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Ordensoberer

Ein Ordensoberer (auch Superior) ist der Vorsteher einer klösterlichen Gemeinschaft oder Ordenskommunität (Konvent). Den Oberen einer einzelnen Ordensniederlassung bezeichnet man als Haus- oder Ortsoberen. Die Oberen bestimmter Klöster können auch den Titel Abt oder Prior tragen. Als höhere Obere bezeichnet man u. a. Leiter einer Ordensprovinz (Provinzial oder Provinzoberer) oder einer ganzen Ordensgemeinschaft (Ordensgeneral oder Generaloberer).

Inhaltsverzeichnis

Kompetenzen, Rechte und PflichtenBearbeiten

Durch das Gelübde des Gehorsams sind Ordensleute verpflichtet, den Anweisungen ihrer rechtmäßigen Oberen in allem, was das Leben der Gemeinschaft betrifft, unter Beachtung des kirchlichen Rechts und des Eigenrechts ihres Ordensinstitutes zu folgen. Ihrerseits sind die Ordensoberen gehalten, ihr Amt als einen Dienst an der Gemeinschaft zu betrachten, deren Einheit sie zu schützen haben, und die Mitglieder durch ihr Beispiel und ihre Autorität zu einem beispielhaften Ordensleben zu ermutigen und anzuhalten.

Bestellungsverfahren und BeiräteBearbeiten

Ordensobere werden je nach ihrer Stellung und der rechtlichen Verfassung ihres Verbandes entweder von den höheren Oberen ernannt oder vom Ordenskapitel gewählt. Üblich sind auch gemischte Verfahren, die eine notwendige Bestätigung der Wahl durch einen vorgesetzten Oberen oder den Papst vorsehen oder eine durch Wahlen aufgestellte Kandidatenliste kennen, aus welcher der zu Ernennende ausgewählt wird. Höhere Obere und in größeren Niederlassungen auch Ortsobere werden in ihren Leitungsaufgaben durch einen aus mehreren gewählten oder ernannten Mitgliedern bestehenden Rat (meist Consilium, Definitorium, Ordensrat, Konvents-, Provinz- bzw. Generalrat genannt) unterstützt, dem in bestimmten Fällen gewisse Mitspracherechte zukommen.

Männliche Laien als ObereBearbeiten

In vielen römisch-katholischen Ordensgemeinschaften oder Klöstern für Männer sind die Leitungsämter Ordenspriestern vorbehalten. Analoges gilt für die Priestermönche der orthoxen Klöster. Dagegen können in Brüdergemeinschaften, denen keine oder nur wenige Priester angehören sowie mit besonderer Dispens auch in einigen franziskanischen Orden für Männer auch Ordensbrüder als Vorgesetzte von Klerikern fungieren.

Traditionsabhängige AmtsbezeichnungenBearbeiten

Die Bezeichnung der Oberen weicht in den verschiedenen Ordensgemeinschaften zum Teil voneinander ab. Allgemein spricht man von Superioren. Den Titel Abt führen die Vorsteher selbständiger monastischer Klöster im Rang einer Abtei. Auch manche Oberen selbständiger Niederlassungen bestimmter Chorherrenorden wie der Prämonstratenser und Augustiner Chorherren bezeichnen sich als Äbte,[1] generell überwiegt in Kanonikerorden aber die auch in Kanonikerstiften übliche Bezeichnung Propst.[2] Bei vielen älteren Orden ist die Bezeichnung Prior oder Priorin für den Hausoberen üblich. Die Oberen vieler franziskanischer Orden bezeichnen sich als Guardian („Hüter“) oder Minister („Diener“),[3] bei anderen Orden ist die Amtsbezeichnung Magister oder Magistra („Lehrer/-in“ oder „Meister/-in“) verbreitet. Bei den geistlichen Ritterorden ist für die Ordensoberen traditionell die Bezeichnung Meister geläufig.

Auch für das höchste Leitungsamt eines Verbandes (Generalsuperior/-in; zu deutsch etwa: „allgemeine(r) Vorsteher(in)“) gibt es abhängig von der Tradition der Gemeinschaften unterschiedliche Bezeichnungen (z. B. Generalabt, Generalminister, Generalmagister). Bei vielen Orden und Kongregationen sind aber auch unspezifische Benennungen wie General/-in oder Generaloberer/-oberin üblich. Als Abtprimas bezeichnet man den mit weniger weit reichenden Vollmachten ausgestatteten obersten Repräsentanten von nicht zentralistisch verfassten Orden, die aus selbstständigen Klosterverbänden (Kongregationen) zusammengesetzt sind.[4] Die obersten Leiter geistlicher Ritterorden werden Groß- oder Hochmeister genannt.

In den orthodoxen Kirchen bezeichnet man die mit Ordensoberen vergleichbaren Klostervorsteher je nach ihrer Stellung meist auf Griechisch als Hegumen bzw. Archimandrit.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Johanna Lanczkowski: Kleines Lexikon des Mönchtums und der Orden. VMA-Verlag, Wiesbaden 1997, ISBN 3-928-12741-1

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Prämonstratenser-Orden. Kloster Speinshart; abgerufen am 10. Februar 2017.
  2. Liste der Pröpste und Lateranensischen Äbte des Stiftes Neustift. augustiner-chorherren.org; abgerufen am 10. Februar 2017.
  3. Glossar. Deutsche Franziskanerprovinz; abgerufen am 10. Februar 2017.
  4. US-Amerikaner wird neuer Abtprimas der Benediktiner. Radio Vatikan, 10. September 2016; abgerufen am 10. Februar 2017.