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Hirschhorn (Neckar)

hessische Stadt im Kreis Bergstraße
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Hirschhorn (Neckar)
Hirschhorn (Neckar)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Hirschhorn (Neckar) hervorgehoben
Koordinaten: 49° 27′ N, 8° 54′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Kreis: Bergstraße
Höhe: 126 m ü. NHN
Fläche: 30,86 km2
Einwohner: 3460 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 112 Einwohner je km2
Postleitzahlen: 69434,
64757 (Unter-Hainbrunn),
69412 (Igelsbach)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahlen: 06272, 06271, 06275
Kfz-Kennzeichen: HP
Gemeindeschlüssel: 06 4 31 012
Stadtgliederung: 5 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Hauptstraße 17
69434 Hirschhorn (Neckar)
Website: www.hirschhorn.de
Bürgermeister: Oliver Berthold (Parteilos)
Lage der Stadt Hirschhorn (Neckar) im Kreis Bergstraße
Groß-RohrheimZwingenberg (Bergstraße)BiblisViernheimLampertheimBürstadtEinhausen (Hessen)LorschBensheimLautertal (Odenwald)LindenfelsHeppenheim (Bergstraße)Heppenheim (Bergstraße)Fürth (Odenwald)GrasellenbachRimbach (Odenwald)MörlenbachWald-MichelbachBirkenau (Odenwald)AbtsteinachGorxheimertalHirschhorn (Neckar)NeckarsteinachMichelbuch (gemeindefreies Gebiet)Rheinland-PfalzBaden-WürttembergKreis Groß-GerauLandkreis Darmstadt-DieburgOdenwaldkreisKarte
Über dieses Bild
Blick auf den historischen Ortskern mit Burg Hirschhorn vom östlichen Neckarufer.

Hirschhorn (Neckar) ist eine Kleinstadt im südhessischen Kreis Bergstraße. Sie liegt im hessischen Odenwald und bildet zusammen mit dem südwestlich benachbarten Neckarsteinach im Neckartal den südlichsten Teil Hessens. Hirschhorn ist anerkannter Erholungs- und Luftkurort[2] und ist Teil des Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald.

GeografieBearbeiten

LageBearbeiten

Hirschhorn liegt ungefähr 15 km ostnordöstlich von Heidelberg (Entfernung auf der Straße ca. 22 km) im Odenwald-Neckartal. Der Fluss hat sich hier in einer Doppelschleife tief in die bewaldeten Höhen des Buntsandstein-Odenwaldes eingegraben. Der Feuerberg (341,1 m ü. NN), der sich zwischen Hirschhorn und Igelsbach über dem Neckartal erhebt, ist der Beginn eines Höhenzuges, der von hier unter dem Namen Hirschhorner Höhe 13 Kilometer weit nach Norden über den Steinernen Tisch (390 m ü. NN) und den Langen Wald (474 m ü. NN) nach Rothenberg (420 m ü. NN) und zur Main-Neckar-Wasserscheide bei Beerfelden führt. Den Stadtteil Ersheim ausgenommen, der südlich des Neckars auf dem flach auslaufenden Sporn seiner Nordschleife steht, liegt Hirschhorn nördlich des Flusses; Ersheim ist auch der einzige Teil Hessens, der südlich des Neckars liegt. In Hirschhorn mündet der sehr kurze Laxbach in ihn, der erst im Ortsbereich aus dem Zusammenfluss der langgestreckten Odenwaldbäche Ulfenbach und Finkenbach entsteht, die sein Einzugsgebiet über 20 km weiter nördlich beginnen lassen.

NachbargemeindenBearbeiten

Hirschhorn grenzt im Norden an die Gemeinde Heddesbach und die Stadt Eberbach (Stadtteil Brombach) (beide Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg) und die Stadt Oberzent (Odenwaldkreis), im Osten an die Kernstadt Eberbach, im Süden an die Gemeinde Schönbrunn (Rhein-Neckar-Kreis) und die Stadt Neckarsteinach sowie im Westen an das gemeindefreie Gebiet Michelbuch und die Städte Neckarsteinach und Schönau (Rhein-Neckar-Kreis).

StadtgliederungBearbeiten

Hirschhorn besteht aus folgenden Stadtteilen:

  • Hirschhorn
  • Ersheim, gelegen auf der Landspitze in der Neckarschleife am südlichen Ufer
  • Igelsbach, genauer: die südwestliche Hälfte der Ortschaft, das „Hessische Igelsbach“ die nordöstliche Hälfte gehört zu Eberbach
  • Langenthal im Ulfenbachtal
  • Unter-Hainbrunn im Norden des Stadtgebietes an der Grenze zu Ober-Hainbrunn (Stadt Oberzent).

GeschichteBearbeiten

Ersheim als Ursprung der SiedlungBearbeiten

Älteste Funde belegen, dass die Gegend um die Hirschhorner Neckarschleife bereits vor 6.000 Jahren von Menschen bewohnt war. Die erste Erwähnung des auf der von der Neckarschleife umflossenen Landzunge liegenden Ortsteils Ersheim erfolgte im Lorscher Codex mit einer auf 773 datierten Stiftung (Lorscher Urkunden, Nr. 2624). Die Siedlung, die 1023 als Erasam zum Zubehör eines Lorscher Tochterklosters, des Michaelsklosters auf dem Heiligenberg bei Heidelberg gehörte, zählt zu den ältesten Siedlungen im Neckartal. Während das Umland im 11. Jahrhundert fast vollständig in den Besitz des Bistums Worms kam, blieb Ersheim zusammen mit dem nördlich davon gelegenen Dorf Ramsau eine Lorscher Exklave. Von hier aus erfolgte ab dem 12. Jahrhundert die Gründung mehrerer Rodungssiedlungen, darunter die später größtenteils wieder aufgegebenen Orte Weidenau, Unter-Hainbrunn, Igelsbach und Krautlach.

