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Dudenhofen (Rodgau)

Stadtteil von Rodgau im Landkreis Offenbach

Dudenhofen ist ein Stadtteil der Stadt Rodgau im südhessischen Landkreis Offenbach.

Dudenhofen
Stadt Rodgau
Wappen von Dudenhofen
Koordinaten: 49° 59′ 47″ N, 8° 52′ 29″ O
Höhe: 127 m ü. NHN
Fläche: 22,24 km²[1]
Einwohner: 7792 (31. Dez. 2015)[2]
Bevölkerungsdichte: 350 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 63110
Vorwahl: 06106
Dudenhofen Luftbild von 2008
Dudenhofen Luftbild von 2008

Geographische LageBearbeiten

Dudenhofen liegt auf einer Höhe von 127 m über NN zwischen den Rodgauer Stadtteilen Jügesheim und Nieder-Roden, 7 km südwestlich von Seligenstadt.

GeschichteBearbeiten

MittelalterBearbeiten

Dudenhofen ist eine Gründung der zweiten fränkischen Siedlungswelle, nach der Zeit der Reichsteilung von 561. Der Ort wurde im erweiterten Straßennetz an einem neu errichteten Straßenknotenpunkt gegründet, auf Kosten des vorherigen Knotenpunktes Jügesheim. Der Ortsname steht in Verbindung mit dem Personennamen Tuoto oder Dodo.

Dudenhofen wurde 1278 in einem Vergleich des Erzbischofs Werner von Mainz mit den Herren von Eppstein erstmals urkundlich erwähnt. Hier mussten die Herren von Eppstein Dudenhofen, das damals ein mainzisches Lehen war, an den Erzbischof von Mainz zurückgeben. 1383 fiel der Zehnte an die Herrschaft Hanau, zu Beginn des 15. Jahrhunderts befand er sich im Besitz des Grafen von Katzenelnbogen.

Das Dorf war im späten Mittelalter lange Zeit ein Kondominat, an dem verschiedene regionale Mächte beteiligt waren: Die Herren von Falkenstein, den Herren und Grafen von Hanau, Isenburg, und Kurmainz. Einzelne Teile wurden vererbt, andere eingetauscht oder verpfändet. 1436 gehörte Dudenhofen zum Zentgericht Niederroden, wo es mit 2 Schöffen vertreten war. Ab 1450 gehörte Dudenhofen zu einem Drittel zur Grafschaft Isenburg und zu zwei Dritteln zur Grafschaft Hanau dann zur Grafschaft Hanau-Lichtenberg und war dort dem Amt Babenhausen zugeordnet. Kirchliche Mittelbehörde war in vorreformatorischer Zeit das Archidiakonat St. Peter und Alexander in Aschaffenburg, Landkapitel Rodgau.

Historische NamensformenBearbeiten

 
Dudenhofen: Standesamt der Stadt Rodgau und ev. Kirche

In erhaltenen Urkunden wurde Dudenhofen unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1]

  • Dudenhoven (1278)
  • Totenhofen (1303)
  • Dudinhaven (1339)
  • Dodinhofin (1383)
  • Dudinhoffen (1407)
  • Dudenhofen (Anfang 15. Jahrhundert)
  • Dodenhoffen (1451)
  • Dudenhoifen (1460)
  • Dudenhoven (1485)
  • Dudenhoffen (1486)
  • Dodenhoffen (1489)
  • Dodenhoeffen (1493)
  • Dodenhofen (1527)

Frühe NeuzeitBearbeiten

Durch seine Zugehörigkeit zu Hanau und Isenburg, die sich beide der Reformation anschlossen, wurde Dudenhofen ab etwa 1550 eine evangelische Enklave inmitten römisch-katholischer Nachbargemeinden, die zumeist zu Kurmainz gehörten. Das Wappen von Rodgau-Dudenhofen enthält deshalb demonstrativ neben den Hanauer Sparren auch die Lutherrose.

