Der Landratsbezirk Langen war ein Landratsbezirk im Großherzogtum Hessen mit Sitz in Langen und bestand von 1821 bis 1832. Er ging 1832 in den Kreisen Groß-Gerau und Offenbach auf.

Umfang des LandratsbezirksBearbeiten

Der Landratsbezirk Langen setzte sich aus den folgenden vorherigen Verwaltungseinheiten zusammen[1]:

Der Bezirk enthielt 14 althessische, zwei vormals mainzische als Dominalorte und drei ritterschaftliche Orte.[2]

VerwaltungseinheitenBearbeiten

Administrative VerwaltungBearbeiten

Die administrative Einteilung legte die Bürgermeistereien fest, welche dem Landrat unterstanden. Dabei wurden mehrere kleinere Ortschaften häufig durch eine Bürgermeisterei verwaltet. Seit 1822 konnten die hessischen Gemeinden ihre Bürgermeister selbst wählen und es wurden keine Schultheiße mehr eingesetzt. Die folgenden 15 Bürgermeistereien wurden im Landratsbezirk bestimmt:

  1. Arheilgen
  2. Dietzenbach
  3. Egelsbach
  4. Eppertshausen
  5. Erzhausen
  6. Gräfenhausen mit Schneppenhausen
  7. Kelsterbach
  8. Langen
  9. Messel
  10. Mörfelden
  11. Niederroden
  12. Oberroden mit Messenhausen
  13. Walldorf
  14. Weiterstadt mit Braunshardt
  15. Wixhausen

Die Polizeihoheit über Messel und Messenhausen wurde im Auftrag der freiherrlichen Familie von Albini und des Freiherren von Frankenstein von dem Landrat des Bezirks verwaltet.

JustizverwaltungBearbeiten

Gleichzeitig mit der Bildung der Landratsbezirke wurden Landgerichte installiert, die jetzt unabhängig von der Verwaltung waren. Mit dem Landratsbezirk Langen wurde das Landgericht Langen als Gericht erster Instanz geschaffen. Der Gerichtsbezirk deckte sich mit dem Landratsbezirk ohne die Orte Messel, Eppertshausen und den Messenhäuser Höfen. Die Gerichtsbarkeit über Messel und Messenhausen wird in Auftrag der Gerichtsherrschaft von dem Landgericht ausgeübt.[2]

FinanzverwaltungBearbeiten

Für die Einnahmen aus Staatseigentum (den sogenannten Domanialen) gab es die Rentämter. Zum Rentamt Darmstadt gehörten die Bürgermeistereien Arheilgen, Egelsbach, Erzhausen, Gräfenhaufen, Kelsterbach, Langen, Messel, Mörfelden, Walldorf, Weiterstadt und Wixhausen. Zum Rentamt Seligenstadt gehörten die Bürgermeistereien Dietzenbach, Niederroden und Oberroden.[2]

Davon getrennt war die Steuerverwaltung. Für den Landratsbezirk war der Steuerbezirk Langen zuständig, der alle Orte des Landratsbezirks umfasste und zur Obereinehmerei Darmstadt gehörte. Der Steuerbezirk Langen war wiederum in zwei Distrikteinnehmereien gegliedert, die aus Langen mit Dietzenbach, Egelsbach, Eppertshausen, Messel, Messenhausen, Niederroden und Oberroden und Morfelden mit Arheilgen, Braunshardt, Erzhausen, Gräfenhaufen, Kelsterbach, Schneppenhausen, Walldorf, Weiterstadt und Wixhausen, bestanden.[2]

Der Bezirk gehörte zum Hauptzollamt Neuisenburg und hatte zwei Nebenzollämter in Kelsterbach und Langen.

Weitere VerwaltungenBearbeiten

Die Orte des Landratsbezirks waren drei verschiedenen Forsten zugeteilt. Zum Forst Langen gehörten folgende 5 Forstreviere: 1. Koberstadt; 2. Mitteldick; 3. Mönchhof mit Kelsterbach; 4. Mörfelden mit Braunshardt, Gräfenhausen, Schneppenhausen und Walldorf; 5. Wolfsgarten mit Egelsbach und Langen. Die Orte Arheilgen, Erzhausen, Weiterstadt und Wixhausen gehörten zum Forstrevier Kalkofen, der Ort Messel gehörte zum Forstrevier Messel, beide lagen im Forst Darmstadt. Die Orte Dietzenbach, Eppertshausen, Messenhausen, Niederroden und Oberroden gehören zum Forstrevier Oberroden des Forsts Seligenstadt.[2]

Die Kirchverwaltung im Bezirk bestand aus dem Inspektorat Langen, dem die lutherischen Pfarreien Arheilgen, Dietzenbach, Egelsbach, Gräfenhausen mit Schneppenhausen, Kelsterbach, Langen, Messel, Mörfelden, Weiterstadt mit Braunshardt, Wixhausen mit Erzhausen und die reformirte Pfarrei Walldorf unterstanden. Die katholischen Orte mit Pfarreien in Eppertshausen, Niederroden mit Messenhausen und Urberach (aus dem Landratsbezirk Offenbach) gehören zum Dieburger Landkapitel.[2]