 
Grabplatte von Hans V. von Hirschhorn, Ortsherr um 1400

Stadtgründung durch die Herren von HirschhornBearbeiten

Hirschhorn, das als heutiger Hauptort auf der anderen Neckarseite südwestlich von Ersheim liegt, hat seinen Namen vom Wappensymbol der Herren von Hirschhorn, die hier auf ursprünglich Lorscher Lehensgrund um 1200 die Burg Hirschhorn errichteten. Die Oberlehensherrschaft ging nach Auflösung der Reichsabtei Lorsch 1232 an das Erzstift Mainz. Der von 1336 bis 1361 nachgewiesene Engelhard I. von Hirschhorn erlangte durch Pfandschaften und Reichslehen Einfluss und große Besitztümer. Sein Sohn Engelhard II. führte diverse Fehden und fiel unter die Reichsacht, doch konnten seine Söhne den Familienbesitz wieder mehren. 1391 wurde Hirschhorn (Hirtzhorn) mit einer Stadtmauer umgeben und erhielt von König Wenzel das Stadtrecht, zu Händen der Brüder Hans V. und Albrecht und Eberhard von Hirschhorn. Nach der Wahl des Pfalzgrafen Ruprecht III. zum König wurde Hans V. von Hirschhorn ab 1400 mit Reichsaufgaben betraut. Der König stiftete 1404 das Recht, einen Wochenmarkt abzuhalten. Das älteste Stadtsiegel datiert vom 25. Juli 1406; um diese Zeit erfolgte durch die Ortsherren auch die Stiftung des Karmeliterklosters mit der Karmeliter-Klosterkirche Mariä Verkündigung unterhalb der Burg. 1413 wird mit der Vorstadt bereits eine erste Erweiterung der Stadt erwähnt. 1417 erhielt die Stadt von König Sigismund das Recht auf zwei Jahrmärkte. Die Bürger der zugehörigen Dörfer suchten den Schutz der befestigten Stadt; darum wurden Ersheim, Ramsau, Krautlach und Weidenau bald nach der Stadtgründung aufgegeben. In Ersheim war die 1553 errichtete Ziegelhütte über Jahrhunderte neben der dortigen Kirche noch das einzige Anwesen.

Zwischen 1522 und 1529 traten die Ritter von Hirschhorn zum evangelischen Glauben über. Nach Streitigkeiten mit dem Karmeliterkloster wurde dieses 1543 aufgehoben. 1556 vernichtete ein verheerender Stadtbrand besonders das so genannte Hinterstädtchen fast völlig, und 1565 riss Hochwasser mit Eisgang Teile der Stadtmauer nieder.

Niedergang im Dreißigjährigen KriegBearbeiten

Während sich der Bauernkrieg nicht auf die Stadt auswirkte, erfuhr Hirschhorn durch den Dreißigjährigen Krieg große Veränderungen. Nach dem Aussterben der Herren von Hirschhorn mit dem Tode des vor den Kriegswirren nach Heilbronn geflüchteten Friedrich III. im September 1632 fielen Burg und Ort an das Kurerzstift Mainz, das die Stadt nach Ende der schwedischen Besatzung 1636 an den Kurkölner Hofbeamten Rudolf Raitz von Frentz verpfändete, der die ohnehin durch den Krieg schwer in Mitleidenschaft gezogene Bevölkerung rücksichtslos ausbeutete und verarmen ließ. Auch die Karmeliten zogen wieder in das Kloster ein. 1635 führte eine Pestepidemie zu weiterem Bevölkerungsrückgang. Der nahezu entvölkerte Ort wurde nach dem Westfälischen Frieden 1648 mit Neubürgern aus der Pfalz, Kurmainz, Kurtrier, Lothringen, Tirol und der Schweiz aufgesiedelt. Ab 1676 war Hirschhorn an den westfälischen Freiherrn Johann Wilhelm von der Reck verpfändet.

Ab dem Jahr 1700 übte Kurmainz seine Herrschaft selbst aus und der Ort wurde Sitz der Amtskellerei Hirschhorn.

 
Hirschhorn 1810
 
Hirschhorn 1848
 
Hirschhorn 1896
 
Die Steinerne Brücke in Hirschhorn um 1900. Im Hintergrund die Burg Hirschhorn

Übergang zu Hessen 1803Bearbeiten

Mit dem „Reichsdeputationshauptschluss“ vom 25. Februar 1803 wurden die territorialen Verhältnisse im Alten Reich neu geregelt. Anlass waren die Eroberungen Napoleons, der die französische Staatsgrenze bis an den Rhein ausgedehnt hatte. Dieses letzte Gesetzeswerk des Alten Reiches setzte Bestimmungen des Friedens zu Lunéville um, nach denen das Amt Hirschhorn zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt kam. Während der Napoleonischen Kriege entsteht auf Druck Napoleons 1806 das Großherzogtum Hessen, in dem die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt aufging.

Konrad Dahl berichtete 1812 in seiner Historisch-topographisch-statistische Beschreibung des Fürstenthums Lorsch, oder Kirchengeschichte des Oberrheingaues über Hirschhorn:

