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Weiskirchen (Rodgau)

Stadtteil von Rodgau im Landkreis Offenbach

Geographische LageBearbeiten

Weiskirchen liegt an der Rodau in der Rhein-Main-Ebene auf 122 m über NN, ca. 6 km westlich von Seligenstadt.

GeschichteBearbeiten

MittelalterBearbeiten

Rund um die Kirche entstand in fränkischer Zeit ein Straßendorf. Die älteste erhaltene Erwähnung stammt von 1215. Der Ort befand sich im Besitz der Herren von Hagenhausen/Eppstein. 1305 verkaufte Äbtissin und Konvent des Klosters Marienborn ihren Hof und Einkünfte in Weiskirchen an das Kloster Seligenstadt.

Weiskirchen gehörte zur Auheimer Mark und lag im Amt Steinheim, das zunächst den Herren von Hagenhausen/Eppstein gehörte. Diese verpfändeten es ab 1371 je zur Hälfte den Grafen von Katzenelnbogen und den Herren von Hanau. 1393 gelangte das Pfand insgesamt an die Herren von Kronberg. 1425 verkaufte Gottfried von Eppstein das Amt Steinheim an das Kurfürstentum Mainz.

1397 ist eine Mühle belegt, 1473 bereits zwei. Die Meckelsmühle befand sich am Nordrand des Ortes an der Rodau und war Mitte des 20. Jahrhunderts noch in Betrieb.

Historische NamensformenBearbeiten

 
Mühlrad in Weiskirchen

In erhaltenen Urkunden wurde Weiskirchen unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1]

  • Wichenkirhen (1287)
  • Wizzinkirchin (1305)
  • Wyzenkirchen (1339)
  • Wyzinkirchen (1357)
  • Wizsenkirchen (1371)
  • Wyßinkirchin (1407)
  • Wyßenkirchen (1421)
  • Wissenkirchen (1473)
  • Weiß Kirchen (1527)
  • Wyßkirchen (1535)
  • Weißkirchen (1542)
  • Weyßkirchen (1642)

KirchengeschichteBearbeiten

Die Kirche mit dem Patrozinium St. Peter ad Vincula entstand schon in fränkischer Zeit. Weiskirchen war im Mittelalter Mutterkirche für die Dörfer Hainhausen und Rembrücken. Jügesheim war ab 1477 eine Filiale. Zunächst waren die Herren von Hagen-Münzenberg, nach der Münzenberger Erbschaft, ab 1256, die Herren von Hanau Patronatsherren. 1440 übertrug Graf Reinhard II. von Hanau das Patronatsrecht auf die von ihm sehr geförderte Maria-Magdalena-Kirche in Hanau. Kirchliche Mittelbehörde war in der Frühen Neuzeit das Archidiakonat St. Peter und Alexander in Aschaffenburg, Landkapitel Rodgau.

NeuzeitBearbeiten

1576 werden als Grundherren in Weiskirchen u. a. das Kloster Arnsburg, der Deutsche Orden in Frankfurt, das Kloster Seligenstadt, das Kloster Patershausen, die Grafen von Isenburg und die Pfarrei Lämmerspiel genannt.

In den Jahren 1631–1634, während des Dreißigjährigen Kriegs, beschlagnahmte König Gustav II. Adolf das Amt als Kriegsbeute und stattete die nachgeborenen Hanauer Grafen Heinrich Ludwig von Hanau-Münzenberg (1609–1632) und Jakob Johann von Hanau-Münzenberg (1612–1636), die mit ihm verbündet waren, damit aus.[3] Da beide Grafen schon bald starben und der Westfälische Friede auf das Normaljahr 1624 abstellte, kam Weiskirchen wieder an Kurmainz.

Bei der Aufteilung der Auheimer Mark 1786 erhielt Weiskirchen einen Anteil des ehemals gemeinsamen Waldes.

Das Amt Steinheim und die in ihm liegenden Dörfer kamen im Zuge der Säkularisation an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, das spätere Großherzogtum Hessen, wo es folgenden Verwaltungseinheiten zugeordnet war:

 
Sprengung des ehemaligen Mittelwellensenders des HR

Im Laufe des 19. Jahrhunderts wandelte sich Weiskirchen von einem Bauerndorf zu einer Arbeitergemeinde. Vom ursprünglichen Dorfkern sind heute nur noch wenige Fachwerkbauten erhalten. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde die kleine jüdische Gemeinde ausgelöscht. Im März 2005 wurde die restaurierte kleine ehemalige Synagoge als Gedenkstätte wiedereröffnet.

