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Redendes Wappen

Heraldisches Symbol, das auf den Inhaber anspielt

Als redendes Wappen (französisch stets im Plural gebraucht armes parlantes), auch sprechendes Wappen oder Namenwappen, bezeichnet man in der Heraldik solche Wappen, die auf den Namen des Inhabers entweder anspielen oder ihn rebusartig darstellen. Die Anspielung liegt meist in der Figur, seltener in der Farbe. Redende Zeichen gab es bereits in der Antike. Vor allem die zunächst noch nicht beschrifteten Münzen aus der archaischen Zeit nehmen in ihren Motiven häufig auf die Namen der Städte Bezug, in denen sie geprägt wurden. Beispiele sind Phokaia mit einer Robbe (griech. phokä), Zankle (zánklä = Sichel), Himera mit einem Hahn (häméra = Tag) und Selinus mit dem Blatt einer Sichelstaude (sélinon = Selleriestaude),[1] Melos mit einem Apfel (melon), Rhodos mit einer Rosenblüte (rhodon).[2] Einige Münzen aus der Zeit der Römischen Republik spielen mit redenden Zeichen auf die Familiennamen der Münzmeister an.[3]

BeispieleBearbeiten

Die Grafen von Henneberg führten z. B. eine Henne auf einem Dreiberg, die Herren von Aufenstein einen Auf oder Uhu, die Grafen von Helfenstein einen Elefanten; das Wappen der Herren von Olvenstedt zeigt ein Kamel, welches im Mittelalter Olfent hieß. Hier lag eine phonologische Ähnlichkeit nahe. Die spätere offizielle Heraldik verfuhr bei der Wahl der redenden Wappen sehr willkürlich und den Gesetzen der Heroldskunst widersprechend. So ist das Wappen des preußischen Staatsministers August Friedrich von Boden (geadelt 1739) dreifach redend, indem es eine Pfote (Pote), einen Boden und einen Boten enthält.

Auch Ortswappen können sprechend sein, etwa bei Berlin (Bärlein = Bär) oder Hamburg (Burg auf rotem Grund)[4] sowie Bern (ebenfalls Bär). In Uri handelt es sich um das Ur, einen Auerochsen. Ein weiteres Beispiel ist Tragwein (Weinfass auf einer Trage). Falken finden sich oft in Wappen von Orten mit Namen Falkenstein und Falkenberg (so im heutigen Niemodlin), der Löwe bei der Gemeinde Löwenberger Land, Beile, die in Beilstein diesen hämmern, ferner eine Tanne auf Münzen und Wappen der elsässischen Stadt Thann. Bekannt sind auch die Magd über der Burg im Wappen von Magdeburg oder der Stralsunder Strahl.

Als Münzmeisterzeichen wurden redende Wappen ebenfalls verwendet. Zum Beispiel hatte Ernst Peter Hecht, von 1693 bis 1714 Münzmeister der Münzstätte Leipzig, die Buchstaben E P H und zusätzlich den Hecht aus seinem Wappen.

 
Speyerer Dom, Afrakapelle, redendes Wappen „Burgmann“, vom Grabmalrest des Domdekans Nikolaus Burgmann († 1443)
 
Stiftskirche Neustadt an der Weinstraße, redendes Wappen des Speyerer Bischofs Konrad von Busch. (Links das blaue Bistumswappen mit weißem Kreuz, rechts ein brennender Dornbusch)

Viele redende Wappen haben eine direkte bildhafte Umsetzung des Ortsnamens:

Andere Wappen benutzen einen symbolhaften „Umweg“:

InitialwappenBearbeiten

Auch sind die Initialwappen häufig als redend anzusehen. Beispiele sind:

  • Radom in Polen ein „R“ unter einer Krone
  • Kielce in Polen „CK“ für „Civitas Kielce“
  • Graslitz in der Tschechischen Republik mit einem wappenfüllenden „G“, trotz der Namensänderung auf Kraslice.

LiteraturBearbeiten

  • Winfried Schich: Redende Siegel brandenburgischer und anderer deutscher Städte im 13. und 14. Jahrhundert. In: Markus Späth (Hrsg.): Die Bildlichkeit korporativer Siegel im Mittelalter. Kunstgeschichte und Geschichte im Gespräch (= Sensus. Bd. 1). Böhlau, Köln u. a. 2009, ISBN 978-3-412-20353-5, S. 113–130.

AnmerkungenBearbeiten

  1. Haymann, Antike Münzen sammeln, Regenstauf 2016, Seite 29, 32
  2. Peter Franz Mittag, Griechische Numismatik, Heidelberg 2016, Seite 22
  3. Rainer Albert, Die Münzen der Römischen Republik, Regenstauf 2003, Katalognummern 874, 905, 1117, 1241, 1298 und 1464
  4. Eigentlich ist die Mauer mit Tor und Türmen das generelle Wappensymbol für eine Stadt. In Hamburg ist allerdings dieses übliche Symbol burghaft zusammengedrängt.
  5. Star als Namensgeber – ein historischer Irrtum?, merkur-online.de

WeblinksBearbeiten

  Commons: Redendes Wappen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888 bis 1890.
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