»Die Stadt Hirschhorn liegt am Neckar zwischen Neckarsteinach und Eberbach, von welchen beiden selche anderthalb Stunde, von Heidelberg aber 4 St. stromaufwärts entfernt ist. Ihre Lage ist sehr angenehm und hat man, besonders auf dem Schloßberge eine schöne Aussicht in den gegenüber liegenden Craich- und Essenzqau. Die Zeit ihrer Erbauung ist um so weniger zu bestimmen, da man die Entstehung des Schlosses Hirschhorn nicht angeben kann, welches doch weit alter ist und dem Dorfe (der nachherigen Stadt) Hirschhorn seine Entstehung und seinen Namen gegeben hat. Dieser Ort muß aber doch schon im 14ten Jahrhundert beträchtlich gewesen sein, weil ihm König Wenzel im Jahr 1391 Stadtprivilegien ertheilt und denselben mit Mauern und Thürmen zu umgeben erlaubt hat. Der Römische König Ruprecht gab auch dieser neuen Stadt im Jahr 1404 das Privilegium eines Wochenmarktes, welches zur Aufnahme der Stadt sehr vieles beitrug. Welche Recht die Herrn von Hirschhorn in dieser Stadt hatten solches lehrt die Urkunde … . Von dem Burgfrieden des Schlosses Hirschhorn welchen die Brüder Hans, Albrechr und Eberhard von Hirschhorn im Jahr 1393 errichtet und, nach Albrechts Tod, die beiden übrigen Bnrüder im Jahr 1411 beftättiget haben, sind die Grenzen in einem desfallsigen Vertrage (im Kopialbuche) bestimmt angegeben. Auf diesem Schlosse, das auf einem hohen Berge hinter der Stadt Hirschhorn liegt, war eine Kapelle, welche im Jahr 1345 schon gestiftet und ein Altarbenefizium dabei errichtet war. Im Jahr 1406 stifteten und erbaueten der Ritter Johann von Hirschhorn und Jland seine Gemalin das Karmeliterkloster zu Hirschhorn und übergaben demselben im nämlichen Jahre die Kapelle auf dem Schlosse daselbst mit allen ihren Rechten und Einkünften. Ferner bekömmt dieses Kloster im nämlichen Jahre von Friederich Graf zu Leiningen die Pastorei und den Kirchensatz zu Haßloch und im Jahr 1410 den Kirchensatz und Zehenden zu Töpingen von Hans von Hirschhorn. Selbiges erhielt in der Folge noch mehrere beträchtliche Güther, Renten und Gefälle. Bei der im 16ten Jahrhundert im Amte Hirschhorn eingeführten Reformation wurde aber das Kloster von Ludwig von Hirschhorn aufgehoben und die Güther, Renthen und Gefälle desselben eingezogen. Die Karmeliter klagten dagegen 1597, kamen aber erst ums Jahr 1635 oder 36 wieder zum ruhige Besitze ihres Klosters. Zur Schadloshaltung für erlittene Drangsale erhielten dieselbe von dem Erzbischoffe Anselm Kasimir die Pfarrei Erschheim im Jahr 1636, welche hierauf in die Klosterkirche zu Hirschhorn verlegt wurde. Was die Pfarrei zu Hirschhorn betrifft, so ist solche wie wir eben gehört haben nicht alt, sondern es gehörte die Stadt Hirschhorn bis zum Jahr 1636 zur Pfarrei Erschheim oder Elsheim, einem alten nun mehr ausgegangenen Dorfe, gerade gegen der Stadt Hirschhorn über auf der linken Seite des Neckars. Die erste Nachricht von dieser Pfarrei findet sich in einer Urkunde vom Jahr 1345, durch welche der Pabst der Kirche in Herßheim einen Ablaß ertheilt. In dem BestättigungSbriefe der Stiftung der Kaplanei auf dem Schlosse Hirschhorn vom Bischoffe Salmann von Worms (1346) wird bestimmt daß besagter Kaplan dem Pfarrer zu Erßhein auf keine Weis Eintrag thun und sich mit den Opfergaben begnügen solle. Besagter Bischof von Worms erheilt auch im Jahr 1555 dem Engelhard von Hirschhorn die Erlaubnis, die Pfarrkirche zu Erßheim zu erweitern zu verschönern und um darin drei Altarbenefizien stiften zu können, die Pfarrkirchen Eschellbach, Mückenloch und Reilsheim mit jenen drei Altarbenefizien also zu vereinigen, daß solche Pfarreien künftig nur durch ständige Vikarien vermaltet werden und diese von der Pfarrkirche zu Ersheim besoldet werden sollen. (Siehe Urk. … ). Dies war der Grund zu der nachherigen sogenannten Präsenz, oder des Halbstiftes zu Hirschhorn, wovon weiter unten. Mit der Pfarrei Erßheim wurde auch die Pfarrei Schadhausen incorporirt, welche Hans von Hirschhorn im Jahr 1377 erkauft, solche der Pfarrei Ersheim übergeben auch die Kirche an letzterem Orte neu erbauet hat. Wie die Pfarrkirche in der Folge von Ersheim nach Hirschhorn verlegt wurde habe ich schon gesagt. Noch im Jahr 1496 gehörten, dem allen Wormser Synodalregister zu Folge, die Orte Hirschhorn, Jgelsbach, Heimbrunn und Neckarhausen als Filialen nach Erßheim. Unter den Orten Jgelsbach und Heimbrunn werden aber nicht allein die Jgelsbacher und Heimbrunner Höfe, welche in das Amt Hirschhorn gehören, verstanden sodern auch das Dorf Jgelsbach in der Kellerei Eberbach und das Dorf Heimbrunn zur Herrschaft Rodenberg gehörig. Nach ebengedachtem Synodalregister waren im Jahr 1496 fünf Altarpfründen zu Erßheim wovon in einer Renovation vom Jahr 1553 auch die Besitzungen angegeben werden Sie waren namentlich: …
Dieselbe kamen so wie die Gefälle der bei der Reformation eingezogenrn Altarbenefizen zu Ersheim, im 17ten Jahrhundert an die Karmeliter zu Hirschhorn. Vieles haben sie jedoch in der Folge wieder verloren. als z. B. den Kirchensatz zu Schadhausen und den Zehenden alldam welchen im Jahr 1651 Kurpfalz zum Theil und endlich ganz einzog. Der Widdumshof blieb noch eine zeitiang den Karmelitern, in der Folge aber erhielten ihn die Dominikaner zu Heidelberg mit einem Theil des Zehendens. Nach aufgehobenem Kloster zu Hirschhorn 1809 wird nun die dasige Pfarrei durch Weltgeistliche verwaltet. Nach der neuesten Verfassung gehören zur Pfarrei Hirschhorn als Filialen Jgelsbach, Heimbronn, Hammelsbach und Kortelshütte. Zu Hirschhorn ist auch ein Hospital, welches schon, seiner Stiftung nach sehr alt ist und in Hirschhornische Urkunden einigemal vorkömmt. Im Jahr 1491 kömmt auch in einer Urkunde der Schaffner des elenden Hauses in Hirschhorn vor, ob solches aber ein besonderes Siechemhaus oder das Hospital selbst gewesen sey, ist mir unbekannt.
Hirschhorn zält in der Stadt und Vorstadt, nebst den dazu gehörigen Höfen 210 Wohngebäude und 1268 menschliche Seelen. In dem letzteren franz. Revolutioiiekriege hat diese Stadt harte Drangsale erlitten.
Die Hirschhorner Gemarkung wird von 2 Bächen bewässert, die sich in der Vorstadt vereinigen und gemeinschaftlich unterhalb Hirschhorn in den Neckar fließen. Die eine Bach, welche die große Bach, auch die große Kerbenbach qenennt wird, kömmt von Ober- und Unterschönmattenwag, Hedesbach und Langenthal, heißt auch bei HedeSbach die Schwarzbach ist aber eigentlich die alte Ulvina oder Ulfenbach so wie sie auch wirklich bei Waldmichelbach genennt wird. Die Ursache ihres Namens bei Hirschhorn rührt von einer schmutzigen Benennung des Thales her, wodurch sie von Langenthal bis Hirschhern fließt und welche man in Hirschhornischen Urkunden findet. Die kleine Kerbenbach kömmt aus der Herrschaft Rodenberg, nimmt unterwegs ein kleines Bächlein (die Brombach) auf, und stießt in der Vorstadt zu Hirschhorn in die große Kerbenbach. Von der Fischerei und andern alten Gerechtsamen, so wie von den vormaligen Mühle an diesen Bächen sihe die Urkunde … .
Dermalen sind 3 Mühlen an der kleinen Kerbenbach, wovon eine, eine Mahl- und Sckneidmühle zugleich ist. Sodann ist in Eisenhammer an der großen Bach mit einer Frucht- und Ölmühle. Die Herrschaftliche Waldung in Hirschhörner Gemarkung worunter der lange Wald das vorzüglichste Stück, ist sehr beträchtlich, wurde im Jahr 1508 gemessen und betrug 3808 Morgen. Hievon ist aber Vieles in der Folge verkauft werden und selbst, wie ich glaube, an die Stadt, denn diese hat auch dermalen einen eigenen beträchtlichen Wald.
Zur Stadt und Bürgerschaft Hirschhorn gehören auch:
a) Die Jgelsbacher 4 Bauernhöfe, oder ein Theil des DorfeS Jgelsbach eine Stunde oberhalb Hirschhorn. Die Unterchanen daselbst sind der Stadt Hirschhorn frohnbar und haben ihr Pfarrrecht zu Hirschhorn und gehört der Großzehend der Pfarre zu.
b) Die Heimbronnerhöfe sind ein Theil deS Rodenbergischen Dorfes Obernheimbronn an der kleinen Kerbenbach, womit es die Beschaffenheit hat, wie zu Jgelsbach. Sie liegen eine starke Stunde von Hirschhorn nordwärts im Gebirge.
c) Der Hammelsbacher Hof unterhalb Heimbronn an der kleinen Kerbenbach. Er kömmt in Hirschhornischen Urkunden unter diesem Namen nicht vor, und ist wahrscheinlich der Hof Weidenau, welchen Hans und Anna von Hirschhorn im Jahr 2547 der Burgerschaft zu Hirschhorn verkauft haben.
d) Ersheim oder Erschheim ein vormaliges uralteS Dorf gegen der Stadt Hirschhorn über jenseits Neckars, welches in einer Lorscher Urkunde vom Jahre 1023 (Cod. Laur. N. 137) unter den Namen Eressam allschon vorkömmt. Von dessen alten Pfarre ist schon geredet worden. Es muß schon frühzeitig zu Grund gegangen sein, denn im 15ten und 16ten Jahrhundert waren keine weitere Wohnungen daselbst, als des Pfarrers, der Altaristen, des Glöckners und eines Hofbauern. Nach der Reformation und wahrscheinlich iu Kriegszeiten gierigen auch diese ein, und es ist dermalen daselbst nichts mehr als eine zerfallene Kirche und zwei Ziegeleien nebst dazu gehörigen Kalchöfen.«[3]

