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Hainhausen

Stadtteil von Rodgau im Landkreis Offenbach

Hainhausen ist heute der kleinste Stadtteil von Rodgau im südhessischen Landkreis Offenbach.

Hainhausen
Stadt Rodgau
Wasserburg und Eppsteiner Sparren
Koordinaten: 50° 2′ 36″ N, 8° 52′ 51″ O
Höhe: 122 m ü. NHN
Fläche: 4,77 km²[1]
Einwohner: 3781 (31. Dez. 2015)[2]
Bevölkerungsdichte: 793 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 63110
Vorwahl: 06106

Inhaltsverzeichnis

Geographische LageBearbeiten

 
Blick vom Wasserturm auf die Hochhäuser von Frankfurt am Main

Hainhausen liegt an der Rodau in der Rhein-Main-Ebene auf 122 m über NHN, rund sieben Kilometer westlich von Seligenstadt. Rodgau-Hainhausen wird unterteilt in Hainhausen Ost und Hainhausen West.

GeschichteBearbeiten

MittelalterBearbeiten

 
Fachwerkhaus in der Heinrich-Sahm-Straße

1108 wird ein Haginhusen als Standort einer Wasserburg der Herren von Hagenhausen erstmals urkundlich erwähnt.[3] Die Zuordnung dieser Nennung zu Hainhausen ist allerdings fraglich.[1] Die nächste Erwähnung erfolgte 1122. Die Reste der Wasserburg Hainhausen sind als Bodendenkmal in einer Wiese nahe der Rodau an der heutigen Burgstraße erhalten. Das Geschlecht der Hagenhausener siedelte in den Taunus um und nannte sich seit dem nach ihrer dortigen Burg von Eppstein.

Hainhausen war unter eppsteinischer Herrschaft Teil des Amtes Steinheim. 1371 verpfändete Eberhard von Eppstein Hainhausen je zur Hälfte den Grafen von Katzenelnbogen und den Herren von Hanau. 1393 gelangte das Pfand insgesamt an die Herren von Kronberg. Kirchlich gehörte das Dorf als Filiale zu Weiskirchen.

Frühe NeuzeitBearbeiten

1425 verkaufte Gottfried von Eppstein das Dorf an das Kurfürstentum Mainz.

Seinen Tiefpunkt erlebte der Ort – ebenso wie seine Nachbargemeinden – im Dreißigjährigen Krieg, als auch die Pest unter der Bevölkerung wütete. Die letzten Überlebenden flehten den Pest-Patron St. Rochus um Hilfe an. Das Ende der tödlichen Epidemie wird noch heute alljährlich (am 16. August) mit einer Prozession gefeiert, deren Ziel ursprünglich die bereits 1692 geweihte Rochus-Kapelle war. Seit Ende des 19. Jahrhunderts dient die an anderer Stelle im Ortskern neu errichtete Rochus-Kirche als deren Endpunkt.

In den Jahren 1631–1634, während des Dreißigjährigen Kriegs, beschlagnahmte König Gustav II. Adolf das Amt als Kriegsbeute und stattete die nachgeborenen Hanauer Grafen Heinrich Ludwig von Hanau-Münzenberg und Jakob Johann von Hanau-Münzenberg, die mit ihm verbündet waren, damit aus.[4] Da beide Grafen schon bald starben und der Westfälische Friede auf das Normaljahr 1624 abstellte, kam Hainhausen wieder an Kurmainz, wo es bis 1803 verblieb, als es im Zuge der Säkularisation an das Großherzogtum Hessen fiel.

NeuzeitBearbeiten

Im Großherzogtum Hessen gehörte es zu folgenden Verwaltungseinheiten:[1]

Am 1. Januar 1977 wurde Hainhausen im Rahmen der Gebietsreform in Hessen durch den Zusammenschluss von fünf bis dahin selbstständigen Gemeinden Teil der Großgemeinde Rodgau,[5] seit 1979 Stadt Rodgau.[6]

Historische NamensformenBearbeiten

In erhaltenen Urkunden wurde Hainhausen unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1]

  • Haginhusen (1108) (?)
  • Hainhausen (um 1122)
  • Hagenhuse (1131)
  • Hagenhusun (1145)
  • Hagenhusen
  • Hahenhusen (1189–1220)
  • Hanhusen (1278)
  • Henhusin (1371)
  • Hyenhusen (1451)
  • Heynhusen (1465)
  • Haynhusen (1473)

MühleBearbeiten

In dem Dorf lag im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit eine Mühle an der Rodau, am Ostausgang. 1189–1220 hatte ein Gottfried von Hainhausen die Hälfte der Einnahmen der Mühle von den Herren von Eppstein zu Lehen. 1681 bezog die Kellerei des Amtes Steinheim Einkünfte aus der Mühle zu Hainhausen. Die Mühle stellte 1866 den Mühlbetrieb ein.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Belegte Einwohnerzahlen sind:[1]

• 1556: 18 Familien
• 1681: 18 Haushalte, 101 Einwohner
• 1961: 291 evangelische (= 18,56 %), 1228 katholische (= 78,32 %) Einwohner
Hainhausen: Einwohnerzahlen von 1829 bis 2015
Jahr  Einwohner
1829
  
