Odenwaldkreis

Landkreis in Hessen

Der Odenwaldkreis ist ein Landkreis im äußersten Südosten des Landes Hessen und gehört als solcher zum Regierungsbezirk Darmstadt. Mit etwas weniger als 100.000 Einwohnern ist er der bevölkerungsärmste Landkreis Hessens.

Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Odenwaldkreises Deutschlandkarte, Position des Odenwaldkreises hervorgehoben

Koordinaten: 49° 40′ N, 9° 0′ O

Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Verwaltungssitz: Erbach
Fläche: 623,98 km2
Einwohner: 96.703 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 155 Einwohner je km2
Kfz-Kennzeichen: ERB
Kreisschlüssel: 06 4 37
Kreisgliederung: 12 Gemeinden
Adresse der
Kreisverwaltung:
Michelstädter Straße 12
64711 Erbach
Website: www.odenwaldkreis.de
Landrat: Frank Matiaske (SPD)
Lage des Odenwaldkreises in Hessen
KasselLandkreis KasselWerra-Meißner-KreisSchwalm-Eder-KreisLandkreis Waldeck-FrankenbergLandkreis Hersfeld-RotenburgLandkreis FuldaVogelsbergkreisLandkreis Marburg-BiedenkopfLahn-Dill-KreisLandkreis Limburg-WeilburgLandkreis GießenMain-Kinzig-KreisWetteraukreisRheingau-Taunus-KreisHochtaunuskreisWiesbadenMain-Taunus-KreisKreis Groß-GerauFrankfurt am MainOffenbach am MainLandkreis OffenbachDarmstadtLandkreis Darmstadt-DieburgKreis BergstraßeKreis BergstraßeOdenwaldkreisBaden-WürttembergRheinland-PfalzBayernNordrhein-WestfalenNiedersachsenThüringenKarte
Über dieses Bild

Historisch gehörte das Kreisgebiet im Heiligen Römischen Reich überwiegend zur Grafschaft Erbach und zur Herrschaft Breuberg. 1806 wurde das Gebiet durch die Mediatisierung Teil des Großherzogtums Hessen. Im Zuge der Gebietsreform in Hessen erhielt der damalige Landkreis Erbach 1972 seine heutige Bezeichnung.

Der Odenwaldkreis liegt vollständig im namensgebenden Mittelgebirge und ist trotz seiner eher ländlichen Prägung Teil des Rhein-Main-Gebietes. Kreisstadt ist Erbach im Odenwald, welche gemeinsam mit der Nachbarstadt Michelstadt das einzige Mittelzentrum bildet.

GeografieBearbeiten

LageBearbeiten

Der Odenwaldkreis ist der einzige Landkreis, der mit dem gesamten Kreisgebiet im Odenwald liegt, somit dessen Kerngebiet umfasst. Zentraler Landschaftsteil des Odenwaldkreises ist das in Süd-Nord-Richtung verlaufende Mümlingtal und die dieses östlich und westlich begleitenden Höhenzüge. Entlang der Mümling sind die größten Städte des Kreises aufgereiht: Beerfelden, Erbach, Michelstadt, Bad König und Höchst. Im Nordwesten reicht das Kreisgebiet in einen Teil der Gersprenzniederung hinein und im Süden gibt es jenseits der Hauptwasserscheide von Main und Neckar einige Täler, deren Flüsse nach Süden dem Neckar zustreben: der Finkenbach, der Gammelsbach, der Sensbach und die Itter.

Die höchsten Erhebungen des Odenwaldkreises sind der Kohlwald (560,4 m ü. NN) nordwestlich von Bullau, die Sensbacher Höhe (558 m ü. NN) und der Krähberg (555 m ü. NN), beide in der Gemarkung Ober-Sensbach. Würzberg und Bullau sind mit 515 Meter die beiden höchstgelegenen Ortschaften des Kreises. Die tiefstgelegene ist Hainstadt an der Mümling kurz vor der bayerischen Grenze mit 143 m.

