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Powiat

Verwaltungseinheit der zweiten Ebene der lokalen Selbstverwaltung von Polen
Powiate in Polen

Der Powiat [ˈpɔvʲat] ist eine territoriale Verwaltungseinheit der zweiten Ebene der lokalen Selbstverwaltung in Polen. Der polnische Begriff powiat bedeutet wörtlich Kreis.[1] Ein Powiat entspricht flächenmäßig dem Landkreis bzw. Kreis der deutschen kommunalen Selbstverwaltung und liegt in der Verwaltungshierarchie unter der Woiwodschaft (województwo) und oberhalb der Gemeinde (Gmina). Im Durchschnitt haben Woiwodschaften 20 Powiate, die jeweils aus 5 bis 15 Gemeinden bestehen.

Die Powiate wurden 1975 aufgelöst, aber im Zuge einer Verwaltungsreform am 1. Januar 1999 wieder eingeführt, als man die Zahl der Woiwodschaften von 49 auf 16 reduzierte. 2014 gab es in Polen 380 Powiats, darunter 314 sog. Landkreise (powiat ziemski) und 66 Stadtkreise (miasto na prawach powiatu).[2]

Inhaltsverzeichnis

Organisation und AufgabenBearbeiten

Verwaltungstechnisch bestehen zwischen einem Powiat und dem deutschen Landkreis Unterschiede. Beim Powiat sind die Verantwortlichkeiten wie folgt zugeordnet:

  • Legislative: Kreistag (rada powiatu). Die wörtliche Übersetzung „Rat des Kreises“ für „Rada Powiatu“ kann zu Missverständnissen führen; der „Rat des Kreises“ war ein Verwaltungsorgan in der DDR.
  • Exekutive: Kreisvorstand (zarząd powiatu) mit seinem Vorsitzenden, dem Landrat (starosta) und ihm untergeordneten Landratsamt (starostwo powiatowe), darüber auch Kreissekretär (sekretarz powiatu) und Kreiskämmerer (skarbnik powiatu). Die Exekutivbehörden werden vom Kreisrat gewählt.

Der Kreisrat wird von den Einwohnern des Kreises in allgemeinen Wahlen (mit 4-jährigen Wahlperioden) einberufen.[3]

Der Landrat und Kreisvorstand erfüllen die administrativen Aufgaben des Kreises und werden durch den Kreisrat einberufen. Der Landrat ist in der Regel nicht der Vorsitzende des Kreisrates.[3]

Die polnischen Kreise sind also Gebietskörperschaften mit Magistratsverfassung. Sie sind ebenso wie die Gemeinden rechtlich eigenständige und eigenverantwortliche Einheiten.

Die Kreise nehmen nur die Aufgaben wahr, die von den Gemeinden als den eigentlichen lokalen Selbstverwaltungen nicht erfüllt werden können und die ihnen als Selbstverwaltungsaufgaben explizit per Gesetz zugeschrieben sind. Insofern sind sie wohl mit den Ämtern oder Verwaltungsgemeinschaften in Thüringen vergleichbar.

StadtkreiseBearbeiten

Städte mit Rechten eines Powiats (miasta na prawach powiatu) sind die Stadtgemeinden, die zugleich die Aufgaben der Kreise wahrnehmen. Umgangssprachlich und auch in der Rechtswissenschaft werden sie Stadtkreise (powiat grodzki) genannt.

Ihre Legislative ist die Stadtverordnetenversammlung (rada miasta) und ihre Exekutive der Stadtpräsident (prezydent miasta). Beide Organe werden vom Volk gewählt (vgl. Süddeutsche Ratsverfassung).

Beispielsweise bildet Elbląg (Elbing) einen eigenen Stadtkreis und gehört dem Powiat Elbląski (Powiat Elbing) nicht an. Das Umland der Stadt gehört als eigenständige Landgemeinde Elbląg zum Powiat.

Siehe auchBearbeiten

RegionalstatistikBearbeiten

Powiate sind in den regionalen Statistiken der Europäischen Union je nach Einwohnerzahl in NUTS 3 oder LAU 1 klassifiziert (vgl. NUTS:PL).[4]

GeschichteBearbeiten

Die Geschichte der Powiate reicht zurück bis ins 14. Jahrhundert. Das Wort Powiat leitet sich vom Litauischen powĕta (von wĕta, altertümlich für Stadt) ab.[5] Die 1795 aufgelöste Woiwodschaft Wilna gliederte sich in fünf Powiate (Distrikte).[6] Die Woiwodschaften waren am Anfang des 19. Jahrhunderts weit größer zugeschnitten als heute und umfassten nur zwei bis fünf Powiate.[7]

Der polnische Begriff Powiat wurde im 19. Jahrhundert mit Distrikt übersetzt.[5][6][7]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. PONS Wielki słownik polsko niemiecki. Klett, Stuttgart 1966. ISBN 978-83-7608-942-3.
  2. [:http://ksng.gugik.gov.pl/pliki/podzial_administracyjny_polski_2014.pdf Podział administracyjny Polski 2014], S. 1
  3. a b Vergleichende Analyse der Strukturen öffentlicher Verwaltung in der Republik Polen und der Bundesrepublik Deutschland. S. 82–83
  4. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 21. Juli 2004 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/europa.eu.int
  5. a b Paul Josef Schafariks: Slawische Alterthümer. Band 2, Leipzig 1844, S. 616.
  6. a b Ernst Börnschen: Geschichte Polens vom Ursprung dieses Reichs bis auf die neuesten Zeiten. Leipzig 1808, Geopraphisch-statistischer Anhang, S. 13.
  7. a b A. C. A. Friederich: Historisch-Geographische Darstellung Alt- und Neu-Polens. Berlin 1839, S. XXIX–XXXIII.