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Burg Breuberg, ursprünglicher Landratssitz
Landratsamt seit 1837

Der Landratsbezirk Breuberg war ein Landratsbezirk im Großherzogtum Hessen. Er bestand von 1822 bis 1848.

GeschichteBearbeiten

1821 wurden die Ämter im Großherzogtum aufgelöst und Landratsbezirke gebildet. Im Odenwald bestanden die standesherrlichen Gerichts- und Verwaltungsrechte der ehemaligen Grafen und Fürsten fort.[1] Erst am 8. Mai 1822 hat der Großherzog in Folge der von ihm beschlossenen neuen Landeseinteilung „gnädigst genehmigt und verordnet, daß die Herrschaft Breuberg mit den Aemtern Habitzheim und König einen Landraths= und Landgerichts=Bezirk bilden, daß der Sitz des Landraths zu Breuberg und der des Landrichters zu Höchst seyn und besagter Bezirk die Benennung ‚Großherzoglich-Hessischer Fürstlich Löwenstein Wertheimischer und Gräflich Erbach Schönbergischer Landraths=Bezirk Breuberg‘ ... führen soll.“[2] Abgelöst wurde zum einen das Hoheitsamt Breuberg, dass die Verwaltungsaufgaben im Auftrag des Großherzogs vornahm, als auch die lokalen Behörden der Standesherren.

Verwaltung und Rechtsprechung auf der untersten staatlichen Ebene waren fortan voneinander getrennt organisiert. Der Landgerichtsbezirk führte die Benennung ‚Großherzoglich-Hessischer Fürstlich Löwenstein Wertheimischer und Gräflich Erbach Schönbergischer Landgerichts=Bezirk Höchst‘.

Die Standesherren verfügten über das Vorschlagsrecht für im Bezirk tätige Beamte und Richter.

Der Landratsbezirk Breuberg bestand aus[3]:

Frauen Nauses; Nieder Klingen; Ober Klingen; Schloss Nauses; Wiebelsbach

Das Gebiet gehörte zur Provinz Starkenburg und bestand aus 24 Bürgermeistereien:

  1. Böllstein mit Affhöllerbach, Hembach, Kilsbach und Stierbach
  2. Breitenbrunn
  3. Habitzheim
  4. Hassenroth mit Birkert (habitzheimerseits) und Mittel-Kinzig
  5. Hainstadt mit Breitenbach, Mühlhausen und Raibach
  6. Hetschbach (wurde nachträglich als ehemaliger freiherrlich von Wamboldtischer Patrimonialgerichtsort am 5. März 1823 administrativ dem Landratsbezirk Breuberg und für die Justizverwaltung dem Landgericht Höchst zugeteilt)[5]
  7. Höchst mit Dusenbach
  8. Hummetroth mit Annelsbach, Forstel und Pfirschbach
  9. Kirch-Brombach mit Balsbach
  10. König mit Fürstengrund
  11. Langenbrombach (teilweise)
  12. Lützel-Wiebelsbach
  13. Mümling-Grumbach mit Etzen-Gesäß
  14. Neustadt mit Breuberg
  15. Nieder-Kinzig mit Birkert (breubergerseits), Gumpersberg und Ober-Kinzig
  16. Nieder-Klingen
  17. Ober-Klingen
  18. Rimhorn
  19. Sandbach
  20. Seckmauern mit Haingrund
  21. Vielbrunn mit Hainhaus, Kimbach und Ohrenbach
  22. Wallbach mit Höllerbach
  23. Wiebelsbach mit Frau-Nauses, Ober-Nauses und Schloß-Nauses
  24. Wald-Amorbach

Von der Neuorganisation in Kreise 1832 blieben die standesherrlichen Landratsbezirke unberührt. Am 25. August 1837 wurde der Amtssitz aus der Burg Breuberg nach Neustadt verlegt.[6]

Die verbleibenden (standesrechtlichen) Landratsbezirke wurden nach der Märzrevolution 1848 aufgelöst und die verbleibenden standesherrlichen Vorrechte mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April, verabschiedet am 9. August 1848 abgeschafft[7]. Der Landratsbezirk Breuberg ging im Regierungsbezirk Erbach auf.

