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Zisterzienser der strengeren Observanz

katholischer Mönchsorden
(Weitergeleitet von Trappisten)
Trappisten (Bildmitte) in Westvleteren

Die Zisterzienser der strengeren Observanz, umgangssprachlich auch Trappisten genannt, sind ein Orden in der römisch-katholischen Kirche. Der Orden (lat. Ordo Cisterciensis strictioris observantiae, Ordenskürzel OCSO oder Ordo Cisterciensium reformatorum, Ordenskürzel OCR) entstand 1892 durch Teilung des Zisterzienserordens und steht Frauen und Männern offen. Die Schwestern des Ordens bezeichnet man auch als Trappistinnen.

Generalabt der Trappisten ist seit 2008 Eamon Fitzgerald.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

 
Armand Jean Le Bouthillier de Rancé

Armand Jean Le Bouthillier de Rancé kann nicht als Gründer der Trappisten gelten, aber er führte Reformbestrebungen fort und verbreitete sie. Er war bereits 1637 Abt im Zisterzienserkloster La Trappe. Es handelte sich um eine vom Hof an den jungen Adligen verliehene Pfründe, die nicht mit Residenzpflicht verbunden war. Nach seiner Bekehrung im Jahr 1657 durch den Tod seiner Geliebten, der Herzogin von Montbazon, begann er nach einem ordentlichen Noviziat seine klösterlichen Pflichten wahrzunehmen.[1] Grundlegend für seine Reformen war de Rancés Bewusstsein der Notwendigkeit von Buße. Im Vordergrund der Reform standen Selbstverleugnung, Demut und Askese. De Rancé lehnte, begründet mit Demut, jegliche wissenschaftlichen Studien im Kloster ab. Die Askese der Trappisten äußerte sich in strengen Schweigeregeln, harter Handarbeit, insbesondere in der Landwirtschaft, und strengen Abstinenzregeln. Um sich trotz des Silentiums verständigen zu können, verwendeten die Trappisten die traditionelle Zeichensprache der Zisterzienser.

Die Reformen de Rancés wurden von vier Männerklöstern und einem Frauenkloster übernommen. Nach dem Tod de Rancés führten die Mönche von La Trappe sein Reformwerk fort. 1790 wurde La Trappe im Zuge der Französischen Revolution aufgehoben. Augustin de Lestrange, seit 1785 Novizenmeister von La Trappe, flüchtete mit 21 Mönchen in die Schweiz. Am 1. Juni 1791 besiedelten die aus Frankreich geflohenen Mönche das verlassene Kartäuserkloster La Valsainte. 1794 veröffentlichte de Lestrange die Règlements de La Valsainte, als Lebensgewohnheiten der Mönche von Valsainte. Im gleichen Jahr bildete sich eine Kongregation von Klöstern, die die Reformen für sich übernommen hatten. So entstand der Ordo et congregatio Beatae Mariae de La Trappe.

Als französische Truppen 1798 in die Schweiz einfielen, mussten die Mönche La Valsainte verlassen. Sie durchwanderten Deutschland, Österreich, Böhmen und Polen bis nach Russland. Von dort wurden sie 1800 ausgewiesen. Die Mönche teilten sich in verschiedene Gruppen auf und gelangten nach Westfalen, Flandern, England und Amerika. Auf diesem Wege breitete sich die Reformkongregation weltweit aus. Nach dem Sturz Napoleons wurde La Trappe 1814 wiederbesiedelt. In Frankreich gründeten die Reformierten außerdem mehrere Klöster neu und besiedelten alte Zisterzienserabteien wieder. 1830 gehörten zehn Männer- und vier Frauenklöster zur Kongregation, die damals noch keinen selbständigen Orden bildete, sondern dem Generalabt der Zisterzienser unterstellt war.

1847 wurden die Reformierten von Papst Pius IX. in zwei Kongregationen aufgeteilt: Die eine befolgte die Regeln de Rancés und die andere die Regeln de Lestranges. Erst 1892, unter Papst Leo XIII., entstand ein gemeinsamer Orden beider Kongregationen, der Orden der reformierten Zisterzienser. 1902 bekam der Orden die Bezeichnung Orden der Zisterzienser von der strengeren Observanz, woraus sich die gültige Bezeichnung Zisterzienserorden der strengeren Observanz entwickelte. Im Laufe des 19. Jahrhunderts gründete der Orden auch Niederlassungen in Australien, Afrika, Palästina, im Kaiserreich China und Japan. Im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils wurden Buße und Askese im Orden gemindert.