308
1834
  
341
1840
  
360
1846
  
376
1852
  
405
1858
  
389
1864
  
328
1871
  
344
1875
  
370
1885
  
370
1895
  
499
1905
  
608
1910
  
671
1925
  
676
1939
  
835
1946
  
1.071
1950
  
1.078
1956
  
1.150
1961
  
1.568
1967
  
1.989
1970
  
2.051
2015
  
3.781
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1][2]

WappenBearbeiten

Blasonierung: „In silbernem Schild eine rote Turmburg, belegt mit dem Eppstein’schen Schildchen (drei rote Sparren in Silber).“[7]

Das Wappen wurde am 31. August 1954 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.

Es stellt in heraldischer Stilisierung die ehemalige Wasserburg des Ortes da, des Stammsitzes der Herren von Eppstein. Deren Sparrenwappen wurde deshalb ebenfalls in das Wappen von Hainhausen aufgenommen. Die Farben Silber und Rot verweisen auf das Radwappen des Erzstifts Mainz, das 1425 durch Kauf in den Besitz des Ortes kam.[8]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Die Kirche St. Rochus wurde in den Jahren 1891–1893 erbaut. Sie beherbergt als kunsthistorisches Kleinod ein Vesperbild aus der Mitte des 14. Jahrhunderts, das Maria und den vom Kreuz abgenommenen Jesus als Skulptur darstellt.

VerkehrBearbeiten

1896 erhielt Hainhausen mit der Rodgaubahn Anschluss an die Eisenbahn und einen Bahnhof. Seit Ende 2003 ist Hainhausen mit der S-Bahn-Linie S1 (Wiesbaden HauptbahnhofOber-Roden) an das Netz der S-Bahn Rhein-Main angeschlossen.

LiteraturBearbeiten

  • Barbara Demandt: Die mittelalterliche Kirchenorganisation in Hessen südlich des Mains (= Schriften des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde. 29). S. 138 f., 158.
  • Geschichts- und Kulturverein Hainhausen: 900 Jahre Hainhausen. Hainhausen 2008.
  • Michael Hofmann: Die Eisenbahn in Offenbach und im Rodgau. DGEG Medien, Hövelhof 2004, ISBN 3-937189-08-4.
  • Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen. 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 2. Auflage. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 1995, ISBN 3-86134-228-6, S. 409.
  • Wilhelm Müller: Hessisches Ortsnamenbuch. Band 1: Starkenburg. 1937, S. 290 f.
  • Hans Georg Ruppel (Bearb.): Historisches Ortsverzeichnis für das Gebiet des ehem. Großherzogtums und Volksstaats Hessen mit Nachweis der Kreis- und Gerichtszugehörigkeit von 1820 bis zu den Veränderungen im Zuge der kommunalen Gebietsreform (= Darmstädter Archivschriften. 2). 1976, S. 106.
  • Georg Schäfer u. a.: Kreis Offenbach = Teilband von: Rudolf Adamy: Die Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen. 1885, S. 66 f.
  • Regina Schäfer: Die Herren von Eppstein. Herrschaftsausübung, Verwaltung und Besitz eines Hochadelsgeschlechts im Spätmittelalter (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau. 68). 2000, S. 18 ff, 373 ff.
  • Dagmar Söder: Kulturdenkmäler in Hessen, Kreis Offenbach. Braunschweig/Wiesbaden 1987, S. 254ff.
  • Werner Stolzenburg u. a.: 100 Jahre Rodgau-Bahn 1896–1996. Rodgau 1996.
  • Literatur über Hainhausen in der Hessischen Bibliographie

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f Hainhausen, Landkreis Offenbach. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 17. April 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Stadt Rodgau: Wohnbevölkerung Haupt- und Nebenwohnung, abgerufen im Juni 2016.
  3. Geschichts- und Kulturverein Hainhausen e. V. Hainhausen: Rodgaus kleinster Stadtteil feiert ein großes Jubiläum . (Memento vom 5. Dezember 2009 im Internet Archive)
  4. Richard Wille: Hanau im Dreißigjährigen Krieg. Hanau 1886, S. 91, 593 f.
  5. Der Hessische Minister des Inneren: Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Offenbach (GVBl. II 330-33) vom 26. Juni 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 22, S. 316–318, § 6 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,5 MB]).
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 375.
  7. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Hainhausen im Landkreis Offenbach/M., Regierungsbezirk Darmstadt vom 31. August 1954. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1954 Nr. 38, S. 895, Punkt 917 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,5 MB]).
  8. Klemens Stadler: Die Gemeindewappen des Landes Hessen. Neuausgabe des Sammelwerks Deutsche Ortswappen von Prof. Otto Hupp im Auftrage der HAG Aktiengesellschaft in Bremen, bearbeitet von Dr. Klemens Stadler, Zeichnungen von Max Reinhart (= Deutsche Wappen – Bundesrepublik Deutschland. Band 3). Angelsachsen-Verlag, Bremen 1967, S. 45.