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Ober-Roden

Stadtteil von Rödermark im Landkreis Offenbach

Ober-Roden ist ein Stadtteil von Rödermark im südhessischen Landkreis Offenbach.

Ober-Roden
Wappen von Ober-Roden
Koordinaten: 49° 58′ 31″ N, 8° 49′ 48″ O
Höhe: 140 m ü. NHN
Fläche: 17,57 km²[1]
Einwohner: 12.962 (31. Dez. 2016)[2]
Bevölkerungsdichte: 738 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 63322
Vorwahl: 06074

Inhaltsverzeichnis

Geographische LageBearbeiten

Ober-Roden liegt südöstlich von Frankfurt am Main und nordöstlich von Darmstadt, ca. 20 km südlich von Offenbach am Main auf dem 50. Breitengrad. Die Ortschaft liegt auf einer Höhe von 140 m ü. NHN an dem Flüsschen Rodau.

GeschichteBearbeiten

 
Dieses Fachwerkensemble an der Dockendorffstraße vermittelt einen Eindruck des Ortsbildes im 18. Jahrhundert; im Hintergrund ist der Kirchturm von St. Nazarius zu sehen

TerritorialgeschichteBearbeiten

786 schenkte die dem fränkischen Hochadel entstammende Aba ihr Eigenkloster Rotaha, ein Nonnenkloster, dem Kloster Lorsch.[3] Die Lage des Klosters auf dem Ober-Rodener Kirchhügel konnte durch archäologische Ausgrabungen nachgewiesen werden. Hier fanden sich neben Kirchenbauten auch Siedlungsbefunde. Diese Siedlung wurde 790 erstmals in einer Schenkung, ebenfalls an das Kloster Lorsch, erwähnt. Auch am 22. April 791 schenkte ein fränkischer Adliger namens Erlulf seinen gesamten Besitz in Ober-Roden, Nieder-Roden und Bieber dem Kloster Lorsch.[4] Weitere Schenkungen datieren aus den Jahren 792, 798 und 810.[5] 903 wurde das Kloster Rotaha als Besitz des Lorscher Klosters bestätigt. Die Pfarrkirche in Ober-Roden ist, wie das Kloster Lorsch, dem heiligen Nazarius geweiht.

Mit dem in der Urkunde von 786 ebenfalls genannten Niwenhof befand sich im Bereich von Ober-Roden auch eine frühmittelalterliche Burg, die sich später zu einem Herrenhof entwickelte. Ober-Roden befand sich dann im Besitz der Familie Hagen-Münzenberg und ging mit der Münzenberger Erbschaft 1255 an eine Erbengemeinschaft über, die letztendlich aus den Familien der Herren von Hanau und von Eppstein je zur Hälfte bestand.[6] 1303 und 1331 einigen sich Ulrich II. von Hanau und Siegfried von Eppstein über ihre Rechte und Einkünfte in Ober-Roden. Als Teil des Amtes Steinheim wurde das Dorf 1425 von den Herren von Eppstein an Kurmainz verkauft. Die Hälfte davon ging 1438 als Pfand wiederum an Hanau.[7] Für die nächsten Jahrhunderte war der Erzbischof und Kurfürst von Mainz Landesherr. Hier gehörte es zum Oberen Erzstift, dem Oberamt Steinheim und zur Amtsvogtei Dieburg. 1446 ist der Zehnte im Besitz der Grafen von Hanau. 1576 steht die Oberhoheit in Ober-Roden je zur Hälfte den Grafen von Hanau-Lichtenberg und Kurmainz zu. 1684 tritt Hanau seinen Anteil an Mainz ab.

1786 wurde die Markgenossenschaft Röder Mark, bis dahin ein großer, gemeinschaftlicher Wald, unter den ihr angehörenden Gemeinden Ober- und Nieder-Roden, Urberach, Messel, Dietzenbach, Hainhausen, Jügesheim und Dudenhofen aufgeteilt. Ober-Roden erhielt so seinen Gemeindewald.