OrdensgrößeBearbeiten

Stand 1977 zählte der Orden 4800 Mitglieder in 84 Niederlassungen und 49 Klöster mit etwa 1900 Nonnen.[2] Stand 2009 waren es weltweit 102 Klöster mit 2132 Mönchen[3] und 72 Klöster mit 1799 Nonnen[4]. Im deutschsprachigen Raum war bis 2018 das einzige Männerkloster in Deutschland die Abtei Mariawald (Eifel), gegründet 1864 und am 15. September 2018 aufgehoben. Die zwei Trappistinnenklöster in Deutschland sind die Trappistinnenabtei Maria Frieden in Dahlem (Kreis Euskirchen) und das Trappistinnenkloster Gethsemani in Dannenfels. Das Trappistenkloster in Österreich ist Stift Engelszell.

RezeptionBearbeiten

Armand Jean Le Bouthillier de Rancé wurde nie heilig- oder seliggesprochen, daher ist jede offizielle liturgische Verehrung verboten. Einige Trappistenklöster gedenken des Verstorbenen an seinem Sterbetag, dem 27. Oktober.

François-René de Chateaubriand hat 1844 mit Vie de Rancé ein literaturgeschichtlich bedeutendes Buch über de Rancé verfasst. Heute wird der Abt jedoch kritischer betrachtet: Die hohe Sterblichkeitsrate der Mönche während seiner Regierungszeit, die mangelnde theologische Bildung seiner Mitbrüder und seine unüberlegte polemische Art werden wiederholt kritisiert. Viele Mitglieder des OCSO-Zweigs lehnen es bewusst ab, sich „Trappisten“ zu nennen, weil ihnen die Gestalt von Rancé (dem Abt von la Trappe) nicht genehm ist. Andere verehren ihn heiß.

SpiritualitätBearbeiten

 
Trappist (Novize) beim privaten Gebet in seiner Zelle

Die Trappisten führen ein kontemplatives Leben mit strenger Klausur. In der Regel nehmen sie außerhalb des Ordens keine Seelsorgeaufgaben wahr. Charakteristisch für die Trappisten war eine strenge Askese, vor allem in Form von Schweigen und Buße. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurden diese asketischen Regeln jedoch vielfach gemildert. Traditionell bestimmen Gebet, Lesung und körperliche Arbeit den Tagesrhythmus der Mönche. Siebenmal am Tag versammeln sich die Mönche zum Stundengebet in der Klosterkirche oder im Oratorium.

Einen wichtigen Platz im Leben der Trappisten nimmt die Marienverehrung ein. So beginnen oder enden in den meisten Häusern die einzelnen Gebetszeiten mit der marianischen Antiphon aus dem früheren marianischen Offizium.

Ordenskleid und ProdukteBearbeiten

Der Habit der Trappisten ist vergleichbar mit jener der Zisterzienser: weißer Habit, schwarzer Schulterüberwurf (Skapulier), im Chor tragen die Professen zusätzlich die weiße Kukulle. Trappisten tragen einen ledernen Gürtel als Zingulum. Bekannt sind die Trappisten für ihre Abgeschiedenheit, ihre monastische Askese und ihre Vorliebe für körperliche Arbeit.

Manche Trappistenklöster sind durch ihre Klosterprodukte bekannt geworden, beispielsweise Konfitüre, Weihrauch, Paramentenherstellung, Liköre, Trappistenkäse oder das Trappistenbier. Der Verkauf dieser jeweiligen Produkte trägt oft wesentlich zum Unterhalt des Klosters bei.[5]

Generaläbte der Zisterzienser strengerer ObservanzBearbeiten

(Bis zur juristischen Neuordnung des Zisterzienserordens von 1892 unterstanden die Kongregationen der Reform von La Trappe dem Generalabt OCist)

Quelle: orden-online.de[7]