NachbarkreiseBearbeiten

Der Odenwaldkreis grenzt, im Norden beginnend im Uhrzeigersinn, an die Landkreise Darmstadt-Dieburg (in Hessen), Miltenberg (in Bayern), Neckar-Odenwald-Kreis und Rhein-Neckar-Kreis (beide in Baden-Württemberg) sowie Bergstraße (wiederum in Hessen).

GeschichteBearbeiten

Vor 1806Bearbeiten

Siehe auch: Grafschaft Erbach

Bis zur Mediatisierung 1806 war das überwiegende Gebiet des Odenwaldkreises, in ähnlichen Grenzen wie seit der Kreisreform, ein reichsunmittelbares Territorium der Grafen von Erbach, und gehörte als Exklave zum Fränkischen Reichskreis.

Es gliederte sich weitgehend in die Grafschaft Erbach und die Herrschaft Breuberg, wobei es auch zahlreiche Ex- und Enklaven gab, wie das kurpfälzische Oberamt Otzberg. Hinzu kommen auch zahlreiche historische Territorien, wie die Herrschaft Rodenstein.

1806 bis 1945Bearbeiten

1806 kam das Gebiet zum Großherzogtum Hessen. Nach Verkündung der Verfassung des Großherzogtums am 17. Dezember 1820 folgte am 14. Juli 1821 eine umfassende Verwaltungsreform. Statt der Ämter wurden nun Landratsbezirke eingesetzt. Diese waren die Vorläufer der Kreise. In Erbach wurde 1822 für die Gräflich Erbachischen und Erbach-Fürstenauischen Ämter der Landrats- und Gerichtsbezirk Erbach gegründet. Ebenfalls 1822 entstand ein Landrats- und Gerichtsbezirk Breuberg mit Sitz in Neustadt (ab 1847) bzw. Höchst im Odenwald.

Im Zuge der Deutschen Revolution von 1848/49 formierten sich im heutigen Kreisgebiet revolutionäre Bestrebungen. So zogen im März 1848 2.000 Odenwälder Bauern zur Durchsetzung von Grundrechten nach Darmstadt.[2] Mit dem Gesetz vom 31. Juli 1848 wurden die Verwaltungseinheiten unter revolutionären Druck erneut vergrößert. An die Stelle der Kreise und Landratsbezirke traten Regierungsbezirke, wobei die bisherigen Landratsbezirke Breuberg und Erbach zum Regierungsbezirk Erbach vereinigt wurden. Hinzu kam der Landratsbezirk Wimpfen, eine Exklave in Baden. Bereits vier Jahre später kehrte man aber zur Einteilung in Kreise zurück, wodurch neben dem Kreis Erbach der Kreis Neustadt und der Kreis Wimpfen gegründet wurden. Am 1. Juli 1874 wurde der Kreis Neustadt wieder aufgelöst und der größte Teil der Gemeinden wurden in den Kreis Erbach integriert. Ebenso wurde der Kreis Lindenfels aufgelöst und gab 16 Gemeinden an den Kreis Erbach ab.

Im Zuge der 1874 im Großherzogtum Hessen nach preußischem Vorbild vorgenommenen Reform der Kreisverfassung kam es auch zu einer neuen Kreiseinteilung. Die damals geschaffene Gliederung des Großherzogtums in sieben die Provinz Starkenburg bildende Kreise (Bensheim, Darmstadt, Dieburg, Erbach, Groß-Gerau, Heppenheim, Offenbach) hatte mehr als sechs Jahrzehnte Bestand.