Mit der Säkularisation kam Ober-Roden an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, das spätere Großherzogtum Hessen. Nun gehörte es nacheinander zu folgenden Verwaltungseinheiten:

Am 1. März 1958 schloss sich Messenhausen vollständig an Ober-Roden an, nachdem es bereits seit 1821 der Bürgermeisterei angeschlossen war, aber einen eigenen Gemeindehaushalt behalten hatte.

Am 1. Januar 1977 wurde durch Zusammenschluss per Gesetz der bis dahin selbstständigen Gemeinden Ober-Roden und Urberach im Zuge der hessischen Gebietsreform die Gemeinde, seit dem 23. August 1980 Stadt Rödermark gegründet.[8][9] Beide Gründungsgemeinden kamen vom Landkreis Dieburg zum Landkreis Offenbach.[10] Ober-Roden ist heute der größte der fünf Stadtteile von Rödermark.

Historische NamensformenBearbeiten

In erhaltenen Urkunden wurde Ober-Roden unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1]

  • Raodora (786)
  • Rotaha (790)
  • Rotahen superiore et inferiore (791)
  • Rotaha (792)
  • Rotaher (796)
  • Rota (800)
  • Rotahe (805–813)
  • Rodahe (815)
  • Rotaha (10. Jahrhundert)
  • Rothaha (903)
  • Obir Rota (1303)
  • Obern Rodauw (1371)
  • Ober Roda (1446)
  • Superior Roda (1472)
  • Obern Rodawe (1485)
  • Ober roden (1550)
  • Ober Roden (1716)

EinwohnerentwicklungBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1576: 80 Familien
• 1681: sind von 80 Häusern nur 31 bewohnt
• 1961: 1225 evangelische (= 18,97 %), 5080 katholische (= 78,65 %) Einwohner
Ober-Roden: Einwohnerzahlen von 1829 bis 1970
Jahr  Einwohner
1829
  
1.295
1834
  
1.521
1840
  
1.669
1846
  
1.703
1852
  
1.862
1858
  
1.910
1864
  
1.724
1871
  
1.769
1875
  
1.931
1885
  
1.845
1895
  
2.052
1905
  
2.579
1910
  
2.798
1925
  
3.122
1939
  
3.672
1946
  
4.253
1950
  
4.562
1956
  
5.250
1961
  
6.459
1967
  
8.362
1970
  
9.257
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]

Durch die Suburbanisierung der 1960er- und 1970er-Jahre wurde Ober-Roden zu einer Pendlergemeinde.

KirchengeschichteBearbeiten

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In Ober-Roden sind drei verschiedene Kirchengemeinden unterschiedlicher Konfessionen aktiv:

  • Römisch-katholische Kirchengemeinde St. Nazarius Ober-Roden
  • Evangelische Kirchengemeinde Ober-Roden
  • Freie Evangelische Gemeinde Rödermark

Römisch-katholische Pfarrkirche St. Nazarius Ober-Roden

Die Pfarrkirche St. Nazarius in Ober-Roden war Mutterkirche für Urberach, Nieder-Roden, Messel und Dudenhofen. Sie wird erstmals 1303 erwähnt. Das Patronat lag ursprünglich bei den Herren von Hagen-Münzenberg, nach dem Anfall der Münzenberger Erbschaft ab 1256 bei den Herren von Hanau. 1323 wird ein eigener Pfarrer für Ober-Roden erwähnt. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war kirchliche Mittelbehörde das Archidiakonat St. Peter und Alexander in Aschaffenburg, Landkapitel Rodgau.

Zum Ende des ersten Drittels des 16. Jahrhunderts errichtete Reinhard von Hanau-Lichtenberg (1494–1537), Pfarrer in Ober-Roden, mit seinem Testament die Ober-Rodener Spendung, eine wohltätige Stiftung, die bis heute besteht.

Die mittelalterliche Kirche wurde 1644 bei einem Brand zerstört und 1660 durch eine neue Kirche an gleicher Stelle ersetzt.

Die heutige Pfarrkirche St. Nazarius wurde dort 1896 erbaut. Ihr 52,5 Meter hoher Kirchturm ist sehr markant. Er prägt die Silhouette der Ortschaft und ist weithin sichtbar. Daher trägt sie im Volksmund auch den Beinamen Rodgau-Dom, benannt nach der Region Rodgau.

