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Umfang des LandratsbezirksBearbeiten

Der Landratsbezirk Seligenstadt setzte sich aus den folgenden ehemaligen Verwaltungseinheiten zusammen[1]:

Der Bezirk bestand aus 18 vormals mainzischen, fünf vormals hanauischen und drei ritterschaftlichen Orten. Bis auf die ritterschaftlichen Orte waren alle domanial.[2]

VerwaltungseinheitenBearbeiten

Administrative VerwaltungBearbeiten

Die Administrative Einteilung legte die Bürgermeistereien fest, welche dem Landrat unterstanden. Dabei wurden mehrere kleinere Ortschaften häufig durch eine Bürgermeisterei verwaltet. Seit 1822 konnten die hessischen Gemeinden ihre Bürgermeister selbst wählen und es wurden keine Schultheiße mehr eingesetzt. Die folgenden 25 Bürgermeistereien wurden im Landratsbezirk bestimmt[2]:

  1. Babenhausen
  2. Bieber
  3. Dietesheim
  4. Dudenhofen
  5. Froschhausen
  6. Hainhausen mit Rembrücken
  7. Hainstadt
  8. Harreshausen
  9. Hausen
  10. Hergershausen
  11. Heusenstamm
  12. Jügesheim
  13. Kleinauheim
  14. Kleinkrotzenburg
  15. Kleinsteinheim
  16. Kleinwelzheim
  17. Lämmerspiel
  18. Mainflingen
  19. Mühlheim
  20. Obertshausen
  21. Seligenstadt
  22. Sickenhofen
  23. Steinheim
  24. Weißkirchen
  25. Zellhausen

JustizverwaltungBearbeiten

Gleichzeitig mit der Bildung der Landratsbezirke wurde Landgerichte installiert, die jetzt unabhängig von der Verwaltung waren. Im Landratsbezirk Seligenstadt wurde das Landgericht Steinheim als Gericht erster Instanz geschaffen. Der Gerichtsbezirk deckte sich mit dem Landratsbezirk.

Die Grafen von Schönborn verfügten weiter über standesherrliche Rechte in der Rechtsprechung in Häusenstamm. Es bestand jedoch kein organisatorisch getrenntes Patrimonialgericht, sondern das Landgericht und der Landrat handelten diesbezüglich im Namen der Grafen von Schönborn.[2] Als Gerichtssitz wurden bewusst vom Landratssitz getrennte Orte gewählt um die Unabhängigkeit der Justiz zu betonen.

FinanzverwaltungBearbeiten

Für die Einnahmen aus Staatseigentum (den sogenannten Domanialien) gab es die Rentämter. Für die beiden Landratsbezirke Seligenstadt und Offenbach sowie für die Bürgermeistereien Dietzenbach Nieder- und Oberroden aus dem Bezirk Langen war das Rentamt Seligenstadt zuständig.[2]

Davon getrennt war die Steuerverwaltung. Für den Landratsbezirk war der Steuerbezirk Seligenstadt zuständig, der zur Obereinnehmerei Darmstadt gehörte. Der Steuerbezirk Seligenstadt war wiederum in drei Distrikteinnehmereien gegliedert die aus: 1. Babenhausen mit Dudenhofen, Harreshausen, Hergershausen, Sickenhofen und Zellhausen; 2. Seligenstadt mit Froschhausen, Hainhausen, Jügesheim, Kleinkrotzenburg, Kleinwelzheim, Mainflingen, Rembrücken und Weißkirchen; 3. Steinheim mit Bieber, Dietesheim, Hainstadt, Hausen, Heusenstamm, Kleinauheim, Kleinsteinheim, Lämmerspiel, Mühlheim und Obertshausen; bestanden.

Der Landratsbezirk gehört zum Hauptzollamt Offenbach und hatte ein Grenzzollamt I. Classe in Seligenstadt und ein Grenzzollamt II. Classe in Steinheim.

Weitere VerwaltungenBearbeiten

Die Forstverwaltung des Landratsbezirks Seligenstadt wurde vom Forst Seligenstadt wahrgenommen, der aus den fünf folgenden Forstrevieren bestand: 1. Babenhausen mit Harreshausen: 2. Dudenhofen mit Hainhausen, Hergershausen, Jügesheim und Sickenhofen; 3. Oberroden mit Dietzenbach, Eppertshausen, Messenhausen und Niederroden (alle aus dem Landratsbezirk Langen); 4. Steinheim mit Bieber, Dietesheim, Hainstadt, Hausen, Heusenstamm, Kleinauheim, Kleinkrotzenburg, Kleinsteinheim, Lämmerspiel, Mühlheim, Obertshausen, Rembrücken, Weißkirchen, Bürgel und Offenbach (die beiden Letzten aus dem Landratsbezirk Offenbach); 5. Zellhausen mit Froschhausen, Kleinwelzheim, Mainflingen und Seligenstadt.[2]