Nach der 1936 erfolgten Auflösung der Provinzial- und Kreistage im nunmehrigen Volksstaat Hessen (ab 1918) und der 1937 durchgeführten Aufhebung der drei Provinzen Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen brachte das Jahr 1938 eine Überprüfung der Kreisgrenzen. Am 1. November 1938 wurde in Hessen eine einschneidende Gebietsreform durchgeführt. In jeder der drei hessischen Provinzen Starkenburg, Rheinhessen und Oberhessen wurde jeweils ein Kreis aufgelöst. In Starkenburg war davon der Kreis Bensheim betroffen. Dieser wurde zum größten Teil dem Kreis Heppenheim zugeschlagen, der auch zum Rechtsnachfolger des Kreises Bensheim wurde. Die neue Verwaltungseinheit wurde in Landkreis Bergstraße umbenannt.[3] Gleichzeitig wurden die Städte Darmstadt, Gießen, Mainz, Offenbach und Worms als Stadtkreise verselbständigt. Diese so geschaffene Kreiseinteilung des Volksstaates hatte zunächst bis zum Kriegsende 1945 Bestand.

Seit 1945Bearbeiten

Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen kam am 1. Juli 1971 die Gemeinde Laudenau aus dem Kreis Bergstraße nach einer Bürgerbefragung zum Landkreis Erbach, als sie sich der Gemeinde Reichelsheim (Odenwald) anschloss. Mit Inkrafttreten des Gesetzes zur Neugliederung des Landkreises Erbach vergrößerte sich das Kreisgebiet am 1. August 1972 um die Gemeinden Fränkisch-Crumbach und Brensbach (mit Wersau) aus dem Landkreis Dieburg.[4] Zugleich erhielt der Kreis den Namen Odenwaldkreis.

Am 1. Januar 2018 schlossen sich die Stadt Beerfelden und die Gemeinden Hesseneck, Rothenberg und Sensbachtal zur neuen Stadt Oberzent zusammen.[5]

BevölkerungBearbeiten

Kirchen und ReligionsgemeinschaftenBearbeiten

Der Odenwaldkreis ist historisch bedingt evangelisch geprägt. Im Jahr 2011 waren 51,5 % evangelisch, 18,1 % römisch-katholisch und 30,8 % gehörten einer sonstigen oder keiner öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaft an.[6] Mit stand 2019 waren 16 % (16.000 der 96.703) der Einwohner katholisch.[7]

Das Kreisgebiet gehört zur Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Das Mümlingtal bildet dabei – mit den zum Kreis Bergstraße gehörenden Städten Hirschhorn (Neckar) und Neckarsteinach – das Dekanat Odenwald[8], das Gersprenztal gehört zum Dekanat Vorderer Odenwald.[9] Die katholische Bevölkerungsminderheit gehört zum Bistum Mainz und bildet dort das Dekanat Erbach.[10] Es bestehen ferner kleinere Gemeinden der Freikirchen, Zeugen Jehovas und des Islams.

Demografische EntwicklungBearbeiten

Im Jahr 2011 betrug der Ausländeranteil 9,6 Prozent.[11] Nach Schätzungen des Hessischen Statistischen Landesamtes soll sich die Bevölkerung bis 2060 um 6 Prozent gegenüber 2014 reduzieren.[12]

Jahr Einwohner Quelle
1972 081.800 [13]
1975 082.300 [14]
1980 084.200 [15]
1985 085.900 [16]
1990 091.300 [17]
1995 098.305 [18]
2000 099.667 [18]
2005 100.174 [18]
2010 097.198 [19]
2015 096.047 [20]

GemeindenBearbeiten

BreubergHöchst im OdenwaldLützelbachBad KönigBrensbachBrombachtalFränkisch-CrumbachReichelsheim (Odenwald)MossautalMichelstadtErbach (Odenwald)OberzentLandkreis Darmstadt-DieburgBayernBaden-WürttembergBaden-WürttembergKreis BergstraßeKreis BergstraßeKreis Bergstraße 
Über dieses Bild

(Einwohner am 31. Dezember 2019[21])

Städte

  1. Bad König (9.759)
  2. Breuberg (7.430)
  3. Erbach (13.697)
  4. Michelstadt (16.007)
  5. Oberzent (10.194)

Weitere Gemeinden

  1. Brensbach (4.969)
  2. Brombachtal (3.466)
  3. Fränkisch-Crumbach (3.121)
  4. Höchst i. Odw. (10.199)
  5. Lützelbach (6.891)
  6. Mossautal (2.427)
  7. Reichelsheim (Odenwald) (8.543)

