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Woiwodschaft

Verwaltungseinheit in Polen
Woiwodschaften in deutscher Übersetzung (Stand 1. Januar 2009)

Eine Woiwodschaft oder Wojewodschaft ist ein polnischer Verwaltungsbezirk als oberste Stufe der territorialen Gliederung (ISO 3166-2-Ebene, siehe ISO 3166-2:PL) und liegt in der Statistikebene NUTS-2. Nächstkleinere Selbstverwaltungseinheit ist der Powiat (Landkreis). Aktuell gibt es in Polen 16 Woiwodschaften.

Der Begriff Woiwodschaft, polnisch Województwo ist abgeleitet von Woiwode (deutsch: Heerführer, Herzog). Dieser Titel steht in der polnischen Geschichte in Kontrast zum Titel Książę, der etymologisch vom germanischen Wort König abgeleitet ist, aber ebenfalls zumeist mit Herzog übersetzt wird. Historisch ersetzten die Województwa als Verwaltungseinheiten eines geordneten Staatswesens zunehmend die stammesgeschichtlich und dynastisch entstandenen Księstwa (Fürsten- oder Herzogtümer).

Inhaltsverzeichnis

Woiwodschaften im 14. bis 18. JahrhundertBearbeiten

 
Woiwodschaften und (rosa) lehensabhängige Gebiete 1582

Schon bald nach der Überwindung des Polnischen Partikularismus wurde das Königreich Polen 1308–1339 in Woiwodschaften eingeteilt. Deren Hauptstädte lagen oft nicht in der Mitte, sondern recht nahe bei dem der Königsstadt Krakau zugewandten Ende:

In Großpolen:

In Kleinpolen

Zu der Zeit war Masowien nur durch die Zugehörigkeit zum Erzbistum Gnesen mit Polen verbunden. Mit seiner Integration in das polnische Staatswesen wurde es später ebenso in Woiwodschaften eingeteilt wie das Großfürstentum Litauen und das Königliche Preußen.

Woiwodschaften in der Zweiten RepublikBearbeiten

 
Woiwodschaften der Zweiten Republik

Da Polen schon seit der Vereinigung des Königreichs Polen mit dem Großfürstentum Litauen die Staatsbezeichnung Rzeczpospolita trug, wird die polnische Republik zwischen den Weltkriegen als Zweite Republik bezeichnet.

Deren Woiwodschaften waren, wie schon in Königreich und Adelsrepublik, überwiegend nicht nach Landschaften, sondern nach ihren Verwaltungszentren benannt.

Woiwodschaften seit dem Zweiten WeltkriegBearbeiten

Nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1975 war Polen in 17 Woiwodschaften gegliedert.

1975 wurde die Zahl auf 49 erhöht, offiziell um die Landesverwaltung zu optimieren, die Behörden in den Regionen zu stärken und die Missverhältnisse in den wirtschaftlichen Entwicklungen zwischen den Regionen auszugleichen. Keines der genannten Ziele wurde erreicht, stattdessen wurde, erwartungsgemäß, der Einfluss der Zentralregierung erhöht.[1]

Am 1. Januar 1999 wurde die Struktur aufgegeben und es entstanden 16 Woiwodschaften, die größtenteils historische Gebiete darstellen. Ursprünglich waren 12 Woiwodschaften geplant; allerdings gab es politische Diskussionen, die zu einer Vergrößerung der Anzahl auf 16 führten. Die zusätzlichen vier Woiwodschaften waren Heiligkreuz, Opole, Lebus und Kujawien-Pommern.[2] Politische Überlegungen führten auch dazu, dass die Woiwodschaft Kujawien-Pommern zwei offizielle Hauptstädte hat, ebenso die Woiwodschaft Lebus.

OrganeBearbeiten

Da Polen ein Einheitsstaat ist, weisen die Woiwodschaften im Gegensatz zu den deutschen Ländern keine Staatsqualität auf.

Jede Woiwodschaft besitzt als Selbstverwaltungsorgan eine Volksvertretung (Sejmik województwa, Woiwodschaftsversammlung, Woiwodschaftstag), die einen Vorstand (zarząd województwa, Woiwodschaftsvorstand) wählt und einen Vorsitzenden (marszałek województwa, Woiwodschaftsmarschall, Woiwodschaftspräsident) nominiert.

