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GeographieBearbeiten

Geographische LageBearbeiten

Niemodlin liegt 25 Kilometer südwestlich von der Kreisstadt und Woiwodschaftshauptstadt Opole (Oppeln) an der Landesstraße 46. Niemodlin liegt am linken Ufer der Steinau zwischen Oberschlesien und der mittelschlesischen Ackerebene. Die Gemeinde Niemodlin grenzt im Westen an die Glatzer Neiße und ist weitgehend von Wäldern umgeben. Niemodlin lag an der 1996 stillgelegten Bahnstrecke Szydłów–Lipowa Śląska (dt. Strecke Schiedlow–Falkenberg (Oberschles.)–Deutsch Leippe)

NachbarorteBearbeiten

Niemodlin grenzt im Norden an Gościejowice (Heidersdorf), im Nordosten an Michałówek (Michaelsdorf), im Südosten an Sady (Baumgarten) und Wydrowice (Weiderwitz), im Süden an Lipno (Lippen), im Südwesten an Brzęczkowice (Springsdorf) und im Westen an Piotrowa (Petersdorf).

GeschichteBearbeiten

Unter den schlesischen PiastenBearbeiten

 
Reste der alten Stadtmauer
 
Das Schloss Falkenberg entstand ab 1313.

Eine slawische Siedlung, die für die Feinde unzugänglich zwischen Sümpfen auf der einen und dem Fluss auf der anderen Seite lag, bestand vermutlich schon im 10. Jahrhundert. Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Dorf Nemodlin 1224. Übersetzt heißt der Begriff nicht übler bzw. guter Platz.[1] 1228 vergab der Oppelner Herzog Kasimir I. dieses Dorf seinem Palatin Clemens und dessen Bruder Virbecha, die dafür Bauleistungen an der Oppelner Burg zu erbringen hatten. Sie verwendeten das Dorf zur Ausstattung des Benediktinerinnenklosters Staniątki bei Krakau. Kazimirs Sohn Wladislaus I. erwarb 1260 das Dorf Nemodlin zurück, vermutlich um eine deutschrechtliche Stadt anzulegen, deren Stadtrecht für das Jahr 1283 mit der Erwähnung eines Bürgers belegt ist. Der deutsche Ortsname Falkenberg ist erstmals für das Jahr 1290 nachgewiesen. Nach dem Tod Herzog Bolkos I. wurde dessen Herrschaftsgebiet 1313 aufgeteilt und das Herzogtum Falkenberg für den ältesten Sohn Bolko von Falkenberg errichtet. Das Herzogtum Falkenberg bestand bis 1382; danach wurde es wieder mit dem Herzogtum Oppeln verbunden.

Krone Böhmen und Preußische HerrschaftBearbeiten

 
Falkenberg nach dem Stadtbrand 1750
 
Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt

Nach dem Tod Herzog Johanns II., der 1532 ohne Nachkommen starb, fiel Falkenberg zusammen mit dem Herzogtum Oppeln als erledigtes Lehen an die Krone Böhmen. Danach war die Stadt Falkenberg zunächst im Pfandbesitz des Matthias von Logau und ab 1572 des Kaspar von Pückler, der sie 1581 als Eigentum erwarb, wodurch die eigenständige Grundherrschaft Falkenberg entstand. Er brachte die Reformation in die Stadt und ließ das Schloss im Stil der Renaissance umbauen. Im 15. Jahrhundert hatte sich die Bevölkerung von Falkenberg stark polonisiert, wurde jedoch im 16./17. Jahrhundert durch Zuzug aus den Gebieten von Grottkau und Brieg wieder eingedeutscht. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Falkenberg nach der Schlacht am Weißen Berg 1622 wieder katholisch. Neue Herren wurden Mitte des 17. Jahrhunderts die von Zierotin, dann 1779 die Familie von Praschma.

Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Falkenberg an Preußen und wurde Kreisstadt des Landkreis Falkenberg O.S. Im gleichen Jahr wurde im Ort eine evangelische erbaut, welche bereits acht Jahre später wieder durch einen Brand zerstört wurde. Am 23. Juni 1754 wurde der wiederaufgebaute Neubau eingeweiht.[2]

Im 19. Jahrhundert blieb eine größere wirtschaftliche Entwicklung zunächst aus. Erst der Eisenbahnanschluss im Jahre 1888 brachte eine gewisse Besserung. 1845 bestanden im Dorf ein Schloss mit herrschaftlichen Garten, eine katholische Pfarrkirche, eine katholische Schule, eine evangelische Kirche, eine evangelische Schule, ein Spritzenhaus, eine Brauerei, zwei Brennereien, ein Schießhaus. Im gleichen Jahr lebten in Falkenberg 1559 Menschen, davon 1009 katholisch, 496 evangelisch und 54 jüdisch.[2] 1849 wurde in Falkenberg das Königliche Kreisgericht eingerichtet. 1855 lebten 1971 Menschen im Ort.[3]

In der NS-Zeit waren NSDAP-Kreisleiter: Joachim Heine von 1933 bis 1937, Alfred Rieger von 1938 bis 1939, Hans Schramm von 1939 bis 1941, dann Helmut Michel.[4] Bis 1945 befand sich der Ort im Landkreis Falkenberg O.S.

