Rehbach (Michelstadt)

Stadtteil von Michelstadt im Odenwaldkreis

Rehbach ist ein Stadtteil von Michelstadt im südhessischen Odenwaldkreis.

Rehbach
Koordinaten: 49° 42′ 26″ N, 8° 57′ 7″ O
Höhe: 280 m ü. NHN
Fläche: 10,3 km²[1]
Einwohner: 617 (1. Jul. 2017)[2]
Bevölkerungsdichte: 60 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Dezember 1971
Postleitzahl: 64720
Vorwahl: 06061
Erstmals urkundlich 1113 erwähnt, ist die Rehbacher Kirche eines der ältesten Kirchenbauwerke des Odenwalds.

GeschichteBearbeiten

AnfängeBearbeiten

Die älteste erhaltene Erwähnung von Rehbach stammt von 1095 aus dem Lorscher Codex.[3] Von 1113 stammt die älteste erhaltene Nennung der Rehbacher Kirche, die heute noch als Friedhofskapelle genutzt wird. Bei dem frühen Kirchenbau handelt es sich vermutlich um eine Eigenkirche, worauf Funde von Steinsarkophagen hindeuten, darunter die Grablege des vermuteten Stifterehepaares.[4] Bei ihrer Ersterwähnung befand sich die Kirche bereits im Besitz der Propstei Michelstadt-Steinbach. Das Langhaus der Kirche wurde im 19. Jahrhundert abgebrochen, sodass heute nur noch der Chorturm mittelalterliche Substanz aufweist.[5]

ZugehörigkeitBearbeiten

Rehbach gehörte 1806 zum Amt Fürstenau der Grafschaft Erbach-Fürstenau, als diese mit der Mediatisierung Teil des Großherzogtums Hessen wurde. Ab 1822 gehörte Rehbach zum Landratsbezirk Erbach, ab 1852 zum Kreis Erbach (ab 1939: „Landkreis Erbach“), der – mit leichten Grenzberichtigungen – seit 1972 Odenwaldkreis heißt. Am 1. Dezember 1971 schloss sich Rehbach mit damals 292 Einwohnern anlässlich der Gebietsreform in Hessen freiwillig der Stadt Michelstadt an.[6] Wie für jeden Michelstädter Stadtteil wurde ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.

Nach Auflösung des Amtes Erbach 1822 nahm die erstinstanzliche Rechtsprechung für Rehbach das Landgericht Michelstadt wahr, ab 1879 das Amtsgericht Michelstadt.

BergbauBearbeiten

Rehbach war ein Standort für Bergbau und Hüttenwesen. Seit 1576 gibt es hier Zeugnisse für einen gräflich-erbachischen Hochofen. Der Ofen verarbeitete Erze aus Momart und Mossau. Bereits zwei Jahre später wurde der Ofen nach Zell verlegt, womit wahrscheinlich der Untere Hammer in Michelstadt gemeint ist. In Rehbach gefundene Schlacken (zahlreich u. a. in den Kellerwiesen) weisen einen hohen Mangangehalt von 8 % auf, was für eine frühe Datierung spricht. Nach 1578 ist keine Erzverhüttung mehr nachweisbar. Grundmauern von Gebäuden im Dorfsee dürften damit älter als 1578 sein.[7] Für den Erzabbau wurden viele kleine Seen ausgehoben, um das Erz zu waschen. Dazu gehören unter anderem der Dorfsee, der Schafsee und der Rohrsee. Aufgrund des Mangangehalts wurden die Schlackehalden im Ersten Weltkrieg abgefahren.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Durch den Dreißigjährigen Krieg sowie durch Seuchen wurde Rehbach im 17. Jahrhundert fast vollständig entvölkert. 1701 lebten 13 Personen in zwei Anwesen.

Um 1970 lebten in Rehbach 303 Personen. Heute sind es etwa 600.

Jahr Einwohnerzahl[1]
1623 90
1650 0
1701 13
1829 157
1933[8] 282
1939 259
1961 264
1970 303
1971 292
2012 586

KulturBearbeiten

In der Ortsmitte stehen die alte Schule und die ehemals gräflich-fürstenauische Oberförsterei, flankiert vom Hohenloher Hof und der durch Zusammenlegung mehrerer Huben als gräflich-erbachisches Erbpachtgut entstandene Hofanlage in der Nibelungenstraße, die beide zu den größten Hofreiten des gesamten Kreisgebiets zählen.[9]

VerkehrBearbeiten

Rehbach liegt an der Bundesstraße 47, der Nibelungenstraße, die von Worms, Bensheim und Lindenfels im Westen über die Spreng nach Rehbach und weiter zur benachbarten Kernstadt Michelstadt im Osten führt.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Rehbach, Odenwaldkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. Juli 2014). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Zahlen und Fakten. Wirtschaftsdaten. In: Webauftritt. Stadt Michelstadt, abgerufen im August 2020.
  3. Minst, Karl Josef [Übers.]: Lorscher Codex (Band 1), Urkunde 141, 27. Oktober 1095 – Reg. 3628. In: Heidelberger historische Bestände – digital. Universitätsbibliothek Heidelberg, S. 194, abgerufen am 11. Juni 2018.
  4. Thomas Steinmetz: Burgen im Odenwald. Verlag Ellen Schmid, Brensbach 1998, ISBN 3-931529-02-9, S. 14.
  5. Rehbach feiert seine alte Kirche. 10. Februar 2013. Archiviert vom Original am 10. Februar 2013.
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 358.
  7. Friedrich Mössinger: Bergwerke und Eisenhämmer im Odenwald. Verlag der Südhessischen Post, Heppenheim 1957, S. 30f.
  8. Verwaltungsgeschichte Hessens: Erbach
  9. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Langen-Brombacher Straße 2: Ehemalige Schule In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen