, kommt die klassenniedrigere Mannschaft eine Runde weiter.

Die Verbandspokal-Endspiele finden in der Regel im Mai oder Juni statt, sodass bei der Auslosung der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals bekannt ist, welche Amateurvertreter teilnehmen. In den drei „großen“ Verbänden entfällt dieser „Zeitdruck“, sodass das Endspiel in Bayern traditionell im Juli stattfindet. In der Saison 2004/05 war das hessische Pokalendspiel sogar erst für August angesetzt, da Finalist Offenbach als Meister der Regionalliga Süd automatisch für den nationalen Pokal qualifiziert war und somit der andere Finalist Eschborn als hessischer Amateurvertreter teilnahm.

Seit der Saison 2015/16 finden die meisten Endspiele Ende Mai an einem einzigen Finaltag der Amateure statt, der in drei Konferenzen hintereinander im Ersten übertragen wird.

Zur Saison 2018/19 finden die 21 Landespokalendspiele am Tag des DFB-Pokalfinales, dem 25. Mai 2019, statt. Das Erste zeigt erneut die Endspiele aller 21 Landespokale in einer großen Livekonferenz, verteilt auf drei verschiedene Anstoßzeitpunkte, vor dem DFB-Pokalendspiel am Abend.[2]

Bedeutung für den DFB-PokalBearbeiten

Die Sieger der Verbandspokale sind, sofern es sich nicht um Zweitvertretungen der ohnehin für den DFB-Pokal qualifizierten Lizenzvereine (also der 1. oder 2. Bundesliga) handelt, zur Teilnahme an der ersten Runde des DFB-Pokals der folgenden Saison berechtigt. Die drei Verbände mit den meisten Herren-Mannschaften im Spielbetrieb – derzeit Bayern, Niedersachsen und Westfalen – entsenden zusätzlich jeweils einen weiteren Teilnehmer. In Niedersachsen werden daher zwei Pokalwettbewerbe ausgetragen (einer für Mannschaften der 3. und der Regionalliga und einer für Mannschaften aus niedrigeren Spielklassen). In Bayern erhält der Meister der Regionalliga Bayern (keine Zweitvertretungen) den zusätzlichen Startplatz, in Westfalen der Sieger eines Spiels zwischen dem Meister der Oberliga Westfalen und der besten westfälischen Mannschaft der Regionalliga West (zweite Mannschaften ebenfalls ausgeschlossen). Somit qualifizieren sich pro Saison 22 Vereine über die Verbandspokale für den nationalen Pokalwettbewerb. Erreicht ein Verbandspokalsieger einen der ersten vier Plätze der 3. Liga, rückt der unterlegene Finalist bzw. der Gewinner eines Spiels um Platz 3 usw. nach.

Amtierende Pokalsieger und RekordpokalsiegerBearbeiten

Pokalwettbewerb Pokalsieger 2019/20 Rekordpokalsieger
  Badischer Pokal   SV Waldhof Mannheim (3.)   SV Sandhausen (12)1
  Bayerischer Toto-Pokal   TSV 1860 München (1.)   SSV Jahn Regensburg (7)1
  Berliner Landespokal   VSG Altglienicke (1.)   Tennis Borussia Berlin (16)1
  Brandenburgischer Landespokal   FSV Union Fürstenwalde (1.)   FC Energie Cottbus1 /   SV Babelsberg 031 (je 9)
  Bremer Pokal   FC Oberneuland (8.)   SV Werder Bremen (20)1
  Hamburger Pokal   Eintracht Norderstedt (5.)   FC St. Pauli (7)1
  Hessenpokal   TSV Steinbach Haiger (2.)   Kickers Offenbach (11)
  Mecklenburg-Vorpommern-Pokal   F.C. Hansa Rostock (10.)1   F.C. Hansa Rostock (10)1
  Mittelrheinpokal   1. FC Düren (2.)   Alemannia Aachen (7)1
  Niederrheinpokal   Rot-Weiss Essen (10.)   Rot-Weiss Essen (10)
  Niedersachsenpokal   TSV Havelse (2.)   Sportfreunde Salzgitter /   VfL Osnabrück (je 4)
  Niedersachsenpokal (Amateure)2   MTV Eintracht Celle (1.)   SV Atlas Delmenhorst /   MTV Eintracht Celle (je 1)
  Rheinlandpokal   FV Engers 07 (1.)   Eintracht Trier (15)1
  Saarlandpokal   SV Elversberg (5.)   1. FC Saarbrücken (11)
  Sachsenpokal   Chemnitzer FC (11.)   Chemnitzer FC (11)
  Sachsen-Anhalt-Pokal nicht ausgetragen 3   1. FC Magdeburg (12)1
  SHFV-Pokal   SV Todesfelde (1.)   Holstein Kiel (16)1
  Südbadischer Pokal   1. FC Rielasingen-Arlen (2.)   FC 08 Villingen (9)
  Südwestpokal   1. FC Kaiserslautern (5.)1   1. FSV Mainz 05 (8)1
  Thüringer Landespokal   FC Carl Zeiss Jena (11.)1   FC Carl Zeiss Jena (11)1
  Westfalenpokal   RSV Meinerzhagen (1.)   SC Paderborn 07 (9)
  WFV-Pokal   SSV Ulm 1846 (10.)   SSV Ulm 1846 (10)
1 Die Landespokalsiege wurden ganz oder teilweise durch die zweite oder dritte Herrenmannschaft erspielt.
2 Im Niedersächsischen Fußballverband, der zwei Startplätze im DFB-Pokal hat, wird seit der Saison 2018/19 ein zweiter Pokalwettbewerb für Mannschaften unterhalb der Regionalliga ausgetragen.
3 Der FSA-Pokal 2019/20 wurde vor Absolvierung der Halbfinalpartien aufgrund der COVID-19-Pandemie abgebrochen. Hinsichtlich des DFB-Pokals einigten sich die betroffenen Teilnehmer sowie der Fußballverband Sachsen-Anhalt darauf, den 1. FC Magdeburg als Teilnehmer zu melden.[3]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Mitglieder-Statistik 2019. dfb.de, abgerufen am 30. August 2019.
  2. Anstoßzeiten für Finaltag der Amateure 2019 sind festgelegt. dfb.de, abgerufen am 27. April 2019.
  3. Der FSA bricht den Landespokal ab, fsa-online.de, abgerufen am 16. Juli 2020