Hauptmenü öffnen

Wikipedia β

gekrönter Löwe in der Wiener Hofburg

Der Löwe ist eine gemeine Figur der Heraldik und das beliebteste Wappentier. Er symbolisiert Mut und Königlichkeit, da er als König der Tiere gilt.

Inhaltsverzeichnis

Symbolik und VerwendungBearbeiten

 
Der geflügelte Löwe des Evangelisten Markus ist seit Jahrhunderten das Wahr- und Hoheitszeichen Venedigs (Ausschnitt aus einem Gemälde von Vittore Carpaccio, 1516)

Der Löwe wird schon seit der Steinzeit bildlich dargestellt. So haben bereits die eiszeitlichen Jäger in der Kulturstufe des Aurignacien vor mehr als 30.000 Jahren den Löwen dargestellt. Die in vielen Kulturen verbreitete Charakteristik des Löwen als „König der Tiere“ geht auf den Einfluss des Physiologus zurück, eines frühchristlichen Buches über Tiersymbolik von allgemein großem Einfluss auf die westliche Kultur. Die königliche Symbolik wurde in der Geschichte wiederholt aufgegriffen, um Machtansprüche anzumelden oder zu bekräftigen, zum Beispiel von Heinrich dem Löwen. Die hiervon ausgehende Faszination wird bis heute durch die Vielzahl von Wappen deutlich, auf denen der Löwe in verschiedensten Farben und Formen abgebildet ist (siehe unten).

In der Antike war der Löwe im gesamten Mittelmeerraum verbreitet. In der griechischen Mythologie erscheinen Löwen in verschiedener Funktion: Der Nemeische Löwe wurde als eine menschenfressende Bestie dargestellt, den zu töten eine der zwölf Aufgaben des Herakles war. In der Geschichte von Androklus, einer der Fabeln des Äsop, zieht der Held, ein entlaufener Sklave, einem Löwen einen Dorn aus der Pfote; als er später zur Strafe für seine Flucht den Löwen zum Fraß vorgeworfen werden soll, erkennt ihn das Tier wieder und weigert sich, den Mann zu töten. Der geflügelte Löwe wird in der Bibel erwähnt (Daniel 7,4) und in der christlichen Ikonographie dem Evangelisten Markus zugeordnet. Auch in zahlreichen anderen antiken Kulturen spielte der Löwe eine Rolle. In Ägypten wurden Pharaonen als Sphingen dargestellt, Löwen mit Menschenkopf. Die berühmteste derartige Darstellung ist der Große Sphinx von Gizeh. Die ägyptische Mythologie kannte auch Dedun, den oberägyptischen Gott des Reichtums.

Heraldischer LöweBearbeiten

Wie für heraldische Darstellungen typisch wird auch der Löwe stark stilisiert dargestellt. Typische Körpermerkmale wie der Kopf, die Pranken und der Schwanz werden dabei sehr deutlich herausgearbeitet, dagegen wird der Körper in der heraldischen Darstellung stark verschlankt. Insbesondere die typische Mähne des Löwen wird auf wenige Fransen reduziert, teilweise auch ganz weggelassen.

Im Gegensatz zum heraldischen Leoparden wird der heraldische Löwe im Profil aufgerichtet bzw. steigend, d. h. auf den Hinterfüßen stehend dargestellt. Er blickt geradeaus. Diese Darstellung ist die Grundform und muss beim Blasonieren nicht gemeldet werden. Wird der Löwe schreitend und geradeaus blickend dargestellt, spricht die Heraldik von einem schreitenden oder leopardierten Löwen. Steht er zwar auf den Hinterfüßen (aufgerichtet bzw. steigend), hat den Kopf aber zum Betrachter gewendet (herschauend), handelt es sich um einen gelöwten Leopard. Daneben gibt es den Löwen auch rückwärts blickend vereinzelt auch nur den herblickenden Leopardenkopf. Selten sind sitzende oder liegende Löwen. Der Schwanz des Löwen wird einfach oder doppelt im Wappen dargestellt. Es ist dann ein doppelschwänziger Löwe, auch noch mehr Schwänze finden sich. Die Krümmung des Schwanzes wird nur in Ausnahmefällen blasoniert. Ein mähnenloser Löwe wird als Löwin beschrieben.

