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Der Sitz der Amtmänner von Steinheim: das Steinheimer Schloss

Das Amt Steinheim war eine historische Verwaltungseinheit, die über 500 Jahre lang existierte, fast 400 Jahre lang davon dem Erzstift Mainz zugehörig.

BestandBearbeiten

 
Das Gebiet des Amtes Steinheim auf einem Stich von Matthäus Merian

Das Amt umfasste im Jahr 1371, wie in einer Urkunde der Eppsteiner dargelegt, die nachfolgenden Dörfer[1]:

Bis auf Hörstein und Wilmudsheim (das spätere Alzenau), die um 1500 das Amt Alzenau bildeten, sowie Hausen und Obertshausen, die 1664 das Schönbornsche Amt Heusenstamm ergänzten, blieb die Zusammensetzung so bis zur Auflösung des Amts Steinheim. Die Zahlen in Klammern geben die Anzahl der Haushaltungen im Jahr 1576 wieder (Jurisdiktionalbuch des Hochstifts Mainz[2])

GeschichteBearbeiten

 
Schloss Steinheim – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian dem Jüngeren 1655

Zunächst gehörte das Amt zusammen mit der Steinheimer Burg zum Herrschaftsbereich der Herren von Eppstein und bildete ein geschlossenes Herrschaftsgebiet südlich des Mains. Ab 1371 befand sich das Amt je zur Hälfte als Pfand in den Händen der Grafen von Katzenelnbogen und der Herren von Hanau. 1393 gelangte es insgesamt als Pfand an die Herren von Cronberg. 1425 verkaufte es Gottfried von Eppstein für 38.000 Gulden an das Kurfürstentum Mainz. Fortan war der Erzbischof und Kurfürst von Mainz Landesherr. Südlich schloss sich an das Amt Steinheim die Amtsvogtei Seligenstadt an, die sich schon zuvor im Besitz von Kurmainz befunden hatte. Der Amtmann von Steinheim, war unter anderem auch Obervogt der Biebermark.

Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde das Amt Steinheim von König Gustav II. Adolf von Schweden beschlagnahmt und 1631 den nachgeborenen, mit ihm verbündeten Hanauer Grafen Heinrich Ludwig (* 1609; † 1632) und Jakob Johann (* 1612; † 1636) für deren Unterstützung der schwedischen Sache überlassen.[3] Das währte allerdings nur bis zur Schlacht bei Nördlingen.

Die territoriale Umstrukturierung der napoleonischen Zeit brachte das Amt Steinheim überwiegend an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, die rechtsmainischen Teile fielen letztendlich an Bayern.

Hessischer TeilBearbeiten

In Hessen wurde das Amt mit dem hessischen Anteil als Amtsvogtei weitergeführt. In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Fürstentum Starkenburg wurde das „Hofgericht Darmstadt“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Am 14. August 1806, im Zuge der durch Napoleon I. vorangetriebenen Rheinbund-Gründung, erfolgte, gegen Stellung hoher Militärkontingente an Frankreich, für Hessen-Darmstadt die Erhebungen zum Großherzogtum Hessen, einhergehend war der Austritt Hessen-Darmstadts aus dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Das Ende des alten Reiches war durch den Reichsdeputationshauptschluss und die Gründung des Rheinbundes besiegelt und hörte mit der Niederlegung der Reichskrone am 6. August 1806 durch Kaiser Franz II. auf zu bestehen. Nach der endgültigen Niederlage Napoléons regelte der Wiener Kongress 1814/15 auch die territorialen Verhältnisse für Hessen, daraufhin wurden 1816 im Großherzogtum Provinzen gebildet. Dabei wurde das vorher als „Fürstentum Starkenburg“ bezeichnete Gebiet in „Provinz Starkenburg“ umbenannt.

Nachdem das Großherzogtum 1820 eine neue Verfassung erhalten hatte, wurde durch die Verwaltungsreform in den Jahren von 1821/22 zum ersten Mal eine Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung vorgenommen. Die standesherrlichen Rechte der Gerichtsbarkeit und Verwaltung blieben aber zum Teil noch bis 1848 erhalten. Für die Verwaltungsaufgaben wurden Landratsbezirke gebildet und die Orte des „Amtes Steinheim“ wurden dem neu geschaffenen Landratsbezirk Seligenstadt zugeteilt. Für die Gerichtsbarkeit in der ersten Instanz wurden Landgerichte installiert. Steinheim wurde Sitz des neu geschaffenen Landgerichts Steinheim dessen Amtsbereich deckungsgleich mit dem des Landratsbezirks Lindenfels war.[4]

Nach einer weiteren Verwaltungsreform im Jahr 1832 gehört Steinheim schließlich dem Landkreis Offenbach an. Durch die Gebietsreform in Hessen in den 1970er Jahren kamen Steinheim und Klein-Auheim zur Stadt Hanau. Einige Dörfer im Umkreis von Offenbach waren zuvor schon dort eingemeindet worden.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Günter Hoch: Territorialgeschichte der östlichen Dreieich. Marburg 1953, S. 121f.
  • Wilhelm Müller: Hessisches Ortsnamenbuch. 1. Bd. (Starkenburg). Darmstadt 1937, S. 254–260, 395f.
  • Karl Nahrgang: Stadt und Landkreis Offenbach a.M., Atlas für Siedlungskunde, Verkehr, Verwaltung, Wirtschaft und Kultur, Frankfurt a. M., 1963
  • Regina Schäfer: Die Herren von Eppstein = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau, Wiesbaden 2000.
  • Johann Wilhelm Christian Steiner: Geschichte und Alterthümer des Rodgaus im alten Maingau. 1833, S. 53 ff. (online lesen in der Google-Buchsuche [abgerufen am 26. September 2010]).

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Gisela Rathert u. a.: Nieder-Roden 786-1986, Arbeitskreis für Heimatkunde, 1986, S. 64
  2. Alfred Kurt: Stadt und Kreis Offenbach in der Geschichte, Offenbach 1998, S. 45
  3. Richard Wille: Hanau im Dreißigjährigen Krieg. Alberti, Hanau 1886, S. 91, 593f.
  4. Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg, Band 1 Oktober 1829, S. 218ff (Online bei Google Books)