Balthasar Glättli

Schweizer Politiker (GPS)

Balthasar Glättli (* 12. Februar 1972 in Zürich; heimatberechtigt ebenda) ist ein Schweizer Politiker (GPS).

Balthasar Glättli (2019)

Ausbildung und BerufBearbeiten

Nach der altsprachlichen Matura an der Kantonsschule Zürcher Oberland Wetzikon begann Glättli ein Studium der Philosophie, Linguistik und Germanistik an der Universität Zürich, führte das Studium aber nicht zu Ende. Er gründete ein eigenes Internet-Consulting-Unternehmen, war anschliessend als Lead Research and Development bei der eProduction AG, bis 2002, tätig. Von Mai 2003 bis August 2010 amtete er als politischer Sekretär von Solidarité sans frontières, danach bis Ende Juni 2012 als Leiter Kampagnen und Werbung beim VPOD. Sein Studium brach er 2015 offiziell ab.[1]

Politisches EngagementBearbeiten

 
Glättli (rechts) in einem Interview am Tag der Schweizer Parlamentswahlen 2019

Von 1998 bis 2011 war Glättli Gemeinderat der Stadt Zürich, von 1998 bis August 2004 Fraktionspräsident der Grünen/AL im Gemeinderat der Stadt Zürich (Stadtparlament). Von 2003 bis 2004 amtete er als Co-Präsident des GBZ (Gewerkschaftsbund Stadt Zürich). Vom 12. Juni 2004 bis Anfang 2008 war er Co-Präsident der Grünen Kanton Zürich zusammen mit Marlies Bänziger; seine Wahl war Auslöser der Gründung der Grünliberalen Partei der Schweiz. Zuvor zeigte er politisches Engagement bei den Grünen, bei Zaf! Züri autofrei und in diversen anderen Organisationen. Für die Schweizer Parlamentswahlen 2011 war er offizieller Ständerats- und Nationalratskandidat der Grünen Partei Zürich und wurde in den Nationalrat gewählt. Er ist dort seit 2011 Mitglied der Staatspolitischen Kommission (SPK-N).[2] Entsprechend ist Asyl- und Ausländerpolitik einer seiner Schwerpunkte.[3] Einige Jahre war auch Mitglied der Sicherheitspolitischen Kommission (SiK). Daneben profiliert sich Glättli in der Netzpolitik, so forderte er als erster schweizerischer Politiker die gesetzliche Festschreibung der Netzneutralität.[4]

Am 26. November 2013 wählte ihn die Grüne Fraktion der Bundesversammlung zu ihrem Präsidenten.[5] Als Fraktionspräsident war er auch Mitglied im Büro des Nationalrats (Büro NR).[6] Am 29. Mai 2020 trat Glättli vom Amt des Fraktionspräsidenten zurück, weil dies mit der angestrebten Wahl zum Parteipräsidenten nicht vereinbar war.[7]

Im April 2014 stellte Glättli für eine Visualisierung der Vorratsdatenspeicherung in der Schweiz seine Metadaten aus sechs Monaten Überwachung zur Verfügung.[8][9] Die Visualisierung wurde durch die Digitale Gesellschaft unter anderem in Zusammenarbeit mit Arte, der Schweiz am Sonntag[10] und watson.ch[11] veröffentlicht.

Am 20. Juni 2020 wurde er von den Delegierten der Grünen Partei an einer Online-Delegiertenversammlung als Nachfolger von Regula Rytz zum Präsidenten der Grünen Schweiz gewählt.[12][13]

Weiteres EngagementBearbeiten

Glättli ist seit 2013 Vizepräsident des Schweizerischen Mieterinnen- und Mieterverbands (SMV) und seit 2014 Präsident des Mieterinnen- und Mieterverbands Deutschschweiz (MVD).[14] Weiter ist er Co-Präsident von promembro (Interessenvertretung von Prothesenträger/innen).[15]

PrivatesBearbeiten

Er ist der Bruder des Cellisten Kaspar Singer und mit der SP-Politikerin und Journalistin Min Li Marti verheiratet.[16] Die beiden haben eine Tochter.[17] Geprägt hat Glättli eine schwere Erkrankung in seiner Kindheit. Mit sieben Jahren lag er mit Blutkrebs im Spital, wobei die Überlebenschance 50 % betragen habe. Seine Genesung sei ihm seither Verpflichtung, sich für andere einzusetzen.[18]

PublikationenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Balthasar Glättli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Martin Sturzenegger: Allerletzte Chance für die ewigen Studenten. In: Tages-Anzeiger. 24. April 2015, abgerufen am 26. März 2016.
  2. Glättli Balthasar - Nationalrat - Kanton Zürich. In: www.parlament.ch. Abgerufen am 2. Februar 2020.
  3. Artikel zum Themenbereich Asyl. In: Website von Balthasar Glättli. Abgerufen am 2. Februar 2020.
  4. Fernmeldegesetz. Gesetzliche Festschreibung der Netzneutralität. In: www.parlament.ch. Abgerufen am 26. März 2016.
  5. Dominik Meier: Der steile Aufstieg des Grünen Balthasar Glättli. In: SRF. 26. November 2013, abgerufen am 26. März 2016.
  6. Glättli Balthasar - Nationalrat - Kanton Zürich. In: www.parlament.ch. Abgerufen am 13. November 2015.
  7. Medienmitteilung GRÜNE Schweiz: Neues Fraktionspräsidium und Wege aus der Corona-Krise. In: www.gruene.ch. GRÜNE Schweiz, abgerufen am 26. Juli 2020.
  8. Vorratsdatenspeicherung – Das überwachte Leben von Nationalrat Balthasar Glättli: Interaktive Visualisierung zur Vorratsdatenspeicherung in der Schweiz. In: Digitale Gesellschaft. 27. April 2014, abgerufen am 2. Februar 2020.
  9. Sylke Gruhnwald: Was die Vorratsdaten preisgeben. In: Neue Zürcher Zeitung. 27. April 2014, abgerufen am 26. März 2016.
  10. Michael Heim: Der gläserne Nationalrat. In: Schweiz am Sonntag. 26. April 2014, abgerufen am 26. März 2016.
  11. Manuel Bühlmann & Oliver Wietlisbach: Wo war Herr Glättli die letzten sechs Monate? In: watson.ch. 26. April 2014, abgerufen am 26. März 2016.
  12. https://twitter.com/gruenech/status/1274266562376196096. Abgerufen am 20. Juni 2020.
  13. GRÜNE Schweiz: Balthasar Glättli neuer Präsident der GRÜNEN. In: www.gruene.ch. 20. Juni 2020, abgerufen am 24. Juli 2020.
  14. Website B. Glättli: Lebenslauf Balthasar Glättli. In: Balthasar Glättli (GRÜNE). 9. Mai 2009 (balthasar-glaettli.ch [abgerufen am 5. Juni 2017]).
  15. Verein promembro. Abgerufen am 2. Februar 2020.
  16. Thomas Wyss: Ein farbiges Zweiparteiensystem. In: Tages-Anzeiger. 1. April 2011, abgerufen am 26. März 2016.
  17. Nationalräte Marti und Glättli sind jetzt Eltern. In: Tages Anzeiger, 27. Januar 2018. 
  18. Jan Vontobel: Doppelpunkt Radiointerview Balthasar Glättli. Radio1, 29. März 2020, abgerufen am 9. April 2020 (schweizerdeutsch).