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Klein-Krotzenburg

Ortsteil von Hainburg im Landkreis Offenbach

Klein-Krotzenburg ist ein Ortsteil der Gemeinde Hainburg im südhessischen Landkreis Offenbach.

Klein-Krotzenburg
Gemeinde Hainburg
Wappen von Klein-Krotzenburg
Koordinaten: 50° 4′ 32″ N, 8° 57′ 44″ O
Höhe: 107 m ü. NHN
Fläche: 10,05 km²[1]
Einwohner: 6712 (30. Jun. 2013)[2]
Bevölkerungsdichte: 668 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Ehemaliges Rathaus
Ehemaliges Rathaus

Inhaltsverzeichnis

Geografische LageBearbeiten

Klein-Krotzenburg liegt auf einer Höhe von 105 m über NN, etwa 3 km nördlich von Seligenstadt am Main.

GeschichteBearbeiten

UrgeschichteBearbeiten

In römischer Zeit querte hier eine Brücke den Main. Im Main gefundene Reste davon sind im Heimatmuseum und in der Saalburg ausgestellt.

MittelalterBearbeiten

Die älteste erhaltene Erwähnung des Ortes findet sich in einer Urkunde aus dem Jahr 1175, die anlässlich eines Rechtsstreits zwischen dem Kloster Seligenstadt und dem Mainzer Petersstift verfasst wurde. Das Dorf gehörte zur Auheimer Mark. Es befand sich zunächst im Besitz des Klosters Seligenstadt. 1306 verkauften die Herren von Eppstein die Vogtei über Klein-Krotzenburg vorübergehend an Kloster Seligenstadt. 1371 verpfändeten sie sie an die Herren und späteren Grafen von Hanau und verkauften sie 1425 an das Kurfürstentum Mainz. Seit 1489 stand Klein-Krotzenburg unter der Oberhoheit von Mainz, das es seinem Oberamt Steinheim zuordnete, wobei es weiter dem Zentgericht des Klosters Seligenstadt unterstand.

1330 wird ein Pfarrer im Ort, 1366 explizit eine Pfarrkirche erwähnt. Diese steht im Patrozinium des Heiligen Nikolaus. Das Kirchenpatronat lag beim Kloster Seligenstadt, das auch den Pfarrer stellte. Kirchliche Mittelbehörden waren das Archidiakonat von St. Peter und Alexander in Aschaffenburg und das Landkapitel Rodgau.

Historische NamensformenBearbeiten

In erhaltenen Urkunden wurde Klein-Krotzenburg unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1]

  • Cruzenburch (1175)
  • Cruzenburg (1232)
  • Cruzenburch (1235)
  • Crocenborch (1287)
  • Crotzinburg (1314)
  • Crotzenburg (1330)
  • Croczenburg (1336)
  • Crutzenburg (1357)
  • Crotzenburg (1366)
  • Krotzenburg (1370)
  • Croczinburg (1420)
  • Klein Crotzenburg
  • Crotzenburg (1434)
  • Kleinen Crotzenborg (1482)
  • Clein Crotzenberg (1487)
  • Crotzenberg inferior (1517)
  • minor villa Croczenbergk (1518)

NeuzeitBearbeiten

Während des Dreißigjährigen Kriegs litt die Bevölkerung sehr stark. Allein 1632 starben 90 Einwohner an der Pest. Am Ende des Krieges fiel das Dorf wüst.

Die Äbte des Klosters Seligenstadt wählten Klein-Krotzenburg als Sommersitz und errichteten hier zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine villenartige Residenz. 1736 wurde auf der Liebfrauenheide eine Kapelle gebaut, die bald darauf Ziel von Wallfahrten wurde.

Mit der Säkularisation fiel Klein-Krotzenburg 1803 an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, das spätere Großherzogtum Hessen. Hier gehörte es den nachfolgenden Verwaltungseinheiten an:[1]

Zum 1. Januar 1977 wurde Klein-Krotzenburg im Zuge der Gebietsreform in Hessen mit der Gemeinde Hainstadt per Gesetz[3] zur Gemeinde Hainburg vereinigt.