Im Dreißigjährigen Krieg erlitt die Bevölkerung des Dorfes große Verluste. Von 430 Bewohnern kamen allein 1622 155 ums Leben. 1631 forderte die Pest weitere 104 Opfer. Gerade 26 Einwohner erlebten das Kriegsende. 1701 wurden die Isenburger Rechte an Dudenhofen im Zuge eines Tausches zwischen den Häusern auf Hanau übertragen, zu dem der Ort nun alleine gehörte.[3]

Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., 1736, erbte Landgraf Friedrich I. von Hessen-Kassel aufgrund eines Erbvertrages aus dem Jahr 1643 die Grafschaft Hanau-Münzenberg, aufgrund der Intestaterbfolge fiel die Grafschaft Hanau-Lichtenberg an den Sohn der einzigen Tochter von Johann Reinhard III., Landgraf Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt. Umstritten zwischen den beiden Erben war die Zugehörigkeit der unmittelbar südlich des Mains gelegenen Teile der Grafschaft Hanau. Es kam fast zu einer kriegerischen Auseinandersetzung, als Hessen-Darmstadt die Orte Dietzenbach, Schaafheim und Schlierbach, die Landgrafschaft Hessen-Kassel mit schon sorgsam in Hanau stationiertem Militär den Rest des Amtes Babenhausen besetzte. Die Auseinandersetzung konnte erst nach einem langjährigen Rechtsstreit vor den höchsten Reichsgerichten 1771 mit einem Vergleich beendet werden, dem so genannten Partifikationsrezess. Dudenhofen wurde darin Hessen-Kassel zugesprochen. Über dem Haupteingang der barocken evangelischen Kirche, eine 1769 errichtete Barockkirche, ist deshalb das Wappen von Hessen-Kassel angebracht. Unter dem Wappen findet sich die Inschrift:

Was unter Hessens Lust Erbprinz Wilhelm[4] gebaut,
sei Dir, o wahrer Gott, zur Pflege nun vertraut.

NeuzeitBearbeiten

Im 18. und 19. Jahrhundert wanderten viele junge Männer nach Amerika aus, um ihr Glück zu suchen.

1807 kam das Amt Babenhausen mit Dudenhofen unter französische Verwaltung. 1811 wurde Dudenhofen dem Großherzogtum Hessen zugeschlagen. Dort gehörte es dann zu folgenden übergeordneten Verwaltungseinheiten:[1]

Am 1. Januar 1977 wurde Dudenhofen im Rahmen der Gebietsreform in Hessen durch den Zusammenschluss von fünf bis dahin selbstständigen Gemeinden zum Ortsteil der Großgemeinde Rodgau,[5] seit 1979 Stadt Rodgau.[6]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Belegte Einwohnerzahlen sind:[1]

  • 1681: 38 Haushalte = 139 Einwohner
  • 1961: 2671 evangelische (= 77,71 %), 727 katholische (= 21,15 %) Einwohner
Dudenhofen: Einwohnerzahlen von 1829 bis 2015
Jahr  Einwohner
1829
  
1.131
1834
  
1.139
1840
  
1.145
1846
  
1.240
1852
  
1.221
1858
  
1.142
1864
  
1.135
1871
  
1.153
1875
  
1.201
1885
  
1.324
1895
  
1.426
1905
  
1.618
1910
  
1.761
1925
  
2.016
1939
  
2.120
1946
  
2.493
1950
  
2.639
1956
  
2.935
1961
  
3.437
1967
  
4.257
1970
  
4.628
2015
  
7.792
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1][2]

Im 19. Jahrhundert waren fast alle Einwohner evangelisch, bis auf eine alteingesessene jüdische Familie, die 1938 aus dem Ort vertrieben wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen dann aber viele katholische Flüchtlinge nach Dudenhofen. Die 1953 geweihte katholische Kirche trägt den Namen St. Marien.