Das Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 ein Mitgliedstaat des Deutschen Bundes und danach ein Bundesstaat des Deutschen Reiches. Es bestand bis 1919, nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Großherzogtum zum republikanisch verfassten Volksstaat Hessen. 1945 nach Ende des Zweiten Weltkriegs befand sich das Gebiet des heutigen Hessen in der amerikanischen Besatzungszone und durch Weisung der Militärregierung entstand das Bundesland Hessen in seinen heutigen Grenzen.

1803 wurde mit dem Übergang zu Hessen das Kloster erneut aufgelöst. 1821 bis 1832 war Hirschhorn Landratssitz des Landratsbezirks Hirschhorn, der dann zusammen mit dem Landratsbezirk Lindenfels im Kreis Lindenfels aufging. Der Kreis wurde aber bereits 1832 in Kreis Heppenheim umbenannt. Infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.[4] Darüber hinaus wurden in den Provinzen, die Kreise und die Landratsbezirke des Großherzogtums am 31. Juli 1848 abgeschafft und durch „Regierungsbezirke“ ersetzt. Dabei ging der Kreis Heppenheim zusammen mit den Kreis Bensheim im Regierungsbezirk Heppenheim auf. Diese Gliederung hatte aber nur vier Jahre bestand, denn 1852 wurden die Regierungsbezirke wieder abgeschafft und zur Kreiseinteilung zurückgekehrt, wobei Hirschhorn jetzt zum neuen Kreis Lindenfels gehörte.[5] Bei einer weiteren Verwaltungsreform 1874 wird der Kreis Lindenfels aufgelöst und die Stadt dem Kreis Heppenheim, dem späteren Kreis Bergstraße zugeschlagen. Bereits am 1. August 1865 war Hirschhorn mit weiteren orten in den Kreis Heppenheim umgegliedert worden.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über die jetzt zum Großherzogtum Hessen gehörige Stadt:

