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Jügesheim

Stadtteil von Rodgau im Landkreis Offenbach

Jügesheim ist mit knapp 12.000 Einwohnern der zweitgrößte Stadtteil von Rodgau im südhessischen Landkreis Offenbach und Sitz der Stadtverwaltung.

Jügesheim
Stadt Rodgau
Wappen von Jügesheim
Koordinaten: 50° 1′ 34″ N, 8° 53′ 2″ O
Höhe: 126 m ü. NHN
Fläche: 13,64 km²[1]
Einwohner: 11.809 (31. Dez. 2015)[2]
Bevölkerungsdichte: 866 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 63110
Vorwahl: 06106
Jügesheimer Ortsansicht mit Wasserturm
Jügesheimer Ortsansicht mit Wasserturm

Geographische LageBearbeiten

Jügesheim wurde als Haufendorf gegründet und liegt in der Rhein-Main-Ebene an der Rodau auf 127 m über NN, ca. 6,5 km westlich von Seligenstadt.

GeschichteBearbeiten

Jügesheim ist eine fränkische Gründung aus merowingischer Zeit im Waldgebiet des Maingaues. In der Nähe von Römerstraßen, die sich hier kreuzten, errichteten die Franken Militärkolonien, um das Land zu kontrollieren.

MittelalterBearbeiten

Die älteste erhaltene Erwähnung des Ortes befindet sich in einer Urkunde aus dem Jahr 1261, mit der sich Nachkommen des verstorbenen Ritters Merbode von Ovheim mit dem Kloster Himmelkron über dessen Erbe einigten.

Im Mittelalter gehörten die umliegenden Wälder zum Wildbann Dreieich. In Jügesheim befand sich eine von dessen 30 Wildhuben. Um 1350 gehörte die Zehnt im Ort den Herren von Hanau, die sie als Lehen weiter vergaben. Jügesheim gehörte weiter zur Rödermark und zum Amt Steinheim, das zunächst den Herren von Eppstein gehörte und ab 1371 als Pfand je zur Hälfte den Grafen von Katzenelnbogen und den Herren von Hanau. 1393 gelangte das Pfand insgesamt an die Herren von Kronberg. 1425 verkaufte es Gottfried von Eppstein an das Kurfürstentum Mainz.

Ursprünglich lag das Patronat für die Kirche St. Nikolai bei den Herren von Hagen-Münzenberg. 1477 inkorporierte Erzbischof Diether von Mainz die Jügesheimer Kirche der Kirche St. Peter in Weiskirchen. Seitdem war sie eine Filiale dieser Kirche.

NeuzeitBearbeiten

Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort erheblich zerstört und benötigte sehr lange für die Erholung von dieser Katastrophe. In den Jahren 1631–1634, während des Dreißigjährigen Kriegs, beschlagnahmte König Gustav II. Adolf das Amt Steinheim als Kriegsbeute und stattete die nachgeborenen Hanauer Grafen Heinrich Ludwig von Hanau-Münzenberg (1609–1632) und Jakob Johann von Hanau-Münzenberg (1612–1636), die mit ihm verbündet waren, damit aus.[3] Da beide Grafen schon bald starben und der Westfälische Friede auf das Normaljahr 1624 abstellte, kam Jügesheim wieder an Kurmainz, wo es bis 1803 verblieb, als es im Zuge der Säkularisation an das Großherzogtum Hessen fiel. Dort gehörte es dann zu folgenden Verwaltungseinheiten:[1]

Am 1. Januar 1977 ging Jügesheim im Zuge der Gebietsreform in Hessen mit den Nachbargemeinden Dudenhofen, Hainhausen, Nieder-Roden und Weiskirchen in der neu geschaffenen Großgemeinde Rodgau auf,[4] die 1979 Stadt wurde.[5] Für jeden der fünf Stadtteile wurde ein Ortsbezirk eingerichtet mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher.

Historische NamensformenBearbeiten

Ein Vogt Karls des Großen namens Gugin oder Guginhart soll der Namenspatron des Dorfes gewesen sein. Mundartlich wird Jügesheim auch heute noch als Giesem bezeichnet. In erhaltenen Urkunden wurde Jügesheim unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1]

  • Guginsheim (1261)
  • Guginsheim (1293)
  • Gugensheim (1302)
  • Guginsheim (1357)
  • Gugesheym (1403)
  • Goginsheym (1407)
  • Jugißheym (1464)
  • Jogeßheim (1479)
  • Gogeßheym (1495)
  • Gugeßheim (1527)
  • Gugeßheim (1613)

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Belegte Einwohnerzahlen sind:[1]