Historische BeschreibungBearbeiten

Die „Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen“ berichtet 1829 über den Landratsbezirk Breuberg[3]:
Lage und Grenzen werden beschrieben als: „»Bezirk liegt zwischen dem 49° 43° und 49° 52° nördlicher Breite und dem 26° 32 und 26° 49 östlicher Länge. Die Grenzen sind gegen Norden: der Bezirk Dieburg; gegen Osten: der Bezirk Dieburg und der bairische Untermainkreis; gegen Süden: der Bezirk Erbach; gegen Westen: die Bezirke Erbach und Reinheim.«“
Die Natürliche Beschaffenheit als: »a) Oberfläche und Boden: Der Bergrücken der den östlichen Theil des Bezirks durchzieht, geht in dem Bezirk Breuberg über Vielbrunn, Lützelwiebelsbach nach dem Main. Der Rücken ist meistens breit, die einzelnen Strahlen laufen gegen die Mimling aus. Man findet viele mit Wald bewachsene Anhöhen. Der Boden ist schwer und qrößtentheils von ziemlicher Fruchtbarkeit, die sich aber an Orten, wo er stark mit Steinen vermengt ist mindert. An den steilen Abhängen wird die gute Erde von Regengüssen oft abgeschwemmt. . b) Gewässer: 1) die Mimling fließt mitten durch den Bezirk; 2) die Kinzig; 3) der Semderbach (Hechtbach) (rechter Zufluss der Gersprenz); 4) der Höllerbach; 5) der Wallbach.« 
Die Bevölkerung als: „»Diese beträgt 17.474 Seelen, unter diesen sind 13.509 Lutheraner; 2046 Katholiken; 1454 Reformirte; 5 Menoniten und 460, Juden welche zusammen 1 Stadt, 4 Marktflecken, 39 Dörfer, 4 Weiler, überhaupt 2444 Häuser bewohnen.«“
Die Naturprodukte als: „»708 Pferde; 100 Fohlen; 28 Bullen; 538 Ochsen; 3864 Kühe; 1561 Rinder; 3l03 Schweine; 5653 Schaafe; 458 Ziegen; 94 Esel. Namentlich in der Mimling finden sich Fischotter, Fische und Krebse. Korn, Gerste, Spelz, Hafer, Heidekorn, Erbsen, viel Kartoffel, Magsaamen (nur in Habizheim), etwas Wein, Heu, viel Zwetschen und Holz; Brüche von rothen Sandsteinen zu Fürstengrund, die zu Mühlsteinen benutzt werden; ebenfalls gute zu Hainstadt, von geringerer Güte zu König, Kirchbrombach, Mimlinggrumbach, Neustadt, Niederkinzig und Oberklingen, die auch behauen werden. Blauer Kalk findet sich zu Forstel und Oberkinzig.«“
Gewerbe und Handel als: „»Ackerbau und Viehzucht. Die Tuchmachereien und Spinnereien sind nicht ganz unbedeutend, namentlich in König und Kirchbrombach. In Mühlhausen ist ein Eisenhammer und in Langenbromdach eine Papiermühle; außerdem befinden sich im Bezirke noch 32 Mahlmühlen, damit sind verbunden 7 Oel-, 7- Schneid-, 2 Gipssmühlen und 2 Hanfreiben; außerdem noch 2 besondere Oelmühlen. Viele Einwohner nähren sich mit dem Holzhandel, mit Holzmachen mit Kohlenbrennen und dem Verkauf von dürren Zwetschen, welche letztere einen nicht unwichtigen Handelsartikel abgeben. Der Handel der Gemeinden Sandbach, Neustadt und Hainstadt zieht sich fast ausschließlich nach den Maingegenden hin. Die Straße vom Neckar über Michelstadt, geht durch König, Mimlinggrumbach bis Höchst, und die Straße von Darmstadt nach Michelstadt geht nur durch den einzigen Bezirksort Böllstein.«“

LandräteBearbeiten

Im Hoheitsamt Breuberg wirkte vom 28. Juli 1808 bis zum 12. Oktober 1821 als Hoheitsbeamter bzw. ab 1817 als Hoheits-Regierungsbeamter der Hofrat Ferdinand Jakob Beck (* ca. 1762; † 1834).

Vom 5. April 1822 bis zum 4. August 1834 amtierte Landrat Anton Joseph Lauteren (* 20. Juli 1783 Breuberg; † 6. August 1834 ebd.) und vom 4. November 1834 bis zum 31. Juli 1848 Landrat Christoph Hoffmann (* 13. November 1802 Darmstadt; † 1. Juni 1859 ebd.)

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. „Edikt über die staatsrechtlichen Verhältnisse der Standesherren im Großherzogtum“ vom 17. Februar 1820 (Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 1820, S. 125–160)
  2. Bekanntmachung, die Bildung des Landraths= und Landgerichts=Bezirks Breuberg betreffend, vom 8. Mai 1822 (Reg.=Bl. Nr. 18 S. 199) online bei Google Books
  3. a b Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg. Band 1. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt Oktober 1829, S. 27 ff. (Online bei Google Books).
  4. Beiträge zur Statistik des Grossherzogthums Hessen, Bände 1-5, Hofbuchhandlung von G. Jonghaus, 1862, Seite 80 (online bei google bocks)
  5. Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 1838 1823, S. 13
  6. Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 1837, S. 387
  7. Großherzog von Hessen: Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren vom 7. August 1848. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1848 Nr. 40, S. 237–241 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 42,9 MB]).