Hauptmenü öffnen

Abt

Vorsteher einer Abtei und kirchliches Amt
Der Zisterzienserabt Thomas Schoen von Bornem (Belgien) (1903): über dem Habit die Chorkleidung des Prälaten, bestehend aus der Mozetta mit Brustkreuz, an der Hand den Abtsring mit dem Amethysten. Im Hintergrund sein Abtswappen und die Pontifikalien Krummstab und Mitra

Abt (von spätlat. abbas, aus aram. abba „Vater“, aus hebr. ab) ist ein dem Vorsteher eines Klosters verliehener Titel. Ursprünglich war das Wort Abba („Vater“), eine im weiteren Sinn für jeden Mönch gebrauchte ehrenvolle Anrede, seit dem 5./6. Jahrhundert war die Bezeichnung Abt jedoch dem Oberen vorbehalten. Die weibliche Entsprechung ist die Äbtissin. Das Amt, die Amtszeit oder die Würde eines Abtes wird auch als Abbatiat, ein von einem Abt oder einer Äbtissin geleitetes Kloster meist als Abtei bezeichnet.

Vor allem monastische Orden in der katholischen Kirche wie die Benediktiner und Zisterzienser haben Äbte beziehungsweise Äbtissinnen. Auch Augustiner-Chorherren und die Prämonstratenserchorherren kennen sowohl Äbte als auch Pröpste.

Die Entsprechung des Amtes eines Abtes in den orthodoxen Kirchen oder im byzantinischen Ritus ist Hegumen bzw. Archimandrit.

Inhaltsverzeichnis

WahlBearbeiten

 
Maria Magdalena Kollefrath, von 1880 bis 1909 Äbtissin der Zisterzienserinnenabtei Lichtenthal, im Habit mit Kukulle, Krummstab und Brustkreuz

Äbte werden in der Regel auf unbestimmte Zeit gewählt; seit einiger Zeit ist in manchen Kongregationen jedoch eine auf zwölf oder wenigstens sechs Jahre begrenzte Amtszeit festgelegt. Die Konstitutionen der einzelnen Orden sehen oft auch einen Amtsverzicht zum 70. oder 75. Lebensjahr vor. Eine Verlängerung der Amtszeit ist jedoch unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Ungeachtet dessen hat der Inhaber des Amtes jederzeit auch die Möglichkeit der Resignation, das heißt, des Amtsverzichtes.

Der Abt wird von allen stimmberechtigten Professen des Klosters gewählt. Wählbar sind in den Mönchsorden, die als klerikale Verbände gelten, nur Priester; die Äbte gehören zu den Prälaten. Unabhängig davon gehören zum Kreis derer, die für das Amt als wählbar gelten, in der Regel nur Konventsmitglieder ab einem festgelegten Lebensalter, deren ewige Profess bereits mindestens eine bestimmte Anzahl von Jahren zurückliegt.

Das Ergebnis der Wahl zum Abt oder zur Äbtissin wird dem Ortsbischof und dem Apostolischen Stuhl sowie der Ordensleitung mitgeteilt. Eine Bestätigung der Wahl durch den Papst ist nur nötig, wenn der neugewählte Abt zugleich Präses seiner Kongregation ist, in den anderen Fällen bestätigt der Generalabt oder Abtpräses der Kongregation.[1] Anschließend empfängt der gewählte Abt die Abtsbenediktion und die Insignien seines Amtes, (Krummstab, Ring und Pektorale). Der Abt nimmt oft auch die Mitra entgegen.

AbtsbenediktionBearbeiten

Die Abtsbenediktion, in der kirchlichen Tradition auch Abtsweihe oder Äbtissinnenweihe genannt[2], ist die liturgische Einführung eines Abtes in seinen neues Amt und die Erteilung des feierlichen Segens für den Gewählten. Die Abtsbenediktion lehnt sich zwar liturgisch stark an eine Bischofsweihe an, ist jedoch ein Sakramentale. Die Abtsbenediktion wird in der Regel vom zuständigen Ortsbischof gespendet.[3] Sie stellt keine Beauftragung durch den Ortsbischof dar, wohl aber den kirchlichen Segen für den Dienst des gewählten Abtes in seiner Gemeinschaft und mittelbar für das ausgeübte Apostolat der Gemeinschaft in der jeweiligen Ortskirche und in der Weltkirche. In der Benediktionsfeier werden dem oder der Erwählten die Ordensregel und die Amtszeichen (Stab und Ring) überreicht, dem infulierten Abt auch die Mitra.[4] Äbtissinnen wird die Mitra seit längerer Zeit nicht mehr übergeben. Von den spanischen Äbtissinnen von Burgos und Santa María la Real de Las Huelgas, die sehr viel geistliche und weltliche Macht besaßen, ist jedoch bekannt, dass diesen bis 1873 auch die Mitra übergeben wurde, auch führten sie wie die männlichen Ordensoberen den Titel Prälat. Erhalten geblieben ist die Mitra als Insigne auch der Äbtissin in manchen ihrer Wappen.