PolitikBearbeiten

GrundlagenBearbeiten

Kommunalpolitische LandschaftBearbeiten

Die Odenwälder Kommunalpolitik wird traditionell durch die SPD dominiert.[22] Sie stellte von 1945 bis 2009 und seit 2015 erneut den Landrat und bildet die stärkste Kraft im Kreistag. Die CDU schneidet hingegen auf kommunaler Ebene schlechter als im Landesdurchschnitt ab, wobei die Gemeinde Reichelsheim eine Ausnahme darstellt. Eine Besonderheit bildet die ÜWG Odenwaldkreis, eine freie Wählergemeinschaft mit bürgerlicher Ausrichtung, die in den letzten Kreistagswahlen immer drittstärkste Kraft wurde und in ihren Stammgemeinden gute Ergebnisse erzielt.

Seit der Kreistagswahl 2016 arbeiten SPD und CDU in einer Großen Koalition zusammen.[23]

Vertretung im Landtag und BundestagBearbeiten

Bei den Wahlen zum Hessischen Landtag bildet das gesamte Kreisgebiet den Wahlkreis Odenwald. Direkt gewählte Wahlkreisabgeordnete ist seit 2018 Sandra Funken (CDU), daneben zogen Frank Diefenbach (Bündnis 90/Die Grünen) und Moritz Promny (FDP) über die Landesliste ein.

Der Odenwaldkreis gehört ferner zum Bundestagswahlkreis Odenwald, die dort gewählten Bundestagsabgeordneten Patricia Lips (CDU) und Jens Zimmermann (SPD) stammen aber nicht aus dem Landkreis.

KreistagBearbeiten

Die Kommunalwahl am 14. März 2021 lieferte folgendes Ergebnis[24], in Vergleich gesetzt zu früheren Kreistagswahlen:[25][26][27][28]

Diagrammdarstellung von Wahlergebnis und Sitzverteilung
Kreistagswahl im Odenwaldkreis 2021
 %
40
30
20
10
0
33,5 %
23,0 %
16,6 %
11,7 %
6,4 %
5,4 %
3,5 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2016
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
−1,6 %p
+1,7 %p
+2,9 %p
+4,1 %p
−6,2 %p
−0,6 %p
−0,2 %p
Sitzverteilung im Kreistag 2021
2
17
6
3
8
12
3
17 12 
Insgesamt 51 Sitze
Wahlvorschläge %
2021
Sitze
2021
%
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 33,5 17 35,1 18 34,1 17 43,6 22 45,8 23
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 23,0 12 21,3 11 25,4 13 29,3 15 28,7 15
ÜWG Überparteiliche Wählergemeinschaft für den Odenwaldkreis 16,6 08 13,7 07 17,5 09 10,6 05 12,0 06
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 11,7 06 07,6 04 14,6 07 06,3 03 07,0 04
AfD Alternative für Deutschland 06,4 03 12,6 06
FDP Freie Demokratische Partei 05,4 03 06,0 03 03,1 02 03,8 02 02,9 01
DIE LINKE. DIE LINKE. 03,5 02 03,7 02 02,9 02 03,1 02
REP Die Republikaner 02,4 01 03,3 02 03,5 02
Gesamt 100,0 51 100,0 51 100,0 51 100,0 51 100,0 51
Wahlbeteiligung in % 53,0 52,0 51,3 52,6 59,8

LandratBearbeiten

Bisherige LandräteBearbeiten

Landratswahl im Odenwaldkreis 2021
67,3 %
13,2 %
10,8 %
8,7 %
Matiaske Rotzinger Neubert Wagner