Wappen und FlaggeBearbeiten

Wappen

Blasonierung: „In goldenem Schild über gezinntem roten Mauerwerk wachsend ein blaues Schwert, darüber ein roter Sparren.“[11]

Das Wappen wurde der Gemeinde Ober-Roden im damaligen Landkreis Dieburg am 10. Juni 1963 durch den Hessischen Minister des Inneren genehmigt. Gestaltet wurde es durch den Bad Nauheimer Heraldiker Heinz Ritt.

Das Schwert ist das des Schutzheiligen der Besitztümer des Klosters Lorsch, St. Nazarius. Die Mauer steht für den 1350 erhaltenen Status als freier Gerichtssitz. Der Sparren stammt aus dem Wappen der Grafen von Hanau, in deren Besitz Ober-Roden bis 1648 war, und wurde in das Wappen Rödermarks übernommen.

Flagge

Die Flagge wurde der Gemeinde am 19. Mai 1965 durch den Hessischen Innenminister genehmigt und wird wie folgt beschrieben:

„Auf breiter weißer Mittelbahn, beseitet von schmalen roten Seitenbahnen, im oberen Drittel aufgelegt das Gemeindewappen.“[12]

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Die mächtige neugotische Pfarrkirche St. Nazarius (im Volksmund auch „Rodgaudom“ genannt) und einige Fachwerkhäuser bilden den historischen Stadtkern.

Ober-Roden besitzt eine Stadtbücherei und eine Kulturhalle

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Der Bahnhof Rödermark-Ober Roden stellt einen lokalen Knotenpunkt im ÖPNV dar.

EisenbahnBearbeiten

 
S-Bahn und Umlandverkehr treffen sich im Bahnhof Rödermark-Ober Roden
S-Bahn  
Regionalbahn RB 61
Buslinien OF-95 674 679 X74
Nachtbuslinien 679 n65 n66

1895 erhielt Ober-Roden mit der Rodgaubahn, die von Offenbach (Main) Hauptbahnhof über Ober-Roden nach Dieburg an der Main-Rhein-Bahn führt, Anschluss an das Eisenbahnnetz. 1905 kam die Dreieichbahn über Urberach nach Buchschlag an der Main-Neckar-Eisenbahn hinzu. Heute stellt sich die Anbindung folgendermaßen dar:

  • Die S-Bahn-Linie S1 startet hier über Offenbach am Main, und Frankfurt am Main Hauptbahnhof nach Wiesbaden Hauptbahnhof; in der Hauptverkehrszeit besteht ein 15-Minuten-Takt, wobei die Verstärkerzüge nur bis Hochheim am Main verkehren.
  • Die Züge der Dreieichbahn verkehren stündlich zwischen Ober-Roden und Dieburg bzw. Frankfurt (Main) Hauptbahnhof sowie halbstündlich zwischen Ober-Roden und Dreieich-Buchschlag. In der morgendlichen Hauptverkehrszeit verdichten einzelne Züge auf einen 15-Minuten-Takt.

BusBearbeiten

  • Verschiedene Buslinien verbinden Ober-Roden zudem mit dem Umland:
Linie OF-95: Neu-Isenburg - Dietzenbach - Ober-Roden - Urberach
Linie 674: Ober-Roden – Dieburg - Darmstadt
Linie 679: Ober-Roden – Dieburg - Groß-Zimmern - Reinheim
Linie X74: Ober-Roden – Eppertshausen - Münster - Darmstadt

NachtverkehrBearbeiten

Ober-Roden ist im Nachtverkehr durch die Linien S1, 679, n65 und n66 an den öffentlichen Nahverkehr angebunden.

BildungBearbeiten

Kinderhort und Grundschule liegen direkt an der Rodau im Zentrum von Ober-Roden. In Ober-Roden befindet sich weiter die Oswald-von-Nell-Breuning-Schule, eine Gesamt- und Europaschule.