»Hirschhorn (L. Bez. gl. N.) Stadt; liegt dicht am rechten Neckarufer. 14 St. südöstlich von Darmstadt, und hat 201 Häuser und 1507 Ein., die bis auf 24 Luth., 1 Reform. und 58 Juden, alle katholisch sind. Hirschhorn ist der Sitz des Landraths, des Landrichters, des Steuerkommissairs und des Receptors (Rentamt); auch ist hier ein Grenznebenzollamt II. Classe. Man findet hier einige Kirchen, ein 1805 aufgehobenes Karmeliterkloster, eine Burg (Hirschhorn), 1 Hospital, 1 Eisenhammer, 3 Mahlmühlen, mit denen 1 Schneide, und 1 Oelmühle verbunden sind, 1 Apotheke, sodann auf dem jenseitigen Ufer 1 Kapelle, die Erschheimer Kire genannt, und 2 Ziegelhütten mit einigen Häusern. Die Stadt liegt malerisch schon zwischen dem Neckar und einem steilen Berge, besteht von oben herab aus einer Straße, dehnt sich aber unten weiter aus, wie sich der Neckar vom Berge entfernt. Das Innere entspricht aber dem Aeußern nicht. Hirschhorn hat eine Vorstadt in welcher sich der Finkenbach mit dem Ulvenbach vereinigt. Ueber der Stadt liegt auf einem steilen Berge die kühngebaute Burg Hirschhorn, die zum Theil verfallen ist, zum Theil noch bewohnbare Gebäude aus spätern Zeiten hat, in welchen die Bezirksbehörde ihren Sitz hat. Jährlich werden 5 Märkte gehalten Die Geschichte giebt erst sichere Kunde von einem Hans von Hirzhorn von 1232–1307; vor ihm wird der Burg Hirschhorn nicht erwähnt. Die Familie von Hirschhorn war in der Folge eine der angesehensten der Gegend, stand in allgemeiner Achtung und besaß sehr bedeutende Reichthümer. Sie trug Burg und Ort Hirschhorn von Mainz zu Lehen, welchem letzteren König Wenzel 1391 Stadtprivilegien ertheilte und Mauern und Thürme erlaubte. Etwas später, 1404 ertheilte König Rubrecht der Familie von Hirschhorn das Recht eines Wochen Markts für das Städtchen und 1406 stifteten Hans von Hirschhorn seine Gemahlin und Brüder das Karmeliterkloster. Die größere Pfarrkirche war ehedem eine protestantische Kirch, da die Familie von Hirschhorn den protestantischen Glauben angenommen hatte und der größere Theil der Unterthanen ihr darin gefolgt war. Nachdem aber mit Friedrich von Hirschhorn diese Familie 1632 erloschen, Burg und Stadt als eröffnetes Lehen an das Erzstift Mainz zurückgefallen war, die Baiern überdieß im 30jährigen Krieg den Protestantismus verdrängten, so wurde der katholische Kultus wieder eingeführt. Im Jahr 1802 kam Hirschhorn von Mainz an Hessen. Im Oktober 1824 stieg der Neckar, fast von dem niedrigsten Stande, in einem Zeitraum von 24 Stunden, nach einem 3-stündigem Regen, bis 2 Fuß über den bisherigen höchsten Wasserstand von 1789. Es wurden mehrere Gebäude weggerissen, und die sämtlichen Häuser in den unteren Straßen bis an die Dächer mit Wasser gefüllt; 14 Familien verloren ihr Obdach.«[6]

Von 1821 bis 1968 war Hirschhorn Sitz eines Landgerichtes bzw. ab 1879 Amtsgerichtes und danach bis 2003 Sitz einer Zweigstelle des Amtsgerichts Fürth.

1849 ereigneten sich Kampfhandlungen zwischen der Hanauer Turnerwehr, badischen Freischärlern und Bundestruppen in der Stadt und um Hirschhorn herum im Rahmen der Badischen Revolution.

1841 brachte der Beginn der Neckar-Dampfschifffahrt einen gewissen Aufschwung. 1878 löste die Kettenschifffahrt die unrentable Treidelschifffahrt ab, machte aber deren Berufsstand arbeitslos. 1879 nahm die Neckartalbahn den Betrieb auf, die Hirschhorn mit Heidelberg und Mosbach verbindet. Der außerhalb des historischen Stadtkerns in Richtung Neckarsteinach errichtete Bahnhof gab den Impuls zur weiteren Ausdehnung der Bebauung in diese Richtung. Die Neckarstaustufe mit Schleuse und der Neckarbrücke, die Hirschhorn mit Ersheim verbindet, wurde 1933 eingeweiht und 1959 zur Doppelschleuse ausgebaut. Die durch die Brücke geschaffene Straßenanbindung in das seit Jahrhunderten aufgegebene Ersheim führte noch in den 1930er Jahren dort zum Bau der Schule und einiger Wohnhäuser. 1937 erhielt Hirschhorn den Namenszusatz (Neckar).

Hirschhorn seit dem Zweiten WeltkriegBearbeiten

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden dem Ort zahlreiche Evakuierte und auch Vertriebene, hauptsächlich aus dem Sudetenland, zugewiesen. Ende 1946 wurden rund 400 Evakuierte und rund 415 Flüchtlinge gezählt. Die Enge in der historischen Stadt führte dazu, dass nun insbesondere in Ersheim viel Bauland erschlossen wurde, so dass dort bis 1982 knapp 1000 Wohnungen erbaut wurden und die Einwohnerzahl des ehemals verödeten Ortes heute die der Altstadt übersteigt. 1960 wurde Hirschhorn zum Luftkurort ernannt. Im Jahr 1961 wurde die Gemarkungsgröße mit 2450 ha angegeben, davon waren 1944 ha Wald.[7] Die Fertigstellung des Schulerweiterungsbaus erfolgte 1970. Im Jahr 1976 war der Beginn der Bauarbeiten am Projekt „Brücke-Tunnel-Brücke“, das 1982 fertiggestellt wurde und den Verkehr der Bundesstraße 37 am Ort vorbei leitet. 1980 baute man eine Kläranlage, 1983 wurde die Sporthalle Jahnstraße eingeweiht. Das Jahrhunderthochwasser am Neckar 1993 hinterließ etliche Zerstörungen.

EingemeindungenBearbeiten

Die Gemeinde Langenthal wurde im Zuge der Gebietsreform in Hessen am 1. April 1972 zum Stadtteil von Hirschhorn.[8] Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.