Der heraldische Löwe ist meist golden, rot oder schwarz dargestellt. Silberne oder blaue Löwen sind selten. Mitunter sind die Waffen des Löwen (vor allem die Krallen) und die ausgeschlagene Zunge andersfarbig tingiert. Dies muss beim Blasonieren gemeldet werden. Es heißt dann zum Beispiel „ein goldener, rot bewehrter Löwe“. Auch der Umstand, dass der Löwe eine Krone trägt, muss entsprechend angegeben werden, ebenfalls mit der Farbe. Darstellungen des Tieres mit ausgeschlagener Zunge treten in Wappen erst nach 1340 auf. Davor und auf Siegeln war die Zunge noch kein Unterscheidungsmerkmal.[1]

LöwenkopfBearbeiten

Gelegentlich wird im Wappen nur der Kopf des Löwen dargestellt. Zwei grundsätzliche Varianten sind zu unterscheiden. Eine Variante zeigt einen Kopf mit geraden Schnitt am Hals und wird bei der Wappenbeschreibung mit „abgeschnitten“ blasoniert. Bei der anderen Möglichkeit verdeckt die Mähne diese Schnittstelle und er wird als „abgerissen“ beschrieben. Ein dem Betrachter zugewendeter Kopf, also en face gestellt, ist ein Leopardenkopf. Verwendet wird diese Darstellung mindestens schon seit dem 13. Jahrhundert. In der neueren Heraldik ist die Bezeichnung Leopardenkopf nicht beliebt.

Alle Köpfe können mit Kronen oder anderen schmückenden Dingen oder Farben verändert sein. In der Wappenbeschreibung ist es aber zu erwähnen.

Der gelöwte LeopardBearbeiten

Leopard in aufrechter Stellung, Blick zum Betrachter. Im Mittelalter gab es diesen Unterschied nicht.[2]

Leopardierender LöweBearbeiten

Schreitende Löwen, Blick nach heraldisch rechts.

SonderformenBearbeiten

Folgende Fabelwesen gelten als eigenständige Figuren:

  • Mannlöwe und Frauenlöwe: Mit dem Oberkörper eines Mannes als Mannlöwe und mit dem Oberkörper eine Frau als Frauenlöwe in der Heraldik bekannt. Letztere Löwendarstellung wird auch Sphinx genannt.
  • der Greif ist eine Fantasiegestalt in der Heraldik, ein Adleroberkörper mit einem Löwenunterleib vereint
  • der Panther, ein löwenfüßiges, meist drachenköpfiges Tier
  • der Seelöwe, das ist ein Wappentier mit dem Löwenvorderteil und dem Hinterteil als Fischschwanz
  • ein weiteres löwenkörpriges Fabelwesen ist der Mantikor
  • die Chimäre in der Heraldik wird mit Mädchengesicht, Löwenmähne, Löwenfüße, Ziegenkörper und einem Drachenschwanz dargestellt.[3]
  • der Adlerlöwe, Kombination aus Adlerkopf und Löwenkörper

BeispieleBearbeiten

Löwen mit besonderen NamenBearbeiten

Bild Name Aussehen und/oder Bedeutung
  Aschokalöwe Wappentier Indiens. Dieser Löwe ist im Staatswappen und hat drei in verschiedenen Richtungen blickende Löwenköpfe, die einen Körper haben. Es ist ein Geryonskopf.
  Bayerischer Löwe Der Bayerische Löwe ist Schildhalter des Bayerischen Staatswappens und Symbolfigur Bayerns, unter anderem auf Denkmälern und Auszeichnungen.
  Braunschweiger Löwe Einer Statue in Braunschweig nachempfundenes Wappentier Braunschweigs. In silbernem Schilde ein (heraldisch rechts gewendeter) schwarzbewehrter, silberngezahnter roter Löwe.
  Bunter Löwe Wappentier der Bundesländer Hessen und Thüringen
  Bergischer Löwe In Silber ein doppelschwänziger, blaubewehrter, blaugezungter und blaugekrönter roter Löwe.