Generalprokuratoren der Zisterzienser strengerer ObservanzBearbeiten

  • Augustin Collins (Mount St. Bernard, UK), 1892
  • Basile Sheil (Mount St. Bernard), 1893
  • Tiburce Benoist (Sept-Fons), 1893–1894
  • Benoît Chambon (Aiguebelle), 1894–1908
  • Bonaventura Stürzer (La Trappe), 1908–1913
  • Norbert Sauvage (Chimay), 1913–1923
  • Robert Lescand (Cîteaux), 1923–1932
  • Fabien Dutter (Cîteaux), 1932–1933
  • Bernard Barbaroux (Maguzzano-Aiguebelle), 1933–1947
  • Thomas d'Aquin Gondal (Tamié-Sept-Fons), 1948–1959
  • Déodat De Wilde (Westmalle), 1959–1967
  • Vincent Hermans (Achel), 1967–1977
  • Bernard Johnson (Holy Spirit/Vina), 1977–1990
  • Armand Veilleux (Mistassini/Holy Spirit), 1990–1998
  • Augustine Roberts (Spencer/Azul), 1998–2002
  • Timothy Kelly (Gethsemani), seit 2002

Bekannte TrappistenBearbeiten

KlösterBearbeiten

 
Abtei Mariawald

Im deutschsprachigen Raum:

LiteraturBearbeiten

Zur OrdensgeschichteBearbeiten

  • Immo Eberl: Die Zisterzienser. Geschichte eines europäischen Ordens. Lizenzausgabe. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2002, ISBN 3-534-16487-3.
  • Karl Suso Frank: Geschichte des christlichen Mönchtums. 5. verbesserte und ergänzte Auflage. Primus-Verlag, Darmstadt 1996, ISBN 3-89678-500-1.
  • Karl Suso Frank: Trappisten, in: Lexikon für Theologie und Kirche³ Band 10 (2001), S. 193–195.
  • David Knowles: Geschichte des christlichen Mönchtums. Benediktiner, Zisterzienser, Kartäuser. Kindler, München 1969, (Kindlers Universitätsbibliothek 45, ZDB-ID 2387449-1).
  • Louis J. Lekai: The Cistercians. Ideals and Reality. Kent State University Press, Kent OH 1977, ISBN 0-87338-201-3.
  • Ernst Ludwig Ritsert: Der Orden der Trappisten. Heyer, Darmstadt 1833 Digitalisat.

Zur OrdensspiritualitätBearbeiten

  • Maria Magdalena Aust: La Trappe: Last und Inspiration einer Legende. Die Spiritualität der Trappisten in ihrer geschichtlichen Entwicklung. In: Edith-Stein-Jahrbuch 9, 2003, ISSN 0948-3063, S. 92–111.
  • David N. Bell: Understanding Rancé. The Spirituality of the Abbot of La Trappe in Context. Cistercian Publications, Kalamazoo MI 2005, ISBN 0-87907-105-2, (Cistercian studies series 205).
  • Henri J. M. Nouwen: Ich hörte auf die Stille. Sieben Monate im Trappistenkloster. 18. Auflage. Herder, Freiburg (Breisgau) u. a. 1999, ISBN 3-451-18023-5.
  • Bernardin Schellenberger: Die Stille atmen. Leben als Zisterzienser. Kreuzverlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-7831-2605-3.

WeblinksBearbeiten

  Wiktionary: Trappist – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  Commons: Trappists – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Christian Füller Das Schweigen der Trappisten in DIE WELT; 18. September 2018 S. 8
  2. Meyers Enz. Lexikon Bd. 23, 1978, S. 662
  3. Statistik der Männerklöster@1@2Vorlage:Toter Link/www.ocso.org (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  4. Statistik der Frauenklöster (Memento des Originals vom 27. August 2009 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ocso.org
  5. Christian Füller Das Schweigen der Trappisten in DIE WELT; 18. September 2018 S. 8, letzter Absatz
  6. Vgl. Eamon Fitzgerald neuer Generalabt der Trappisten, Orden online, 9. September 2008.
  7. Liste:Generaläbte der Trappisten, orden-online.de, 12. November 2008.
  8. Vgl. Trappistenabtei Mariawald.
  9. Vgl. Stift Engelszell.