WappenBearbeiten

Blasonierung: „Schild geteilt. Oben in goldenem Feld drei rote Sparren (Hanau) und unten in blauem Feld eine silberne, fünfblättrige Rose, belegt mit einem roten Herz, inmitten ein schwarzes Kreuz (Lutherrose).“[7]

Das Wappen wurde am 4. Oktober 1954 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

1896 erhielt Dudenhofen mit der Rodgaubahn Anschluss an die Eisenbahn und einen Bahnhof. Nachdem zwischen 2001 und 2003 kein Personenverkehr mehr auf der Strecke bestand, ist Dudenhofen seit Aufnahme des Winterfahrplans 2003 mit der S-Bahn-Linie S1 (WiesbadenOber-Roden) an das Netz der S-Bahn Rhein-Main angeschlossen.

1966 wurde in Dudenhofen das Opel-Prüfzentrum mit einer 6,7 km langen Teststrecke fertiggestellt. Eigentlich hatte Opel Dudenhofen in Rheinland-Pfalz als Standort gewählt, doch der verantwortliche Mitarbeiter bei Opel schickte die Bewerbungsunterlagen versehentlich nach Dudenhofen bei Rodgau. Nach deren Eintreffen begann man dort sofort mit dem Kreis Offenbach zusammen mit den Planungsarbeiten, die nach dem Auffliegen des Irrtums bereits so weit fortgeschritten waren, dass sich Opel schließlich für Rodgau-Dudenhofen entschied.[8]

Mit Ausnahme des Spargelanbaus spielt die Landwirtschaft keine Rolle mehr.

LiteraturBearbeiten

  • Barbara Demandt: Die mittelalterliche Kirchenorganisation in Hessen südlich des Mains (= Schriften des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde. 29). S. 103.
  • Adam Geißler: Dudenhofen zwischen Gestern und Morgen. Frankfurt 1971.
  • Wilhelm Müller: Hessisches Ortsnamenbuch. Band 1: Starkenburg. 1937, S. 149–151.
  • Manfred Resch: Dudenhofen – wie es einmal war. Gudensberg-Gleichen, 1992.
  • Manfred Resch u. a.: Unsere Kirche unsere Heimat – 450 Jahre evangelischer Glauben in Dudenhofen. Gudensberg-Gleichen.
  • Hans Georg Ruppel (Bearb.): Historisches Ortsverzeichnis für das Gebiet des ehem. Großherzogtums und Volksstaats Hessen mit Nachweis der Kreis- und Gerichtszugehörigkeit von 1820 bis zu den Veränderungen im Zuge der kommunalen Gebietsreform (= Darmstädter Archivschriften. 2). 1976, S. 75.
  • Georg Schäfer: Kreis Offenbach. Teil von Rudolf Adamy: Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen – Provinz Starkenburg. 1885, S. 29 f.
  • Dagmar Söder: Kulturdenkmäler in Hessen, Kreis Offenbach. Braunschweig/Wiesbaden 1987, S. 245–253.
  • Literatur über Dudenhofen in der Hessischen Bibliographie

WeblinksBearbeiten

Einzelnachweise und AnmerkungenBearbeiten

  1. a b c d e Dudenhofen, Landkreis Offenbach. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Stadt Rodgau: Wohnbevölkerung Haupt- und Nebenwohnung, abgerufen im Juni 2016.
  3. Uta Löwenstein: Grafschaft Hanau. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900-1806 (= Handbuch der hessischen Geschichte 3; = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 63). Marburg 2014, ISBN 978-3-942225-17-5, S. 210.
  4. Gemeint ist Wilhelm IX.
  5. Der Hessische Minister des Inneren: Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Offenbach (GVBl. II 330-33) vom 26. Juni 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 22, S. 316–318, § 6 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,5 MB]).
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 375.
  7. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Dudenhofen im Landkreis Offenbach, Regierungsbezirk Darmstadt vom 4. Oktober 1954. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1954 Nr. 42, S. 990, Punkt 1013 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 2,9 MB]).
  8. Stadt Rodgau (Hrsg.): Jahrbuch der Stadt Rodgau 2009/2010 – Das besondere Thema: Testcenter Dudenhofen. Legel-Verlag GmbH, Rodgau 2010, S. 8 f.