Landratswahl 2021Bearbeiten

Die letzte Landratswahl fand gemeinsam mit der Kommunalwahl am 14. März 2021 statt. Amtsinhaber Frank Matiaske (SPD) trat dabei zur Wiederwahl an und wurde vom früheren CDU-Bürgermeister von Büttelborn, Andreas Rotzinger, der Vorsitzenden des Kreisverbandes von Bündnis 90/Die Grünen, Petra Neubert, und den stellvertretenden Sprecher des AfD-Kreisverbandes, Andreas Wagner, der als parteiunabhängiger Einzelbewerber antritt, herausgefordert.[30]

Bei einer Wahlbeteiligung von 53,1 Prozent wurde dabei folgendes Ergebnis erzielt, durch das Matiaske für eine weitere Amtszeit wiedergewählt wurde:[31]

Wappen, Flagge und BannerBearbeiten

Der Odenwaldkreis führt ein Wappen sowie eine Hiss- und Bannerflagge.

Blasonierung: „Auf goldenem Grund eine schwarze, bewurzelte Eiche, begleitet von drei sechsstrahligen roten Sternen“
Wappenbegründung: Die Eiche steht für die Wälder der Region, die dem Kreis auch ihren Namen gegeben haben. Die drei Sterne wurden dem Wappen der Grafen von Erbach entnommen, die diese Region bis 1806 beherrscht haben. Das Wappen wurde am 20. November 1956 verliehen.

Flaggenbeschreibung: „Die Flagge ist schwarz-gelb geteilt; am Liek ein gleichseitiges rotes Dreieck belegt mit dem Wappen. Das Banner ist schwarz-gelb gespalten; im Bannerhaupt ein gleichseitiges rotes Dreieck belegt mit dem Wappen.“

LandratsamtBearbeiten

 
Landratsamt in Erbach

Das Gebäude des Landratsamtes wurde 1902–1904 vom Wormser Stadtbaumeister und späteren Professor der Technischen Hochschule Darmstadt Karl Christian Hofmann (1856–1933) im Renaissancestil entworfen und vom Bauunternehmer und Steinmetz Adam Hild aus Hetzbach errichtet. Erweiterungsbauten wurden 1960 und 1989 notwendig.

An dieser Stelle befand sich ehemals die Gerichtsstätte der Erbacher Zent und danach eine Ziegelhütte.

PartnerschaftenBearbeiten

Der Odenwaldkreis unterhält eine Partnerschaft mit der Region Falkirk, die im Zentrum Schottlands zwischen Edinburgh und Glasgow liegt.

GerichteBearbeiten

Der Odenwaldkreis bildet den Bezirk des Amtsgerichts Michelstadt, welcher zum Landgerichtsbezirk Darmstadt und zum Oberlandesgerichtsbezirk Frankfurt gehört.

Früher bestanden auch in Höchst im Odenwald, Beerfelden und Reichelsheim eigene Amtsgerichte, die alle 1968 aufgelöst wurden.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

WirtschaftBearbeiten

Das Bruttoinlandsprodukt betrug 2015 2,453 Mrd. Euro, das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner betrug 25.405 Euro. Dies entsprach 59,5 Prozent des Landesdurchschnitts und war damit unterdurchschnittlich schwach.[32] Im Zukunftsatlas 2019 belegte der Odenwaldkreis den Rang 295 von 401 Kreisen und lag damit im untereren Mittelfeld.

Die Wirtschaft des Odenwaldkreises wird überwiegend durch klein- und mittelständische Betriebe geprägt. Industriezentren sind insbesondere Breuberg als Sitz der deutschen Tochtergesellschaften von Pirelli und Andros sowie Erbach/Michelstadt mit Koziol, Rowenta und einem Werk der Robert Bosch GmbH. Daneben spielt der Tourismus eine wichtige Rolle. Die Odenwald-Regional-Gesellschaft ist im Bereich der Wirtschaftsförderung aktiv.

MedienBearbeiten

Die wichtigste Tageszeitung stellt das Odenwälder Echo, dar, eine Regionalausgabe des Darmstädter Echo. Die Echo-Zeitungsgruppe wurde 2015 vom Medienunternehmen VRM übernommen.