Am 1. Januar 1977 wurde Weiskirchen im Rahmen der Gebietsreform in Hessen durch den Zusammenschluss von fünf bis dahin selbstständigen Gemeinden Teil der Großgemeinde Rodgau,[4] seit 1979 Stadt Rodgau.[5]

Seit 1967 befand sich der Sender Weiskirchen, ein Mittelwellensender des Hessischen Rundfunks für die Frequenz 594 kHz am nordwestlichen Ortsrand von Weiskirchen. Der Betrieb der Anlage wurde zum 1. Januar 2010 aus Kostengründen eingestellt; im April 2012 wurden die Sendemasten gesprengt.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Belegte Einwohnerzahlen sind:[1]

  • 1576: 37 Familien
  • 1961: 848 evangelische (= 24,66 %), 2495 katholische (= 72,55 %) Einwohner
Weiskirchen: Einwohnerzahlen von 1829 bis 1970
Jahr  Einwohner
1829
  
575
1834
  
655
1840
  
725
1846
  
716
1852
  
771
1858
  
785
1864
  
685
1871
  
695
1875
  
731
1885
  
782
1895
  
920
1905
  
1.157
1910
  
1.291
1925
  
1.474
1939
  
1.740
1946
  
2.238
1950
  
2.345
1956
  
2.781
1961
  
3.439
1967
  
4.474
1970
  
4.840
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]

PolitikBearbeiten

WappenBearbeiten

Das Wappen wurde der Gemeinde am 25. Februar 1958 verliehen.

Blasonierung: „Auf blauem Grund über goldenem Boden eine silberne Kirche mit rotem Dach und goldenem Turmkreuz, der Turm von vier goldenen Mühlrädern beseitet.“

Es zeigt in Blau auf goldenem Boden einen rot gedeckten silbernen Kirchturm mit goldenem Kreuz, beseitet von je zwei schwebenden goldenen Mühlrädern, die auf die früher vorhandenen Mühlen, sowie das Wappen von Kurmainz hindeuten, während der Kirchturm für den Gemeindenamen spricht.

FlaggeBearbeiten

Die Flagge wurde der Gemeinde am 24. Januar 1959 verliehen.

Auf der breiten weißen Mittelbahn des rot-weiß-roten Flaggentuches das Gemeindewappen.

SportBearbeiten

Über die Kommune hinaus bekannt wurde durch die Teilnahme an der Trampolin-Bundesliga so wie der Deutschen Turnliga die Spielvereinigung Weiskirchen.

VerkehrBearbeiten

 
Ehemaliges Empfangsgebäude des Bahnhofs Weiskirchen, Bahnsteigseite

1896 erhielt Weiskirchen mit der Rodgaubahn Anschluss an die Eisenbahn und einen eigenen Bahnhof. Seit Ende 2003 ist es mit der S-Bahn-Linie S1 (Wiesbaden HauptbahnhofOber-Roden) an das Netz der S-Bahn Rhein-Main angeschlossen.

LiteraturBearbeiten

  • Barbara Demandt: Die mittelalterliche Kirchenorganisation in Hessen südlich des Mains = Schriften des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde 29, S. 158.
  • Wilhelm Müller: Hessisches Ortsnamenbuch. Band 1: Starkenburg. 1937, S. 739f.
  • Hans Georg Ruppel (Bearb.): Historisches Ortsverzeichnis für das Gebiet des ehem. Großherzogtums und Volksstaats Hessen mit Nachweis der Kreis- und Gerichtszugehörigkeit von 1820 bis zu den Veränderungen im Zuge der kommunalen Gebietsreform = Darmstädter Archivschriften 2. 1976, S. 211.
  • Georg Schäfer: Kreis Offenbach. Teil von Rudolf Adamy: Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen – Provinz Starkenburg. 1885, 236ff.
  • Dagmar Söder: Kulturdenkmäler in Hessen, Kreis Offenbach. Braunschweig/Wiesbaden 1987, S. 268–269.
  • Helmut Trageser: Christen, wollt ihr Rochus ehren, 300 Jahre Rochusgelübde Weiskirchen. Weiskirchen 2002.
  • Helmut Trageser u. a.: Geschichte und Geschichten, 700 Jahre Weiskirchen. Weiskirchen 1986
  • Helmut Trageser: Weiskirchen in alten Ansichten, Weiskirchen 1984
  • Margarete Zilch und Arnold Haag: Mühlen an der mittleren Rodau. Weiskirchen 2008
  • Literatur über Weiskirchen in der Hessischen Bibliographie

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Weiskirchen, Landkreis Offenbach. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 17. April 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Stadt Rodgau: Wohnbevölkerung Haupt- und Nebenwohnung, abgerufen im Juni 2016.
  3. Richard Wille: Hanau im Dreißigjährigen Krieg. Hanau 1886, S. 91, 593f.
  4. Der Hessische Minister des Inneren: Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Offenbach (GVBl. II 330-33) vom 26. Juni 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 22, S. 316–318, § 6 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,5 MB]).
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 375.