Historische BeschreibungBearbeiten

Die „Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen“ berichtet 1829 über den Landratsbezirk Langen[2]:
Lage und Grenzen werden beschrieben als: »Der Bezirk hat eine sehr irreguläre Lage und liegt zwischen dem 49° 54′ und 50° 5′ nördlicher Breit und zwischen dem 26° 8′ und 26° 34′ östlicher Länge. Die Grenzen sind gegen Norden: das Herzogthum Nassau, das Gebiet der freien Stadt Frankfurt, die Bezirke Offenbach und Seligenstadt; gegen Osten: die Bezirke Offenbach und Seligenstadt; gegen Süden: die Bezirke Dieburg und Darmstadt; gegen Westen: der Main mit dem an liegenden Herzogthum Nassau und der Bezirk Dornberg.«
Die Natürliche Beschaffenheit als: »a)  Oberfläche und Boden: Der Bezirk bildet eine große, meist ganz reizlose einförmige Ebene, die nur auf der östlichen Seite von Anhöhen unterbrochen wird. Man findet große Sand, besonders in dem südlichen Theil, die zuweilen fast in Flugsand übergehen. An mehreren Orten ist der Sand jedoch mehr oder weniger mit Pflanzenerde vermischt, und bei Witterung doch ziemlich fruchtbar. Doch werden in den Sandebenen Stellen gefunden, die einen schweren schwarzen Boden haben, der fruchtbar genug ist alles zu erzeugen. b)   Gewässer: 1) der Main; 2)  der Schwarzbach; 3) der  Rodaubach; 4)  der Apfelbach; 5)  der Heegbach; 6)  der Gundbach; 7  der Sülzbach.« 
Die Bevölkerung als: »Diese beträgt 15,772 Seelen; unter diesen sind 11,589 Luth.; 3119 Kath.; 507 Reform.; 9 Mennon. und 548 Juden, welche zusammen 1 Marktflecken, 17 Dörfer und 1 Weiler, überhaupt 2115 Häuser bewohnen.«
Die Naturprodukte als: »1034 Pferde, 104 Fohlen, 42 Bullen, 316 Ochsen, 3631 Kühe, 1158 Rinder, 3522 Schweine, 3310 Schaafe, 155 Ziegen, 2 Esel. Viel Korn und Hafer, weniger Gerste und noch weniger Spelz und Waizen. An mehreren Orten viel Hirse und Heidekorn; etwas Welschkorn, Raps, etwas Mohn, Hanf; hier und da viel Flachs; Hülsenfrüchte, Klee, Kürbisse, Kartoffel, Rüben, Obst. An Mineralien ist der Bezirk arm. Brüche von rothen Sandsteinen bei Langen, die aber zu keinen feinen Arbeiten brauchbar sind; Flötzkalk, der zuweilen Spuren von Versteinerungen und Schwefelkies enthält. Im Gehaborner Feld Muschelkalk mit Turbiniten, Streusand, zu Mörfelden; vorzüglich schönen bei dem Hof Sensfelden. Töpferlehm und ein dunkelblauer Thon bei Kelsterbach.«
Gewerbe und Handel als: »Ackerbau, Viehzucht. In Kelsterbach ist eine Tabaks, und eine Fajence- und Steingutfabrik, und bei Wixhausen eine Bleiweißfabrik. In Eppertshausen wird das Häferhandwerk, sowie in Oberroden die Krugbäckerei ziemlich stark betrieben. In Arheilgen befinde sich ein Lager von Borden und Latten. Die Fajence- und Bleiweißfabriken, die Krugbäckereien und Häfnereien setzen viele Waaren ab. Auch Hirse, Heidekorn und Flachs werden exportiert. Die sehr frequente Hauptstraße von Darmstadt nach Frankfurt geht durch die Bezirksorte Arheilgen und Langen.«

AuflösungBearbeiten

Im Rahmen der Verwaltungsreform vom 6. Juli 1832 wurden die Landratsbezirke zu Landkreisen zusammengefasst. Der Landratsbezirk Langen ging dabei in dem neuen Kreisen Groß-Gerau und Offenbach auf.[3]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Großherzogliche Verordnung „Die Eintheilung des Landes in Landraths- und Landgerichtsbezirke betreffend“ vom 14. Juli 1821; in: Hess. Reg. Bl. 1821, Nr. 33, S. 405 (Online bei google books)
  2. a b c d e f g Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg. Band 1. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt Oktober 1829, S. 133 ff. (Online bei Google Books).
  3. Edikt vom 6. Juni 1832; in: Regierungsblatt des Großherzogtums Hessen 1832 S. 365 ff