Der Woiwode (etwa Präfekt) ist hingegen der Vertreter der (Warschauer) Zentralregierung, zuständig für Kontrolle der Selbstverwaltung der Woiwodschaften, Landkreise (Powiat) und Gemeinden (Gmina).

Liste der WoiwodschaftenBearbeiten

Woiwodschaften seit 1999Bearbeiten

Woiwodschaft Deutscher Name Einwohner Fläche in km² Bevölkerungsdichte in Ew./km² Hauptstadt Kfz-Kennzeichen
(1. Buchstabe)
Flagge
Województwo dolnośląskie Woiwodschaft Niederschlesien 2.876.832 19.947 144 Wrocław (Breslau) D  
Województwo kujawsko-pomorskie Woiwodschaft Kujawien-Pommern 2.066.418 17.972 115 Bydgoszcz (Bromberg) und Toruń (Thorn) C  
Województwo lubelskie Woiwodschaft Lublin 2.163.437 25.122 86 Lublin L  
Województwo lubuskie Woiwodschaft Lebus 1.008.656 13.988 72 Gorzów Wielkopolski (Landsberg a.d. Warthe) und
Zielona Góra (Grünberg)
F  
Województwo łódzkie Woiwodschaft Lodsch 2.551.633 18.219 140 Łódź E  
Województwo małopolskie Woiwodschaft Kleinpolen 3.282.378 15.183 216 Kraków (Krakau) K  
Województwo mazowieckie Woiwodschaft Masowien 5.195.000 35.558 146 Warszawa (Warschau) W  
Województwo opolskie Woiwodschaft Oppeln 1.034.656 9.412 110 Opole (Oppeln) O  
Województwo podkarpackie Woiwodschaft Karpatenvorland 2.097.276 17.845 118 Rzeszów R  
Województwo podlaskie Woiwodschaft Podlachien 1.191.925 20.187 59 Białystok B  
Województwo pomorskie Woiwodschaft Pommern 2.215.100 18.310 121 Gdańsk (Danzig) G  
Województwo śląskie Woiwodschaft Schlesien 4.648.961 12.334 377 Katowice (Kattowitz) S  
Województwo świętokrzyskie Woiwodschaft Heiligkreuz 1.273.625 11.710 109 Kielce T  
Województwo warmińsko-mazurskie Woiwodschaft Ermland-Masuren 1.426.401 24.173 59 Olsztyn (Allenstein) N  
Województwo wielkopolskie Woiwodschaft Großpolen 3.391.256 29.827 114 Poznań (Posen) P  
Województwo zachodniopomorskie Woiwodschaft Westpommern 1.692.355 22.892 74 Szczecin (Stettin) Z  

Alle Angaben von 2008[3]

Woiwodschaften 1975–1998Bearbeiten

 
Woiwodschaften 1975–1998

Woiwodschaften 1945–1975Bearbeiten

 
Woiwodschaften 1950–1975

Woiwodschaften 1921–1939Bearbeiten

 
Die Woiwodschaften der 2. Republik bis 1939

Woiwodschaften 1816–1837 (Kongresspolen)Bearbeiten

 
Kongresspolen 1831

1816–1837 bestanden auch in Kongresspolen Woiwodschaften, diese wurden danach in Gouvernements umbenannt und mehrfach reorganisiert.

Woiwodschaften 1569–1795 (Polen-Litauen)Bearbeiten

Abgesehen von den königlichen Freistädten (Danzig, Thorn, Elbing und Riga bis 1621) war Polen-Litauen in Woiwodschaften eingeteilt.

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Iwona Sagan: Polnische Regional- und Metropolenpolitik. In: Polen-Analysen. Nr. 103, 21. Februar 2012, ISSN 1863-9712, S. 1–12, Digitalisat (PDF; 795 KB).
  2. Andrzej Chwalba: Kurze Geschichte der Dritten Republik Polen. 1989 bis 2005. Harrassowitz, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-447-05925-1, S. 59.
  3. Powierzchnia i ludność w przekroju terytorialnym w 2008 r. online.