Amtsgericht Michelstadt

BW

Das Amtsgericht Michelstadt (bis 1879 Landgericht Michelstadt) ist ein seit 1822 bestehendes Gericht der ordentlichen Gerichtsbarkeit mit Sitz in Michelstadt im Odenwaldkreis.

Gerichtssitz und -bezirkBearbeiten

 
Lage des Amtsgerichtsbezirks Michelstadt in Hessen

Der Sitz des Gerichtes ist in Michelstadt in der Erbacher Straße 47. Der Gerichtsbezirk des Amtsgerichts Michelstadt umfasst die Städte und Gemeinden Bad König, Brensbach, Breuberg, Brombachtal, Erbach, Fränkisch-Crumbach, Höchst, Lützelbach, Michelstadt, Mossautal, Oberzent und Reichelsheim (jeweils inklusive aller Stadt- und Ortsteile). Damit ist das AG Michelstadt für den kompletten Odenwaldkreis zuständig.[1]

GeschichteBearbeiten

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Starkenburg wurde das „Hofgericht Darmstadt“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtum Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übergingen. „Landgericht Michelstadt“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Michelstadt, das heutige Amtsgericht. In den standesherrlichen Gebieten der Provinz Starkenburg bestanden weiterhin die Justizkanzlei in Michelstadt für Gerichtsfälle zweiter Instanz, die dem Hofgericht nachgeordnet war (1824 vom Hofgericht abgelöst).[2]

Das Deutsche Gerichtsverfassungsgesetz von 1879 führte zu einer einheitlichen Gerichtsorganisation im ganzen Reich. Das „Hofgericht Darmstadt“ wurde nun als „Landgericht Darmstadt“ zur übergeordneten Zweiten Instanz in der Provinz, während die Gerichte erster Instanz in Amtsgericht umbenannt wurden.

LandgerichtBearbeiten

Aufgrund der vom Großherzoglich Hessischen Ministerium des Innern und der Justiz 1822 verfügten Trennung von Justiz und Verwaltung in den zur Grafschaft Erbach-Erbach und Grafschaft Erbach-Fürstenau zählenden Gebieten Starkenburgs kam es zur Bildung des Landgerichts Michelstadt,[3] dessen Sprengel zu Beginn folgende Bestandteile aufwies:

Im Zuge der am 1. Juni 1853[4] in Kraft getretene Neuordnung der Gerichtsbezirke in der Provinz Starkenburg kam es zu umfangreichen Änderungen bezüglich des Michelstädter Landgerichtsbezirks, während einerseits die Eberbach, Erzbach, Frohnhofen, Groß-Gumpen, Klein-Gumpen, Laudenau, Ober-Ostern, Reichelsheim, Rohrbach, Unter-Ostern und Winterkasten an den Landgerichtsbezirk Fürth abgegeben werden mussten, konnten andererseits Unter-Mossau aus dem Landgerichtsbezirk Beerfelden sowie Kimbach, Langenbrombach (Breuberger Seits) und Vielbrunn aus dem Landgerichtsbezirk Höchst zugelegt werden.[5] Am 15. Oktober desselben Jahres ging auch noch die Gemeinde Bockenrod an den Bezirk des Landgerichts Fürth.[6]

AmtsgerichtBearbeiten

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolgedessen die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in Amtsgericht Michelstadt, Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Darmstadt und Abgabe der Gemeinde Nieder-Kainsbach an das Amtsgericht Reinheim. Infolge all dieser Änderungen bestand der Bezirk des Michelstädter Gerichts nun aus Asselbrunn, Bullau, Dorf-Erbach, Ebersberg, Erbach, Elsbach, Erbuch, Erlenbach, Ernsbach, Eulbach, Günterfürst, Haisterbach, Kimbach, Kirch-Beerfurth, Langen-Brombach (Breuberger Seits), Langen-Brombach (Fürstenauer Seits), Lauerbach, Michelstadt, Momart, Ober-Gersprenz, Ober-Kainsbach, Ober-Mossau, Rehbach, Roßbach, Schönnen, Steinbach, Steinbuch, Stockheim, Unter-Gersprenz, Unter-Mossau, Vielbrunn, Weiten-Gesäß, Würzberg und Zell.[7]

