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Flatterulme
Alter Solitärbaum, vor und nach dem Blattaustrieb

Alter Solitärbaum, vor und nach dem Blattaustrieb

Systematik
Rosiden
Eurosiden I
Ordnung: Rosenartige (Rosales)
Familie: Ulmengewächse (Ulmaceae)
Gattung: Ulmen (Ulmus)
Art: Flatterulme
Wissenschaftlicher Name
Ulmus laevis
Pall.
Blatt
Blüten
Blüte
Flügelnüsse (Früchte) mit Samen; man beachte die „gewimperten“ Ränder
Brettwurzelartige Stammbasis

Die Flatterulme (Ulmus laevis), auch Flatterrüster genannt, ist ein Großbaum aus der Gattung der Ulmen (Ulmus) und gehört in die Familie der Ulmengewächse (Ulmaceae).

Die Flatterulme ist Baum des Jahres 2019 in Deutschland.[1]

Inhaltsverzeichnis

BeschreibungBearbeiten

Flatterulmen werden bis 35 Meter hoch und sind sommergrün. Die wechselständigen Blätter weisen, wie bei allen mitteleuropäischen Ulmenarten, eine asymmetrische Basis auf. Entgegen einer verbreiteten Auffassung kreuzt sich die Flatterulme nicht mit anderen Arten wie Feld- oder Bergulme. Die Blütenknospen sind breit und kegelförmig — anders als die mehr runden Knospen der Feld- und Bergulme. Die Laubknospen sind zweifarbig und schlank-kegelförmig. Die Knospenschuppen sind hell- bis rotbraun und verfügen über einen dunklen Rand. Die samentragenden Flügelnüsse sind im Gegensatz zu anderen Ulmen dicht bewimpert. Die Borke ist auch schon bei jüngeren Bäumen rau mit abblätternden Schuppen.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 28.[2]

VorkommenBearbeiten

Flatterulmen kommen vor allem in Auwäldern und auf Grundwasserböden vor. Hauptverbreitungsgebiet ist das kontinentalere Osteuropa, in Deutschland vorwiegend in den nordöstlichen Bundesländern (Brandenburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern) sowie im südlichen Oberrheingraben.[3] Sie vertragen Überflutungen von mehr als 100 Tagen im Jahr. Eine Anpassung auf diese besonderen Bodenverhältnisse stellen Brettwurzeln dar, die sie mitunter ausbilden können. Diese spezielle Ausprägung der Stammbasis ist bei einheimischen Baumarten eine Seltenheit. Die Flatterulme ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Verbands Alno-Ulmion und kommt besonders oft im Pruno-Fraxinetum vor.[2]

HolzBearbeiten

Das schön gezeichnete Holz der Flatterulmen weist im Verhältnis zur Feld- und Bergulme eine höhere Zähigkeit auf. Ansonsten können die Holzeigenschaften je nach Einsatzzweck eher ungünstig sein.

UlmensterbenBearbeiten

Vom Ulmensterben ist die Flatterulme deutlich weniger betroffen als andere Ulmen. Der Große Ulmensplintkäfer (Scolytus scolytus) und der Kleine Ulmensplintkäfer (Scolytus multistriatus), die die hauptsächlichen Überträger des Ulmensterbens sind, fliegen die Flatterulme aufgrund von Rindeninhaltsstoffen seltener an. Gegen den Schlauchpilz Ophiostoma novo-ulmi verfügt sie über unvollständige Resistenzmechanismen.

Unter dem Aspekt des Artenschutzes kommt der Flatterulme eine besondere Bedeutung zu. Sie stellt für bestimmte Arten, so für den Ulmenblattfloh (Psylla ulmi), den einzigen Lebensraum dar.

LiteraturBearbeiten

  • Gordon Mackenthun: Die Gattung Ulmus in Sachsen. Forstwissenschaftliche Beiträge Tharandt, Heft 9 (zugleich Dissertation). Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-4712-2
  • Stefan Müller-Kroehling (2003a): Flatterulme (Ulmus laevis Pall.). – in: Weisgerber et al. (Hrsg.): Enzyklopädie der Holzgewächse, 33. Ergänzungslieferung, 13 S.
  • Stefan Müller-Kroehling (2003b): Flatterulme – unbekannter Baum. 10 verbreitete Irrtümer zu einer heimischen Baumart. – AFZ/Der Wald (25): 1282–1286.
  • Stefan Müller-Kroehling (2003c): Die Flatterulme in Bayern. - LWF aktuell 42:51-54.
  • Stefan Müller-Kroehling (2005): Flatterüster. Eine wenig bekannte heimische Holzart – Holz-Zentralblatt. – 131(8): 109–111.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Flatterulme – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Flatter-Ulme ist Baum des Jahres 2019
  2. a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5. Seite 319.
  3. ROBIN-WOOD-Magazin, Nr. 139/4.2018, „Verbrannter Wald“. (pdf) Die Flatter-Ulme. www.robinwood.de, 7. September 2018, abgerufen am 5. Januar 2019 (hier Seite 26 bis 31, 6,4MB).