AmtsgewaltBearbeiten

 
Wappen eines römisch-katholischen Abtes, erkennbar am Prälatenhut (galero) mit zwölf seitlich herabhängenden Quasten (fiocchi) in Ordensfarbe sowie am hinter dem Wappenschild aufgerichteten Krummstab
 
Wappen einer Äbtissin

Abteien sind grundsätzlich exemt und unterstehen damit direkt dem Heiligen Stuhl. Die Äbte üben teils väterliche Gewalt (potestas domestica), teils Jurisdiktionsgewalt aus. Diese umfasst die Verwaltung des Klostervermögens, die Leitung des Klosters und die Disziplin der Angehörigen. Bei der Veräußerung von Klostergütern müssen sie laut Kirchenrecht die Zustimmung des Rates einholen. Ebenso ist in anderen wichtigen Fragen, je nach Bestimmung des Kirchenrechtes und der Ausgestaltung in der eigenen Ordensregel, der Abtsrat anzuhören oder es muss seine Zustimmung eingeholt werden.

Äbte bei den Benediktinern, den Zisterziensern und einem Teil der Augustiner- und Prämonstratenserchorherren sind Souveräne über die Abtei und direkt dem Papst unterstellt. Im Mittelalter hatten manche Äbte als Fürstäbte auch weltliche Gewalt und Gerichtsbarkeit in den Besitzungen der Abtei. In besonderen Fällen, wie etwa bei den Zisterzienserinnen von Las Huelgas oder im italienischen San Benedetto in Conversano, hatte auch die Äbtissin eines Klosters solche quasi-bischöflichen Vollmachten und trug den Titel Prälat.

Von den wirklichen, das heißt den Regularäbten, waren früher die Säkular-, Kommendatar- und Laienäbte zu unterscheiden – diese waren Personen, die die Pfründe, also die wirtschaftlichen Einkünfte eines Klosters innehatten, ohne jedoch im Kloster zu wohnen und die Amtsgeschäfte zu führen. Der Kommendatarabt war oft ein Weltgeistlicher oder Laie, der vom jeweiligen Landesherrn ernannt wurde. Die geistliche Leitung des Klosters lag meist hauptsächlich bei einem Mönch des Klosters, der oft als Prior betitelt wurde. Schon seit der Merowingerzeit wurden im fränkischen Reich Laien mit Abteien belehnt. Der zuerst unter Karl Martell aufgetretene Brauch wurde zwar von der Kirche meist bekämpft, doch je nach politischer Macht der jeweiligen Landesherrn blieb der Kirche zeitweise nichts anderes übrig, als diese Praxis zu akzeptieren. So hatte auf Grund eines zwischen Papst Leo X. und König Franz I. von Frankreich zwischen 1515 und 1521 geschlossenen Kontrakts der König von Frankreich das Recht, 225 Abbés commendataires, also Kommendataräbte, für fast alle französischen Abteien zu ernennen. Diese bezogen Einkünfte aus einem Kloster, ohne dafür Dienst leisten zu müssen. Mit der Französischen Revolution bzw. nach der Säkularisation in Deutschland erlosch die Praxis der Vergabe dieses Titels zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

In seltenen Fällen wird der Titel und die geistliche Würde eines Abts vom Papst auch als Ehrentitel an Ordensleute verliehen, die das Amt nicht ausüben; man bezeichnet sie als Titularäbte. Diese empfangen zwar in der Regel die Abtsbenediktion, besitzen aber keine Leitungsgewalt über einen Konvent, sondern sind lediglich mit den – vor allem liturgischen – Vorrechten der Äbte ausgestattet.

Stellvertreter des AbtesBearbeiten

Der Stellvertreter eines Abtes wird Prior genannt, dessen Vertreter ist der Subprior. Prior und Subprior werden wie die anderen Offizialen vom Abt ernannt und nicht vom Konvent gewählt.