Nach 1945Bearbeiten

Im Zweiten Weltkrieg wurde Falkenberg kaum zerstört. Nach dem Einmarsch der Roten Armee wurde die Stadt 1945 der polnischen Verwaltung übergeben und erhielt ihren slawischen Namen Niemodlin wieder. Die deutsche Bevölkerung wurde, soweit sie nicht geflohen war, vertrieben. 1950 wurde es der Woiwodschaft Oppeln eingegliedert. 1957 begannen die Abrissarbeiten der evangelischen Kirche am Ring. Zunächst wurde der Turm, 1963 dann das ganze Gebäude abgerissen. Heute befindet sich an der gleichen Stelle eine Grünanlage.[5]

Auf der Bahnstrecke zwischen Gracze und Szydłów wurde 1996 der Personenverkehr eingestellt. 1999 kam der Ort zum neu gegründeten Powiat Opolski (Kreis Oppeln). 2011 lebten in Niemodlin 3269 Menschen.[6]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Entwicklung der Einwohnerzahlen der Stadt Niemodlin:[7]

Jahr Einwohner
1787 1.036
1845 1.559
1890 2.001
1933 2.672
1939 2.757
1971 4.500
2004 6.911

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Schlosstor
 
Alte Bürgerhäuser am Ring
 
Ehemaliges königl. Landratsamt

Schloss FalkenbergBearbeiten

Das Schloss Falkenberg (ehemals Falkenburg) entstand an der Stelle eines hölzernen Kastells ab 1313 unter Herzog Bolko von Falkenberg im Stil der Renaissance. Im 16. Jahrhundert wurde es umgebaut und um den Süd- sowie den Westflügel erweitert. Weitere Umbauten erfolgten im 18. und 19. Jahrhundert.

Pfarrkirche Mariä HimmelfahrtBearbeiten

Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt (Kościół Wniebowzięcia NMP) im Westen des Rings wurde erstmals 1228 erwähnt. 1290 wird der „Pfarrer Eckehard von Valkenbrech“ erwähnt, womit das Bestehen einer Stadtpfarrei bezeugt wird. Der heutige entstand voraussichtlich im Jahr 1381. 1572 wurde durch Kaspar Pückler die Reformation in Falkenberg eingeführt. 1622 wurde in der Kirche wieder ein katholischer Pfarrer in der Kirche eingesetzt. Im Zuge von Kämpfen während des Dreißigjährigen Kriegs brannte die Kirche am 17. Juli 1640 vollkommen aus. Der Wiederaufbau erfolgte erst 1651. Von 1389 bis 1810 diente die Kirche als Propsteikirche. 1781 schlugen zwei Blitze im Kirchturm ein, wodurch dieser durch einen Brand abgetragen werden musste. 1795 wurde der Kirchturm wieder aufgebaut. Nach Baufälligkeit wurde der Turm erneut 1864 abgetragen und kurz darauf wieder aufgebaut. Dabei erhielt der Kirchturm die noch heute vorhandene Höhe von 62,7 Meter.[8] Zur Innenausstattung gehören u. a. der mit Rokokoelementen verzierte Hauptaltar von 1834 mit älteren Figuren der Heiligen Petrus und Paulus sowie die spätbarocken Seitenaltäre und die Kanzel aus dem 18. Jahrhundert.

Weitere SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • Der das Schloss umgebende Landschaftspark wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts anstelle eines Grabens angelegt.
  • Die Stadtmauer wurde Anfang des 15. Jahrhunderts errichtet, das an ihr gelegene Zeughaus entstand um 1700. Es wurde 1945 zerstört und 1960 unter Rekonstruktion des Wehrgangs wieder aufgebaut.
  • Am Ring (poln. Rynek) stehen mehrere Bürgerhäuser mit barocken Fassaden.
  • Die Statue des Hl. Florians wurde ursprünglich 1717 errichtet. 1906 wurde die Statue abgebrochen und exakte Nachbildung ersetzt. Die Statue hat eine Höhe von vier Meter und besteht aus Bunzlauer Sandstein.[8]
  • Das ehemalige königliches Landratsamts wurde 1873 an der ehemaligen Neisser Straße errichtet.[8]

StädtepartnerschaftenBearbeiten

PersönlichkeitenBearbeiten

GemeindeBearbeiten

Die Stadt-und-Land-Gemeinde (gmina miejsko-wiejska) Niemodlin gliedert sich in die namensgebende Stadt und 27 Dörfer mit Schulzenämtern.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Niemodlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Heinrich Adamy: Die Schlesischen Ortsnamen ihre Entstehung und Bedeutung. Verlag von Priebotsch’s Buchhandlung, Breslau 1888, S. 10.
  2. a b Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuss. Provinz Schlesien. Breslau 1845, S. 812–813.
  3. Vgl. Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien, Breslau 1865, S. 1125
  4. Kruszewski, Tomasz: Partia Narodowosocjalistyczna na Śląsku w latach (NSDAP in Schlesien in den Jahren) 1933-1945, Breslau 1995.
  5. Bilder und Informationen zur evangelischen Kirche Niemodlin (polnisch)
  6. GUS 2011: Ludność w miejscowościach statystycznych według ekonomicznych grup wieku (XLSX-Datei, polnisch), 31. März 2011, abgerufen am 2. Juli 2019
  7. Verwaltungsgeschichte Kreis Falkenberg
  8. a b c Heimatverein des Kreises Falkenberg O/S: Heimatbuch des Kreises Falkenberg in Oberschlesien. Scheinfeld, 1971. S. 63–120