1988 brannte die Pfarrkirche St. Nikolaus nieder und wurde anschließend wieder neu errichtet.

MainfähreBearbeiten

Die erste Erwähnung einer Fähre[4]:74 finden sich in den Geburts- und Sterbebüchern der Pfarrei, nach denen 1886 beim verstorbenen Valentin Brauneis der Beruf „Fächer“ (= Fährmann) vermerkt ist.

Mit zunehmender Beschäftigung in den Fabriken von Hanau und Großauheim strömten immer mehr Menschen von Klein-Krotzenburg morgens auf die andere Mainseite. Eine Schleuse gab es noch nicht, diese wurde erst 1915 angefangen zu bauen. So wurde die Fähre im Laufe der Zeit von einem Nachen zu einem pontonartigen Gefährt erweitert.

Die erste Fähre hat noch an einem anderen Ort weiter Mainabwärts übergesetzt und wurde wohl um 1896[4]:74 an die spätere Stelle verlegt.

 
Fähre Klein-Krotzenburg vor 1901

1901 wurde dann eine eiserne Fähre gekauft, die auch mit einem anderen Mechanismus übersetzte. Wurde die ursprüngliche Fähre an einer Kette entlang gezogen, die quer durch den Main verlief, wurde die neue Fähre von einem Stahlseil gehalten, das in der Mitte des Mains verankert war. Das System wird Gierseilfähre oder auch „fliegende Brücke“ genannt. Durch Probleme mit dem über Wasser geführten Seil wurde jedoch diese Fähre auch bald wieder durch eine Hochseilfähre abgelöst, mit der die Querung aber immer noch nach dem gleichen Prinzip mit Hilfe der Strömung erreicht wurde.

Im Januar 1917 ereignete sich ein schweres Fährunglück, bei dem 15 Männer ertranken. Wenige Meter vor dem Ufer bei Großkrotzenburg fuhr die mit 28 Menschen beladene Fähre früh morgens in der Dunkelheit vermutlich auf ein Hindernis. Die Wucht des Aufpralls warf die dicht gedrängten Menschen durcheinander und der Nachen kippte um.[4]:77 In dem Chörchen unter dem Glockenturm der St. Nikolaus Kirche in Klein-Krotzenburg ist eine Gedenktafel für die Verstorbenen des Fährunglücks angebracht.

1945 wurde die Fähre dann von flüchtenden Wehrmachtstruppen versenkt, um dann wahrscheinlich im Herbst 1945 von den Bewohnern wieder gehoben zu werden. Nach dem Krieg fuhr die Fähre immer noch an einem Hochseil, bekam aber einen elektrischen Antrieb, der dann später auf Diesel umgestellt wurde. Ab 1963[4]:83 wurde die erste eisernen Fähre dann durch eine neue ersetzt, mit der auch die Hochseile verschwanden.

Endgültig stillgelegt wurde die Fährverbindung im Jahre 1999.[5] Nach einem Zwischenstopp auf dem Rhein wurde die Fähre umgebaut und bringt jetzt unter dem Namen „Sottje II“ Urlauber auf den Campingplatz der Elbinsel Lühesand.[6]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

  • 1961: 598 evangelische (= 14,25 %), 3529 katholische (= 84,10 %) Einwohner
Klein-Krotzenburg: Einwohnerzahlen von 1829 bis 1970
Jahr  Einwohner
1829
  
860
1834
  
921
1840
  
1.045
1846
  
1.123
1852
  
1.067
1858
  
1.204
1864
  
1.216
1871
  
1.475
1875
  
1.661
1885
  
1.742
1895
  
1.944
1905
  
2.188
1910
  
2.325
1925
  
2.453
1939
  
2.777
1946
  
3.396
1950
  
3.768
1956
  
4.118
1961
  
4.196
1967
  
4.657
1970
  
5.096
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]

PolitikBearbeiten

WappenBearbeiten

Im November 1950 wurde der Gemeinde Klein-Krotzenburg durch das Hessische Staatsministerium das Recht zur Führung eines Wappens verliehen.[7]

FlaggeBearbeiten

Die Flagge wurde am 16. Januar 1954 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.