Die Kirchverwaltung im Bezirk bestand aus dem Inspektorat Seligenstadt mit den folgenden lutherischen Pfarreien: 1. Babenhausen; 2. Dudenhofen; 3. Harreshausen; 4. Sickenhofen mit Hergershausen. Die katholischen Orte des Bezirks gehörten zu den folgenden Pfarreien mit ihren Filialen: 1. Bieber; 2. Heusenstamm mit Obertshausen; 3. Kleinkrotzenburg; 4 Lämmerspiel mit Hausen; 5. Mainflingen; 6. Mühlheim mit Dietesheim; 7. Seligenstadt mit Froschhausen, Kleinwelzheim und Zellhausen; 8. Steinheim mit Hainstadt, Kleinauheim, und Kleinsteinheim; 9. Weißkirchen mit Jügesheim und Rembrücken. Die Pfarrei Weißkirchen gehört zum Dieburger Landkapitel die übrigen zum Rodgauer Landkapitel.[2]

Historische BeschreibungBearbeiten

Die „Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen“ berichtet 1829 über den Landratsbezirk Seligenstadt[2]:
Lage und Grenzen werden beschrieben als: »Der Bezirk liegt zwischen dem 49° 55′ und 50° 8′ nördlicher Breite und zwischen dem 26° 27′ und 26° 42′ östlicher Länge. Der Hof Gräfenbruch ist ganz von Gebietstheilen des Bezirks Offenbach umgeben. Die Grenzen sind gegen Norden: der Main; gegen Osten: der Main und der bairische Untermainkreis; gegen Süden: der Bezirk Dieburg; gegen Westen: die Bezirke Langen und Offenbach.« 
Die Natürliche Beschaffenheit als: »a) Oberfläche und Boden: Der Bezirk bietet großten theils große ebene Flächen dar, die nur von wenigen Anhöhen und Hügeln, wie bei Bieber, Heusenstamm, Lämmerspiel, Obertshausen, Dietesheim und Mühlheim unterbrochen werden. Es wird viel sandiger Boden gefunden, der jedoch nicht gerade unfruchtbar ist. b) Gewässer: 1) der Main; 2) die Gersprenz; 3) der Rodaubach; 4) der Bieberbach.« 
Die Bevölkerung als: »Diese beträgt 18,953 Seelen, unter diesen sind 4009 Luth., 14242 Kath., 16 Reform., und 686 Juden, die zusammen 3 Städte, 23 Dörfer, überhaupt 2909 Häuser bewohnen.«
Die Naturprodukte als: »825 Pferde, 76 Fohlen, 49 Bullen, 606 Ochsen, 4315 Kühe, 4634 Rinder, 3557 Schweine, 5262 Schaafe, 218 Ziegen. Fische finden sich im Main und in der Gersprenz. Gerste und Spelz sind die Haupt-Getreidearten; Hirse Flachs und Tabak wird in großer Menge und Güte gebaut, und sind an vielen Orten Hauptprodukte; Reys, Dickrüben, Hülsenfrüchte; Braunkohlen bei Seligenstadt; Torf daselbst und bei Froschhausen; Kalksteine bei Bieder in großer Menge; Basalte bei Dietesheim, Steinheim, Kleinsteinheim; Porphyr bei Heusenstamm in großer Quantität; Brüche von Pflaster und Mauersteinen bei Lämmerspiel.«
Gewerbe und Handel als: »Ackerbau, Viehzucht. Der Flachs und Tabaksbau giebt sehr viel Nahrung und bringt viel Geld in Umlauf; die vielen bedeutenden Steinbrüche beschäftigen viele Menschen. Die Tuchmanufakturen in Seligenstadt haben in neuern Zeiten sehr ab genommen. Auch in Mühlheim sind Tuchmacher. In Seligenstadt sind auch einige Roth- und Weißgerbereien. Die Strumpfweber in Seligenstadt, Kleinkrotzenburg, Froschhausen, Mainflingen arbeiten hauptsächlich für die Hanauer Fabriken. In Babenhausen ist eine Leimfabrik, in Mühlheim eine Fabrik in gestrickten Wollwaaren, so wie auch einige Seidenstrumpfweber daselbst sind. Nicht unbedeutend ist die Kupferdruckerschwärze Fabrik in Seligenstadt. Mehrere Orte treiben Fischerei, Schiffahrt und Holzhandel. Flachs, Tabak und Steine sind die Hauptausfuhr-Artikel. Die Chaussee von Frankfurt nach Baiern geht durch die Orte Bieber, Froschhausen und Seligenstadt.«

AuflösungBearbeiten

Im Rahmen der Verwaltungsreform 1832 wurden die Landratsbezirke zu Landkreisen zusammengefasst. Der Landratsbezirk Seligenstadt ging dabei in dem neuen Kreis Offenbach auf.[3]

LandräteBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. großherzogliche Verordnung „Die Eintheilung des Landes in Landraths- und Landgerichtsbezirke betreffend“ vom 14. Juli 1821; in: Hess. Reg. Bl. 1821, Nr. 33, S. 405 (Online bei google books)
  2. a b c d e f g Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg. Band 1. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt Oktober 1829, S. 219 ff. (Online bei Google Books).
  3. Edikt vom 6. Juni 1832; in: Regierungsblatt des Großherzogtums Hessen 1832 S. 365 ff