GesundheitseinrichtungenBearbeiten

Das Kreiskrankenhaus befindet sich als Teil des Gesundheitszentrums Odenwaldkreis in Erbach. Daneben befindet sich in Bad König mit der Asklepios Schlossberg Klinik ein Akutkrankenhaus für neurologische Frühhabilitation.[33]

BildungseinrichtungenBearbeiten

SchulwesenBearbeiten

Flächendeckend bestehen Grundschulen. Es gibt drei Integrierte Gesamtschulen in Oberzent, Bad König und Erbach und drei kooperative Gesamtschulen in Breuberg, Höchst und Reichelsheim, die beiden Letzten besitzen eine Gymnasiale Oberstufe.[34] In Michelstadt befindet sich ferner eine Haupt- und Realschule, das Gymnasium Michelstadt und das Berufliche Schulzentrum mit Beruflichen Gymnasium. Förderschulen gibt es in Bad König und Erbach (Odenwald).

HochschulstandortBearbeiten

In Zusammenarbeit mit der Hochschule Darmstadt wird seit dem Wintersemester 2020/21 am Beruflichen Schulzentrum in Michelstadt der Bachelorstudiengang "Internationale Betriebswirtschaftslehre" angeboten.[35]

VerkehrBearbeiten

Öffentlicher PersonenverkehrBearbeiten

Das Kreisgebiet gehört zum Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und zum Übergangsgebiet des VRN. Der öffentliche Personennahverkehr wird abseits der Odenwaldbahn überwiegend durch Busse durchgeführt, in Erbach/Michelstadt besteht ferner ein Citybusnetz. In den Sommermonaten verkehren am Wochenende kreisübergreifend zwischen Bergstraße, Maintal und Neckartal Freizeitbusse, wie der NaTourBus.[36] Lokale Nahverkehrsorganisation ist die Odenwald-Regional-Gesellschaft (OREG). Als Betreibergesellschaft fungiert die Odenwälder Verkehrsbetriebe GmbH, ein Zusammenschluss der im Kreisgebiet ansässigen, klein- und mittelständischen Busunternehmen, wie Wiesmüller oder VGG.[37]

Der Odenwaldkreis ist durch die Odenwaldbahn an das Schienennetz angeschlossen. Als Eisenbahnverkehrsunternehmen fungiert dabei Vias, die Betriebswerkstatt befindet sich in Michelstadt. Insgesamt werden elf Halte im Kreisgebiet bedient, die Regionalzüge verkehren dabei umsteigefrei zwischen Darmstadt Hauptbahnhof bzw. Frankfurt (Main) Hauptbahnhof einerseits und, sofern sie nicht bereits in Erbach enden, nach Eberbach anderseits.

Stillgelegte Eisenbahnstrecken sind die Bachgaubahn zwischen Höchst und Aschaffenburg, die Gersprenztalbahn zwischen Reinheim und Reichelsheim und die Schellekattel zwischen den Oberzenter Stadtteilen Beerfelden und Hetzbach.

StraßenverkehrBearbeiten

Der Odenwaldkreis ist der einzige hessische Landkreis ohne Autobahnanschluss.[38] Die Planungen zur Verlängerung der A45 über das Kreisgebiet wurden in den 1970er und ’80er Jahre aufgegeben.

Im Kreisgebiet gibt es folgende Bundesstraßen:

FlugverkehrBearbeiten

In Michelstadt befindet sich auf der Anhöhe der Flugplatz Michelstadt. Im Michelstädter Stadtteil Vielbrunn befindet sich ferner ein Segelflugplatz.

KulturBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

Siehe auch: Liste von Burgen und Schlössern in Hessen

KunstBearbeiten

  • Das Deutsche Elfenbeinmuseum Erbach präsentiert der Öffentlichkeit an diesem bedeutenden europäischen Standort der Elfenbeinschnitzerei eine einzigartig umfangreiche Sammlung von mehr als 2000 Exponaten unterschiedlichster Herkunft und Entstehungszeit.
  • Breuberger Bildhauerinnen, der Kunstverein Breuberg und die Bürgerstiftung laden seit 2002 jedes Jahr Bildhauer zu einem Treffen ein, um Kunstwerke für das Skulpturenfeld auf der Breuberger Aue zu schaffen. 2010 standen 18 Skulpturen auf dem Feld.[39]

GastronomieBearbeiten

Im Odenwaldkreis befinden sich mehrere Brauereien und Keltereien. Überregionale Bedeutung besitzen die Privat-Brauerei Schmucker in Ober-Mossau und die Kelterei Krämer in Beerfurth.

Wie im übrigen Odenwald zählen insbesondere Apfelwein und Kochkäse zu den regionalen Spezialitäten. Besonderheiten sind jährlich saisonale Angebote, wie die Odenwälder Kartoffel-Wochen[40] und die Odenwälder Lamm-Wochen.[41]

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

Als Jahrmärkte sind im Frühjahr und Sommer der Bienenmarkt in Michelstadt, der Pferdemarkt in Oberzent-Beerfelden, der Wiesenmarkt in Erbach (Odenwald) sowie die Weihnachtsmärkte in Michelstadt und Erbach überregional bekannt. Daneben finden auch einige Musikfestivals im Odenwaldkreis statt, wie Sound of the Forest am Marbach-Stausee.

Sagen und MythenBearbeiten

Bekannte Sage ist die der Rodensteiner. Ferner erheben einige Plätze für sich in Anspruch in der Nibelungensage vorzukommen.

Sport und FreizeitmöglichkeitenBearbeiten

Im Kreisgebiet befindet sich ein reges Vereins- und Kulturleben. Im bundesweiten Vergleich sticht die hohe Zahl an Schwimmbäder, die oftmals kleine Freibäder in den einzelnen Gemeinden darstellen, hervor.[42] Auch der Marbach-Stausee und der deutlich kleinere Eutersee befinden sich zur Naherholung im Kreisgebiet.

Durch den Odenwaldklub ist der Odenwaldkreis durch eine Vielzahl an Wanderwegen und Wanderparkplätzen bestens erschlossen. Bei Beerfelden befindet sich ein Skilift zur Ausübung des Wintersports.

Natur und SchutzgebieteBearbeiten

Der Odenwaldkreis gehört zum Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald. Es wurden 12 Naturschutzgebiete ausgewiesen. Außerdem existieren mehrere Natura 2000-Gebiete (FFH-Gebiete und EU-Vogelschutzgebiete), die teilweise kreisübergreifend sind.[43] 69 Naturdenkmale schützen markante Einzelbäume oder Baumgruppen, Felsformationen und Kleinflächen.

Kfz-KennzeichenBearbeiten

Am 1. Juli 1956 wurde dem Vorgänger des Odenwaldkreises, dem Landkreis Erbach, das Unterscheidungszeichen ERB zugewiesen. Dieses wurde auch nach der am 1. August 1972 erfolgten Umbenennung in Odenwaldkreis weiter genutzt und wird durchgängig bis heute ausgegeben.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Odenwaldkreis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Portal: Odenwald – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Odenwald