Flaggenbeschreibung: „Auf der weißen Mittelbahn des rot-weiß-roten Flaggentuches das Wappen der Gemeinde Klein-Krotzenburg.“[8]

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

VereineBearbeiten

  • Internationale Motorrad-Grasbahnrennen des MSC Klein-Krotzenburg um den Goldenen Fasan des Maintals
  • Fußball der SG Germania Klein Krotzenburg 1915 e. V.[9] (Gruppenliga Frankfurt Ost)

VerkehrBearbeiten

StraßenverkehrBearbeiten

Durch den Ort führt die Landesstraße L 3065.

Im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) wirkt die Kreis-Verkehrs-Gesellschaft Offenbach (KVG) als Lokale Nahverkehrsgesellschaft und Aufgabenträger im Rhein-Main-Verkehrsverbund.

RadfernwegeBearbeiten

Der Deutsche Limes-Radweg führt durch den Ort. Dieser folgt dem Obergermanisch-Raetischen Limes über 818 km von Bad Hönningen am Rhein nach Regensburg an der Donau.

Am linken Mainufer verlaufen der Main-Radweg und die D-Route 5 (Saar-Mosel-Main) über 1021 km von Saarbrücken über Trier, Koblenz, Mainz, Frankfurt am Main, Würzburg und Bayreuth bis zur tschechischen Grenze.

LiteraturBearbeiten

  • Barbara Demandt: Die mittelalterliche Kirchenorganisation in Hessen südlich des Mains = Schriften des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde 29 (1966), S. 124.
  • Wilhelm Müller: Hessisches Ortsnamenbuch. Band 1: Starkenburg. 1937, S. 392–394.
  • Hans Georg Ruppel (Bearb.): Historisches Ortsverzeichnis für das Gebiet des ehem. Großherzogtums und Volksstaats Hessen mit Nachweis der Kreis- und Gerichtszugehörigkeit von 1820 bis zu den Veränderungen im Zuge der kommunalen Gebietsreform = Darmstädter Archivschriften 2. 1976, S. 128.
  • Georg Schäfer u. a.: Kreis Offenbach = Teilband von: Rudolf Adamy: Die Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen. 1885, S. 97–102.
  • Dagmar Söder: Kulturdenkmäler in Hessen. Kreis Offenbach = Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. 1987, S. 154–163.
  • Literatur über Klein-Krotzenburg in der Hessischen Bibliographie

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Klein-Krotzenburg, Landkreis Offenbach. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 24. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Hainburg.de: Daten & Statistik (Memento vom 10. März 2014 im Internet Archive), abgerufen am 5. Februar 2015
  3. Der Hessische Minister des Inneren: Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Offenbach (GVBl. II 330-33) vom 26. Juni 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 22, S. 316–318, § 3 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,5 MB]).
  4. a b c d Eddi Daus: Unsere Heimat am Main. 1993.
  5. Wagenfähren am Main Abgerufen am 9. März 2013
  6. Elbinsel Lühesand Abgerufen am 6. Januar 2018
  7. Der Hessische Minister des Inneren: Verleihung des Rechts zur Führung eines Wappens an die Gemeinde Klein-Krotzenburg im Landkreis Offenbach a. M. vom 25. November 1950. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1950 Nr. 50, S. 521, Punkt 952 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,3 MB]).
  8. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung einer Flagge der Gemeinde Klein-Krotzenburg im Landkreis Offenbach, Regierungsbezirk Darmstadt vom 16. Januar 1954. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1954 Nr. 5, S. 68, Punkt 73 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 4,2 MB]).
  9. Website des SG Germania Klein Krotzenburg 1915 e. V