Mit Wirkung vom 1. April 1904 wurden die Gemarkungen Kirch-Beerfurth, Ober-Kainsbach, Ober- und Unter-Gersprenz vom Amtsgerichtsbezirk Michelstadt abgetrennt und gehörten von nun an zum Bezirk des gleichzeitig errichteten Amtsgerichts Reichelsheim.[8]

Am 1. Juli 1968 wurden

dem Amtsgericht Michelstadt zugelegt.[9]

Zu den letzten größeren Änderungen des Amtsgerichtsbezirks Michelstadt kam es infolge der Gebietsreform in Hessen. Am 25. September 1971[10] wurde der nach Reichelsheim eingemeindete Ortsteil Laudenau vom Amtsgericht Fürth zugelegt und mit Wirkung zum 1. Juli 1973[11] die Gemeinden Brensbach mit dem eingemeindeten Ortsteil Wersau und Fränkisch-Crumbach vom Amtsgericht Dieburg.

Übergeordnete GerichteBearbeiten

Dem Amtsgericht Michelstadt übergeordnet ist das Landgericht Darmstadt. Im weiteren Instanzenzug sind das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof übergeordnet.

Richter am Land-/Amtsgericht MichelstadtBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Örtliche Zuständigkeit. In: Ordentliche Gerichtsbarkeit Hessen. 8. November 2017, abgerufen am 3. Oktober 2019.
  2. Reg.-Bl. 1824 S. 24
  3. Die Bildung des Landraths-Bezirks Erbach und der Landgerichts-Bezirke Michelstadt und Beerfelden betreffend vom 21. Mai 1822 (Hess. Reg.Bl. S. 199–200)
  4. Bekanntmachung, 1. die Errichtung neuer Landgerichte zu Darmstadt und Waldmichelbach, 2. die künftige Zusammensetzung der Stadt- und Landgerichtsbezirke in der Provinz Starkenburg betr. vom 20. Mai 1853 (Hess. Reg.Bl. S. 377)
  5. Bekanntmachung vom 15. April 1853, betreffend:
    1) die Aufhebung der Landgerichte Großkarben und Rödelheim, und die Errichtung neuer Landgerichte zu Darmstadt, Waldmichelbach, Vilbel und Altenstadt, ferner die Verlegung des Landgerichtssitzes von Altenschlirf nach Herbstein;
    2) die künftige Zusammensetzung der Stadt- und Landgerichts-Bezirke in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen. (Hess. Reg.Bl. S. 221–230)
  6. Bekanntmachung, die Zusammensetzung der Stadt- und Landgerichts-Bezirke in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen betreffend vom 1. Oktober 1853 (Hess. Reg.Bl. S. 640)
  7. Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzog von Hessen und bei Rhein (Hrsg.): Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 17,8 MB]).
  8. Bekanntmachung, die Errichtung eines Amtsgerichts in Reichelsheim i. O. betreffend vom 1. März 1904. In: Großherzogliches Ministeriums der Justiz (Hrsg.): Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1904 Nr. 6, S. 84 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 28,1 MB]).
  9. Zweites Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes (Ändert GVBl. II 210–16) vom 12. Februar 1968. In: Der Hessische Minister der Justiz (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1968 Nr. 4, S. 41–44, Artikel 2, Abs. 1 d) (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 298 kB]).
  10. Siebzehnte Verordnung zur Berichtigung der Anlage zum Gerichtsorganisationsgesetz (Ändert GVBl. II 210–16) vom 10. September 1971. In: Der Hessische Minister der Justiz (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1971 Nr. 26, S. 247–248, § 1 Abs. 5 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 427 kB]).
  11. Fünftes Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes vom 12. Juni 1973. In: Der Hessische Minister der Justiz (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1973 Nr. 15, S. 199–201, Artikel 1, Punkte 1 und 2 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 385 kB]).
  12. Zentgraf, Johann Christian in der Hessischen Biografie
  13. Amtswechsel am Amtsgericht Michelstadt. Echo online vom 1. September 2009.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Koordinaten: 49° 40′ 21,1″ N, 9° 0′ 11,6″ O