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Hessisches Statistisches Landesamt: Bevölkerungsstand am 31.12.2019 (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011)  (Hilfe dazu).
  2. Revolution 1848/49. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  3. Schlagzeilen aus Bensheim zum 175-jährigen Bestehen des „Bergsträßer Anzeigers“. Die Entstehung des Kreises Bergstraße. (PDF; 9,0 MB) 2007, S. 109, archiviert vom Original am 5. Oktober 2016; abgerufen am 9. Februar 2015.
  4. Gesetzes zur Neugliederung des Landkreises Erbach (GVBl. II 330–16) vom 11. Juli 1972. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1972 Nr. 17, S. 224, § 9 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,2 MB]).
  5. Grenzänderungsvertrag ist beschlossen. Mitteilung vom 3. Mai 2017
  6. Zensus 2011. Abgerufen am 7. Februar 2021.
  7. Odenwaldkreis Das Katholische Dekanat Erbach wird neu strukturiert: Die Zahl der Gläubigen sinkt
  8. Gemeinden des Dekanats. Abgerufen am 7. Februar 2021.
  9. Gemeinden - Dekanat Vorderer Odenwald. Abgerufen am 7. Februar 2021.
  10. im-dekanat-erbach | Pfarreien Bistum Mainz. Abgerufen am 8. Februar 2021.
  11. Zensus 2011. Abgerufen am 7. Februar 2021.
  12. Bevölkerung in Hessen 2060. Abgerufen am 7. Februar 2021.
  13. Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1974
  14. Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1976
  15. Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1981
  16. Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1986
  17. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Odenwaldkreis. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  18. a b c GenWiki: Odenwaldkreis
  19. Bevölkerung in den Verwaltungsbezirken am 30.09.2010 und Bevölkerungsvorgänge im 3. Vierteljahr 2010. Hessisches Statistisches Landesamt, archiviert vom Original am 10. Mai 2011; abgerufen am 31. Mai 2019.
  20. Bevölkerung in den Verwaltungsbezirken am 30.06.2015 und Bevölkerungsveränderung im 2. Quartal 2015. Hessisches Statistisches Landesamt, archiviert vom Original am 24. März 2016; abgerufen am 31. Mai 2019.
  21. Hessisches Statistisches Landesamt: Bevölkerungsstand am 31.12.2019 (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011)  (Hilfe dazu).
  22. hessenschau de, Frankfurt Germany: Odenwaldkreis vor der Kommunalwahl: Im Süden viel Streit über Windkraft. 15. Februar 2021, abgerufen am 4. März 2021 (deutsch).
  23. Manfred Giebenhain: SPD und CDU schließen Koalitionsvertrag | Foto: Manfred Giebenhain. 19. April 2016, abgerufen am 6. Februar 2021.
  24. Kreistagswahl - Kommunalwahlen 2021 im Odenwaldkreis - Gesamtergebnis. Abgerufen am 18. März 2021.
  25. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnisse der Kreiswahlen von 2016 und 2011
  26. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnisse der Kreiswahlen von 2011 und 2006
  27. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnisse der Kreiswahlen von 2006 und 2001
  28. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnisse der Kreiswahlen von 2001 und 1997
  29. Ergebnisse der Landratswahl 2015
  30. Landratswahl 2021. Abgerufen am 6. Februar 2021.
  31. Landkreise. Abgerufen am 15. März 2021.
  32. Bruttoinlandsprodukt und Bruttowertschöpfung in Hessen 2008-2015. Abgerufen am 7. Februar 2021.
  33. Asklepios Schlossberg Klinik Bad König - Asklepios Schlossberg Klinik Bad König. Abgerufen am 7. Februar 2021.
  34. Gesamtschulen. Abgerufen am 7. Februar 2021.
  35. Jetzt neu: Studieren im Odenwald – Internationale BWL / Darmstadt Business School. Abgerufen am 7. Februar 2021.
  36. NaTourBus. Abgerufen am 8. Februar 2021 (englisch).
  37. Detailseite. Abgerufen am 4. März 2021 (englisch).
  38. Echo Zeitungen GmbH: Odenwald verlangt mehr Verkehrswege - Echo Online. 29. August 2018, abgerufen am 8. Februar 2021.
  39. Breuberg-Neustadt Skulpturenpark auf der Aue
  40. Odenwälder Kartoffelwochen: Odenwälder Kartoffelwochen. Abgerufen am 8. Februar 2021.
  41. Odenwälder Lammwochen: Lammwochen. Abgerufen am 8. Februar 2021.
  42. Deutschland Studie. Abgerufen am 7. Februar 2021.
  43. Karte der Schutzgebiete im Odenwaldkreis. natureg.hessen.de, abgerufen am 9. Juli 2020.