Territorialgeschichte und VerwaltungBearbeiten

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Hirschhorn lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[7][9][10]

BevölkerungBearbeiten

EinwohnerstrukturBearbeiten

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Hirschhorn 3541 Einwohner. Darunter waren 304 (8,59 %) Ausländer von denen 104 aus dem EU-Ausland, 171 aus anderen Europäischen Ländern und 29 aus anderen Staaten kamen.[11] Die Einwohner lebten in 1606 Haushalten. Davon waren 561 Singlehaushalte, 499 Paare ohne Kinder und 395 Paare mit Kindern, sowie 122 Alleinerziehende und 29 Wohngemeinschaften.[12]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

• 1812: 1268 Einwohner, 210 Häuser[3]
• 1829: 1507 Einwohner, 201 Häuser[6]
• 1867: 1848 Einwohner, 251 Häuser[13]
Hirschhorn: Einwohnerzahlen von 1812 bis 2015
Jahr  Einwohner
1812
  
1.268
1829
  
1.507
1834
  
1.790
1840
  
1.853
1846
  
1.921
1852
  
1.835
1858
  
1.854
1864
  
1.881
1871
  
1.762
1875
  
1.838
1885
  
2.007
1895
  
1.938
1905
  
2.057
1910
  
2.203
1925
  
2.271
1939
  
2.196
1946
  
3.065
1950
  
3.081
1956
  
3.048
1961
  
3.121
1967
  
3.639
1970
  
3.585
1972
  
3.993
1976
  
4.112
1984
  
3.959
1992
  
3.902
2000
  
3.700
2005
  
3.692
2010
  
3.600
2011
  
3.541
2015
  
3.450
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [7]; 1806:[3]; 1972:[14]; 1976:[15]; 1984:[16]; 1992:[17]; 2000:[18]; 2005:[19]; 2010:[20]; Zensus 2011[11]; 2015:[21]
Ab 1972 einschließlich der im Zuge der Gebietsreform in Hessen eingegliederten Orte.

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

• 1829: 24 lutheranische (= 1,59 %), ein reformierter (= 0,07 %), 58 jüdische (= 3,85 %) und 5624 katholische (= 98,55 %) Einwohner[6]
• 1961: 705 evangelische (= 22,59 %), 2331 katholische (= 74,69 %) Einwohner[7]
• 2011: 1110 evangelische (= 31,3 %),  539 katholische (= 43,5 %), 892 sonstige (= 25,2 %) Einwohner[22]

ErwerbstätigkeitBearbeiten

Die Gemeinde im Vergleich mit Landkreis, Regierungsbezirk Darmstadt und Hessen:[18]

Jahr Gemeinde Landkreis Regierungsbezirk Hessen
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte 2017 1.113 72.939 1.695.567 2.524.156
Veränderung zu 2000 −23,1 % +17,1 % +16,1 % +16,0 %
davon Vollzeit 2017 77,8 % 70,8 % 72,8 % 71,8 %
davon Teilzeit 2017 22,2 % 29,2 % 27,2 % 28,2 %
Ausschließlich geringfügig entlohnte Beschäftigte 2017 160 15.613 224.267 372.991
Veränderung zu 2000 −5,3 % −4,3 % +9,0 % +8,8 %
Branche Jahr Gemeinde Landkreis Regierungsbezirk Hessen
Produzierendes Gewerbe 2000 56,9 % 39,6 % 27,0 % 30,6 %
2017 56,2 % 32,1 % 20,4 % 24,3 %
Handel, Gastgewerbe und Verkehr 2000 29,2 % 25,1 % 26,4 % 25,1 %
2017 21,6 % 25,8 % 24,7 % 23,8 %
Unternehmensdienstleistungen 2000 08,8 % 11,6 % 25,1 % 20,2 %
2017 06,0 % 15,5 % 31,6 % 26,1 %
Sonstige Dienstleistungen 2000 04,8 % 22,0 % 20,1 % 22,5 %
2017 16,2 % 25,3 % 23,0 % 25,4 %
Sonstiges (bzw. ohne Zuordnung) 2000 00,3 % 01,7 % 01,4 % 01,5 %
2017 00,0 % 01,1 % 00,3 % 00,4 %

ReligionBearbeiten

Die Bevölkerung ist fast zu gleichen Teilen evangelisch-lutherisch und katholisch. Eine kleinere Gruppe muslimischer sowie neuapostolischer Mitbürger wohnt in Hirschhorn. Im Jahr 2009 zogen nach über 200 Jahren wieder drei indische Karmeliter in das seit 1803 verwaiste Karmeliterkloster ein. Sie stellen auch den katholischen Pfarrer.

PolitikBearbeiten

StadtverordnetenversammlungBearbeiten

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[23] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[24][25]

Sitzverteilung in der Stadtverordnetenversammlung 2016
   
Insgesamt 17 Sitze
Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 36,9 6 38,5 7 42,1 7 56,7 10
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 26,9 5 31,1 5 28,2 5 43,3 7
Profil Hirschhorn Profil Hirschhorn[26] 36,2 6 30,4 5 29,6 5
gesamt 100,0 17 100,0 17 100,0 17 100,0 17
Wahlbeteiligung in % 51,2 58,6 53,2 57,3
 
Marktplatz mit katholischer Pfarrkirche Maria Immaculata

BürgermeisterBearbeiten

Nach der hessischen Kommunalverfassung ist der Bürgermeister Vorsitzender des Magistrats, dem in der Stadt Hirschhorn (Neckar) neben dem Bürgermeister sechs ehrenamtliche Stadträte angehören. Bürgermeister ist seit 1. Dezember 2016 der parteilose Oliver Berthold. Er ist bis 2022 gewählt.[27][28] Seine direkt gewählten Amtsvorgänger waren

  • Rainer Sens 2011 bis 2016. Er trat sein Amt am 15. Juni 2011 an[29], wurde am 5. Juni 2016 in einem Bürgerentscheid abgewählt und schied mit Ablauf des 6. Juni 2016 aus dem Amt.[30] Bis zum Amtsantritt des Nachfolgers übernahm der Erste Stadtrat Karlheinz Happes (Profil Hirschhorn) die Amtsgeschäfte.[31][32]
  • Ute Stenger 1999 bis 2011
  • Ilona Dörr 1996 bis 1999

Wappen und FlaggeBearbeiten

Blasonierung: „In Gold ein aufgebäumter roter Hirsch mit blauer Zunge.“[33]

Der Stadt Hirschhorn im Kreis Bergstraße ist am 5. August 1964 vom Hessischen Minister des Innern genehmigt worden, das bisherige Wappen zu ändern. Der Hirsch ist ein redendes Symbol. Die Farben gehen zurück auf das Wappen des früheren Ortsadels, den Herren von Hirschhorn zurück, die eine aufrechte Hirschstange mit fünf Enden als Wappen führten. An den historischen Gebäuden des Ortes ist üblicherweise das Wappen des Ortsadels zu sehen.