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Barbara Demandt: Die mittelalterliche Kirchenorganisation in Hessen südlich des Mains. = Schriften des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde 29 (1966), S. 141.
  • Max Herchenröder: Die Kunstdenkmäler des Landkreises Dieburg. 1940, S. 230ff.
  • Friedhelm Jürgensmeier u. a.: Die benediktinischen Mönchs- und Nonnenklöster in Hessen. = Germania Benedictina 8: Hessen. 2004, S. 891–899.
  • Jörg Leuschner, Egon Schallmayer: 1200 Jahre Ober-Roden in der Rödermark. Chronik 786–1986. 1986.
  • Uta Löwenstein: Grafschaft Hanau. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900–1806 = Handbuch der hessischen Geschichte 3 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 63. Marburg 2014. ISBN 978-3-942225-17-5
  • Wilhelm Müller: Hessisches Ortsnamenbuch. Band 1: Starkenburg. 1937, S. 536ff, 614.
  • Karl Pohl: Die wechselvolle Geschichte des Patroziniums der St.Nazarius-Kirche Oberroden - Rödermark. 2009, (E-Book) ISBN 978-3-640-39689-4.
  • Hans Georg Ruppel (Bearb.): Historisches Ortsverzeichnis für das Gebiet des ehem. Großherzogtums und Volksstaats Hessen mit Nachweis der Kreis- und Gerichtszugehörigkeit von 1820 bis zu den Veränderungen im Zuge der kommunalen Gebietsreform. = Darmstädter Archivschriften 2. 1976, S. 164.
  • Regina Schäfer: Die Herren von Eppstein. Herrschaftsausübung, Verwaltung und Besitz eines Hochadelsgeschlechts im Spätmittelalter. Historische Komm. für Nassau, Wiesbaden 2000, ISBN 3-930221-08-X, S. 367, 374–375, 379.
  • Egon Schallmayer: Beispiel Ober-Roden (Stadt Rödermark): Ein Ort erhält Geschichte. Geschichtsschreibung und Archäologie im Zusammenwirken. In: Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters. Bd. 33 (2005), S. 145–162.
  • Dagmar Söder: Kulturdenkmäler in Hessen. Kreis Offenbach. = Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. 1987, S. 237ff.
  • Literatur über Ober-Roden in der Hessischen Bibliographie

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Ober-Roden, Landkreis Offenbach. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 17. April 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Rödermark - Statistik In: roedermark.de. Abgerufen im Oktober 2017.
  3. Minst, Karl Josef [Übers.]: Lorscher Codex (Band 1), Urkunde 12, 25. Februar 786 – Reg. 1952. In: Heidelberger historische Bestände – digital. Universitätsbibliothek Heidelberg, S. 67, abgerufen am 1. Januar 2018.
  4. Minst, Karl Josef [Übers.]: Lorscher Codex (Band 3), Urkunde 1965, 22. April 791 – Reg. 2311. In: Heidelberger historische Bestände – digital. Universitätsbibliothek Heidelberg, S. 353, abgerufen am 29. Februar 2016.
  5. Ortsliste zum Lorscher Codex, Roden (Niederroden, Oberroden), Archivum Laureshamense – digital, Universitätsbibliothek Heidelberg.
  6. Löwenstein, S. 206.
  7. Löwenstein, S. 206, 209.
  8. Der Hessische Minister des Inneren: Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Offenbach (GVBl. II 330-33) vom 26. Juni 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 22, S. 316–318, § 7 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,5 MB]).
  9. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 355 und 375.
  10. Der Hessische Minister des Inneren: Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Offenbach (GVBl. II 330-33) vom 26. Juni 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 22, S. 316–318, § 7 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,5 MB]).
  11. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Ober-Roden, Landkreis Dieburg vom 10. Juni 1963. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1963 Nr. 25, S. 694, Punkt 610 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 2,9 MB]).
  12. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung einer Flagge der Gemeinde Ober-Roden, Landkreis Dieburg, Regierungsbezirk Darmstadt vom 19. Mai 1965. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1965 Nr. 23, S. 648, Punkt 550 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,8 MB]).