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Gerichtsgebäude

Das Amtsgericht Fürth ist ein Gericht der ordentlichen Gerichtsbarkeit in Fürth im Landkreis Bergstraße des Landes Hessen. Es ging 1879 aus dem großherzoglich hessischen Landgericht Fürth hervor.

Inhaltsverzeichnis

Gerichtssitz und -bezirkBearbeiten

 
Lage des Amtsgerichtsbezirkes Fürth in Hessen

Der Sitz des Gerichtes ist in Fürth (Odenwald) in der Heppenheimer Straße 15. Der Gerichtsbezirk des Amtsgerichts Fürth umfasst die Städte und Gemeinden Abtsteinach, Birkenau, Fürth, Grasellenbach, Gorxheimertal, Lindenfels, Mörlenbach, Rimbach, Wald-Michelbach, Hirschhorn und Neckarsteinach (jeweils inklusive aller Stadt- und Ortsteile). Alle liegen im Landkreis Bergstraße.

GeschichteBearbeiten

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Starkenburg wurde das „Hofgericht Darmstadt“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übergingen. „Landgericht Fürth“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Fürth, das heutige Amtsgericht. In den standesherrlichen Gebieten der Provinz Starkenburg bestanden weiterhin die Justizkanzlei in Michelstadt für Gerichtsfälle zweiter Instanz, die dem Hofgericht nachgeordnet war. Das Deutsche Gerichtsverfassungsgesetz von 1879 führte zu einer einheitlichen Gerichtsorganisation im ganzen Reich. Das „Hofgericht Darmstadt“ wurde nun als „Landgericht Darmstadt“ zur übergeordneten Zweiten Instanz in der Provinz, während die Gerichte erster Instanz in Amtsgericht umbenannt wurden.

Landgericht FürthBearbeiten

Mit der Trennung von Verwaltung und Justiz durch die Großherzoglich Hessische Verordnung vom 14. Juli 1821[1] kam es zur Bildung des Landgerichts Fürth, dessen Bezirk zunächst deckungsgleich mit dem Landratsbezirk Lindenfels war und demnach folgende Bestandteile aufwies:

Mit Wirkung zum 1. August 1826 wurden auch die Funktionen des aufgelösten Landgerichts Schönberg dem Landgericht Fürth übertragen und der Landgerichtsbezirk um die Orte Schönberg, Elmshausen, Gadernheim, Gronau, Hohenstein, Lautern, Raidelbach, Reichenbach, Rimbach, Wilmshausen Zell und Zotzenbach erweitert.[2] Diese Orte wurden aber wieder – mit Ausnahme von Rim- und Zotzenbach – am 16. Dezember 1839 an das Landgericht Zwingenberg abgetreten.[3] Am 1. April 1840 erfolgte die Angliederung von Ober-Hambach, Unter-Hambach, Kirschhausen, Erbach, Sonderbach, Wald-Erlenbach und Ober-Laudenbach an das Landgericht Lorsch.[4]