Die Flagge der Stadt Hirschhorn wurde am 4. September 1964 genehmigt und wird wie folgt beschrieben: „Auf in Blau und Gelb gesändertem Flaggentuch auf den Kreuzpunkt aufgelegt das Gemeindewappen.“[34]

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Hirschhorn unterhält seit 1981 eine Städtepartnerschaft mit Château-Landon in Frankreich.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

 
Evangelische Kirche
  • Die mittelalterliche Burg Hirschhorn erstreckt sich auf einem Bergsporn oberhalb des Städtchens. In der ummauerten und von Türmen bewehrten Burg sind Bergfried, Palas, Marstall sowie mehrere Tor- und Wirtschaftsgebäude erhalten.
  • Unterhalb der Burg befindet sich die ehemalige Karmeliter-Klosterkirche Mariä Verkündigung, geweiht 1406, mit St.-Anna-Kapelle von 1513. Die Kirche ist reich an mittelalterlichen Epitaphen derer von Hirschhorn und weist einen gotischen Sandstein-Lettner auf. Zur rechten der Kirche ist das ehemalige Klostergebäude erhalten.
  • Die Pfarrkirche zur Unbefleckten Empfängnis Maria wurde 1628 bis 1630 als lutherische Kirche erbaut, im Zuge der Gegenreformation 1636 geschlossen, 1730/31 als katholische Stadtkirche neu erbaut und am 2. Juli 1732, samt neuen Altären vom Wormser Weihbischof Johann Anton Wallreuther geweiht.[35] Die Kirche nutzt als Kirchturm den wesentlich älteren Torturm des ehemaligen Mitteltors von 1392. Im Ort sind weitere Reste der Stadtmauer erhalten, darunter das bis 1830 genutzte Osttor.
  • Die dritte Kirche des Ortes ist die Evangelische Kirche an der Mündung der Grabengasse, geweiht 1892.
  • In der Altstadt von Hirschhorn sind zahlreiche alte Fachwerkhäuser erhalten.
  • Die Staustufe Hirschhorn mit Schleusen- und Brückenfunktion wurde vom Architekten Paul Bonatz entworfen, einem der Hauptvertreter der Stuttgarter Schule. Zwischen 1926 und 1928 war er für die Entwürfe sämtlicher Neckarstaustufen verantwortlich. Die Umsetzung, die teilweise bis 1933 andauerte, erfolgte durch Otto Hirsch und Otto Konz. Die Staustufe in Hirschhorn zählt trotz ihrer infrastrukturellen Funktion zu den markanten Bauwerken der Stadt.
  • Auf einer Spornspitze im auf der gegenüberliegenden Neckarseite gelegenen Stadtteil Ersheim befindet sich die Ersheimer Kapelle, die urkundlich 773 im Lorscher Codex erwähnt wurde und als älteste Kirche des Neckartals gilt.
  • Außerhalb von Hirschhorn befindet sich bei der Waldbrudershütte im Ulfenbachtal ein historisches Felsbild.

MuseenBearbeiten

Das Langbeinmuseum beherbergt die „Naturalien- und Altertümersammlung“ des Hirschhorner Gastwirtes Carl Langbein (1816 bis 1881) am Alleeweg Ecke Grabengasse im Haus des Gastes, dem ehemaligen Forstamtsgebäude. In diesem befindet sich auch eine kleine Touristen-Information und hier beginnen die an den Samstagen zwischen Mai und September stattfindenden geführten Stadt-/Schlossrundgänge.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

 
Neckarschleuse

Hirschhorn liegt an der Neckartalbahn (HeidelbergBad Friedrichshall), die seit 2003 von der S-Bahn RheinNeckar halbstündlich bedient wird.

Bei Hirschhorn kürzt die Bundesstraße 37 über zwei Brücken und einen Tunnel die große Flussschleife des Neckars ab. Die Westbrücke führt in einer Kurve über den Fluss.

Seit 1933 gibt es die Hirschhorner Neckarstaustufe mit Schleuse. Das Bauwerk dient gleichzeitig als Brücke über den Neckar, mittels derer der südlich des Neckars liegende Ortsteile Ersheim bzw. der Kleine Odenwald erreicht werden können.

RadwanderwegeBearbeiten

Durch das Stadtgebiet und entlang des Neckars führen folgende Radwanderwege:

Ansässige UnternehmenBearbeiten

  • Meto GmbH
  • GH-Induction Deutschland Induktions-Erwärmungs-Anlagen GmbH
  • ITG Induktionsanlagen GmbH
  • Ajax Tocco Magnethermic GmbH
  • K. Biesinger GmbH – Stromzähler, Wasserzähler, Prüfstelle
  • Contact GmbH
  • Dekodur GmbH & Co. KG

Öffentliche EinrichtungenBearbeiten

  • Zulassungsstelle des Kreises Bergstraße bis 2007 (danach bis min. 2028 in Neckarsteinach)[36]
  • Außenstelle des Arbeitsamtes Darmstadt
  • Polizeiposten der Polizei Wald-Michelbach

BildungseinrichtungenBearbeiten

  • Neckartalschule Hirschhorn (Grundschule)

Freizeit- und SportanlagenBearbeiten

  • Sporthalle und Sportplatz Jahnstraße
  • Sporthalle der Grundschule
  • Campingplatz mit Freibad
  • Neckartalradweg
  • Stoppomat: Von der Gemeinde Hirschhorn wurde eine permanente Zeitnahme für Radsportler, Läufer, Skater, Nordic Walker und Handbiker aufgebaut.