Verwandte BezeichnungenBearbeiten

  • Als Altabt bezeichnet man den früheren Abt eines Klosters, der die Leitungsaufgabe einem Nachfolger übergeben hat und den Titel des Abtes daher ehrenhalber weiterhin trägt.
  • Generalabt wird der für eine bestimmte Zeit gewählte Inhaber des obersten Leitungsamtes einiger Orden. Er hat seinen Sitz im sogenannten Generalatshaus in Rom und vertritt dort die Interessen des sowohl des männlichen als auch des weiblichen Ordenszweiges beim Heiligen Stuhl. Bei den Augustiner-Chorherren dagegen wird als Generalabt der gewählte Leiter einer Kongregation bezeichnet.
  • Der Abtprimas ist bei den Benediktinern der gewählte Repräsentant der von Leo XIII. initiierten Benediktinischen Konföderation. Auch der Konföderation der Augustiner-Chorherren steht ein Abtprimas vor. Der Abtprimas vertritt seinen Orden beim Heiligen Stuhl, hat aber keine Leitungsbefugnis wie ein Generalabt.
  • Ein Erzabt ist Vorsteher des Hauptklosters (Mutterkloster, von dem Neugründungen (Affiliationen) ausgingen) einer Kongregation des Benediktinerordens. Dieses Amt ist zuweilen verbunden mit der Funktion des Oberen einer Kongregation. Der Generalabt der Zisterzienser der strengeren Observanz (Trappisten) trägt den Titel „Erzabt von Cîteaux“ ehrenhalber.
  • Abtordinarius ist eine ältere Bezeichnung für den Abt einer Territorialabtei oder Gebietsabtei mit bistumsähnlicher Funktion. Der Abtordinarius hat die Jurisdiktionsgewalt eines Ortsbischofs, nicht aber dessen Weihegewalt. Er ist Mitglied der Bischofskonferenz des Landes. Seine Wahl muss vom Heiligen Stuhl bestätigt werden.
  • Ein Titularabt ist nur pro forma auf den Titel einer nicht mehr existenten Abtei benediziert, hat aber keine Leitungsgewalt.
  • Fürstabt
  • Ein Kommendatarabt war zu Zeiten der Merowinger und Karolinger Schutzherr einer Abtei, der nicht Geistlicher, sondern Laie war, dem aber die Einkünfte eines Klosters zuflossen.

Evangelische ÄbteBearbeiten

Im Zuge der Reformation behielten die evangelischen Äbte der reformierten Klöster zunächst die Amtsbezeichnung Abt bei. Im Laufe der Zeit setzten sich dann andere Bezeichnungen durch, so hießen die württembergischen Klostervorsteher bald nur noch Prälaten. Doch gibt es auch heute noch evangelische Konvente, deren Obere den Titel Abt bzw. Äbtissin tragen.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Pontifikale für die katholischen Bistümer des deutschen Sprachgebietes – Die Weihe des Abtes und der Äbtissin. Die Jungfrauenweihe. Pontifikale II. Handausgabe mit pastoralliturgischen Hinweisen, herausgegeben von den Liturgischen Instituten. Herder, Freiburg im Breisgau 1994, ISBN 3-451-23288-X.
  • Martina Wiech: Das Amt des Abtes im Konflikt: Studien zu den Auseinandersetzungen um Äbte früh- und hochmittelalterlicher Klöster unter besonderer Berücksichtigung des Bodenseegebiets. Schmitt, Siegburg 1999, ISBN 3-87710-206-9 (= Bonner historische Forschungen, Band 59, zugleich Dissertation an der Universität Bonn, 1999).

WeblinksBearbeiten

  Wiktionary: Abt – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  Wiktionary: Äbtissin – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Viktor Josef Dammertz: Abt, Äbtissin. II. Kirchenrechtlich. In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Auflage. Band 1. Herder, Freiburg im Breisgau 1993, Sp. 98.
  2. Pontifikale für die katholischen Bistümer des deutschen Sprachgebietes – Die Weihe des Abtes und der Äbtissin. Die Jungfrauenweihe. Pontifikale II. Handausgabe mit pastoralliturgischen Hinweisen, herausgegeben von den Liturgischen Instituten. Herder, Freiburg im Breisgau 1994, ISBN 3-451-23288-X.
  3. Pontifikale für die katholischen Bistümer des deutschen Sprachgebietes – Die Weihe des Abtes und der Äbtissin. Die Jungfrauenweihe. Pontifikale II.
  4. „Benediktion“, orden-online, eingesehen am 6. Juli 2009