Anlässlich der am 1. Juni 1853[5] vollzogenen Neuordnung der Gerichtsbezirke in der Provinz Starkenburg wurden Wald-Michelbach, Affolterbach, Aschbach, Dürr-Ellenbach, Flockenbach, Gadern, Gorxheim, Grasellenbach, Hartenrod, Kocherbach, Kreidach, Kunzenbach, Löhrbach, Mackenheim, Ober-Abtsteinach, Ober-Mumbach, Ober-Scharbach, Ober-Schönmattenwag, Siedelsbrunn, Trösel, Unter-Abtsteinach, Unter-Scharbach, Vöckelsbach und Wahlen abgetrennt und bildeten fortan den Landgerichtsbezirk Waldmichelbach, gleichzeitig wurden dem Sprengel des Fürther Landgerichts vom Bezirk des Landgerichts Michelstadt die Orte Eberbach, Erzbach, Frohnhofen, Groß-Gumpen, Klein-Gumpen, Laudenau, Ober-Klein-Gumpen, Ober-Ostern, Reichelsheim, Rohrbach, Unter-Ostern und Winterkasten zugeschlagen.[6] Am 15. Oktober desselben Jahres kam aus dem Sprengel des Landgerichts Michelstadt noch die Gemeinde Bockenrod dazu.[7] Infolge all dieser Änderungen bestand der Bezirk des Fürther Gerichts nun aus Fürth, Albersbach, Birkenau, Bockenrod, Bonsweiher, Breitenwiesen, Brombach, Eberbach, Ellenbach, Erlenbach, Erzbach, Eulsbach, Fahrenbach, Frohnhofen, Glattbach, Groß-Gumpen, Hammelbach, Hiltersklingen, Hornbach, Igelsbach, Kallstadt, Klein-Gumpen, Knoden, Kolmbach, Kröckelbach, Krumbach, Laudenau, Lauten-Weschnitz, Lindenfels, Linnenbach, Litzelbach, Lörzenbach, Mitlechtern, Mittershausen, Mörlenbach, Nieder-Liebersbach, Ober-Klein-Gumpen, Ober-Liebersbach, Ober-Ostern, Pfaffen-Beerfurth, Reisen, Reichelsheim, Rimbach, Rohrbach, Rohrbach (bei Birkenau), Schannenbach, Scheuerberg, Schlierbach, Seidenbach, Seidenbuch, Steinbach, Unter-Ostern, Weiher, Weschnitz und Winkel.

Amtsgericht FürthBearbeiten

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolgedessen die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in Amtsgericht Fürth und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Darmstadt.[8]

Mit Wirkung vom 1. April 1904 wurden die Gemarkungen Bockenrod, Eberbach, Erzbach, Frohnhofen, Groß-Gumpen, Klein-Gumpen, Laudenau, Ober-Klein-Gumpen, Ober-Ostern, Pfaffen-Beerfurth, Reichelsheim, Rohrbach, Unter-Ostern und Winterkasten vom Amtsgerichtsbezirk Fürth abgetrennt und bildeten den Grundstock des zur gleichen Zeit errichteten Amtsgerichtsbezirks Reichelsheim.[9]

Zum 1. Juli 1968 vergrößerte sich der Sprengel des Fürther Amtsgerichts um den gesamten Amtsgerichtsbezirk Wald-Michelbach mit den Gemeinden Affolterbach, Aschbach, Gadern, Gorxheim, Grasellenbach, Hartenrod, Kocherbach, Kreidach, Löhrbach, Mackenheim, Ober-Abtsteinach, Ober-Mumbach, Ober-Schönmattenwag, Scharbach, Siedelsbrunn, Trösel, Unter-Abtsteinach, Unter-Flockenbach, Unter-Schönmattenwag, Vöckelsbach, Wahlen und Wald-Michelbach, den Gemeinden Laudenau und Winterkasten aus dem Amtsgerichtsbezirk Reichelsheim sowie Darsberg, Grein, Hirschhorn, Langenthal, Neckarhausen und Neckarsteinach aus dem Amtsgerichtsbezirk Hirschhorn, Ober- und Unter-Hiltersklingen musste dagegen an den Amtsgerichtsbezirk Michelstadt abgegeben werden.[10] Die Gemeinden Darsberg, Grein, Hirschhorn, Langenthal, Neckarhausen, Neckarsteinach Ober- und Unter-Schönmattenwag bildeten von da ab den Bezirk der Zweigstelle Hirschhorn des Amtsgerichts Fürth,[11][12]

Zu den letzten größeren Änderungen des Amtsgerichtsbezirks Fürth kam es infolge der Gebietsreform in Hessen. Am 25. September 1971 wurden der nach Heppenheim eingemeindete Ortsteil Mittershausen dem Amtsgericht Bensheim sowie der nach Reichelsheim eingemeindete Ortsteil Laudenau dem Amtsgericht Michelstadt zugelegt[13] und zum 14. Oktober 1972 wurden schließlich auch die nach Lautertal eingemeindeten Ortsteile Knoden und Schannenbach dem Amtsgericht Bensheim zugewiesen.[14]

Übergeordnete GerichteBearbeiten

Dem AG Fürth übergeordnet ist das Landgericht Darmstadt. Im weiteren Instanzenzug sind das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof übergeordnet.

RichterBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Die Eintheilung des Landes in Landraths- und Landgerichtsbezirke betreffend vom 14. Juli 1821 (Hess. Reg.Bl. S. 406–407)
  2. Bekanntmachung, die Verwaltung der landräthlichen Geschäfte und der Justiz erster Instanz in dem vormaligen Amte Schönberg betr. vom 7. Juli 1826 (Hess. Reg.Bl. S. 178)
  3. Bekanntmachung, die Trennung der Orte des ehemaligen Amtes Schönberg, mit Ausnahme des Kirchspiels Rimbach, von dem Landgerichte Fürth und deren Zutheilung zu dem Landgerichte Zwingenberg betreffend vom 16. November 1839 (Hess. Reg.Bl. S. 377)
  4. Bekanntmachung, Bezirksveränderungen hinsichtlich der Landgerichtsbezirke Fürth und Lorsch, sowie der Physicatsbezirke Fürth, Heppenheim und Waldmichelbach betr. vom 9. Februar 1840 (Hess. Reg.Bl. S. 56)
  5. Bekanntmachung, 1. die Errichtung neuer Landgerichte zu Darmstadt und Waldmichelbach, 2. die künftige Zusammensetzung der Stadt- und Landgerichtsbezirke in der Provinz Starkenburg betr. vom 20. Mai 1853 (Hess. Reg.Bl. S. 377)
  6. Bekanntmachung vom 15. April 1853, betreffend:
    1) die Aufhebung der Landgerichte Großkarben und Rödelheim, und die Errichtung neuer Landgerichte zu Darmstadt, Waldmichelbach, Vilbel und Altenstadt, ferner die Verlegung des Landgerichtssitzes von Altenschlirf nach Herbstein;
    2) die künftige Zusammensetzung der Stadt- und Landgerichts-Bezirke in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen. (Hess. Reg.Bl. S. 221–230)
  7. Bekanntmachung, die Zusammensetzung der Stadt- und Landgerichts-Bezirke in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen betreffend vom 1. Oktober 1853 (Hess. Reg.Bl. S. 640)
  8. Großherzog von Hessen und bei Rhein: Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 17,8 MB]).
  9. Großherzogliches Ministerium der Justiz: Bekanntmachung, die Errichtung eines Amtsgerichts in Reichelsheim i. O. betreffend vom 1. März 1904. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1904 Nr. 6, S. 84 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 2,9 MB]).
  10. Der Hessische Minister der Justiz: Zweites Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes (Ändert GVBl. II 210–16) vom 12. Februar 1968. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1968 Nr. 4, S. 41–44 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 298 kB]).
  11. Der Hessische Minister Justiz: Betrifft: Gerichtsorganisation (Errichtung von Zweigstellen der Amtsgerichte) vom 1. Juli 1964. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1968 Nr. 28, S. 1037, Punkt 777: § 1 Abs. 1.b) (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 2,8 MB]).
  12. Der Hessische Minister der Justiz: Dritte Verordnung zur Anpassung gerichtsorganisatorischer Regelungen (Ändert GVBl. II 210–33; GVBl. II 210–86) vom 10. Oktober 2003. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 2003 Nr. 16, S. 291, Artikel 1, Abs. 3 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 531 kB]). bezieht sich auf Anordnung über die Errichtung und Zuständigkeit von gerichtliche Zweigstellen (Ändert GVBl. II 210-33) vom 24. Mai 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 18, S. 539 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,6 MB]).
  13. Der Hessische Minister der Justiz: Siebzehnte Verordnung zur Berichtigung der Anlage zum Gerichtsorganisationsgesetz (Ändert GVBl. II 210–16) vom 10. September 1971. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1971 Nr. 26, S. 247–248, § 1 Abs. 3 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 427 kB]).
  14. Der Hessische Minister der Justiz: Zwanzigste Verordnung zur Berichtigung der Anlage zum Gerichtsorganisationsgesetz (Ändert GVBl. II 210-16) vom 28. September 1972. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1972 Nr. 25, S. 337–339, § 1 Abs. 2 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 419 kB]).

WeblinksBearbeiten

Koordinaten: 49° 38′ 58″ N, 8° 46′ 46″ O