LiteraturBearbeiten

  • Magistrat der Stadt Hirschhorn (Hrsg.): Hirschhorn/Neckar 773–1973, Eberbach 1973
  • Christina Kimmel: Hans V. von Hirschhorn im Dienst der Kurpfalz, Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher, ISBN 978-3-89735-124-0
  • Alfred Röder: Von Ersheim zu Hirschhorn, Magistrat der Stadt Hirschhorn 1984
  • Ulrich Spiegelberg: Hirschhorn und seine Kirchen, Deutscher Kunstverlag, München Berlin 2006
  • Ulrich Spiegelberg: Hirschhorn – Stadt und Umgebung, Deutscher Kunstverlag, München Berlin 2007
  • Ulrich Spiegelberg: Das Schloss Hirschhorn am Neckar – Von der Ritterburg des 13. Jahrhunderts zum Renaissanceschloss, Broschüre 29, Edition der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, Schnell und Steiner GmbH, Regensburg 2008
  • Literatur über Hirschhorn in der Hessischen Bibliographie
  • Literatur von und über Hirschhorn im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

WeblinksBearbeiten

  Commons: Hirschhorn (Neckar) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Hirschhorn am Neckar – Quellen und Volltexte

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Hessisches Statistisches Landesamt: Bevölkerungsstand am 31.12.2018 (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Der Hessische Minister für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung: 78. Sitzung des Fachausschusses für Kurorte Erholungsorte und Heilbrunnen in Hessen vom 30. Januar 2013. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 2013 Nr. 7, S. 309, Punkt 196 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 15,9 MB]).
  3. a b c Johann Konrad Dahl: Historisch-topographisch-statistische Beschreibung des Fürstenthums Lorsch oder Kirchengeschichte des Oberrheingaues. Darmstadt 1812, OCLC 162251605, S. 246 ff. (Online bei google books).
  4. Großherzog von Hessen: Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren vom 7. August 1848. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1848 Nr. 40, S. 237–241 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 42,9 MB]).
  5. Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 1852 (No. 30) (online bei der Bayrischen Staatsbibliothek)
  6. a b c Georg Wilhelm Justin Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg. Band 1. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt Oktober 1829, OCLC 312528080, S. 110 ff. (Online bei google books).
  7. a b c d Hirschhorn (Neckar), Landkreis Bergstraße. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 4. Juni 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  8. Karl-Heinz Gerstemeier, Karl Reinhard Hinkel: Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Hrsg.: Hessischer Minister des Inneren. Bernecker, Melsungen 1977, DNB 770396321, OCLC 180532844, S. 200.
  9. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  10. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 1. Großherzoglicher Staatsverlag, Darmstadt 1862, DNB 013163434, OCLC 894925483, S. 43 ff. (Online bei google books).
  11. a b Bevölkerung nach Staatsangehörigkeitsgruppen: Hirschhorn (Neckar), Stadt. In: Zensus2011. Bayerisches Landesamt für Statistik, abgerufen im Juli 2015.
  12. Haushalte nach Familien: Hirschhorn (Neckar), Stadt. In: Zensus2011. Bayerisches Landesamt für Statistik, abgerufen im Juli 2015.
  13. Ph. A. F. Walther: Alphabetisches Verzeichniss der Wohnplätze im Grossherzogtum Hessen. G. Jonghaus, Darmstadt 1869, OCLC 162355422, S. 40 (Online bei google books).
  14. Der Hessische Minister des Inneren: Kommunalwahlen 1972; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden vom 4. August 1972. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1972 Nr. 33, S. 1424, Punkt 1025 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,9 MB]).
  15. Der Hessische Minister des Inneren: Kommunalwahlen 1977; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden (Punkt 1668) vom 15. Dezember 1976. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1976 Nr. 52, S. 2283 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 10,3 MB]).
  16. Der Hessische Minister des Inneren: Kommunalwahlen 1985; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden vom 30. Oktober 1984. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1984 Nr. 46, S. 2175, Punkt 1104 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,5 MB]).
  17. Der Hessische Minister des Inneren: Kommunalwahlen 1993; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden vom 21. Oktober 1992. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1992 Nr. 44, S. 2766, Punkt 935 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 6,1 MB]).
  18. a b Gemeindedatenblatt: Hirchhorn. (PDF; 222 kB) In: Hessisches Gemeindelexikon. HA Hessen Agentur GmbH;
  19. Die Bevölkerung der hessischen Gemeinden (30. Juni 2005). In: Hessisches Statistisches Landesamt. Archiviert vom Original;.
  20. Die Bevölkerung der hessischen Gemeinden (30. Juni 2010). In: Hessisches Statistisches Landesamt. Archiviert vom Original;.
  21. Die Bevölkerung der hessischen Gemeinden (30. Juni 2015). In: Hessisches Statistisches Landesamt. Archiviert vom Original;.
  22. Religionszugehörigkeit: Hirschhorn (Neckar), Stadt. In: Zensus2011. Bayerisches Landesamt für Statistik, abgerufen im Juli 2015.
  23. Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016. Hessisches Statistisches Landesamt, abgerufen im April 2016.
  24. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  25. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006
  26. Profil Hirschhorn. In: Webpräsenz. Abgerufen am 7. Mai 2018.
  27. Direktwahlen in Hirschhorn (Neckar). Hessisches Statistisches Landesamt, abgerufen im September 2019.
  28. Hirschhorn hat wieder einen Bürgermeister. In: Rhein-Neckar-Zeitung. 24. November 2016, abgerufen am 12. Dezember 2016.
  29. Ute Stenger verabschiedet - Rainer Sens ab Mitte Juni Rathauschef. In: Online-Magazin Neckartal-Odenwald. 3. Juni 2012, abgerufen am 12. Dezember 2016.
  30. Abwahl nach § 76 Abs. 4 der Hessischen Gemeindeordnung
  31. Abwahl in Hirschhorn. In: Rhein-Neckar-Zeitung. 7. Juni 2016, abgerufen im September 2019.
  32. Politische Gremien und Magistrat der Stadt Hirschhorn (Memento vom 8. Juni 2016 im Internet Archive)
  33. Genehmigung zur Änderung eines Wappens durch den Hessischen Minister des Innern vom 5. August 1964. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1964 Nr. 34, S. 1038 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 67,8 MB]).
  34. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung einer Flagge der Stadt Hirschhorn, Landkreis Bergstraße, Regierungspräsidium Darmasadt vom 21. September 1964. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1964 Nr. 38, S. 1187, Punkt 1087 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  35. Weihe der Pfarrkirche Hirschhorn, 1732. In: dilibri Rheinland-Pfalz. Abgerufen im September 2019 (Hirschhorn Kr. Bergstraße, 1732 VII 2).
  36. Zulassungsstelle bleibt in Neckarsteinach, kein Wechsel mit Hirschhorn. In: Rhein-Neckar-Zeitung. 15. Mai 2018, abgerufen im September 2019.