Der Bergische Löwe war das Wappentier des Herzogtums Berg

  Bamberger Löwe Wappentier des Hochstifts Bamberg.
  Böhmischer Löwe In Rot ein doppelschwänziger, goldbewehrter und -bezungter silberner Löwe mit goldener Blätterkrone.
  oben Brabanter Löwe
unten Limburgischer Löwe
In Schwarz ein goldener rotgezungter und rotbewehrter Löwe.
In Silber ein roter doppelschwänziger goldgekrönter und so gezungter und bewehrter Löwe.
  Flämischer Löwe, auch Flandrischer Löwe Im goldenen Feld ein schwarzer rotbewehrter und rotgezungter Löwe im Wappen von Flandern.
  Folkunger Löwe Schildhalter im schwedischen großen Staatswappen
  Geldern(sch)er Löwe (Herzogtum Geldern) In Blau ein rotbewehrter, rotgezungter und rotgekrönter goldener Löwe.
  Löwe von Habsburg In Gold ein blaubewehrter, blaugezungter und blaugekrönt roter Löwe. Althabsburg, später mit dem Bindenschild Familienwappen, und von dort in die Wappen der römisch-deutschen und österreichischen Kaiser vom 12. bis in das 20. Jahrhundert, europaweit häufig
  Heinsberger Löwe In rot rechtsgewendeter, bekrönter, doppelt geschweifter silberner/weißer Löwe.
  Itterscher Löwe (Itter (Adelsgeschlecht)), auch Eversteiner Löwe (Everstein (Adelsgeschlecht)) In Blau ein goldgekrönter silberner rot gezungter und bewehrter Löwe
  Löwe Judas Der Löwe von Juda
  Jülicher Löwe In Gold ein wachsender rotgezungter schwarzer Löwe. In anderen Wappen auch rotbewehrt.
  Der Lemberger Löwe, auch als Ruthenischer Löwe bezeichnet, ist das Wappentier des historischen Gebietes Lemberg, steht aber auch für das Wappentier der Woiwodschaft Ruthenien und von Halytsch-Wolhynien 1. In Blau ein silberbewehrter und silbergezungter goldener Löwe, auch goldgekrönt oder

2. In Blau ein rotbewehrter und rotgezungter goldener Löwe, auch goldgekrönt

  Löwe von León In Silber ein rotbewehrter, rotgezungter und goldgekrönter purpurner Löwe.
  Lüneburger Löwe (Fürstentum Lüneburg) In Gold, mit roten Herzen bestreut, ein doppelschwänziger, rotbewehrter und rotgezungter blauer Löwe.
  Markuslöwe Der Markuslöwe – ein geflügelter, hier liegender golden-nimbierter silberner Löwe – ist das Symbol des Evangelisten Markus und Wappentier von Venedig.
  Marzocco Der Marzocco – Löwe ist der Schildhalter im Wappen von Florenz
  Meißner Löwe (Markgrafen zu Meißen) In Gold ein rotbewehrter und rotgezungter schwarzer Löwe.
  Mohrenlöwe Mit Kopf eines Afrikaners (Mohr für schwarze Hautfarbe) Mohrenlöwe im Wappen von Abfaltersbach (Tirol).
  Pfälzer Löwe Der Pfälzer Löwe ist vor allem im süddeutschen Raum in den Bundesländern, Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und dem Saarland verbreitet. Ein rotbewehrter, rotbezungter und rotgekrönter goldener Löwe.
  Schleswigsche Löwen Die Schleswigschen Löwen kommen in verschiedenen Wappen Schleswigs vor. In Gold pfahlweise zwei schreitende, rotbewehrte und rotgezungte blaue Löwen.
  Stauferlöwe Drei Stauferlöwen im Landeswappen Baden-Württembergs.
  Veldenzer Löwe (Grafschaft Veldenz) In Silber ein rotgezungter, goldbewehrt und goldbekrönter blauer Löwe.
  Wächterlöwe Als Schildhalter im Wappen Myanmars.

LöwenwappenBearbeiten

Liste weiterer Löwenwappen:

SchildhalterlöwenBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Löwen in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Commons: gekrönte Löwen in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Commons: doppelschwänzige Löwen in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Walter Leonhard: Das große Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung. 2., durchgesehene und erweiterte Auflage. Georg D. W. Callwey, München 1978, ISBN 3-7667-0345-5.
  2. Gert Oswald: Lexikon der Heraldik. VEB Bibliographisches Institut, Leipzig 1984.
  3. Milan Buben: Heraldik. Bearbeitete Auflage. Albatros, Prag 1987.