  • 1576: 36 Familien
  • 1681: 26 Haushalte mit 121 Personen
  • 1961: 971 evangelische (= 17,37 %), 4559 katholische (= 81,56 %) Einwohner
Jügesheim: Einwohnerzahlen von 1829 bis 1970
Jahr  Einwohner
1829
  
954
1834
  
1.071
1840
  
1.154
1846
  
1.273
1852
  
1.244
1858
  
1.151
1864
  
1.215
1871
  
1.308
1875
  
1.408
1885
  
1.464
1895
  
1.704
1905
  
2.084
1910
  
2.293
1925
  
2.609
1939
  
3.174
1946
  
3.942
1950
  
4.200
1956
  
4.640
1961
  
5.590
1967
  
6.995
1970
  
7.673
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]

WappenBearbeiten

Das Wappen wurde am 19. August 1955 durch das Hessische Ministerium des Innern genehmigt.

Blasonierung: „In silbernem Schild ein aufrechter, grüner Eichenzweig, gleichmäßig beseitet von je einer roten Hirschstange.“[6]
Wappenbegründung: Dies verweist auf die einstige Zugehörigkeit von Jügesheim zum Reichsforst Dreieich und dessen Wildbann. Silber und Rot weisen auf die Farben des Mainzer Radwappens und des Wappens der Herren von Eppstein hin.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • Die sehenswerte Jerusalem-Stele am Haus Emmanuel gegenüber der St.-Nikolaus-Kirche wurde in der Dombauhütte Mainz anlässlich des 93. deutschen Katholikentages 1998 in Mainz angefertigt und später in Jügesheim aufgestellt. Die Basaltstele zeigt das himmlische Jerusalem mit seinen zwölf Toren. Die unter den Toren eingelassenen zwölf Marmorkugeln nehmen Bezug auf die Edelsteine und die Zwölf Perlen, mit denen das himmlische Jerusalem in der Offenbarung des Johannes (Offb, 21,19-21) geschildert wird.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

 
Der Wasserturm als Wahrzeichen
  • 1896 erhielt Jügesheim mit der Rodgaubahn Anschluss an die Eisenbahn und seinen Bahnhof.
  • Im 20. Jahrhundert trugen viele Leder-Heimwerker mit zum Ruf der „Offenbacher Lederwaren“ bei. Daneben gab es viele Landwirtschaften. Mitte der 1970er Jahre wurde ein Gewerbegebiet ausgewiesen, das auch in den folgenden Jahren weiter wuchs.
  • Das neue Rathaus der Stadt Rodgau machte Jügesheim zu einem Zentrum der Stadt neben der katholischen Nikolauskirche.

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Hermann Bonifer: Alte Flurnamen erzählen aus Jügesheims Geschichte. Rodgau 1995.
  • Hermann Bonifer: Jügesheim und St. Nikolaus – Dorf und Pfarrei in der Geschichte. Rodgau 2004.
  • Barbara Demandt: Die mittelalterliche Kirchenorganisation in Hessen südlich des Mains = Schriften des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde 29, S. 138f, 158.
  • Wilhelm Müller: Hessisches Ortsnamenbuch. Band 1: Starkenburg. 1937, S. 362ff.
  • Hans Georg Ruppel (Bearb.): Historisches Ortsverzeichnis für das Gebiet des ehem. Großherzogtums und Volksstaats Hessen mit Nachweis der Kreis- und Gerichtszugehörigkeit von 1820 bis zu den Veränderungen im Zuge der kommunalen Gebietsreform = Darmstädter Archivschriften 2. 1976, S. 123.
  • Georg Schäfer u. a.: Kreis Offenbach = Teilband von: Rudolf Adamy: Die Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen. 1885, S. 91ff.
  • Dagmar Söder: Kulturdenkmäler in Hessen, Kreis Offenbach. Braunschweig/Wiesbaden 1987, S. 157–262.
  • Literatur über Jügesheim in der Hessischen Bibliographie

WeblinksBearbeiten

  Commons: Jügesheim – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Jügesheim, Landkreis Offenbach. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 17. April 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Stadt Rodgau: Wohnbevölkerung Haupt- und Nebenwohnung, abgerufen im Juni 2016.
  3. Richard Wille: Hanau im Dreißigjährigen Krieg. Hanau 1886, S. 91, 593f.
  4. Der Hessische Minister des Inneren: Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Offenbach (GVBl. II 330-33) vom 26. Juni 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 22, S. 316–318, § 6 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,5 MB]).
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. Mai 1970 bis 31. Dezember 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 375.
  6. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Jügesheim, Kreis Offenbach vom 19. August 1955. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1955 Nr. 36, S. 902, Punkt 962 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,3 MB]).